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Soemmerring, Samuel Thomas von: Über einen elektrischen Telegraphen. In: Denkschriften der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Classe der Mathematik und Physik. 1809/1810 (1811), S. 401-414.

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Ja! wie sehr erweckt nicht ein solches Seil das Nachdenken
selbst eines Physiologen, wenn er an ihm wahrnimmt ein grob sinn-
liches Analogen eines Nervenstranges, dessen einzelne Fäden auf
gleiche Weise jeden erhaltenen Empfindungs-Eindruck im Allgemei-
nen, so wie den des kleinsten elektrischen Fünkchens im Besondern,
isolirt und ungestört bis ins Gehirn fortpflanzen.

Bemerkungen über die Schlussstäbchen.

Tafel IV und V, Fig. 9, 10, 11 verkleinert; Fig. 5 in vollständiger Grösse.

Die Schlussstäbchen sind mit kegelförmigen Kanälchen verse-
hen und passen mit den eingeschliffenen gleichfalls kegelförmigen
Zäpfchen Fig. 6 und 7 der elektrischen Säule genau zusammen,
theils, um dadurch dem Schliessen der Kette Genauigkeit und Stä-
tigkeit zu verschaffen, theils um durch die beständige Reibung alle
Oxydation zwischen den hier zusammenzubringenden Metallen abzu-
halten, und die Wirkung unfehlbar zu machen, da es bekannt ist,
wie wenig Oxyd an solchen Stellen die elektrische Wirkung zu un-
terbrechen vermag.

Man könnte gar leicht an dieser Schlussstäbchen-Reihe eine
Tastatur anbringen, um gerade wie auf einem Claviere durch's Ein-
drücken eines an einem Clavis befestigten Zäpfchens in das Kanäl-
chen des Stäbchens die elektrische Kette zu schliessen, und mittelst
der hierdurch erfolgenden Gas-Entbindung die Buchstaben zu be-
zeichnen. Doch müssten alsdann in jedem Schlussstäbchen zwey Ka-
nälchen gebohrt, und doppelt so viel Zäpfchen als Schlussstäbchen,
d. i., zu den 35 Stäbchen 70 Zäpfchen vorhanden seyn. Der erste
(so wie alle übrigen) mittelst einer Feder zurückspringende Clavis
könnte das Hydrogen-Zäpfchen für A, der zweyte Clavis das Oxy-
gen-Zäpfchen für A, der dritte Clavis das Hydrogen-Zäpfchen für B, so
wie der vierte Clavis das Oxygen-Zäpfchen für B u. s. f. in das mit ihm
zusammenpassende Kanälchen beym Aufdrücken des Fingers bringen.

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Ja! wie sehr erweckt nicht ein solches Seil das Nachdenken
selbst eines Physiologen, wenn er an ihm wahrnimmt ein grob sinn-
liches Analogen eines Nervenstranges, dessen einzelne Fäden auf
gleiche Weise jeden erhaltenen Empfindungs-Eindruck im Allgemei-
nen, so wie den des kleinsten elektrischen Fünkchens im Besondern,
isolirt und ungestört bis ins Gehirn fortpflanzen.

Bemerkungen über die Schluſsstäbchen.

Tafel IV und V, Fig. 9, 10, 11 verkleinert; Fig. 5 in vollständiger Gröſse.

Die Schluſsstäbchen sind mit kegelförmigen Kanälchen verse-
hen und passen mit den eingeschliffenen gleichfalls kegelförmigen
Zäpfchen Fig. 6 und 7 der elektrischen Säule genau zusammen,
theils, um dadurch dem Schlieſsen der Kette Genauigkeit und Stä-
tigkeit zu verschaffen, theils um durch die beständige Reibung alle
Oxydation zwischen den hier zusammenzubringenden Metallen abzu-
halten, und die Wirkung unfehlbar zu machen, da es bekannt ist,
wie wenig Oxyd an solchen Stellen die elektrische Wirkung zu un-
terbrechen vermag.

