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Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

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Der Spezereyen und Materialien
[Spaltenumbruch] Tugenden zugeschrieben: allein, weil
dieser Stein nicht aus der Ferne kommt,
deshalben wird er nicht so hoch geach-
tet, als wie der orientalische Bezoar.

Ochsenhertz-
creutz.

Man findet gleichfals bisweilen in
dem Hertzen der Ochsen einen Knor-
pel, als wie im Hirsche; demselben hat
man den Namen Ochsenhertzcreutz ge-
geben, und wird manchmahl an statt
des Hirschhertzcreutzes in der Artzney
gebraucht, wiewohl es ein wenig ziem-
lich ungereimt herauskommt.

[Ende Spaltensatz]
Beinschwartz.

Die Ochsenbeine werden verbrannt,
und eine Gattung Schwartz daraus be-
reitet, welches nach dem es zarte gerie-
ben worden, dasjenige ist, was wir Bein-
schwartz zu nennen pflegen. Es muß
aber zarte, gläntzend und wohl gerieben
seyn, sich auch alsbald zerdrücken lassen:
man braucht es zum mahlen.

Aus den Knorpeln und Nerven der
Ochsen, welche gantz und gar im Was-
ser zerkochet worden, wird Leim ge-
macht, welcher in Formen geschüttet,
zu Blättern geschnitten, und getruck-
net wird: wenn er trucken worden,
wird er Ochsenleim genennet, dessen wir
in Franckreich keine geringe Menge
vertreiben, insonderheit, wenn er in
England und Franckreich bereitet
worden ist.

Englischer
Leim.

Der Englische Leim soll gut gekocht
und wohl getrocknet, auch hell und
durchsichtig, braunroth, und nicht voll
Sand oder sonst häßlich seyn, so muß er
sich auch stracks mit der Faust zerschla-
gen lassen: er muß ingleichen fein dichte
und so sauber seyn, als immer möglich.
Dagegen soll man den verwerffen, wel-
cher, wenn er zergangen, über alle mas-
sen stincket, desgleichen alle diejenigen
Sorten Leim, die zu Paris und dahe-
rum gemachet worden, denn sie nicht
halb so hoch von denen Handwercksleu-
ten geachtet werden, als wie derjenige
Leim, den wir aus England bekom-
men.

Flandrischer

Der Flandrische Leim soll gleicherge-
[Spaltenumbruch] stalt trucken und wohl gekocht seyn, klarLeim. Etliche
gebrauchen
zur Berei-
tung dieses
Leimes die
Abschnitzlein
von Elend-
und Hirsch-
häuten, nie-
mahls aber
von Schaf-
fellen.

und durchscheinend, roth und auf braun
sich ziehend, denn der gar zu roth ist,
wird nicht für so gut gehalten; ob es
gleich scheinet, als wäre er besser zu ver-
kauffen; alldieweil er nicht so gut ge-
kochet ist. Diesen Leim brauchen die
Hutmacher, und verbrauchen mehr
von diesem, als vom Englischen. Er
dienet auch zu den Wasserfarben.

Die Herren der Frantzösischen Ost-
indischen Compagnie senden uns, inson-
derheit nach Rouan, eine überaus
grosse Menge Ochsenhäute aus Bar-Ochsenhäute
aus der Bar-
barey.

barey, mit denen die Kauffleute zu be-
meldten Rouan einen trefflich starcken
Handel treiben. Zu Paris aber ver-
kauffen wir ihrer gar wenig. Der meiste
Theil dererselben kömmt von Senega,
mit dem Gummi und Goldstaube: al-
lein, wenn es der Compagnie nicht um
die Häute zu thun wäre, derentwegen
sie auch dahin ziehen, würden sie sich
wohl nicht die Mühe nehmen, das
Gummi von dar nach Franckreich zu
führen.

Weil nun die Spezereyhändler de-
nen Gerbern wohl drey Jahr lang
borgen müssen; und aber einer nicht
bezahlen könte, oder verstürbe, so stehet
ihnen frey, desselben Gruben eröffnen
zu lassen, und ihre Waaren wiederum
zurück zu nehmen.

