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Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 2. München, 1830.

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könnte wohl die Folge davon seyn. Gewiß ist es,
und ich schrieb Dir es bereits von London, daß die-
ser Prinz Napoleon auffallend gleicht.



Die Gaite kam bei meiner heutigen Theater-In-
spection an die Reihe, und ich wage zu bekennen:
daß ich mich sehr gut dort unterhielt. Diese kleinen
Melodramen- und Possen-Theater sind jetzt, die
Franzosen mögen noch so vornehm dagegen thun,
doch ihre eigentlichen National-Bühnen, welche sogar
an dem so auffallenden Uebergang des Publikums
zur Romantik nicht ganz unschuldig seyn mögen --
denn die Menschen waren der magern Kost herz-
lich müde geworden, des ...... pathos tragique.
Qui long tems ennuya en termes magnifiques.

Neulich als ich Dir den Theaterbericht des einen
Abends schuldig blieb, geschah es deswegen, weil
ich mich im theatre francais auf eine wahrhaft
widrige Weise gelangweilt hatte. Mademoiselle Mars
spielte nicht, und ich fand den Schauplatz der einsti-
gen Größe Talma's und Fleury's, zur größten Er-
bärmlichkeit herabgesunken. Ich will Dir jetzt eine
ganz kurze Skizze beider Vorstellungen geben, von
dem National- und dem Vorstadt-Theater, und
obgleich bei dem letztern nur von einem Melodrame,

könnte wohl die Folge davon ſeyn. Gewiß iſt es,
und ich ſchrieb Dir es bereits von London, daß die-
ſer Prinz Napoleon auffallend gleicht.



Die Gaité kam bei meiner heutigen Theater-In-
ſpection an die Reihe, und ich wage zu bekennen:
daß ich mich ſehr gut dort unterhielt. Dieſe kleinen
Melodramen- und Poſſen-Theater ſind jetzt, die
Franzoſen mögen noch ſo vornehm dagegen thun,
doch ihre eigentlichen National-Bühnen, welche ſogar
an dem ſo auffallenden Uebergang des Publikums
zur Romantik nicht ganz unſchuldig ſeyn mögen —
denn die Menſchen waren der magern Koſt herz-
lich müde geworden, des ...... pathos tragique.
Qui long tems ennuya en termes magnifiques.

Neulich als ich Dir den Theaterbericht des einen
Abends ſchuldig blieb, geſchah es deswegen, weil
ich mich im théàtre français auf eine wahrhaft
widrige Weiſe gelangweilt hatte. Mademoiſelle Mars
ſpielte nicht, und ich fand den Schauplatz der einſti-
gen Größe Talma’s und Fleury’s, zur größten Er-
bärmlichkeit herabgeſunken. Ich will Dir jetzt eine
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[260[360]/0382] könnte wohl die Folge davon ſeyn. Gewiß iſt es, und ich ſchrieb Dir es bereits von London, daß die- ſer Prinz Napoleon auffallend gleicht. Den 13ten. Die Gaité kam bei meiner heutigen Theater-In- ſpection an die Reihe, und ich wage zu bekennen: daß ich mich ſehr gut dort unterhielt. Dieſe kleinen Melodramen- und Poſſen-Theater ſind jetzt, die Franzoſen mögen noch ſo vornehm dagegen thun, doch ihre eigentlichen National-Bühnen, welche ſogar an dem ſo auffallenden Uebergang des Publikums zur Romantik nicht ganz unſchuldig ſeyn mögen — denn die Menſchen waren der magern Koſt herz- lich müde geworden, des ...... pathos tragique. Qui long tems ennuya en termes magnifiques. Neulich als ich Dir den Theaterbericht des einen Abends ſchuldig blieb, geſchah es deswegen, weil ich mich im théàtre français auf eine wahrhaft widrige Weiſe gelangweilt hatte. Mademoiſelle Mars ſpielte nicht, und ich fand den Schauplatz der einſti- gen Größe Talma’s und Fleury’s, zur größten Er- bärmlichkeit herabgeſunken. Ich will Dir jetzt eine ganz kurze Skizze beider Vorſtellungen geben, von dem National- und dem Vorſtadt-Theater, und obgleich bei dem letztern nur von einem Melodrame,

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Zitationshilfe: Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 2. München, 1830, S. 260[360]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe02_1830/382>, abgerufen am 20.04.2019.