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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881.

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Allgemeiner Charakter desselben. Temperatur. Luftdruck und Winde.
Gang der Sommerwärme an der amerikanischen Küste. Die japa-
nischen Inseln bilden aber in all diesen Dingen, wie nach ihrer Lage,
den Uebergang von Ostasien nach der Westküste Nordamerikas.

Aus dem Innern Japans liegen bis jetzt keine meteorologischen
Beobachtungen vor, doch dürften hier trotz der geringen Breiten-Aus-
dehnung der Inseln in mehreren Districten die Verhältnisse wesent-
lich anders liegen, so namentlich in den hoch gelegenen Provinzen
Shinano und Hida. Nicht sowohl die Höhenlage derselben an und
für sich, als vielmehr die hohen Randgebirge bedingen eine trockene,
heitere Luft und darum beträchtlichere Kälte während des Winters,
als im übrigen Lande, womit die Angabe der Eingeborenen im Ein-
klange steht, dass der Suwa-ko während dieser Jahreszeit sich mit
dickem Eis bedecke und über dasselbe hinweg die Anwohner mit
einander verkehren.


b. Luftdruck und Winde.

Bei der vorwiegenden Abhängigkeit des Luftdruckes von der
Temperatur lassen sich aus dem, was über letztere hervorgehoben
wurde, schon die Hauptzüge des Barometerstandes erkennen. Die
sommerliche Auflockerung der Luft ruft gegenüber dem höheren Druck
im Winter Differenzen von etwa 10 mm hervor, während dieselben
für China unter gleicher Breite nahezu doppelt so gross ausfallen.
Wie bei der Wärme, so sind auch beim Luftdruck die jährlichen
Schwankungen in Japan minder gross, als auf dem benachbarten
Festlande.

In Tokio, wo das Jahresmittel 761,6 mm beträgt (nach Knipping
berechnet es sich auf 761,1 mm), wird dasselbe in 7 Monaten über-
schritten und in den übrigen fünf (Mai, Juni, Juli, August, September)
nicht erreicht. Der höchste durchschnittliche Barometerstand fällt in
den Januar mit 764,4 mm; ein zweites Maximum weist der October
mit 764,2 mm auf, während der Juni mit 758,3 mm mit dem tiefsten
Stande erscheint. Wir erkennen daraus, dass ausser der Temperatur
noch andere Factoren, wie namentlich der Feuchtigkeitsgehalt der
Luft, sowie die Stärke und Richtung des herrschenden Luftstromes
hier, wie anderwärts, auf den Barometerstand von wesentlichem Ein-
flusse sind und die jährlichen Extreme eben so wenig in umgekehrter
Ordnung dem Maximum und Minimum der Temperatur entsprechen,
wie die täglichen.

Rein, Japan I. 9

Allgemeiner Charakter desselben. Temperatur. Luftdruck und Winde.
Gang der Sommerwärme an der amerikanischen Küste. Die japa-
nischen Inseln bilden aber in all diesen Dingen, wie nach ihrer Lage,
den Uebergang von Ostasien nach der Westküste Nordamerikas.

Aus dem Innern Japans liegen bis jetzt keine meteorologischen
Beobachtungen vor, doch dürften hier trotz der geringen Breiten-Aus-
dehnung der Inseln in mehreren Districten die Verhältnisse wesent-
lich anders liegen, so namentlich in den hoch gelegenen Provinzen
Shinano und Hida. Nicht sowohl die Höhenlage derselben an und
für sich, als vielmehr die hohen Randgebirge bedingen eine trockene,
heitere Luft und darum beträchtlichere Kälte während des Winters,
als im übrigen Lande, womit die Angabe der Eingeborenen im Ein-
klange steht, dass der Suwa-ko während dieser Jahreszeit sich mit
dickem Eis bedecke und über dasselbe hinweg die Anwohner mit
einander verkehren.


b. Luftdruck und Winde.