Wir mögen auch allerhand Leder
verkauffen; darunter das beste ist, wel-
ches am Schnitt gantz weiß, und dabey
aufrichtig Hungarisch Gut ist, wel-Hungarisch
Leder.

ches auch weit besser ist, als das in
Franckreich bereitet wird: ingleichen
Englische Kalbfelle und andere Felle
ohne Haar, die wir von diesen und je-
nen Orten kommen lassen; wie nicht
weniger Haar und Flocken, bereitet
und unbereitet.

Uber alle diese Waaren, welche von
Ochsen genommen werden, verkauffen
wir auch noch gar viel Unschlit, das
wir aus Jrrland bringen lassen, und
wenn es gebührend beschaffen seyn soll,
frisch und weiß seyn muß.

[Ende Spaltensatz]
Das eilffte Capitel.
Vom Widder.
[Beginn Spaltensatz] Siehe Fig. 345.

DEr Widder oder Hammel ist ein
Thier, von dem nicht weniger dem
[Spaltenumbruch] Menschen nöthige Dinge genommen
werden, denn vom Ochsen: doch, was

am

Der Spezereyen und Materialien
[Spaltenumbruch] Tugenden zugeſchrieben: allein, weil
dieſer Stein nicht aus der Ferne kommt,
deshalben wird er nicht ſo hoch geach-
tet, als wie der orientaliſche Bezoar.

Ochſenhertz-
creutz.

Man findet gleichfals bisweilen in
dem Hertzen der Ochſen einen Knor-
pel, als wie im Hirſche; demſelben hat
man den Namen Ochſenhertzcreutz ge-
geben, und wird manchmahl an ſtatt
des Hirſchhertzcreutzes in der Artzney
gebraucht, wiewohl es ein wenig ziem-
lich ungereimt herauskommt.

[Ende Spaltensatz]
Beinſchwartz.

Die Ochſenbeine werden verbrannt,
und eine Gattung Schwartz daraus be-
reitet, welches nach dem es zarte gerie-
ben woꝛden, dasjenige iſt, was wir Bein-
ſchwartz zu nennen pflegen. Es muß
aber zarte, glaͤntzend und wohl gerieben
ſeyn, ſich auch alsbald zerdruͤcken laſſen:
man braucht es zum mahlen.

Aus den Knorpeln und Nerven der
Ochſen, welche gantz und gar im Waſ-
ſer zerkochet worden, wird Leim ge-
macht, welcher in Formen geſchuͤttet,
zu Blaͤttern geſchnitten, und getruck-
net wird: wenn er trucken worden,
wird er Ochſenleim genennet, deſſen wir
in Franckreich keine geringe Menge
vertreiben, inſonderheit, wenn er in
England und Franckreich bereitet
worden iſt.

Engliſcher
Leim.

Der Engliſche Leim ſoll gut gekocht
und wohl getrocknet, auch hell und
durchſichtig, braunroth, und nicht voll
Sand oder ſonſt haͤßlich ſeyn, ſo muß er
ſich auch ſtracks mit der Fauſt zerſchla-
gen laſſen: er muß ingleichen fein dichte
und ſo ſauber ſeyn, als immer moͤglich.
Dagegen ſoll man den verwerffen, wel-
cher, wenn er zergangen, uͤber alle maſ-
ſen ſtincket, desgleichen alle diejenigen
Sorten Leim, die zu Paris und dahe-
rum gemachet worden, denn ſie nicht
halb ſo hoch von denen Handwercksleu-
ten geachtet werden, als wie derjenige
Leim, den wir aus England bekom-
men.

