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Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 2. Nordhausen, 1737.

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II.) Wund-Zettel Num. 86. den 13. Jan. 1712.

Jch Endes unterschriebener bekenne hier-
mit, daß ich vergangene Nacht etwa um
2. Uhr
N. N. in die Cur bekommen und an ihn
folgende
Plessuren befunden: Erstlich einen
gefährlichen Hieb über den lincken Elbogen,
wobey die
Tenda und Elexores gäntzlich zer-
schnitten, ein folglich die
Gunctura nicht wieder
wird
curiret werden können, sondern er wird
einen lahmen Arm behalten, den ich ihn nach
den Regeln der Kunst krumm heilon werde.
Jch werde aber auch viel Mühe haben das
Glied-Wasser zu stillen. Vors andere einen
Hieb auf das
Sinsciput und Ossa frondale über die
suturae cornale her, es wird wenig fehlen, daß
die oberste
dabulae des Cranigums nicht gäntzlich
durch gehauen ist. Vors dritte weil er seit
etlichen Jahren her ein Gewächse an
Occiput
gehabt, welchen tumor wir Chirurgos Anteroma,
Steccatoma
oder Glicirrice zu nennen pflegen, ist
ihm dasselbe ebenfalls aufgeschlagen, daß es
nunmehro auch vollends muß heraus ge-
schnitten werden, Sonsten ist bereits an
allen
Vulnera starcke Geschwulst und inflamatio
gewesen, die ich zu vertreiben grossen Fleiß
Mühe und Kosten anwenden werde. Uhr-
kundlich habe diesen Wund-Zettel unter mei-
ner eigenen Hand und Petschafft ausgestellet


(L. S.) N. N.
(III.)
II.) Wund-Zettel Num. 86. den 13. Jan. 1712.

Jch Endes unterſchriebener bekenne hier-
mit, daß ich vergangene Nacht etwa um
2. Uhr
N. N. in die Cur bekommen und an ihn
folgende
Pleſſuren befunden: Erſtlich einen
gefaͤhrlichen Hieb uͤber den lincken Elbogen,
wobey die
Tenda und Elexores gaͤntzlich zer-
ſchnitten, ein folglich die
Gunctura nicht wieder
wird
curiret werden koͤnnen, ſondern er wird
einen lahmen Arm behalten, den ich ihn nach
den Regeln der Kunſt krumm heilon werde.
Jch werde aber auch viel Muͤhe haben das
Glied-Waſſer zu ſtillen. Vors andere einen
Hieb auf das
Sinsciput und Oſſa frondale uͤber die
ſuturæ cornale her, es wird wenig fehlen, daß
die oberſte
dabulæ des Cranigums nicht gaͤntzlich
durch gehauen iſt. Vors dritte weil er ſeit
etlichen Jahren her ein Gewaͤchſe an
Occiput
gehabt, welchen tumor wir Chirurgos Anteroma,
Steccatoma
oder Glicirrice zu nennen pflegen, iſt
ihm daſſelbe ebenfalls aufgeſchlagen, daß es
nunmehro auch vollends muß heraus ge-
ſchnitten werden, Sonſten iſt bereits an
allen
Vulnera ſtarcke Geſchwulſt und inflamatio
geweſen, die ich zu vertreiben groſſen Fleiß
Muͤhe und Koſten anwenden werde. Uhr-
kundlich habe dieſen Wund-Zettel unter mei-
ner eigenen Hand und Petſchafft ausgeſtellet


(L. S.) N. N.
(III.)
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[196/0210] II.) Wund-Zettel Num. 86. den 13. Jan. 1712. Jch Endes unterſchriebener bekenne hier- mit, daß ich vergangene Nacht etwa um 2. Uhr N. N. in die Cur bekommen und an ihn folgende Pleſſuren befunden: Erſtlich einen gefaͤhrlichen Hieb uͤber den lincken Elbogen, wobey die Tenda und Elexores gaͤntzlich zer- ſchnitten, ein folglich die Gunctura nicht wieder wird curiret werden koͤnnen, ſondern er wird einen lahmen Arm behalten, den ich ihn nach den Regeln der Kunſt krumm heilon werde. Jch werde aber auch viel Muͤhe haben das Glied-Waſſer zu ſtillen. Vors andere einen Hieb auf das Sinsciput und Oſſa frondale uͤber die ſuturæ cornale her, es wird wenig fehlen, daß die oberſte dabulæ des Cranigums nicht gaͤntzlich durch gehauen iſt. Vors dritte weil er ſeit etlichen Jahren her ein Gewaͤchſe an Occiput gehabt, welchen tumor wir Chirurgos Anteroma, Steccatoma oder Glicirrice zu nennen pflegen, iſt ihm daſſelbe ebenfalls aufgeſchlagen, daß es nunmehro auch vollends muß heraus ge- ſchnitten werden, Sonſten iſt bereits an allen Vulnera ſtarcke Geſchwulſt und inflamatio geweſen, die ich zu vertreiben groſſen Fleiß Muͤhe und Koſten anwenden werde. Uhr- kundlich habe dieſen Wund-Zettel unter mei- ner eigenen Hand und Petſchafft ausgeſtellet Dat. ut ſupra (L. S.) N. N. (III.)

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Zitationshilfe: Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 2. Nordhausen, 1737, S. 196. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schnabel_fata02_1737/210>, abgerufen am 14.10.2019.