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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. Leipzig, 1836.

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63.
Wenn du zum Ziele mich den rechten Weg willst leiten,
Zu langsam sollst du nicht, noch auch zu schnell mir schreiten.
Der Unterhaltung sei nicht unterwegs zuviel,
Damit wir nicht den Weg vergessen und das Ziel.
Kurz mache mir den Weg, und leicht und unbeschwerlich,
Nicht schwerer, um dich selbst zu machen unentbehrlich.
Denn Führer sollst du mir nicht immer wieder seyn,
Ablernen will ich dir den Weg zu gehn allein.

64.
Zur Freundschaft ists genug, des Freundes Freund zu seyn;
Den Freund des Freundes schließt der Bund darum nicht ein.
Daß du an dieser mich, ihn hältst an jener Hand,
Knüpft zwischen mir und ihm unmittelbar kein Band.
Doch deines Feindes Freund zu heißen, muß ich lassen,
Weil man nicht lieben kann, was man den Freund sieht hassen.

63.
Wenn du zum Ziele mich den rechten Weg willſt leiten,
Zu langſam ſollſt du nicht, noch auch zu ſchnell mir ſchreiten.
Der Unterhaltung ſei nicht unterwegs zuviel,
Damit wir nicht den Weg vergeſſen und das Ziel.
Kurz mache mir den Weg, und leicht und unbeſchwerlich,
Nicht ſchwerer, um dich ſelbſt zu machen unentbehrlich.
Denn Fuͤhrer ſollſt du mir nicht immer wieder ſeyn,
Ablernen will ich dir den Weg zu gehn allein.

64.
Zur Freundſchaft iſts genug, des Freundes Freund zu ſeyn;
Den Freund des Freundes ſchließt der Bund darum nicht ein.
Daß du an dieſer mich, ihn haͤltſt an jener Hand,
Knuͤpft zwiſchen mir und ihm unmittelbar kein Band.
Doch deines Feindes Freund zu heißen, muß ich laſſen,
Weil man nicht lieben kann, was man den Freund ſieht haſſen.

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[180/0190] 63. Wenn du zum Ziele mich den rechten Weg willſt leiten, Zu langſam ſollſt du nicht, noch auch zu ſchnell mir ſchreiten. Der Unterhaltung ſei nicht unterwegs zuviel, Damit wir nicht den Weg vergeſſen und das Ziel. Kurz mache mir den Weg, und leicht und unbeſchwerlich, Nicht ſchwerer, um dich ſelbſt zu machen unentbehrlich. Denn Fuͤhrer ſollſt du mir nicht immer wieder ſeyn, Ablernen will ich dir den Weg zu gehn allein. 64. Zur Freundſchaft iſts genug, des Freundes Freund zu ſeyn; Den Freund des Freundes ſchließt der Bund darum nicht ein. Daß du an dieſer mich, ihn haͤltſt an jener Hand, Knuͤpft zwiſchen mir und ihm unmittelbar kein Band. Doch deines Feindes Freund zu heißen, muß ich laſſen, Weil man nicht lieben kann, was man den Freund ſieht haſſen.

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. Leipzig, 1836, S. 180. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane01_1836/190>, abgerufen am 24.05.2018.