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Schliemann, Heinrich: Trojanische Alterthümer. Bericht über die Ausgrabungen in Troja. Leipzig, 1874.

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fortsetzung der ausgrabung am minervatempel.
XVII.

Seit meinem Bericht vom 1. d. M. habe ich bei
herrlichem Wetter und einem Ueberfluss an Arbeitern
die Ausgrabungen mit grossem Eifer fortgesetzt. Die
Nächte sind kalt und das Thermometer fällt noch häufig
gegen Morgen auf den Gefrierpunkt, während die Sonne
am Tage schon anfängt lästig heiss zu werden und das
Thermometer oft um Mittag 18 Grad Reaumur im
Schatten zeigt. Die Blätter der Bäume fangen jetzt an
hervorzubrechen, während die trojanische Ebene bereits
mit Frühlingsblumen bedeckt ist. Schon seit 14 Tagen
hört man das Quaken der Millionen von Fröschen in den
umliegenden Sümpfen, und bereits seit acht Tagen sind die
Störche zurückgekehrt. Zu den Unannehmlichkeiten des
Lebens in dieser Wildniss gehört das entsetzliche Geschrei
der in den Löchern der Wände meiner Ausgrabun-
gen nistenden unzähligen Eulen; dies Geschrei hat etwas
Geheimnissvolles und Grauenhaftes und ist besonders in
der Nacht unerträglich.

Auf der Baustelle des Minervatempels habe ich
die Ausgrabung mit grösster Energie fortgesetzt. Die
Fundamente dieses Heiligthums erreichen nirgends mehr

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fortsetzung der ausgrabung am minervatempel.
XVII.

Seit meinem Bericht vom 1. d. M. habe ich bei
herrlichem Wetter und einem Ueberfluss an Arbeitern
die Ausgrabungen mit grossem Eifer fortgesetzt. Die
Nächte sind kalt und das Thermometer fällt noch häufig
gegen Morgen auf den Gefrierpunkt, während die Sonne
am Tage schon anfängt lästig heiss zu werden und das
Thermometer oft um Mittag 18 Grad Réaumur im
Schatten zeigt. Die Blätter der Bäume fangen jetzt an
hervorzubrechen, während die trojanische Ebene bereits
mit Frühlingsblumen bedeckt ist. Schon seit 14 Tagen
hört man das Quaken der Millionen von Fröschen in den
umliegenden Sümpfen, und bereits seit acht Tagen sind die
Störche zurückgekehrt. Zu den Unannehmlichkeiten des
Lebens in dieser Wildniss gehört das entsetzliche Geschrei
der in den Löchern der Wände meiner Ausgrabun-
gen nistenden unzähligen Eulen; dies Geschrei hat etwas
Geheimnissvolles und Grauenhaftes und ist besonders in
der Nacht unerträglich.

Auf der Baustelle des Minervatempels habe ich
die Ausgrabung mit grösster Energie fortgesetzt. Die
Fundamente dieses Heiligthums erreichen nirgends mehr

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[211/0277] fortsetzung der ausgrabung am minervatempel. XVII. Pergamos von Troja, 15. März 1873. Seit meinem Bericht vom 1. d. M. habe ich bei herrlichem Wetter und einem Ueberfluss an Arbeitern die Ausgrabungen mit grossem Eifer fortgesetzt. Die Nächte sind kalt und das Thermometer fällt noch häufig gegen Morgen auf den Gefrierpunkt, während die Sonne am Tage schon anfängt lästig heiss zu werden und das Thermometer oft um Mittag 18 Grad Réaumur im Schatten zeigt. Die Blätter der Bäume fangen jetzt an hervorzubrechen, während die trojanische Ebene bereits mit Frühlingsblumen bedeckt ist. Schon seit 14 Tagen hört man das Quaken der Millionen von Fröschen in den umliegenden Sümpfen, und bereits seit acht Tagen sind die Störche zurückgekehrt. Zu den Unannehmlichkeiten des Lebens in dieser Wildniss gehört das entsetzliche Geschrei der in den Löchern der Wände meiner Ausgrabun- gen nistenden unzähligen Eulen; dies Geschrei hat etwas Geheimnissvolles und Grauenhaftes und ist besonders in der Nacht unerträglich. Auf der Baustelle des Minervatempels habe ich die Ausgrabung mit grösster Energie fortgesetzt. Die Fundamente dieses Heiligthums erreichen nirgends mehr 14*

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Zitationshilfe: Schliemann, Heinrich: Trojanische Alterthümer. Bericht über die Ausgrabungen in Troja. Leipzig, 1874, S. 211. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schliemann_trojanische_1874/277>, abgerufen am 21.03.2019.