Man könnte gar leicht an dieser Schluſsstäbchen-Reihe eine
Tastatur anbringen, um gerade wie auf einem Claviere durch’s Ein-
drücken eines an einem Clavis befestigten Zäpfchens in das Kanäl-
chen des Stäbchens die elektrische Kette zu schlieſsen, und mittelst
der hierdurch erfolgenden Gas-Entbindung die Buchstaben zu be-
zeichnen. Doch müſsten alsdann in jedem Schluſsstäbchen zwey Ka-
nälchen gebohrt, und doppelt so viel Zäpfchen als Schluſsstäbchen,
d. i., zu den 35 Stäbchen 70 Zäpfchen vorhanden seyn. Der erste
(so wie alle übrigen) mittelst einer Feder zurückspringende Clavis
könnte das Hydrogen-Zäpfchen für A, der zweyte Clavis das Oxy-
gen-Zäpfchen für A, der dritte Clavis das Hydrogen-Zäpfchen für B, so
wie der vierte Clavis das Oxygen-Zäpfchen für B u. s. f. in das mit ihm
zusammenpassende Kanälchen beym Aufdrücken des Fingers bringen.

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[411/0023] Ja! wie sehr erweckt nicht ein solches Seil das Nachdenken selbst eines Physiologen, wenn er an ihm wahrnimmt ein grob sinn- liches Analogen eines Nervenstranges, dessen einzelne Fäden auf gleiche Weise jeden erhaltenen Empfindungs-Eindruck im Allgemei- nen, so wie den des kleinsten elektrischen Fünkchens im Besondern, isolirt und ungestört bis ins Gehirn fortpflanzen. Bemerkungen über die Schluſsstäbchen. Tafel IV und V, Fig. 9, 10, 11 verkleinert; Fig. 5 in vollständiger Gröſse. Die Schluſsstäbchen sind mit kegelförmigen Kanälchen verse- hen und passen mit den eingeschliffenen gleichfalls kegelförmigen Zäpfchen Fig. 6 und 7 der elektrischen Säule genau zusammen, theils, um dadurch dem Schlieſsen der Kette Genauigkeit und Stä- tigkeit zu verschaffen, theils um durch die beständige Reibung alle Oxydation zwischen den hier zusammenzubringenden Metallen abzu- halten, und die Wirkung unfehlbar zu machen, da es bekannt ist, wie wenig Oxyd an solchen Stellen die elektrische Wirkung zu un- terbrechen vermag. Man könnte gar leicht an dieser Schluſsstäbchen-Reihe eine Tastatur anbringen, um gerade wie auf einem Claviere durch’s Ein- drücken eines an einem Clavis befestigten Zäpfchens in das Kanäl- chen des Stäbchens die elektrische Kette zu schlieſsen, und mittelst der hierdurch erfolgenden Gas-Entbindung die Buchstaben zu be- zeichnen. Doch müſsten alsdann in jedem Schluſsstäbchen zwey Ka- nälchen gebohrt, und doppelt so viel Zäpfchen als Schluſsstäbchen, d. i., zu den 35 Stäbchen 70 Zäpfchen vorhanden seyn. Der erste (so wie alle übrigen) mittelst einer Feder zurückspringende Clavis könnte das Hydrogen-Zäpfchen für A, der zweyte Clavis das Oxy- gen-Zäpfchen für A, der dritte Clavis das Hydrogen-Zäpfchen für B, so wie der vierte Clavis das Oxygen-Zäpfchen für B u. s. f. in das mit ihm zusammenpassende Kanälchen beym Aufdrücken des Fingers bringen. Be- 52 2

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Zitationshilfe: Soemmerring, Samuel Thomas von: Über einen elektrischen Telegraphen. In: Denkschriften der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Classe der Mathematik und Physik. 1809/1810 (1811), S. 401-414, hier S. 411. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/soemmerring_telegraphen_1811/23>, abgerufen am 25.04.2019.