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Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 3. Berlin, 1840.

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Beylage VIII.
eine von den Erbschaftsglaubigern unvorsichtigerweise be-
wirkte Separation: bey den Erben, die aus Nachlässig-
keit die Mörder des Erblassers zu verfolgen unterlassen:
endlich in mehreren Fällen zum Vortheil einiger beson-
ders begünstigten Klassen von Personen (Num. XXX --
XXXIII.
) (g).

III.

Ehe die einzelnen Fälle zusammengestellt werden, worin
der Irrthum wirkt oder nicht wirkt, muß der Versuch ge-
macht werden, irgend ein allgemeineres Princip für diese
Wirksamkeit aufzufinden. Hier tritt uns nun sogleich in
vielen Stellen die Regel entgegen, nach welcher zwischen
dem factischen und Rechtsirrthum ein Unterschied gelten
soll. Bald werden beide Fälle geradezu, als praktisch
verschieden, neben einander gestellt (a); bald wird von dem

7.). So viel wir wissen, war die-
ses der einzige, im Edict nament-
lich erwähnte, Fall einer Restitu-
tion wegen Irrthums. Andere
Fälle wurden aus der clausula
generalis
abgeleitet.
(g) Im Ganzen ist diese Be-
gränzung der Restitution wegen
Irrthums übereinstimmend mit
Burchardi Wiedereinsetzung in
den vorigen Stand § 21 und § 12
S. 181. Nur hält dieser noch
daneben für zulässig alle Fälle,
welche sich auf die bekannten Re-
geln von damnum und lucrum
zurückführen lassen (S. 385). Da-
von wird weiter unten (Num. VIII.)
die Rede seyn. Ich nehme keine
Restitution wegen Irrthums an,
außer den in unsren Rechtsquel-
len namentlich erwähnten Fällen.
(a) L. 2 h. t. "In omni parte
error in jure non eodem loco,
quo facti ignorantia, haberi de-
bet" ... L. 9 pr. h. t. "Re-
gula est, juris quidem ignoran-
tiam cuique nocere, facti vero
ignorantiam non nocere" ...
L. 9 § 5 h. t. ".. sciant, igno-
rantiam facti, non juris, prod-
esse" ... L. 8 h. t., L. 29 § 1
mandati (17. 1.), L. 11 § 4 de
his qui not.
(3. 2.), C. 13 de reg.
juris in
VI.

Beylage VIII.
eine von den Erbſchaftsglaubigern unvorſichtigerweiſe be-
wirkte Separation: bey den Erben, die aus Nachläſſig-
keit die Mörder des Erblaſſers zu verfolgen unterlaſſen:
endlich in mehreren Fällen zum Vortheil einiger beſon-
ders begünſtigten Klaſſen von Perſonen (Num. XXX —
XXXIII.
) (g).

III.

Ehe die einzelnen Fälle zuſammengeſtellt werden, worin
der Irrthum wirkt oder nicht wirkt, muß der Verſuch ge-
macht werden, irgend ein allgemeineres Princip für dieſe
Wirkſamkeit aufzufinden. Hier tritt uns nun ſogleich in
vielen Stellen die Regel entgegen, nach welcher zwiſchen
dem factiſchen und Rechtsirrthum ein Unterſchied gelten
ſoll. Bald werden beide Fälle geradezu, als praktiſch
verſchieden, neben einander geſtellt (a); bald wird von dem

7.). So viel wir wiſſen, war die-
ſes der einzige, im Edict nament-
lich erwähnte, Fall einer Reſtitu-
tion wegen Irrthums. Andere
Fälle wurden aus der clausula
generalis
abgeleitet.
(g) Im Ganzen iſt dieſe Be-
gränzung der Reſtitution wegen
Irrthums übereinſtimmend mit
Burchardi Wiedereinſetzung in
den vorigen Stand § 21 und § 12
S. 181. Nur hält dieſer noch
daneben für zuläſſig alle Fälle,
welche ſich auf die bekannten Re-
geln von damnum und lucrum
zurückführen laſſen (S. 385). Da-
von wird weiter unten (Num. VIII.)
die Rede ſeyn. Ich nehme keine
Reſtitution wegen Irrthums an,
außer den in unſren Rechtsquel-
len namentlich erwähnten Fällen.
(a) L. 2 h. t. „In omni parte
error in jure non eodem loco,
quo facti ignorantia, haberi de-
bet” … L. 9 pr. h. t. „Re-
gula est, juris quidem ignoran-
tiam cuique nocere, facti vero
ignorantiam non nocere” …
L. 9 § 5 h. t. „.. sciant, igno-
rantiam facti, non juris, prod-
esse” … L. 8 h. t., L. 29 § 1
mandati (17. 1.), L. 11 § 4 de
his qui not.
(3. 2.), C. 13 de reg.
juris in
VI.
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[332/0344] Beylage VIII. eine von den Erbſchaftsglaubigern unvorſichtigerweiſe be- wirkte Separation: bey den Erben, die aus Nachläſſig- keit die Mörder des Erblaſſers zu verfolgen unterlaſſen: endlich in mehreren Fällen zum Vortheil einiger beſon- ders begünſtigten Klaſſen von Perſonen (Num. XXX — XXXIII.) (g). III. Ehe die einzelnen Fälle zuſammengeſtellt werden, worin der Irrthum wirkt oder nicht wirkt, muß der Verſuch ge- macht werden, irgend ein allgemeineres Princip für dieſe Wirkſamkeit aufzufinden. Hier tritt uns nun ſogleich in vielen Stellen die Regel entgegen, nach welcher zwiſchen dem factiſchen und Rechtsirrthum ein Unterſchied gelten ſoll. Bald werden beide Fälle geradezu, als praktiſch verſchieden, neben einander geſtellt (a); bald wird von dem (f) (g) Im Ganzen iſt dieſe Be- gränzung der Reſtitution wegen Irrthums übereinſtimmend mit Burchardi Wiedereinſetzung in den vorigen Stand § 21 und § 12 S. 181. Nur hält dieſer noch daneben für zuläſſig alle Fälle, welche ſich auf die bekannten Re- geln von damnum und lucrum zurückführen laſſen (S. 385). Da- von wird weiter unten (Num. VIII.) die Rede ſeyn. Ich nehme keine Reſtitution wegen Irrthums an, außer den in unſren Rechtsquel- len namentlich erwähnten Fällen. (a) L. 2 h. t. „In omni parte error in jure non eodem loco, quo facti ignorantia, haberi de- bet” … L. 9 pr. h. t. „Re- gula est, juris quidem ignoran- tiam cuique nocere, facti vero ignorantiam non nocere” … L. 9 § 5 h. t. „.. sciant, igno- rantiam facti, non juris, prod- esse” … L. 8 h. t., L. 29 § 1 mandati (17. 1.), L. 11 § 4 de his qui not. (3. 2.), C. 13 de reg. juris in VI. (f) 7.). So viel wir wiſſen, war die- ſes der einzige, im Edict nament- lich erwähnte, Fall einer Reſtitu- tion wegen Irrthums. Andere Fälle wurden aus der clausula generalis abgeleitet.

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Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 3. Berlin, 1840, S. 332. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system03_1840/344>, abgerufen am 20.06.2018.