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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810.

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Der Mergel.
Andreä heißt Mergel schlechthin eine Verbindung von ungefähr gleichen Theilen
Thon und Kalk. Ist der Thon überwiegend, so daß er beträchtlich über die Hälfte
bis zu 2/3 geht, so heißt die Verbindung Thonmergel. Steigt das Verhältniß des
Thons noch höher, so daß der Kalk unter 1/4, der Thon über 3/4 ausmacht, so wird
er kalkigter oder mergelichter Thon genannt. Wenn der Kalk dagegen überwiegend
ist, beträchtlich über die Hälfte bis zu 2/3 steigt, so heißt er Kalkmergel, und ist die
Quantität des Kalks noch größer, über 3/4, so nennt man dies Gemenge thonig-
ten Kalk.

§. 92.

Wir finden den Mergel und seine Abarten an sehr vielen Orten. Jetzt, da
man ihn mit mehr Sorgfalt aufsucht, zeigt es sich, daß man ihn in den meisten
Gegenden antreffe, und daß er fast allenthalben im Untergrunde des Ackers liege.
Es sind selten Gegenden, wo man ihn gar nicht findet, oder wo er zu tief liegt,
um ihn herauszuholen. Am häufigsten findet man ihn in gebirgigten Gegenden
in der Nachbarschaft von Flötzgebirgen, wo er nicht selten die Bestandtheile des
Untergrundes im Boden ausmacht, und große ausgebreitete Lager bildet. Im
flachen Lande muß man ihn mehr aufsuchen. Er liegt da mehr nesterweise und
zerstreut, flacher oder tiefer in der Erde, auf Höhen und in Niederungen, in
trockenen und sumpfigten Gegenden. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann man
auf die Gegenwart des Mergels schließen, wenn man gewisse Pflanzen auf dem
Boden findet. Die Tussilago farfara und alpina, die Salvia glutinosa und
pratensis vegetiren sehr lebhaft auf Boden, der Mergel hält. Nicht eine einzelne
Pflanze zeigt ihn an; aber wo sie sich ausbreiten und einen üppigen Wuchs zeigen,
können sie allenfalls als Wegweiser zur Auffindung des Mergels dienen. Wenn
die Medicaro lupulina, ohne daß der Boden im Dünger steht, häufig dasteht,
so halte ich auch dies für ein Merkmal. Auch unter der wilden Brombeere wird
man mehrentheils Mergel oder wenigstens mergelichten Thon finden. Sonst
zeigt sich solcher tiefe und nesterweise liegende Mergel zuerst mehrentheils an Ab-
hängen, in Hohlwegen, wo die obere Erde abgefallen ist, und dann zu Lage
kommt. Mehrentheils pflegt ein solches Mergelnest oben mit Thon bedeckt
zu seyn; und wo man solchen Thon trifft, der mit Kalkkörnern durchwirkt ist, da
kann man fast mit Sicherheit schließen, daß tiefer unten sich wirklicher Mergel

finden

Der Mergel.
Andreaͤ heißt Mergel ſchlechthin eine Verbindung von ungefaͤhr gleichen Theilen
Thon und Kalk. Iſt der Thon uͤberwiegend, ſo daß er betraͤchtlich uͤber die Haͤlfte
bis zu ⅔ geht, ſo heißt die Verbindung Thonmergel. Steigt das Verhaͤltniß des
Thons noch hoͤher, ſo daß der Kalk unter ¼, der Thon uͤber ¾ ausmacht, ſo wird
er kalkigter oder mergelichter Thon genannt. Wenn der Kalk dagegen uͤberwiegend
iſt, betraͤchtlich uͤber die Haͤlfte bis zu ⅔ ſteigt, ſo heißt er Kalkmergel, und iſt die
Quantitaͤt des Kalks noch groͤßer, uͤber ¾, ſo nennt man dies Gemenge thonig-
ten Kalk.

§. 92.

