Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 1. München, 1830.

Bild:
<< vorherige Seite

Heute erhielt ich mit großer Freude einen langen
Brief von Dir .......................
................................
............... *)

Es freut mich, daß Du L ....'s Scherze nicht
mißdeutest, und ihn nicht mit Frömmel für einen
Gottlosen hällst. Er macht sich wohl zuförderst, nur
über den Köhlerglauben jener Menschen lustig, die
sich von dem Unaussprechlichen, dem Wesen aller
Dinge, das wir nur ahnen, nicht begreifen können,
ein sonderbares Mittelding von menschlichem Herren,
Schulmeister und dienendem Schutzgeiste bilden, sich
stets am Kinder-Gängelbande von ihm geleitet glau-
ben, und Alles was sie sehen und hören, und sie
irgend angeht, immer für eine, blos auf ihre We-
nigkeit sich beziehende, Handlung Gottes halten;
wenn sie aber gar, z. B. ins Wasser fallen oder das
große Loos gewinnen, dann Gottes Finger un-
widersprechlich
darin erkennen, und wenn sie
einer Gefahr entgehen, Gott so dafür danken, als
habe eine fremde Kraft die Gefahr, Gott aber nur
wie ein sorgsam herbeieilender Wächter, durch schnel-
les Eingreifen die Errettung gebracht. Sie möchten
doch bedenken, daß von wo die Rettung kömmt,

*) Diese und ähnliche Stellen sind ausgelassen, da sie
sich blos auf Familien-Verhältnisse beziehen, und gar
kein Interesse für die Leser haben können.
A. d. H.
7*

Heute erhielt ich mit großer Freude einen langen
Brief von Dir .......................
................................
............... *)

Es freut mich, daß Du L ....’s Scherze nicht
mißdeuteſt, und ihn nicht mit Frömmel für einen
Gottloſen hällſt. Er macht ſich wohl zuförderſt, nur
über den Köhlerglauben jener Menſchen luſtig, die
ſich von dem Unausſprechlichen, dem Weſen aller
Dinge, das wir nur ahnen, nicht begreifen können,
ein ſonderbares Mittelding von menſchlichem Herren,
Schulmeiſter und dienendem Schutzgeiſte bilden, ſich
ſtets am Kinder-Gängelbande von ihm geleitet glau-
ben, und Alles was ſie ſehen und hören, und ſie
irgend angeht, immer für eine, blos auf ihre We-
nigkeit ſich beziehende, Handlung Gottes halten;
wenn ſie aber gar, z. B. ins Waſſer fallen oder das
große Loos gewinnen, dann Gottes Finger un-
widerſprechlich
darin erkennen, und wenn ſie
einer Gefahr entgehen, Gott ſo dafür danken, als
habe eine fremde Kraft die Gefahr, Gott aber nur
wie ein ſorgſam herbeieilender Wächter, durch ſchnel-
les Eingreifen die Errettung gebracht. Sie möchten
doch bedenken, daß von wo die Rettung kömmt,

