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Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603.

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Vrsach dieser Schrifft.

DJeweil in obgesatzten Schrifften mehrertheils vn-
erfindliche sachen/ vnter dem schein der Warheit/
künstlich beschrieben werden/ vnd insonderheit Lu-
rianus seine Reyse Alethinus logus, das ist/ wahre Lügen
nennet/ So hab ichs nicht vnfüglich geachtet/ das ich etzliche
Paradora vnd Wunderreden hinan setzte/ die bey dem meh-
rentheil der Gelerten für wahre Historien geschrieben/ gelert
vnd gepredigt werden/ vnd dennoch im grunde der Warheit
lauter Gedicht/ oder vbel erklerete Bildnüssen sein. Dafür man
insonderheit die Jugend warnen sol/ das man sie nicht Got-
tes Wort gleich halte. Ob gleich einer oder ander dauon schrei-
ben. Denn wie Plinius selbst klagt lib. 8. cap. 22. Nullum
est tam impudens mendacium vt teste careat.
Es ist keine
Lügen so vnverschampt/ das nicht jemand dauon schriebe/
das sie wahr were. Darumb auch mein lieber Vater/ mir/
meinen Brüdern vnd Tischgeselten/ dieselben Paradoxa/ da-
heim für Argumentlein vnd Haußschrifftlein/ zur vbung der
Lateinischen Sprach vnd nothwendigen warhafften vnter-
richt vorzusagen vnd zu Dietiren pflag. Bey welcher kürtz
ichs auch in dieser Schrifft bleiben lasse. Es solte aber billig
ein Gelerter/ müssiger Mann/ sich vber solche Paradoxa li-
teratorum
machen/ vnd aus den Pandectis Gefneri, da er
solches vnd dergleichen alles beyeinander findet/ vnd aus an-
dern darzu nötigen Scribenten/ dauon für die/ so die Bücher/
oder den Bericht nicht haben/ etwas ausführliches schreiben.
Damit man solche grobe vngereimte/ falsche/ abergleubi-
sche vnd Nerrische Zoten nicht in den Schulen vnd Kirchen/
für Gottes Wort/ der Jugend ohn auffhören vorblewete.
Sondern liesse Gottes Wort/ mit Menschengedicht vnd Nar-
rentand vnverbörtelt vnd vnbesudelt. Gott bedarff vnser Lü-
gen zu seiner Warheit erklerung vnd bestetigung in keinem

wege.
Vrſach dieſer Schrifft.

DJeweil in obgeſatzten Schrifften mehrertheils vn-
erfindliche ſachen/ vnter dem ſchein der Warheit/
kuͤnſtlich beſchrieben werden/ vnd inſonderheit Lu-
rianus ſeine Reyſe Alethinus logus, das iſt/ wahre Luͤgen
nennet/ So hab ichs nicht vnfuͤglich geachtet/ das ich etzliche
Paradora vnd Wunderreden hinan ſetzte/ die bey dem meh-
rentheil der Gelerten fuͤr wahre Hiſtorien geſchrieben/ gelert
vnd gepredigt werden/ vnd dennoch im grunde der Warheit
lauter Gedicht/ oder vbel erklerete Bildnuͤſſen ſein. Dafuͤr man
inſonderheit die Jugend warnen ſol/ das man ſie nicht Got-
tes Wort gleich halte. Ob gleich einer oder ander dauon ſchrei-
ben. Denn wie Plinius ſelbſt klagt lib. 8. cap. 22. Nullum
eſt tam impudens mendacium vt teſte careat.
Es iſt keine
Luͤgen ſo vnverſchampt/ das nicht jemand dauon ſchriebe/
das ſie wahr were. Darumb auch mein lieber Vater/ mir/
meinen Bruͤdern vnd Tiſchgeſelten/ dieſelben Paradoxa/ da-
heim fuͤr Argumentlein vnd Haußſchrifftlein/ zur vbung der
Lateiniſchen Sprach vnd nothwendigen warhafften vnter-
richt vorzuſagen vnd zu Dietiren pflag. Bey welcher kuͤrtz
ichs auch in dieſer Schrifft bleiben laſſe. Es ſolte aber billig
ein Gelerter/ muͤſſiger Mann/ ſich vber ſolche Paradoxa li-
teratorum
machen/ vnd aus den Pandectis Gefneri, da er
ſolches vnd dergleichen alles beyeinander findet/ vnd aus an-
dern darzu noͤtigen Scribenten/ dauon fuͤr die/ ſo die Buͤcher/
oder den Bericht nicht haben/ etwas ausfuͤhrliches ſchreiben.
Damit man ſolche grobe vngereimte/ falſche/ abergleubi-
ſche vnd Nerriſche Zoten nicht in den Schulen vnd Kirchen/
fuͤr Gottes Wort/ der Jugend ohn auffhoͤren vorblewete.
Sondern lieſſe Gottes Wort/ mit Menſchengedicht vnd Nar-
rentand vnverboͤrtelt vnd vnbeſudelt. Gott bedarff vnſer Luͤ-
gen zu ſeiner Warheit erklerung vnd beſtetigung in keinem

