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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691.

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eilfftes Capitel.
§. 5.

Es hilffet auch zu eben diesem
Zwecke noch ferner/ wann die jenigen
Rechte und Ordnungen/ so die Un-
terthanen bey ihren täglich fürfallen-
den Geschäfften zu beobachten haben/
recht deutlich und klar vorgetragen
werden. Jedoch sollen sothaner bür-
gerlichen Gesetze auch mehr nicht
seyn/ als des Staats und der Bür-
gerschafft Bestes erfordert. Denn
es pfleget ein Mensch in seinem
Thun und Lassen viel eher seine ge-
sunde Vernunfft/ als diese Gesetze zu
rathe zu ziehen; wenn derer nun mehr
sind/ als man fast in dem Gedächtniß
behalten kan/ und in denselben etwas
verboten wird/ das ein Mensch von
Natur und aus seiner blossen Ver-
nunfft nicht wissen kan/ so folget noth-
wendig/ daß die Unterthanen öffters
bloß wegen dieser Unwissenheit ohne
einige böse Intention wider die Ge-
setze anlauffen müssen. Wodurch ih-

nen
Z
eilfftes Capitel.
§. 5.

Es hilffet auch zu eben dieſem
Zwecke noch ferner/ wann die jenigen
Rechte und Ordnungen/ ſo die Un-
terthanen bey ihren taͤglich fuͤrfallen-
den Geſchaͤfften zu beobachten haben/
recht deutlich und klar vorgetragen
werden. Jedoch ſollen ſothaner buͤr-
gerlichen Geſetze auch mehr nicht
ſeyn/ als des Staats und der Buͤr-
gerſchafft Beſtes erfordert. Denn
es pfleget ein Menſch in ſeinem
Thun und Laſſen viel eher ſeine ge-
ſunde Vernunfft/ als dieſe Geſetze zu
rathe zu ziehen; wenn derer nun mehr
ſind/ als man faſt in dem Gedaͤchtniß
behalten kan/ und in denſelben etwas
verboten wird/ das ein Menſch von
Natur und aus ſeiner bloſſen Ver-
nunfft nicht wiſſen kan/ ſo folget noth-
wendig/ daß die Unterthanen oͤffters
bloß wegen dieſer Unwiſſenheit ohne
einige boͤſe Intention wider die Ge-
ſetze anlauffen muͤſſen. Wodurch ih-

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[517/0581] eilfftes Capitel. §. 5. Es hilffet auch zu eben dieſem Zwecke noch ferner/ wann die jenigen Rechte und Ordnungen/ ſo die Un- terthanen bey ihren taͤglich fuͤrfallen- den Geſchaͤfften zu beobachten haben/ recht deutlich und klar vorgetragen werden. Jedoch ſollen ſothaner buͤr- gerlichen Geſetze auch mehr nicht ſeyn/ als des Staats und der Buͤr- gerſchafft Beſtes erfordert. Denn es pfleget ein Menſch in ſeinem Thun und Laſſen viel eher ſeine ge- ſunde Vernunfft/ als dieſe Geſetze zu rathe zu ziehen; wenn derer nun mehr ſind/ als man faſt in dem Gedaͤchtniß behalten kan/ und in denſelben etwas verboten wird/ das ein Menſch von Natur und aus ſeiner bloſſen Ver- nunfft nicht wiſſen kan/ ſo folget noth- wendig/ daß die Unterthanen oͤffters bloß wegen dieſer Unwiſſenheit ohne einige boͤſe Intention wider die Ge- ſetze anlauffen muͤſſen. Wodurch ih- nen Z

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691, S. 517. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691/581>, abgerufen am 21.11.2019.