Bei der vorwiegenden Abhängigkeit des Luftdruckes von der
Temperatur lassen sich aus dem, was über letztere hervorgehoben
wurde, schon die Hauptzüge des Barometerstandes erkennen. Die
sommerliche Auflockerung der Luft ruft gegenüber dem höheren Druck
im Winter Differenzen von etwa 10 mm hervor, während dieselben
für China unter gleicher Breite nahezu doppelt so gross ausfallen.
Wie bei der Wärme, so sind auch beim Luftdruck die jährlichen
Schwankungen in Japan minder gross, als auf dem benachbarten
Festlande.

In Tôkio, wo das Jahresmittel 761,6 mm beträgt (nach Knipping
berechnet es sich auf 761,1 mm), wird dasselbe in 7 Monaten über-
schritten und in den übrigen fünf (Mai, Juni, Juli, August, September)
nicht erreicht. Der höchste durchschnittliche Barometerstand fällt in
den Januar mit 764,4 mm; ein zweites Maximum weist der October
mit 764,2 mm auf, während der Juni mit 758,3 mm mit dem tiefsten
Stande erscheint. Wir erkennen daraus, dass ausser der Temperatur
noch andere Factoren, wie namentlich der Feuchtigkeitsgehalt der
Luft, sowie die Stärke und Richtung des herrschenden Luftstromes
hier, wie anderwärts, auf den Barometerstand von wesentlichem Ein-
flusse sind und die jährlichen Extreme eben so wenig in umgekehrter
Ordnung dem Maximum und Minimum der Temperatur entsprechen,
wie die täglichen.

Rein, Japan I. 9
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[129/0151] Allgemeiner Charakter desselben. Temperatur. Luftdruck und Winde. Gang der Sommerwärme an der amerikanischen Küste. Die japa- nischen Inseln bilden aber in all diesen Dingen, wie nach ihrer Lage, den Uebergang von Ostasien nach der Westküste Nordamerikas. Aus dem Innern Japans liegen bis jetzt keine meteorologischen Beobachtungen vor, doch dürften hier trotz der geringen Breiten-Aus- dehnung der Inseln in mehreren Districten die Verhältnisse wesent- lich anders liegen, so namentlich in den hoch gelegenen Provinzen Shinano und Hida. Nicht sowohl die Höhenlage derselben an und für sich, als vielmehr die hohen Randgebirge bedingen eine trockene, heitere Luft und darum beträchtlichere Kälte während des Winters, als im übrigen Lande, womit die Angabe der Eingeborenen im Ein- klange steht, dass der Suwa-ko während dieser Jahreszeit sich mit dickem Eis bedecke und über dasselbe hinweg die Anwohner mit einander verkehren. b. Luftdruck und Winde. Bei der vorwiegenden Abhängigkeit des Luftdruckes von der Temperatur lassen sich aus dem, was über letztere hervorgehoben wurde, schon die Hauptzüge des Barometerstandes erkennen. Die sommerliche Auflockerung der Luft ruft gegenüber dem höheren Druck im Winter Differenzen von etwa 10 mm hervor, während dieselben für China unter gleicher Breite nahezu doppelt so gross ausfallen. Wie bei der Wärme, so sind auch beim Luftdruck die jährlichen Schwankungen in Japan minder gross, als auf dem benachbarten Festlande. In Tôkio, wo das Jahresmittel 761,6 mm beträgt (nach Knipping berechnet es sich auf 761,1 mm), wird dasselbe in 7 Monaten über- schritten und in den übrigen fünf (Mai, Juni, Juli, August, September) nicht erreicht. Der höchste durchschnittliche Barometerstand fällt in den Januar mit 764,4 mm; ein zweites Maximum weist der October mit 764,2 mm auf, während der Juni mit 758,3 mm mit dem tiefsten Stande erscheint. Wir erkennen daraus, dass ausser der Temperatur noch andere Factoren, wie namentlich der Feuchtigkeitsgehalt der Luft, sowie die Stärke und Richtung des herrschenden Luftstromes hier, wie anderwärts, auf den Barometerstand von wesentlichem Ein- flusse sind und die jährlichen Extreme eben so wenig in umgekehrter Ordnung dem Maximum und Minimum der Temperatur entsprechen, wie die täglichen. Rein, Japan I. 9

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881, S. 129. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/151>, abgerufen am 24.03.2019.