Flandriſcher

Der Flandriſche Leim ſoll gleicherge-
[Spaltenumbruch] ſtalt trucken und wohl gekocht ſeyn, klarLeim. Etliche
gebrauchen
zur Berei-
tung dieſes
Leimes die
Abſchnitzlein
von Elend-
und Hirſch-
haͤuten, nie-
mahls aber
von Schaf-
fellen.

und durchſcheinend, roth und auf braun
ſich ziehend, denn der gar zu roth iſt,
wird nicht fuͤr ſo gut gehalten; ob es
gleich ſcheinet, als waͤre er beſſer zu ver-
kauffen; alldieweil er nicht ſo gut ge-
kochet iſt. Dieſen Leim brauchen die
Hutmacher, und verbrauchen mehr
von dieſem, als vom Engliſchen. Er
dienet auch zu den Waſſerfarben.

Die Herren der Frantzoͤſiſchen Oſt-
indiſchen Compagnie ſenden uns, inſon-
derheit nach Rouan, eine uͤberaus
groſſe Menge Ochſenhaͤute aus Bar-Ochſenhaͤute
aus der Bar-
barey.

barey, mit denen die Kauffleute zu be-
meldten Rouan einen trefflich ſtarcken
Handel treiben. Zu Paris aber ver-
kauffen wir ihrer gar wenig. Der meiſte
Theil dererſelben koͤmmt von Senega,
mit dem Gummi und Goldſtaube: al-
lein, wenn es der Compagnie nicht um
die Haͤute zu thun waͤre, derentwegen
ſie auch dahin ziehen, wuͤrden ſie ſich
wohl nicht die Muͤhe nehmen, das
Gummi von dar nach Franckreich zu
fuͤhren.

Weil nun die Spezereyhaͤndler de-
nen Gerbern wohl drey Jahr lang
borgen muͤſſen; und aber einer nicht
bezahlen koͤnte, oder verſtuͤrbe, ſo ſtehet
ihnen frey, deſſelben Gruben eroͤffnen
zu laſſen, und ihre Waaren wiederum
zuruͤck zu nehmen.

Wir moͤgen auch allerhand Leder
verkauffen; darunter das beſte iſt, wel-
ches am Schnitt gantz weiß, und dabey
aufrichtig Hungariſch Gut iſt, wel-Hungariſch
Leder.

ches auch weit beſſer iſt, als das in
Franckreich bereitet wird: ingleichen
Engliſche Kalbfelle und andere Felle
ohne Haar, die wir von dieſen und je-
nen Orten kommen laſſen; wie nicht
weniger Haar und Flocken, bereitet
und unbereitet.

Uber alle dieſe Waaren, welche von
Ochſen genommen werden, verkauffen
wir auch noch gar viel Unſchlit, das
wir aus Jrrland bringen laſſen, und
wenn es gebuͤhrend beſchaffen ſeyn ſoll,
friſch und weiß ſeyn muß.

[Ende Spaltensatz]
Das eilffte Capitel.
Vom Widder.
[Beginn Spaltensatz] Siehe Fig. 345.

DEr Widder oder Hammel iſt ein
Thier, von dem nicht weniger dem
[Spaltenumbruch] Menſchen noͤthige Dinge genommen
werden, denn vom Ochſen: doch, was