wege.
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[204/0214] Vrſach dieſer Schrifft. DJeweil in obgeſatzten Schrifften mehrertheils vn- erfindliche ſachen/ vnter dem ſchein der Warheit/ kuͤnſtlich beſchrieben werden/ vnd inſonderheit Lu- rianus ſeine Reyſe Alethinus logus, das iſt/ wahre Luͤgen nennet/ So hab ichs nicht vnfuͤglich geachtet/ das ich etzliche Paradora vnd Wunderreden hinan ſetzte/ die bey dem meh- rentheil der Gelerten fuͤr wahre Hiſtorien geſchrieben/ gelert vnd gepredigt werden/ vnd dennoch im grunde der Warheit lauter Gedicht/ oder vbel erklerete Bildnuͤſſen ſein. Dafuͤr man inſonderheit die Jugend warnen ſol/ das man ſie nicht Got- tes Wort gleich halte. Ob gleich einer oder ander dauon ſchrei- ben. Denn wie Plinius ſelbſt klagt lib. 8. cap. 22. Nullum eſt tam impudens mendacium vt teſte careat. Es iſt keine Luͤgen ſo vnverſchampt/ das nicht jemand dauon ſchriebe/ das ſie wahr were. Darumb auch mein lieber Vater/ mir/ meinen Bruͤdern vnd Tiſchgeſelten/ dieſelben Paradoxa/ da- heim fuͤr Argumentlein vnd Haußſchrifftlein/ zur vbung der Lateiniſchen Sprach vnd nothwendigen warhafften vnter- richt vorzuſagen vnd zu Dietiren pflag. Bey welcher kuͤrtz ichs auch in dieſer Schrifft bleiben laſſe. Es ſolte aber billig ein Gelerter/ muͤſſiger Mann/ ſich vber ſolche Paradoxa li- teratorum machen/ vnd aus den Pandectis Gefneri, da er ſolches vnd dergleichen alles beyeinander findet/ vnd aus an- dern darzu noͤtigen Scribenten/ dauon fuͤr die/ ſo die Buͤcher/ oder den Bericht nicht haben/ etwas ausfuͤhrliches ſchreiben. Damit man ſolche grobe vngereimte/ falſche/ abergleubi- ſche vnd Nerriſche Zoten nicht in den Schulen vnd Kirchen/ fuͤr Gottes Wort/ der Jugend ohn auffhoͤren vorblewete. Sondern lieſſe Gottes Wort/ mit Menſchengedicht vnd Nar- rentand vnverboͤrtelt vnd vnbeſudelt. Gott bedarff vnſer Luͤ- gen zu ſeiner Warheit erklerung vnd beſtetigung in keinem wege.

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Zitationshilfe: Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603, S. 204. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rollenhagen_reysen_1603/214>, abgerufen am 17.11.2019.