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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 6. Leipzig, 1839.

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72.
Das Gröste gehet ein ins Kleinste, und das Ganze
Ins Einzelnste; die Sonn' ist Sonn' in jedem Glanze.
Sohn, mache durchs Papier den feinsten Nadelstich,
Und sieh' hindurch, dir zeigt die ganze Sonne sich.

73.
Du sagst: Die Rose blüht, es singt die Nachtigall;
Doch siehst du hundert blühn, hörst hundertfachen Schall.
Doch alle Rosen sind in einer dir verschlungen,
Die Nachtigallen all' in einer Kehl' erklungen.
So fühlt die Poesie in sich ein Dichter ganz,
Und alle Schönheit sieht die Lieb' in Einem Glanz.

72.
Das Groͤſte gehet ein ins Kleinſte, und das Ganze
Ins Einzelnſte; die Sonn' iſt Sonn' in jedem Glanze.
Sohn, mache durchs Papier den feinſten Nadelſtich,
Und ſieh' hindurch, dir zeigt die ganze Sonne ſich.

73.
Du ſagſt: Die Roſe bluͤht, es ſingt die Nachtigall;
Doch ſiehſt du hundert bluͤhn, hoͤrſt hundertfachen Schall.
Doch alle Roſen ſind in einer dir verſchlungen,
Die Nachtigallen all' in einer Kehl' erklungen.
So fuͤhlt die Poeſie in ſich ein Dichter ganz,
Und alle Schoͤnheit ſieht die Lieb' in Einem Glanz.

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[226/0236] 72. Das Groͤſte gehet ein ins Kleinſte, und das Ganze Ins Einzelnſte; die Sonn' iſt Sonn' in jedem Glanze. Sohn, mache durchs Papier den feinſten Nadelſtich, Und ſieh' hindurch, dir zeigt die ganze Sonne ſich. 73. Du ſagſt: Die Roſe bluͤht, es ſingt die Nachtigall; Doch ſiehſt du hundert bluͤhn, hoͤrſt hundertfachen Schall. Doch alle Roſen ſind in einer dir verſchlungen, Die Nachtigallen all' in einer Kehl' erklungen. So fuͤhlt die Poeſie in ſich ein Dichter ganz, Und alle Schoͤnheit ſieht die Lieb' in Einem Glanz.

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 6. Leipzig, 1839, S. 226. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane06_1839/236>, abgerufen am 14.12.2018.