*) Dieſe und ähnliche Stellen ſind ausgelaſſen, da ſie
ſich blos auf Familien-Verhältniſſe beziehen, und gar
kein Intereſſe für die Leſer haben können.
A. d. H.
7*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0123" n="99"/>
        <div n="2">
          <opener>
            <dateline> <hi rendition="#et">Den 25&#x017F;ten.</hi> </dateline>
          </opener><lb/>
          <p>Heute erhielt ich mit großer Freude einen langen<lb/>
Brief von Dir .......................<lb/>
................................<lb/>
............... <note place="foot" n="*)">Die&#x017F;e und ähnliche Stellen &#x017F;ind ausgela&#x017F;&#x017F;en, da &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;ich blos auf Familien-Verhältni&#x017F;&#x017F;e beziehen, und gar<lb/>
kein Intere&#x017F;&#x017F;e für die Le&#x017F;er haben können.<lb/><hi rendition="#et">A. d. H.</hi></note></p><lb/>
          <p>Es freut mich, daß Du L ....&#x2019;s Scherze nicht<lb/>
mißdeute&#x017F;t, und ihn nicht mit Frömmel für einen<lb/>
Gottlo&#x017F;en häll&#x017F;t. Er macht &#x017F;ich wohl zuförder&#x017F;t, nur<lb/>
über den Köhlerglauben jener Men&#x017F;chen lu&#x017F;tig, die<lb/>
&#x017F;ich von dem Unaus&#x017F;prechlichen, dem We&#x017F;en aller<lb/>
Dinge, das wir nur ahnen, nicht begreifen können,<lb/>
ein &#x017F;onderbares Mittelding von men&#x017F;chlichem Herren,<lb/>
Schulmei&#x017F;ter und dienendem Schutzgei&#x017F;te bilden, &#x017F;ich<lb/>
&#x017F;tets am Kinder-Gängelbande von ihm geleitet glau-<lb/>
ben, und Alles was &#x017F;ie &#x017F;ehen und hören, und &#x017F;ie<lb/>
irgend angeht, immer für eine, blos auf ihre We-<lb/>
nigkeit &#x017F;ich beziehende, Handlung Gottes halten;<lb/>
wenn &#x017F;ie aber gar, z. B. ins Wa&#x017F;&#x017F;er fallen oder das<lb/>
große Loos gewinnen, <hi rendition="#g">dann</hi> Gottes Finger <hi rendition="#g">un-<lb/>
wider&#x017F;prechlich</hi> darin erkennen, und wenn &#x017F;ie<lb/>
einer Gefahr entgehen, Gott &#x017F;o dafür danken, als<lb/>
habe eine <hi rendition="#g">fremde</hi> Kraft die Gefahr, Gott aber nur<lb/>
wie ein &#x017F;org&#x017F;am herbeieilender Wächter, durch &#x017F;chnel-<lb/>
les Eingreifen die Errettung gebracht. Sie möchten<lb/>
doch bedenken, daß von wo die Rettung kömmt,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">7*</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[99/0123] Den 25ſten. Heute erhielt ich mit großer Freude einen langen Brief von Dir ....................... ................................ ............... *) Es freut mich, daß Du L ....’s Scherze nicht mißdeuteſt, und ihn nicht mit Frömmel für einen Gottloſen hällſt. Er macht ſich wohl zuförderſt, nur über den Köhlerglauben jener Menſchen luſtig, die ſich von dem Unausſprechlichen, dem Weſen aller Dinge, das wir nur ahnen, nicht begreifen können, ein ſonderbares Mittelding von menſchlichem Herren, Schulmeiſter und dienendem Schutzgeiſte bilden, ſich ſtets am Kinder-Gängelbande von ihm geleitet glau- ben, und Alles was ſie ſehen und hören, und ſie irgend angeht, immer für eine, blos auf ihre We- nigkeit ſich beziehende, Handlung Gottes halten; wenn ſie aber gar, z. B. ins Waſſer fallen oder das große Loos gewinnen, dann Gottes Finger un- widerſprechlich darin erkennen, und wenn ſie einer Gefahr entgehen, Gott ſo dafür danken, als habe eine fremde Kraft die Gefahr, Gott aber nur wie ein ſorgſam herbeieilender Wächter, durch ſchnel- les Eingreifen die Errettung gebracht. Sie möchten doch bedenken, daß von wo die Rettung kömmt, *) Dieſe und ähnliche Stellen ſind ausgelaſſen, da ſie ſich blos auf Familien-Verhältniſſe beziehen, und gar kein Intereſſe für die Leſer haben können. A. d. H. 7*

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe01_1830
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe01_1830/123
Zitationshilfe: Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 1. München, 1830, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe01_1830/123>, abgerufen am 20.04.2019.