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Swedenborg, Emanuel: Auserlesene Schriften. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1776.

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Von der Geisterwelt.
da, und waren ihrer nicht mehr mächtig. Hier-
aus und aus andern Erfahrungen wurden die ein-
fältig Guten belehret, daß das Leben eines jeden
nach dem Tod keinesweges geändert werden könue,
und daß nimmermehr das böse Leben in ein gutes,
oder das höllische in ein englisches könne versetzt
werden; weil ein jeder Geist von dem Haupt bis
zur Fußsole so ist, wie seine Liebe, und mithin
wie sein Leben, und dieses in ein entgegenstehen-
des verändern, eben so viel ist, als den Geist
gänzlich zernichten: die Engel sagen frey heraus,
daß es leichter sey, eine Nachteule in eine Taube,
oder einen Uhu in einen Paradiesvogel zu verwan-
deln, als einen höllischen Geist in einen Engel des
Himmels. Daß der Mensch nach dem Tod so
bleibe, wie sein Leben in der Welt gewesen, lese
man oben in dem gehörigen Artikel Num. 470-
484. Hieraus kann nun offenbar seyn, daß kein
einziger aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den
Himmel aufgenommen werden könne.

Daß es nicht so schwer sey, als
man glaubt, ein Leben zu führen,
das in den Himmel führet.

528. Es glauben einige, ein Leben zu führen,
das in den Himmel führet, welches nämlich das
geistliche Leben genennet wird, wäre schwer, aus
der Ursache, weil sie gehöret hatten, daß der

Mensch

Von der Geiſterwelt.
da, und waren ihrer nicht mehr maͤchtig. Hier-
aus und aus andern Erfahrungen wurden die ein-
faͤltig Guten belehret, daß das Leben eines jeden
nach dem Tod keinesweges geaͤndert werden koͤnue,
und daß nimmermehr das boͤſe Leben in ein gutes,
oder das hoͤlliſche in ein engliſches koͤnne verſetzt
werden; weil ein jeder Geiſt von dem Haupt bis
zur Fußſole ſo iſt, wie ſeine Liebe, und mithin
wie ſein Leben, und dieſes in ein entgegenſtehen-
des veraͤndern, eben ſo viel iſt, als den Geiſt
gaͤnzlich zernichten: die Engel ſagen frey heraus,
daß es leichter ſey, eine Nachteule in eine Taube,
oder einen Uhu in einen Paradiesvogel zu verwan-
deln, als einen hoͤlliſchen Geiſt in einen Engel des
Himmels. Daß der Menſch nach dem Tod ſo
bleibe, wie ſein Leben in der Welt geweſen, leſe
man oben in dem gehoͤrigen Artikel Num. 470-
484. Hieraus kann nun offenbar ſeyn, daß kein
einziger aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den
Himmel aufgenommen werden koͤnne.

Daß es nicht ſo ſchwer ſey, als
man glaubt, ein Leben zu fuͤhren,
das in den Himmel fuͤhret.

528. Es glauben einige, ein Leben zu fuͤhren,
das in den Himmel fuͤhret, welches naͤmlich das
geiſtliche Leben genennet wird, waͤre ſchwer, aus
der Urſache, weil ſie gehoͤret hatten, daß der

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[328/0327] Von der Geiſterwelt. da, und waren ihrer nicht mehr maͤchtig. Hier- aus und aus andern Erfahrungen wurden die ein- faͤltig Guten belehret, daß das Leben eines jeden nach dem Tod keinesweges geaͤndert werden koͤnue, und daß nimmermehr das boͤſe Leben in ein gutes, oder das hoͤlliſche in ein engliſches koͤnne verſetzt werden; weil ein jeder Geiſt von dem Haupt bis zur Fußſole ſo iſt, wie ſeine Liebe, und mithin wie ſein Leben, und dieſes in ein entgegenſtehen- des veraͤndern, eben ſo viel iſt, als den Geiſt gaͤnzlich zernichten: die Engel ſagen frey heraus, daß es leichter ſey, eine Nachteule in eine Taube, oder einen Uhu in einen Paradiesvogel zu verwan- deln, als einen hoͤlliſchen Geiſt in einen Engel des Himmels. Daß der Menſch nach dem Tod ſo bleibe, wie ſein Leben in der Welt geweſen, leſe man oben in dem gehoͤrigen Artikel Num. 470- 484. Hieraus kann nun offenbar ſeyn, daß kein einziger aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den Himmel aufgenommen werden koͤnne. Daß es nicht ſo ſchwer ſey, als man glaubt, ein Leben zu fuͤhren, das in den Himmel fuͤhret. 528. Es glauben einige, ein Leben zu fuͤhren, das in den Himmel fuͤhret, welches naͤmlich das geiſtliche Leben genennet wird, waͤre ſchwer, aus der Urſache, weil ſie gehoͤret hatten, daß der Menſch

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Zitationshilfe: Swedenborg, Emanuel: Auserlesene Schriften. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1776, S. 328. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/swedenborg_schriften02_1776/327>, abgerufen am 10.12.2018.