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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837.

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11.
Wie könnte Denken denn und Seyn verschieden seyn?
Was in dir denket, ist; dein Denken ist dein Seyn.
Seyn, das nicht Denken ist, hat nur sich selbst verloren,
Und wird im Denken erst zu sich zurück geboren.
Das ist, der die Natur verklären soll, der Geist;
Dein Leben ist, daß du in ihm lebendig seist.

12.
Sie narren dich herum, um dir in Räthselworten
Zu sagen, was du längst gehört an andern Orten.
Wo es verständlich klang, beachtetest du's nie,
Das Unverstandne nun nennst du Philosophie.

11.
Wie koͤnnte Denken denn und Seyn verſchieden ſeyn?
Was in dir denket, iſt; dein Denken iſt dein Seyn.
Seyn, das nicht Denken iſt, hat nur ſich ſelbſt verloren,
Und wird im Denken erſt zu ſich zuruͤck geboren.
Das iſt, der die Natur verklaͤren ſoll, der Geiſt;
Dein Leben iſt, daß du in ihm lebendig ſeiſt.

12.
Sie narren dich herum, um dir in Raͤthſelworten
Zu ſagen, was du laͤngſt gehoͤrt an andern Orten.
Wo es verſtaͤndlich klang, beachteteſt du's nie,
Das Unverſtandne nun nennſt du Philoſophie.

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[113/0123] 11. Wie koͤnnte Denken denn und Seyn verſchieden ſeyn? Was in dir denket, iſt; dein Denken iſt dein Seyn. Seyn, das nicht Denken iſt, hat nur ſich ſelbſt verloren, Und wird im Denken erſt zu ſich zuruͤck geboren. Das iſt, der die Natur verklaͤren ſoll, der Geiſt; Dein Leben iſt, daß du in ihm lebendig ſeiſt. 12. Sie narren dich herum, um dir in Raͤthſelworten Zu ſagen, was du laͤngſt gehoͤrt an andern Orten. Wo es verſtaͤndlich klang, beachteteſt du's nie, Das Unverſtandne nun nennſt du Philoſophie.

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837/123>, S. 113, abgerufen am 23.09.2017.