Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784.

Bild:
<< vorherige Seite

sich noch nicht hat krönen lassen. -- Die Krone ist in
Presburg, und das ist die Krönungsstadt, aber man
spricht davon, als wenn er sich in Ofen wollte krönen
lassen. Mar. Ther. ward in Presburg gekrönt.

Der liebe Hr. Hummel aus Presburg besuchte
mich auch heute. Er kam hieher auf die Messe, um
einzukaufen.

Mittags und einen grossen Theil des heutigen Tages
war ich bei Hrn. Wucherer.

Bemerkungen.

Die Lungensucht ist hier eine gewöhnliche Krank-
heit, wegen der hohen Treppen, und der grossen Entfer-
nung, in welcher einer von dem andern wohnt. Beson-
ders sterben Peruquiers und Barbiers meistentheils sehr
jung. Auch junge Aerzte, die gleich viel Praxis bekom-
men, und doch nicht Roß und Wagen halten können,
werden selten alt. Wenn einer hier zuweilen 4. Kranke
hat, so kömmt er Abends müde und abgemattet nach
Hause. Ich hatte 108. Staffeln bis zu meinem Zim-
mer zu steigen.

Die Grösse der Sterblichkeit in dieser Stadt sieht
man auch aus der wöchentlichen Todtenliste, die der
Zeitung beigedruckt wird. Gar oft kommen Studenten
und andre junge Leute darin vor.

Immer höhrte man von Auktionen der den aufgeho-
benen Klöstern zuständig gewesenen Gebäude, Aecker,
Wiesen, Mühlen etc.

Man hat hier die Gewohnheit, jedes neue Buch
und jeden gedruckten Wisch durch ein eigenes Oktav- oder

Quart-
P p 4

ſich noch nicht hat kroͤnen laſſen. — Die Krone iſt in
Presburg, und das iſt die Kroͤnungsſtadt, aber man
ſpricht davon, als wenn er ſich in Ofen wollte kroͤnen
laſſen. Mar. Ther. ward in Presburg gekroͤnt.

Der liebe Hr. Hummel aus Presburg beſuchte
mich auch heute. Er kam hieher auf die Meſſe, um
einzukaufen.

Mittags und einen groſſen Theil des heutigen Tages
war ich bei Hrn. Wucherer.

Bemerkungen.

Die Lungenſucht iſt hier eine gewoͤhnliche Krank-
heit, wegen der hohen Treppen, und der groſſen Entfer-
nung, in welcher einer von dem andern wohnt. Beſon-
ders ſterben Peruquiers und Barbiers meiſtentheils ſehr
jung. Auch junge Aerzte, die gleich viel Praxis bekom-
men, und doch nicht Roß und Wagen halten koͤnnen,
werden ſelten alt. Wenn einer hier zuweilen 4. Kranke
hat, ſo koͤmmt er Abends muͤde und abgemattet nach
Hauſe. Ich hatte 108. Staffeln bis zu meinem Zim-
mer zu ſteigen.

Die Groͤſſe der Sterblichkeit in dieſer Stadt ſieht
man auch aus der woͤchentlichen Todtenliſte, die der
Zeitung beigedruckt wird. Gar oft kommen Studenten
und andre junge Leute darin vor.

Immer hoͤhrte man von Auktionen der den aufgeho-
benen Kloͤſtern zuſtaͤndig geweſenen Gebaͤude, Aecker,
Wieſen, Muͤhlen ꝛc.

Man hat hier die Gewohnheit, jedes neue Buch
und jeden gedruckten Wiſch durch ein eigenes Oktav- oder

