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Strouhal, Vincenz: Ueber eine besondere Art der Tonerregung. In: Annalen der Physik und Chemie. Leipzig, 1878. NF. Bd. V, H. 10, S. 216-251.

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mungen in der Atmosphäre der Fall ist. Der Reibungs-
ton, der dann z. B. an den frei ausgespannten Telegraphen-
drähten vorzüglich zu beobachten ist, gibt durch seine
momentane Tonhöhe zugleich die momentane Geschwindig-
keit der Luftströmung an und durch sein Auf- und Ab-
schweben auch die gleichzeitige Geschwindigkeitsänderung
derselben. Die an meteorologischen Beobachtungsstationen
gebrauchten Anemometer geben gerade die momentan wirk-
lich stattfindende Geschwindigkeit der Luftströmung nicht
an, sondern nur die einer längeren Zeitdauer entsprechende
mittlere. Nun ist es allerdings richtig, dass hauptsächlich
diese als meteorologisches Element von Wichtigkeit ist
und nicht die momentane; dagegen sind die Maximal-
geschwindigkeiten der Luftstösse wohl nicht ohne Bedeu-
tung und Interesse und gerade diese werden, wie bekannt,
durch Anemographen, insofern sie aus dem durch letztere
registrirten Luftdrucke berechnet werden können, nur in
unsicherer Weise ermittelt. Doch auch abgesehen davon,
eignet sich jene akustische Methode durch ihre Empfind-
lichkeit und verhältnissmässig grosse Genauigkeit mehr als
jede andere zum Studium der bei Stürmen in der Atmo-
sphäre stattfindenden eigenartigen Luftbewegung und könnte
überdies auch bei manchen physikalischen Versuchen, wo
es sich um qualitative und quantitative Bestimmungen der
relativen Bewegungsgeschwindigkeit fester Körper in der
Luft handelt, mit Vortheil angewendet werden.

§. 10. Anregung der Drahttöne durch Reibungstöne.

Ich gehe nun zur Besprechung einer Erscheinung über,
welche wohl in mancher Beziehung zu den interessantesten
akustischen Erscheinungen gezählt werden darf.

Wendet man zur Erzeugung der Reibungstöne dünne
elastische Drähte an und lässt man die Umdrehungs-
geschwindigkeit langsam und allmählich anwachsen, so be-
merkt man, dass von den ebenfalls langsam und allmählich
anwachsenden Reibungstönen einige intensiver vor anderen
hervortreten. Hält man nun bei solchen mit der Steige-

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mungen in der Atmosphäre der Fall ist. Der Reibungs-
ton, der dann z. B. an den frei ausgespannten Telegraphen-
drähten vorzüglich zu beobachten ist, gibt durch seine
momentane Tonhöhe zugleich die momentane Geschwindig-
keit der Luftströmung an und durch sein Auf- und Ab-
schweben auch die gleichzeitige Geschwindigkeitsänderung
derselben. Die an meteorologischen Beobachtungsstationen
gebrauchten Anemometer geben gerade die momentan wirk-
lich stattfindende Geschwindigkeit der Luftströmung nicht
an, sondern nur die einer längeren Zeitdauer entsprechende
mittlere. Nun ist es allerdings richtig, dass hauptsächlich
diese als meteorologisches Element von Wichtigkeit ist
und nicht die momentane; dagegen sind die Maximal-
geschwindigkeiten der Luftstösse wohl nicht ohne Bedeu-
tung und Interesse und gerade diese werden, wie bekannt,
durch Anemographen, insofern sie aus dem durch letztere
registrirten Luftdrucke berechnet werden können, nur in
unsicherer Weise ermittelt. Doch auch abgesehen davon,
eignet sich jene akustische Methode durch ihre Empfind-
lichkeit und verhältnissmässig grosse Genauigkeit mehr als
jede andere zum Studium der bei Stürmen in der Atmo-
sphäre stattfindenden eigenartigen Luftbewegung und könnte
überdies auch bei manchen physikalischen Versuchen, wo
es sich um qualitative und quantitative Bestimmungen der
relativen Bewegungsgeschwindigkeit fester Körper in der
Luft handelt, mit Vortheil angewendet werden.

§. 10. Anregung der Drahttöne durch Reibungstöne.

Ich gehe nun zur Besprechung einer Erscheinung über,
welche wohl in mancher Beziehung zu den interessantesten
akustischen Erscheinungen gezählt werden darf.

Wendet man zur Erzeugung der Reibungstöne dünne
elastische Drähte an und lässt man die Umdrehungs-
geschwindigkeit langsam und allmählich anwachsen, so be-
merkt man, dass von den ebenfalls langsam und allmählich
anwachsenden Reibungstönen einige intensiver vor anderen
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[231/0029] V. Strouhal. mungen in der Atmosphäre der Fall ist. Der Reibungs- ton, der dann z. B. an den frei ausgespannten Telegraphen- drähten vorzüglich zu beobachten ist, gibt durch seine momentane Tonhöhe zugleich die momentane Geschwindig- keit der Luftströmung an und durch sein Auf- und Ab- schweben auch die gleichzeitige Geschwindigkeitsänderung derselben. Die an meteorologischen Beobachtungsstationen gebrauchten Anemometer geben gerade die momentan wirk- lich stattfindende Geschwindigkeit der Luftströmung nicht an, sondern nur die einer längeren Zeitdauer entsprechende mittlere. Nun ist es allerdings richtig, dass hauptsächlich diese als meteorologisches Element von Wichtigkeit ist und nicht die momentane; dagegen sind die Maximal- geschwindigkeiten der Luftstösse wohl nicht ohne Bedeu- tung und Interesse und gerade diese werden, wie bekannt, durch Anemographen, insofern sie aus dem durch letztere registrirten Luftdrucke berechnet werden können, nur in unsicherer Weise ermittelt. Doch auch abgesehen davon, eignet sich jene akustische Methode durch ihre Empfind- lichkeit und verhältnissmässig grosse Genauigkeit mehr als jede andere zum Studium der bei Stürmen in der Atmo- sphäre stattfindenden eigenartigen Luftbewegung und könnte überdies auch bei manchen physikalischen Versuchen, wo es sich um qualitative und quantitative Bestimmungen der relativen Bewegungsgeschwindigkeit fester Körper in der Luft handelt, mit Vortheil angewendet werden. §. 10. Anregung der Drahttöne durch Reibungstöne. Ich gehe nun zur Besprechung einer Erscheinung über, welche wohl in mancher Beziehung zu den interessantesten akustischen Erscheinungen gezählt werden darf. Wendet man zur Erzeugung der Reibungstöne dünne elastische Drähte an und lässt man die Umdrehungs- geschwindigkeit langsam und allmählich anwachsen, so be- merkt man, dass von den ebenfalls langsam und allmählich anwachsenden Reibungstönen einige intensiver vor anderen hervortreten. Hält man nun bei solchen mit der Steige-

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Zitationshilfe: Strouhal, Vincenz: Ueber eine besondere Art der Tonerregung. In: Annalen der Physik und Chemie. Leipzig, 1878. NF. Bd. V, H. 10, S. 216-251, hier S. 231. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/strouhal_tonerregung_1878/29>, abgerufen am 22.04.2019.