Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Spee, Friedrich von: Gewissens-Buch: Von Processen Gegen die Hexen. Bremen, 1647.

Bild:
<< vorherige Seite

auch desto frecher/ da ein frommer eher soll ge-
wonnen geben/ als der es nicht gewohnet.

(v) Die vnschuld aber wird nicht zulassen/
daß einer liege? o weh! die tormenten sein viel
zu schwehr: Gott thut nicht alle tag wunder/ wie
an den Maccabeeren; oder an Daniel im fewr-
ofen.

(vi) Es ist noch nicht erwie sen/ daß secun-
hadiernam praxin
der Richter damit zu friden:
wenn jemand auch in der anderen tortur sagte
er sey vnschuldig. Besihe vnd bedencke/ was Au-
gustinus lib. 19. De Civitate Dei. §. quid
cum in sua causa &c.
klaget/ so wirstu sehen/ daß
ich nichts newes vorbringe. O jhr Herren geist-
lichen wie stellet jhr ewere/ vnd ewerer Obrigkeit
seelen in so grosse gefahr!

Die 28. Streit-rede.
Was die argumenten seyn derer jeni-

gen; die da meinen es sey alsobald alles für ein
warheit zu halten: was in der tortur be-
kennet wird?

GRosse Scribenten, * vnd nicht nur
Herr omnes, sein thoren/ vnd füllen
jhre bücher voll fablen vnd mährlin/
derer aussagen/ die in der tortur geschehen seyn/
wir wöllen jhre argumenten hören/ vnd darauff
ordentlicher weise antworten.

Daß i. Argument. In der tortur auff sich

liegen/
* pag. 177.

auch deſto frecher/ da ein frommer eher ſoll ge-
wonnen geben/ als der es nicht gewohnet.

(v) Die vnſchuld aber wird nicht zulaſſen/
daß einer liege? o weh! die tormenten ſein viel
zu ſchwehr: Gott thut nicht alle tag wunder/ wie
an den Maccabeeren; oder an Daniel im fewr-
ofen.

(vi) Es iſt noch nicht erwie ſen/ daß ſecun-
hadiernam praxin
der Richter damit zu friden:
wenn jemand auch in der anderen tortur ſagte
er ſey vnſchuldig. Beſihe vnd bedencke/ was Au-
guſtinus lib. 19. De Civitate Dei. §. quid
cum in ſua cauſa &c.
klaget/ ſo wirſtu ſehen/ daß
ich nichts newes vorbringe. O jhr Herꝛen geiſt-
lichen wie ſtellet jhr ewere/ vnd ewerer Obrigkeit
ſeelen in ſo groſſe gefahr!

Die 28. Streit-rede.
Was die argumenten ſeyn derer jeni-

gen; die da meinen es ſey alſobald alles fuͤr ein
warheit zu halten: was in der tortur be-
kennet wird?

GRoſſe Scribenten, * vnd nicht nur
Herꝛ omnes, ſein thoren/ vnd fuͤllen
jhre buͤcher voll fablen vnd maͤhrlin/
derer auſſagen/ die in der tortur geſchehen ſeyn/
wir woͤllen jhre argumenten hoͤren/ vnd darauff
ordentlicher weiſe antworten.

