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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 6. Leipzig, 1839.

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29.
Zwei Arten gibt es wie man Sprachen lernen kann;
Gleichgültig ist der Weg, wenn man das Ziel gewann.
Der eine schwere Weg führt durch Zergliedrung gründlich,
Der andre leichtere durch Uebung schrift- und mündlich.
Und also lernet auch die Sprache der Natur
Natürlich einer und ein andrer künstlich nur.
Beglücktes Mutterkind, von Qual der Schul' entfernt,
Das mit der Muttermilch die Muttersprache lernt!

30.
Wie kann im Gegensatz der Werke der Natur
Des Menschen schwache Kunst ihr Werk aufstellen nur!
Ihn selber hat Natur als Kunstwerk aufgestellt,
Ihm Kunstwerkbildungstrieb lebendig eingesellt.
29.
Zwei Arten gibt es wie man Sprachen lernen kann;
Gleichguͤltig iſt der Weg, wenn man das Ziel gewann.
Der eine ſchwere Weg fuͤhrt durch Zergliedrung gruͤndlich,
Der andre leichtere durch Uebung ſchrift- und muͤndlich.
Und alſo lernet auch die Sprache der Natur
Natuͤrlich einer und ein andrer kuͤnſtlich nur.
Begluͤcktes Mutterkind, von Qual der Schul' entfernt,
Das mit der Muttermilch die Mutterſprache lernt!

30.
Wie kann im Gegenſatz der Werke der Natur
Des Menſchen ſchwache Kunſt ihr Werk aufſtellen nur!
Ihn ſelber hat Natur als Kunſtwerk aufgeſtellt,
Ihm Kunſtwerkbildungstrieb lebendig eingeſellt.
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[248/0258] 29. Zwei Arten gibt es wie man Sprachen lernen kann; Gleichguͤltig iſt der Weg, wenn man das Ziel gewann. Der eine ſchwere Weg fuͤhrt durch Zergliedrung gruͤndlich, Der andre leichtere durch Uebung ſchrift- und muͤndlich. Und alſo lernet auch die Sprache der Natur Natuͤrlich einer und ein andrer kuͤnſtlich nur. Begluͤcktes Mutterkind, von Qual der Schul' entfernt, Das mit der Muttermilch die Mutterſprache lernt! 30. Wie kann im Gegenſatz der Werke der Natur Des Menſchen ſchwache Kunſt ihr Werk aufſtellen nur! Ihn ſelber hat Natur als Kunſtwerk aufgeſtellt, Ihm Kunſtwerkbildungstrieb lebendig eingeſellt.

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 6. Leipzig, 1839, S. 248. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane06_1839/258>, abgerufen am 24.04.2019.