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Schweiger-Lerchenfeld, Amand von: Im Reiche der Cyklopen: eine populäre Darstellung der Stahl- und Eisentechnik. Wien u. a., 1900.

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Erster Abschnitt.
fabrikaten gewonnen haben, wollen wir nun das ganze weitläufige Arbeitsgebiet
bezüglich seiner einzelnen Entwickelungsstufen, beziehungsweise Fabrikationszweige,
durchnehmen und beginnen mit dem Hochofenbetrieb.

[Abbildung] Fig. 16.

Hochofen. (Schema.)


Der Hochofen.

Nachdem man einmal so
weit war, schwer reducirbare
Eisenerze dadurch zu verarbeiten,
daß man das Herdfeuer in einen
Schachtofen verwandelte, war
das Princip des Hochofens
gefunden. Die Erfindung scheint
um das Jahr 1490 herum im
südlichen Elsaß, in der Nähe
des heutigen Mühlhausen, ge-
macht worden zu sein. Die
weitere Anwendung erfolgte
ziemlich langsam; erst 1547
begann sich die Neuerung in
England einzubürgern. In
Norddeutschland wurde das
erste Eisen 1667 geschmolzen.

Eine Hochofenanlage macht
sich auch dem Blicke des Laien
schon von Weitem bemerkbar
durch seine massigen, thurm-
artigen Oefen, zu welchen noch
allerlei Zubauten und sonstige
Installationen kommen, welche
dem Ganzen ein imposantes
Aussehen verleihen. Der roman-
tische Reiz, welcher in früherer
Zeit dem nächtlichen Anblicke
eines thätigen Hochofens durch
die auf weithin sichtbaren
Flammen verbrennenden Gichtgase zukam, ist freilich paralisirt worden, indem man
die oberen Oeffnungen der Schachte schloß und die brennenden Gase zu weiterer
Verwerthung ableitete. Auch durch die vorerwähnten Installationen, auf die wir
gleich zurückkommen und welche den älteren Hochöfen fehlten, ist deren äußeres
Aussehen ein verändertes geworden. Schließlich betrifft dieses letztere auch den
Ofen selbst, der vordem viel massiver gehalten war.

Erſter Abſchnitt.
fabrikaten gewonnen haben, wollen wir nun das ganze weitläufige Arbeitsgebiet
bezüglich ſeiner einzelnen Entwickelungsſtufen, beziehungsweiſe Fabrikationszweige,
durchnehmen und beginnen mit dem Hochofenbetrieb.

[Abbildung] Fig. 16.

Hochofen. (Schema.)


Der Hochofen.

Nachdem man einmal ſo
weit war, ſchwer reducirbare
Eiſenerze dadurch zu verarbeiten,
daß man das Herdfeuer in einen
Schachtofen verwandelte, war
das Princip des Hochofens
gefunden. Die Erfindung ſcheint
um das Jahr 1490 herum im
ſüdlichen Elſaß, in der Nähe
des heutigen Mühlhauſen, ge-
macht worden zu ſein. Die
weitere Anwendung erfolgte
ziemlich langſam; erſt 1547
begann ſich die Neuerung in
England einzubürgern. In
Norddeutſchland wurde das
erſte Eiſen 1667 geſchmolzen.

Eine Hochofenanlage macht
ſich auch dem Blicke des Laien
ſchon von Weitem bemerkbar
durch ſeine maſſigen, thurm-
artigen Oefen, zu welchen noch
allerlei Zubauten und ſonſtige
Inſtallationen kommen, welche
dem Ganzen ein impoſantes
Ausſehen verleihen. Der roman-
tiſche Reiz, welcher in früherer
Zeit dem nächtlichen Anblicke
eines thätigen Hochofens durch
die auf weithin ſichtbaren
Flammen verbrennenden Gichtgaſe zukam, iſt freilich paraliſirt worden, indem man
die oberen Oeffnungen der Schachte ſchloß und die brennenden Gaſe zu weiterer
Verwerthung ableitete. Auch durch die vorerwähnten Inſtallationen, auf die wir
gleich zurückkommen und welche den älteren Hochöfen fehlten, iſt deren äußeres
Ausſehen ein verändertes geworden. Schließlich betrifft dieſes letztere auch den
Ofen ſelbſt, der vordem viel maſſiver gehalten war.

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[28/0046] Erſter Abſchnitt. fabrikaten gewonnen haben, wollen wir nun das ganze weitläufige Arbeitsgebiet bezüglich ſeiner einzelnen Entwickelungsſtufen, beziehungsweiſe Fabrikationszweige, durchnehmen und beginnen mit dem Hochofenbetrieb. [Abbildung Fig. 16. Hochofen. (Schema.)] Der Hochofen. Nachdem man einmal ſo weit war, ſchwer reducirbare Eiſenerze dadurch zu verarbeiten, daß man das Herdfeuer in einen Schachtofen verwandelte, war das Princip des Hochofens gefunden. Die Erfindung ſcheint um das Jahr 1490 herum im ſüdlichen Elſaß, in der Nähe des heutigen Mühlhauſen, ge- macht worden zu ſein. Die weitere Anwendung erfolgte ziemlich langſam; erſt 1547 begann ſich die Neuerung in England einzubürgern. In Norddeutſchland wurde das erſte Eiſen 1667 geſchmolzen. Eine Hochofenanlage macht ſich auch dem Blicke des Laien ſchon von Weitem bemerkbar durch ſeine maſſigen, thurm- artigen Oefen, zu welchen noch allerlei Zubauten und ſonſtige Inſtallationen kommen, welche dem Ganzen ein impoſantes Ausſehen verleihen. Der roman- tiſche Reiz, welcher in früherer Zeit dem nächtlichen Anblicke eines thätigen Hochofens durch die auf weithin ſichtbaren Flammen verbrennenden Gichtgaſe zukam, iſt freilich paraliſirt worden, indem man die oberen Oeffnungen der Schachte ſchloß und die brennenden Gaſe zu weiterer Verwerthung ableitete. Auch durch die vorerwähnten Inſtallationen, auf die wir gleich zurückkommen und welche den älteren Hochöfen fehlten, iſt deren äußeres Ausſehen ein verändertes geworden. Schließlich betrifft dieſes letztere auch den Ofen ſelbſt, der vordem viel maſſiver gehalten war.

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Zitationshilfe: Schweiger-Lerchenfeld, Amand von: Im Reiche der Cyklopen: eine populäre Darstellung der Stahl- und Eisentechnik. Wien u. a., 1900, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schweiger_cyklopen_1900/46>, abgerufen am 22.03.2019.