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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691.

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Des ersten Buchs
Muthwillen/ oder Unbehülfligkeit
widersetzen/ und den Weg zur Flucht
nicht gestatten wolte/ den würde er
auch vorsetzlicher Weise fortstossen/
und niederschlagen dürffen. Jm übri-
gen/ wer bey solchen Begebenheiten
etwas darvon bekömmet/ der muß
es/ als ein zufälliges Unglück/ mit
Gedult verschmertzen.

§. 23.

Wenn iemand/ ohne seine
Schuld/ in der äussersten Hun-
gers Noth
stecket/ oder keine Klei-
dung hat/ seinen nackenden Leib wi-
der die Kälte zu verwahren/ noch
auch von andern reichen und wohl-
habenden Leuten mit Bitte/ ums
Geld/ oder vor Darbietung seiner
Dienste etwas erlangen kan; Der
darff ihnen selbiges/ ohne sich hie-
durch einiger Rauberey/ oder Die-
berey schuldig zu machen/ entweder
mit Gewalt/ oder heimlich entwen-
den/ zumal wenn er den guten Vor-

satz

Des erſten Buchs
Muthwillen/ oder Unbehuͤlfligkeit
widerſetzen/ und den Weg zur Flucht
nicht geſtatten wolte/ den wuͤrde er
auch vorſetzlicher Weiſe fortſtoſſen/
und niederſchlagen duͤrffen. Jm uͤbri-
gen/ wer bey ſolchen Begebenheiten
etwas darvon bekoͤmmet/ der muß
es/ als ein zufaͤlliges Ungluͤck/ mit
Gedult verſchmertzen.

§. 23.

Wenn iemand/ ohne ſeine
Schuld/ in der aͤuſſerſten Hun-
gers Noth
ſtecket/ oder keine Klei-
dung hat/ ſeinen nackenden Leib wi-
der die Kaͤlte zu verwahren/ noch
auch von andern reichen und wohl-
habenden Leuten mit Bitte/ ums
Geld/ oder vor Darbietung ſeiner
Dienſte etwas erlangen kan; Der
darff ihnen ſelbiges/ ohne ſich hie-
durch einiger Rauberey/ oder Die-
berey ſchuldig zu machen/ entweder
mit Gewalt/ oder heimlich entwen-
den/ zumal wenn er den guten Vor-

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[166/0230] Des erſten Buchs Muthwillen/ oder Unbehuͤlfligkeit widerſetzen/ und den Weg zur Flucht nicht geſtatten wolte/ den wuͤrde er auch vorſetzlicher Weiſe fortſtoſſen/ und niederſchlagen duͤrffen. Jm uͤbri- gen/ wer bey ſolchen Begebenheiten etwas darvon bekoͤmmet/ der muß es/ als ein zufaͤlliges Ungluͤck/ mit Gedult verſchmertzen. §. 23. Wenn iemand/ ohne ſeine Schuld/ in der aͤuſſerſten Hun- gers Noth ſtecket/ oder keine Klei- dung hat/ ſeinen nackenden Leib wi- der die Kaͤlte zu verwahren/ noch auch von andern reichen und wohl- habenden Leuten mit Bitte/ ums Geld/ oder vor Darbietung ſeiner Dienſte etwas erlangen kan; Der darff ihnen ſelbiges/ ohne ſich hie- durch einiger Rauberey/ oder Die- berey ſchuldig zu machen/ entweder mit Gewalt/ oder heimlich entwen- den/ zumal wenn er den guten Vor- ſatz

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691, S. 166. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691/230>, abgerufen am 21.11.2019.