Quart-
P p 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0637" n="599"/>
&#x017F;ich noch nicht hat kro&#x0364;nen la&#x017F;&#x017F;en. &#x2014; Die Krone i&#x017F;t in<lb/><hi rendition="#fr">Presburg,</hi> und das i&#x017F;t die Kro&#x0364;nungs&#x017F;tadt, aber man<lb/>
&#x017F;pricht davon, als wenn er &#x017F;ich in <hi rendition="#fr">Ofen</hi> wollte kro&#x0364;nen<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en. <hi rendition="#fr">Mar. Ther.</hi> ward in <hi rendition="#fr">Presburg</hi> gekro&#x0364;nt.</p><lb/>
              <p>Der liebe Hr. <hi rendition="#fr">Hummel</hi> aus <hi rendition="#fr">Presburg</hi> be&#x017F;uchte<lb/>
mich auch heute. Er kam hieher auf die Me&#x017F;&#x017F;e, um<lb/>
einzukaufen.</p><lb/>
              <p>Mittags und einen gro&#x017F;&#x017F;en Theil des heutigen Tages<lb/>
war ich bei Hrn. <hi rendition="#fr">Wucherer.</hi></p>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#fr"> <hi rendition="#g">Bemerkungen.</hi> </hi> </head><lb/>
              <p>Die <hi rendition="#fr">Lungen&#x017F;ucht</hi> i&#x017F;t hier eine gewo&#x0364;hnliche Krank-<lb/>
heit, wegen der hohen Treppen, und der gro&#x017F;&#x017F;en Entfer-<lb/>
nung, in welcher einer von dem andern wohnt. Be&#x017F;on-<lb/>
ders &#x017F;terben Peruquiers und Barbiers mei&#x017F;tentheils &#x017F;ehr<lb/>
jung. Auch junge Aerzte, die gleich viel Praxis bekom-<lb/>
men, und doch nicht Roß und Wagen halten ko&#x0364;nnen,<lb/>
werden &#x017F;elten alt. Wenn einer hier zuweilen 4. Kranke<lb/>
hat, &#x017F;o ko&#x0364;mmt er Abends mu&#x0364;de und abgemattet nach<lb/>
Hau&#x017F;e. Ich hatte 108. Staffeln bis zu meinem Zim-<lb/>
mer zu &#x017F;teigen.</p><lb/>
              <p>Die Gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;e der <hi rendition="#fr">Sterblichkeit</hi> in die&#x017F;er Stadt &#x017F;ieht<lb/>
man auch aus der wo&#x0364;chentlichen <hi rendition="#fr">Todtenli&#x017F;te,</hi> die der<lb/>
Zeitung beigedruckt wird. Gar oft kommen Studenten<lb/>
und andre junge Leute darin vor.</p><lb/>
              <p>Immer ho&#x0364;hrte man von Auktionen der den aufgeho-<lb/>
benen <hi rendition="#fr">Klo&#x0364;&#x017F;tern</hi> zu&#x017F;ta&#x0364;ndig gewe&#x017F;enen Geba&#x0364;ude, Aecker,<lb/>
Wie&#x017F;en, Mu&#x0364;hlen &#xA75B;c.</p><lb/>
              <p>Man hat hier die Gewohnheit, jedes <hi rendition="#fr">neue Buch</hi><lb/>
und jeden gedruckten Wi&#x017F;ch durch ein eigenes Oktav- oder<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">P p 4</fw><fw place="bottom" type="catch">Quart-</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[599/0637] ſich noch nicht hat kroͤnen laſſen. — Die Krone iſt in Presburg, und das iſt die Kroͤnungsſtadt, aber man ſpricht davon, als wenn er ſich in Ofen wollte kroͤnen laſſen. Mar. Ther. ward in Presburg gekroͤnt. Der liebe Hr. Hummel aus Presburg beſuchte mich auch heute. Er kam hieher auf die Meſſe, um einzukaufen. Mittags und einen groſſen Theil des heutigen Tages war ich bei Hrn. Wucherer. Bemerkungen. Die Lungenſucht iſt hier eine gewoͤhnliche Krank- heit, wegen der hohen Treppen, und der groſſen Entfer- nung, in welcher einer von dem andern wohnt. Beſon- ders ſterben Peruquiers und Barbiers meiſtentheils ſehr jung. Auch junge Aerzte, die gleich viel Praxis bekom- men, und doch nicht Roß und Wagen halten koͤnnen, werden ſelten alt. Wenn einer hier zuweilen 4. Kranke hat, ſo koͤmmt er Abends muͤde und abgemattet nach Hauſe. Ich hatte 108. Staffeln bis zu meinem Zim- mer zu ſteigen. Die Groͤſſe der Sterblichkeit in dieſer Stadt ſieht man auch aus der woͤchentlichen Todtenliſte, die der Zeitung beigedruckt wird. Gar oft kommen Studenten und andre junge Leute darin vor. Immer hoͤhrte man von Auktionen der den aufgeho- benen Kloͤſtern zuſtaͤndig geweſenen Gebaͤude, Aecker, Wieſen, Muͤhlen ꝛc. Man hat hier die Gewohnheit, jedes neue Buch und jeden gedruckten Wiſch durch ein eigenes Oktav- oder Quart- P p 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Erst ein Jahr nach dem Tod Heinrich Sanders wird … [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784/637
Zitationshilfe: Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784, S. 599. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784/637>, abgerufen am 22.04.2019.