Daß i. Argument. In der tortur auff ſich

liegen/
* pag. 177.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0113" n="93"/>
auch de&#x017F;to frecher/ da ein frommer eher &#x017F;oll ge-<lb/>
wonnen geben/ als der es nicht gewohnet.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">(<hi rendition="#k">v</hi>)</hi> Die vn&#x017F;chuld aber wird nicht zula&#x017F;&#x017F;en/<lb/>
daß einer liege? o weh! die <hi rendition="#aq">tormenten</hi> &#x017F;ein viel<lb/>
zu &#x017F;chwehr: Gott thut nicht alle tag wunder/ wie<lb/>
an den <hi rendition="#aq">Maccabeeren;</hi> oder an Daniel im fewr-<lb/>
ofen.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">(<hi rendition="#k">vi</hi>)</hi> Es i&#x017F;t noch nicht erwie &#x017F;en/ daß <hi rendition="#aq">&#x017F;ecun-<lb/>
hadiernam praxin</hi> der Richter damit zu friden:<lb/>
wenn jemand auch in der anderen <hi rendition="#aq">tortur</hi> &#x017F;agte<lb/>
er &#x017F;ey vn&#x017F;chuldig. Be&#x017F;ihe vnd bedencke/ was <hi rendition="#aq">Au-<lb/>
gu&#x017F;tinus lib. 19. De Civitate Dei. §. quid<lb/>
cum in &#x017F;ua cau&#x017F;a &amp;c.</hi> klaget/ &#x017F;o wir&#x017F;tu &#x017F;ehen/ daß<lb/>
ich nichts newes vorbringe. O jhr Her&#xA75B;en gei&#x017F;t-<lb/>
lichen wie &#x017F;tellet jhr ewere/ vnd ewerer Obrigkeit<lb/>
&#x017F;eelen in &#x017F;o gro&#x017F;&#x017F;e gefahr!</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b">Die 28. Streit-rede.<lb/>
Was die argumenten &#x017F;eyn derer jeni-</hi><lb/>
gen; die da meinen es &#x017F;ey al&#x017F;obald alles fu&#x0364;r ein<lb/>
warheit zu halten: was in der <hi rendition="#aq">tortur</hi> be-<lb/>
kennet wird?</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">G</hi>Ro&#x017F;&#x017F;e <hi rendition="#aq">Scribenten,</hi> <note place="foot" n="*"><hi rendition="#aq">pag.</hi> 177.</note> vnd nicht nur<lb/>
Her&#xA75B; <hi rendition="#aq">omnes,</hi> &#x017F;ein thoren/ vnd fu&#x0364;llen<lb/>
jhre bu&#x0364;cher voll fablen vnd ma&#x0364;hrlin/<lb/>
derer au&#x017F;&#x017F;agen/ die in der <hi rendition="#aq">tortur</hi> ge&#x017F;chehen &#x017F;eyn/<lb/>
wir wo&#x0364;llen jhre <hi rendition="#aq">argumenten</hi> ho&#x0364;ren/ vnd darauff<lb/>
ordentlicher wei&#x017F;e antworten.</p><lb/>
          <p>Daß <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">i.</hi> Argument.</hi> In der <hi rendition="#aq">tortur</hi> auff &#x017F;ich<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">liegen/</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[93/0113] auch deſto frecher/ da ein frommer eher ſoll ge- wonnen geben/ als der es nicht gewohnet. (v) Die vnſchuld aber wird nicht zulaſſen/ daß einer liege? o weh! die tormenten ſein viel zu ſchwehr: Gott thut nicht alle tag wunder/ wie an den Maccabeeren; oder an Daniel im fewr- ofen. (vi) Es iſt noch nicht erwie ſen/ daß ſecun- hadiernam praxin der Richter damit zu friden: wenn jemand auch in der anderen tortur ſagte er ſey vnſchuldig. Beſihe vnd bedencke/ was Au- guſtinus lib. 19. De Civitate Dei. §. quid cum in ſua cauſa &c. klaget/ ſo wirſtu ſehen/ daß ich nichts newes vorbringe. O jhr Herꝛen geiſt- lichen wie ſtellet jhr ewere/ vnd ewerer Obrigkeit ſeelen in ſo groſſe gefahr! Die 28. Streit-rede. Was die argumenten ſeyn derer jeni- gen; die da meinen es ſey alſobald alles fuͤr ein warheit zu halten: was in der tortur be- kennet wird? GRoſſe Scribenten, * vnd nicht nur Herꝛ omnes, ſein thoren/ vnd fuͤllen jhre buͤcher voll fablen vnd maͤhrlin/ derer auſſagen/ die in der tortur geſchehen ſeyn/ wir woͤllen jhre argumenten hoͤren/ vnd darauff ordentlicher weiſe antworten. Daß i. Argument. In der tortur auff ſich liegen/ * pag. 177.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/spee_cautio_1647
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/spee_cautio_1647/113
Zitationshilfe: Spee, Friedrich von: Gewissens-Buch: Von Processen Gegen die Hexen. Bremen, 1647, S. 93. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spee_cautio_1647/113>, abgerufen am 23.05.2018.