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[0390] Der Spezereyen und Materialien Tugenden zugeſchrieben: allein, weil dieſer Stein nicht aus der Ferne kommt, deshalben wird er nicht ſo hoch geach- tet, als wie der orientaliſche Bezoar. Man findet gleichfals bisweilen in dem Hertzen der Ochſen einen Knor- pel, als wie im Hirſche; demſelben hat man den Namen Ochſenhertzcreutz ge- geben, und wird manchmahl an ſtatt des Hirſchhertzcreutzes in der Artzney gebraucht, wiewohl es ein wenig ziem- lich ungereimt herauskommt. Beinſchwartz. Die Ochſenbeine werden verbrannt, und eine Gattung Schwartz daraus be- reitet, welches nach dem es zarte gerie- ben woꝛden, dasjenige iſt, was wir Bein- ſchwartz zu nennen pflegen. Es muß aber zarte, glaͤntzend und wohl gerieben ſeyn, ſich auch alsbald zerdruͤcken laſſen: man braucht es zum mahlen. Aus den Knorpeln und Nerven der Ochſen, welche gantz und gar im Waſ- ſer zerkochet worden, wird Leim ge- macht, welcher in Formen geſchuͤttet, zu Blaͤttern geſchnitten, und getruck- net wird: wenn er trucken worden, wird er Ochſenleim genennet, deſſen wir in Franckreich keine geringe Menge vertreiben, inſonderheit, wenn er in England und Franckreich bereitet worden iſt. Der Engliſche Leim ſoll gut gekocht und wohl getrocknet, auch hell und durchſichtig, braunroth, und nicht voll Sand oder ſonſt haͤßlich ſeyn, ſo muß er ſich auch ſtracks mit der Fauſt zerſchla- gen laſſen: er muß ingleichen fein dichte und ſo ſauber ſeyn, als immer moͤglich. Dagegen ſoll man den verwerffen, wel- cher, wenn er zergangen, uͤber alle maſ- ſen ſtincket, desgleichen alle diejenigen Sorten Leim, die zu Paris und dahe- rum gemachet worden, denn ſie nicht halb ſo hoch von denen Handwercksleu- ten geachtet werden, als wie derjenige Leim, den wir aus England bekom- men. Der Flandriſche Leim ſoll gleicherge- ſtalt trucken und wohl gekocht ſeyn, klar und durchſcheinend, roth und auf braun ſich ziehend, denn der gar zu roth iſt, wird nicht fuͤr ſo gut gehalten; ob es gleich ſcheinet, als waͤre er beſſer zu ver- kauffen; alldieweil er nicht ſo gut ge- kochet iſt. Dieſen Leim brauchen die Hutmacher, und verbrauchen mehr von dieſem, als vom Engliſchen. Er dienet auch zu den Waſſerfarben. Leim. Etliche gebrauchen zur Berei- tung dieſes Leimes die Abſchnitzlein von Elend- und Hirſch- haͤuten, nie- mahls aber von Schaf- fellen. Die Herren der Frantzoͤſiſchen Oſt- indiſchen Compagnie ſenden uns, inſon- derheit nach Rouan, eine uͤberaus groſſe Menge Ochſenhaͤute aus Bar- barey, mit denen die Kauffleute zu be- meldten Rouan einen trefflich ſtarcken Handel treiben. Zu Paris aber ver- kauffen wir ihrer gar wenig. Der meiſte Theil dererſelben koͤmmt von Senega, mit dem Gummi und Goldſtaube: al- lein, wenn es der Compagnie nicht um die Haͤute zu thun waͤre, derentwegen ſie auch dahin ziehen, wuͤrden ſie ſich wohl nicht die Muͤhe nehmen, das Gummi von dar nach Franckreich zu fuͤhren. Ochſenhaͤute aus der Bar- barey. Weil nun die Spezereyhaͤndler de- nen Gerbern wohl drey Jahr lang borgen muͤſſen; und aber einer nicht bezahlen koͤnte, oder verſtuͤrbe, ſo ſtehet ihnen frey, deſſelben Gruben eroͤffnen zu laſſen, und ihre Waaren wiederum zuruͤck zu nehmen. Wir moͤgen auch allerhand Leder verkauffen; darunter das beſte iſt, wel- ches am Schnitt gantz weiß, und dabey aufrichtig Hungariſch Gut iſt, wel- ches auch weit beſſer iſt, als das in Franckreich bereitet wird: ingleichen Engliſche Kalbfelle und andere Felle ohne Haar, die wir von dieſen und je- nen Orten kommen laſſen; wie nicht weniger Haar und Flocken, bereitet und unbereitet. Hungariſch Leder. Uber alle dieſe Waaren, welche von Ochſen genommen werden, verkauffen wir auch noch gar viel Unſchlit, das wir aus Jrrland bringen laſſen, und wenn es gebuͤhrend beſchaffen ſeyn ſoll, friſch und weiß ſeyn muß. Das eilffte Capitel. Vom Widder. DEr Widder oder Hammel iſt ein Thier, von dem nicht weniger dem Menſchen noͤthige Dinge genommen werden, denn vom Ochſen: doch, was am

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Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/390>, abgerufen am 22.08.2019.