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Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894.

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II. KAPITEL.

Von Cuyaba zum Independencia-Lager. I.

Plan und Itinerar. Andere Routen als 1884. Kurze Chronik. Hochebene und Sertao. Die
"Serras" ein Terrassenland; seine Physiognomie und topographische Anordnung. Campos. Ansiedler.
Lebensbedingungen und Kulturstufe. Ein flüchtiges Liebespaar. Zahme Bakairi. Die von Rio
Novo auf Reisen. Dorf am Paranatinga. Besuch und Gegenbesuch der "wilden" Bakairi 1886.
Kunde von den Bakairi am Kulisehu!

Plan und Itinerar. In geringer Entfernung östlich und nordöstlich von
Cuyaba erhebt sich mit steilem Anstieg die Hochebene, auf der sowohl die Zu-
flüsse vom Paraguay als die des Amazonas entspringen. Niveaudifferenzen von
so kleinem Betrag, dass man mit dem Augenmass die Wasserscheide nicht er-
kennt, geben für zwei benachbarte Quellbäche den Ausschlag, ob ihr Reiseziel
das Delta am Aequator oder die Mündung des Silberstromes unter 35° s. Br.
sein wird. Wir hatten uns aus dem südlichen Stromsystem in das nördliche zu
begeben und den Uebergang von dem einen zum andern im Norden oder Nord-
osten auf der Wasserscheide zwischen dem zum Bereich des Paraguay gehörigen
Rio Cuyaba und seinem "Contravertenten", dem zum Amazonas strebenden
Tapajoz aufzusuchen, um uns dann in östlicher Richtung nach den Quellflüssen
des Schingu zu wenden.

Ungefähr in der Mitte des Weges lag der Paranatinga, der durch zahlreiche
Quellbäche gespeiste und rasch anschwellende Nebenfluss des Tapajoz, dessen
Quellgebiet dem des Schingu benachbart ist, und von dem man lange Zeit ge-
glaubt hat, dass er selbst der westlichste Arm des Schingu sei.

So zerfiel unser Marsch in zwei Abschnitte: I. von Cuyaba bis zum Para-
natinga durch, wenn auch spärlich genug, doch immerhin besiedeltes Gebiet und
II. von Paranatinga auf weglosem Terrain zu dem Quellfluss des Schingu, den
wir hinabfahren wollten.

I. Von Cuyaba zum Paranatinga waren wir 1884 in weitem Bogen erst auf
dem linken, später auf dem rechten Ufer des Rio Cuyaba marschirt; wir hatten
diesen Umweg unseren Ochsen zuliebe eingeschlagen, die wir damals als Lasttiere
verwendeten, und die hier den bequemsten Aufstieg auf die Hochebene fanden.
Mit den Maultieren konnten wir direkter auf unser Ziel losgehen und waren dabei

II. KAPITEL.

Von Cuyabá zum Independencia-Lager. I.

Plan und Itinerar. Andere Routen als 1884. Kurze Chronik. Hochebene und Sertão. Die
»Serras« ein Terrassenland; seine Physiognomie und topographische Anordnung. Campos. Ansiedler.
Lebensbedingungen und Kulturstufe. Ein flüchtiges Liebespaar. Zahme Bakaïrí. Die von Rio
Novo auf Reisen. Dorf am Paranatinga. Besuch und Gegenbesuch der »wilden« Bakaïrí 1886.
Kunde von den Bakaïrí am Kulisehu!

Plan und Itinerar. In geringer Entfernung östlich und nordöstlich von
Cuyabá erhebt sich mit steilem Anstieg die Hochebene, auf der sowohl die Zu-
flüsse vom Paraguay als die des Amazonas entspringen. Niveaudifferenzen von
so kleinem Betrag, dass man mit dem Augenmass die Wasserscheide nicht er-
kennt, geben für zwei benachbarte Quellbäche den Ausschlag, ob ihr Reiseziel
das Delta am Aequator oder die Mündung des Silberstromes unter 35° s. Br.
sein wird. Wir hatten uns aus dem südlichen Stromsystem in das nördliche zu
begeben und den Uebergang von dem einen zum andern im Norden oder Nord-
osten auf der Wasserscheide zwischen dem zum Bereich des Paraguay gehörigen
Rio Cuyabá und seinem »Contravertenten«, dem zum Amazonas strebenden
Tapajoz aufzusuchen, um uns dann in östlicher Richtung nach den Quellflüssen
des Schingú zu wenden.

