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Riemann, Johann Friedrich: Praktische Anweisung zum Teichbau. Für Förster, Oekonomen und solche Personen, die sich weniger mit Mathematik abgeben. Leipzig, 1798.

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mit Wassermörtel machen wollen. Da bleibt denn
in beiden Fällen die Striegelröschenmauer unange-
fochten, und wird bei den Reparaturen gar nicht
berührt.

§. 166.
Fluthbetten.

Fluthbetten, wilde Fluthen, Aus-
fluthen
, sind seitwärts in oder neben den Däm-
men gemachte große Oeffnungen (Ausschnitte),
durch welche bei schnellen und starken Wasserergies-
sungen, die überflüßige Menge desselben, die
man nicht nutzen kann oder will, abzieht. Eigent-
lich ist es willkührlich, ob man die Fluthbetten rechts
oder links eines Dammes legt. Jedoch wenn man
sonst keine weitern Absichten bei ihrer Anlage hat,
als den Ablauf des Wassers und Festigkeit dersel-
ben, so liegen sie auf derjenigen Seite am besten,
wo die Gesteinschichten vom Damme hinweg nach
den Widerlagen zu, fallen und streichen. Unter
diesen Umständen und Beschaffenheiten des Gestei-
nes ziehn sich die Wasser, die etwa in kleinen
Klüften durch die Sohle und die Seiten des Fluth-
bettes gehn möchten, vom Damme hinweg in die
Widerlagen, können also dem Damme keinen Nach-
theil bringen. Allein sowohl in diesen als in den-
jenigen Fällen, wo die Gesteinschichten dem Dam-
me zufallen, muß man sie dennoch nie zu nahe bei
das Ende des Dammes bringen, und wenn über-
haupt das Gestein in den Widerlagen ungünstig

fällt,

mit Waſſermoͤrtel machen wollen. Da bleibt denn
in beiden Faͤllen die Striegelroͤſchenmauer unange-
fochten, und wird bei den Reparaturen gar nicht
beruͤhrt.

§. 166.
Fluthbetten.

Fluthbetten, wilde Fluthen, Aus-
fluthen
, ſind ſeitwaͤrts in oder neben den Daͤm-
men gemachte große Oeffnungen (Ausſchnitte),
durch welche bei ſchnellen und ſtarken Waſſerergieſ-
ſungen, die uͤberfluͤßige Menge deſſelben, die
man nicht nutzen kann oder will, abzieht. Eigent-
lich iſt es willkuͤhrlich, ob man die Fluthbetten rechts
oder links eines Dammes legt. Jedoch wenn man
ſonſt keine weitern Abſichten bei ihrer Anlage hat,
als den Ablauf des Waſſers und Feſtigkeit derſel-
ben, ſo liegen ſie auf derjenigen Seite am beſten,
wo die Geſteinſchichten vom Damme hinweg nach
den Widerlagen zu, fallen und ſtreichen. Unter
dieſen Umſtaͤnden und Beſchaffenheiten des Geſtei-
nes ziehn ſich die Waſſer, die etwa in kleinen
Kluͤften durch die Sohle und die Seiten des Fluth-
bettes gehn moͤchten, vom Damme hinweg in die
Widerlagen, koͤnnen alſo dem Damme keinen Nach-
theil bringen. Allein ſowohl in dieſen als in den-
jenigen Faͤllen, wo die Geſteinſchichten dem Dam-
me zufallen, muß man ſie dennoch nie zu nahe bei
das Ende des Dammes bringen, und wenn uͤber-
haupt das Geſtein in den Widerlagen unguͤnſtig

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[359/0369] mit Waſſermoͤrtel machen wollen. Da bleibt denn in beiden Faͤllen die Striegelroͤſchenmauer unange- fochten, und wird bei den Reparaturen gar nicht beruͤhrt. §. 166. Fluthbetten. Fluthbetten, wilde Fluthen, Aus- fluthen, ſind ſeitwaͤrts in oder neben den Daͤm- men gemachte große Oeffnungen (Ausſchnitte), durch welche bei ſchnellen und ſtarken Waſſerergieſ- ſungen, die uͤberfluͤßige Menge deſſelben, die man nicht nutzen kann oder will, abzieht. Eigent- lich iſt es willkuͤhrlich, ob man die Fluthbetten rechts oder links eines Dammes legt. Jedoch wenn man ſonſt keine weitern Abſichten bei ihrer Anlage hat, als den Ablauf des Waſſers und Feſtigkeit derſel- ben, ſo liegen ſie auf derjenigen Seite am beſten, wo die Geſteinſchichten vom Damme hinweg nach den Widerlagen zu, fallen und ſtreichen. Unter dieſen Umſtaͤnden und Beſchaffenheiten des Geſtei- nes ziehn ſich die Waſſer, die etwa in kleinen Kluͤften durch die Sohle und die Seiten des Fluth- bettes gehn moͤchten, vom Damme hinweg in die Widerlagen, koͤnnen alſo dem Damme keinen Nach- theil bringen. Allein ſowohl in dieſen als in den- jenigen Faͤllen, wo die Geſteinſchichten dem Dam- me zufallen, muß man ſie dennoch nie zu nahe bei das Ende des Dammes bringen, und wenn uͤber- haupt das Geſtein in den Widerlagen unguͤnſtig faͤllt,

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Zitationshilfe: Riemann, Johann Friedrich: Praktische Anweisung zum Teichbau. Für Förster, Oekonomen und solche Personen, die sich weniger mit Mathematik abgeben. Leipzig, 1798, S. 359. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/riemann_teichbau_1798/369>, abgerufen am 14.11.2018.