Ungefähr in der Mitte des Weges lag der Paranatinga, der durch zahlreiche
Quellbäche gespeiste und rasch anschwellende Nebenfluss des Tapajoz, dessen
Quellgebiet dem des Schingú benachbart ist, und von dem man lange Zeit ge-
glaubt hat, dass er selbst der westlichste Arm des Schingú sei.

So zerfiel unser Marsch in zwei Abschnitte: I. von Cuyabá bis zum Para-
natinga durch, wenn auch spärlich genug, doch immerhin besiedeltes Gebiet und
II. von Paranatinga auf weglosem Terrain zu dem Quellfluss des Schingú, den
wir hinabfahren wollten.

I. Von Cuyabá zum Paranatinga waren wir 1884 in weitem Bogen erst auf
dem linken, später auf dem rechten Ufer des Rio Cuyabá marschirt; wir hatten
diesen Umweg unseren Ochsen zuliebe eingeschlagen, die wir damals als Lasttiere
verwendeten, und die hier den bequemsten Aufstieg auf die Hochebene fanden.
Mit den Maultieren konnten wir direkter auf unser Ziel losgehen und waren dabei

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[0038] II. KAPITEL. Von Cuyabá zum Independencia-Lager. I. Plan und Itinerar. Andere Routen als 1884. Kurze Chronik. Hochebene und Sertão. Die »Serras« ein Terrassenland; seine Physiognomie und topographische Anordnung. Campos. Ansiedler. Lebensbedingungen und Kulturstufe. Ein flüchtiges Liebespaar. Zahme Bakaïrí. Die von Rio Novo auf Reisen. Dorf am Paranatinga. Besuch und Gegenbesuch der »wilden« Bakaïrí 1886. Kunde von den Bakaïrí am Kulisehu! Plan und Itinerar. In geringer Entfernung östlich und nordöstlich von Cuyabá erhebt sich mit steilem Anstieg die Hochebene, auf der sowohl die Zu- flüsse vom Paraguay als die des Amazonas entspringen. Niveaudifferenzen von so kleinem Betrag, dass man mit dem Augenmass die Wasserscheide nicht er- kennt, geben für zwei benachbarte Quellbäche den Ausschlag, ob ihr Reiseziel das Delta am Aequator oder die Mündung des Silberstromes unter 35° s. Br. sein wird. Wir hatten uns aus dem südlichen Stromsystem in das nördliche zu begeben und den Uebergang von dem einen zum andern im Norden oder Nord- osten auf der Wasserscheide zwischen dem zum Bereich des Paraguay gehörigen Rio Cuyabá und seinem »Contravertenten«, dem zum Amazonas strebenden Tapajoz aufzusuchen, um uns dann in östlicher Richtung nach den Quellflüssen des Schingú zu wenden. Ungefähr in der Mitte des Weges lag der Paranatinga, der durch zahlreiche Quellbäche gespeiste und rasch anschwellende Nebenfluss des Tapajoz, dessen Quellgebiet dem des Schingú benachbart ist, und von dem man lange Zeit ge- glaubt hat, dass er selbst der westlichste Arm des Schingú sei. So zerfiel unser Marsch in zwei Abschnitte: I. von Cuyabá bis zum Para- natinga durch, wenn auch spärlich genug, doch immerhin besiedeltes Gebiet und II. von Paranatinga auf weglosem Terrain zu dem Quellfluss des Schingú, den wir hinabfahren wollten. I. Von Cuyabá zum Paranatinga waren wir 1884 in weitem Bogen erst auf dem linken, später auf dem rechten Ufer des Rio Cuyabá marschirt; wir hatten diesen Umweg unseren Ochsen zuliebe eingeschlagen, die wir damals als Lasttiere verwendeten, und die hier den bequemsten Aufstieg auf die Hochebene fanden. Mit den Maultieren konnten wir direkter auf unser Ziel losgehen und waren dabei

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Zitationshilfe: Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/steinen_naturvoelker_1894/38>, abgerufen am 23.03.2019.