Wir finden den Mergel und ſeine Abarten an ſehr vielen Orten. Jetzt, da
man ihn mit mehr Sorgfalt aufſucht, zeigt es ſich, daß man ihn in den meiſten
Gegenden antreffe, und daß er faſt allenthalben im Untergrunde des Ackers liege.
Es ſind ſelten Gegenden, wo man ihn gar nicht findet, oder wo er zu tief liegt,
um ihn herauszuholen. Am haͤufigſten findet man ihn in gebirgigten Gegenden
in der Nachbarſchaft von Floͤtzgebirgen, wo er nicht ſelten die Beſtandtheile des
Untergrundes im Boden ausmacht, und große ausgebreitete Lager bildet. Im
flachen Lande muß man ihn mehr aufſuchen. Er liegt da mehr neſterweiſe und
zerſtreut, flacher oder tiefer in der Erde, auf Hoͤhen und in Niederungen, in
trockenen und ſumpfigten Gegenden. Mit einiger Wahrſcheinlichkeit kann man
auf die Gegenwart des Mergels ſchließen, wenn man gewiſſe Pflanzen auf dem
Boden findet. Die Tussilago farfara und alpina, die Salvia glutinosa und
pratensis vegetiren ſehr lebhaft auf Boden, der Mergel haͤlt. Nicht eine einzelne
Pflanze zeigt ihn an; aber wo ſie ſich ausbreiten und einen uͤppigen Wuchs zeigen,
koͤnnen ſie allenfalls als Wegweiſer zur Auffindung des Mergels dienen. Wenn
die Medicaro lupulina, ohne daß der Boden im Duͤnger ſteht, haͤufig daſteht,
ſo halte ich auch dies fuͤr ein Merkmal. Auch unter der wilden Brombeere wird
man mehrentheils Mergel oder wenigſtens mergelichten Thon finden. Sonſt
zeigt ſich ſolcher tiefe und neſterweiſe liegende Mergel zuerſt mehrentheils an Ab-
haͤngen, in Hohlwegen, wo die obere Erde abgefallen iſt, und dann zu Lage
kommt. Mehrentheils pflegt ein ſolches Mergelneſt oben mit Thon bedeckt
zu ſeyn; und wo man ſolchen Thon trifft, der mit Kalkkoͤrnern durchwirkt iſt, da
kann man faſt mit Sicherheit ſchließen, daß tiefer unten ſich wirklicher Mergel

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[96/0140] Der Mergel. Andreaͤ heißt Mergel ſchlechthin eine Verbindung von ungefaͤhr gleichen Theilen Thon und Kalk. Iſt der Thon uͤberwiegend, ſo daß er betraͤchtlich uͤber die Haͤlfte bis zu ⅔ geht, ſo heißt die Verbindung Thonmergel. Steigt das Verhaͤltniß des Thons noch hoͤher, ſo daß der Kalk unter ¼, der Thon uͤber ¾ ausmacht, ſo wird er kalkigter oder mergelichter Thon genannt. Wenn der Kalk dagegen uͤberwiegend iſt, betraͤchtlich uͤber die Haͤlfte bis zu ⅔ ſteigt, ſo heißt er Kalkmergel, und iſt die Quantitaͤt des Kalks noch groͤßer, uͤber ¾, ſo nennt man dies Gemenge thonig- ten Kalk. §. 92. Wir finden den Mergel und ſeine Abarten an ſehr vielen Orten. Jetzt, da man ihn mit mehr Sorgfalt aufſucht, zeigt es ſich, daß man ihn in den meiſten Gegenden antreffe, und daß er faſt allenthalben im Untergrunde des Ackers liege. Es ſind ſelten Gegenden, wo man ihn gar nicht findet, oder wo er zu tief liegt, um ihn herauszuholen. Am haͤufigſten findet man ihn in gebirgigten Gegenden in der Nachbarſchaft von Floͤtzgebirgen, wo er nicht ſelten die Beſtandtheile des Untergrundes im Boden ausmacht, und große ausgebreitete Lager bildet. Im flachen Lande muß man ihn mehr aufſuchen. Er liegt da mehr neſterweiſe und zerſtreut, flacher oder tiefer in der Erde, auf Hoͤhen und in Niederungen, in trockenen und ſumpfigten Gegenden. Mit einiger Wahrſcheinlichkeit kann man auf die Gegenwart des Mergels ſchließen, wenn man gewiſſe Pflanzen auf dem Boden findet. Die Tussilago farfara und alpina, die Salvia glutinosa und pratensis vegetiren ſehr lebhaft auf Boden, der Mergel haͤlt. Nicht eine einzelne Pflanze zeigt ihn an; aber wo ſie ſich ausbreiten und einen uͤppigen Wuchs zeigen, koͤnnen ſie allenfalls als Wegweiſer zur Auffindung des Mergels dienen. Wenn die Medicaro lupulina, ohne daß der Boden im Duͤnger ſteht, haͤufig daſteht, ſo halte ich auch dies fuͤr ein Merkmal. Auch unter der wilden Brombeere wird man mehrentheils Mergel oder wenigſtens mergelichten Thon finden. Sonſt zeigt ſich ſolcher tiefe und neſterweiſe liegende Mergel zuerſt mehrentheils an Ab- haͤngen, in Hohlwegen, wo die obere Erde abgefallen iſt, und dann zu Lage kommt. Mehrentheils pflegt ein ſolches Mergelneſt oben mit Thon bedeckt zu ſeyn; und wo man ſolchen Thon trifft, der mit Kalkkoͤrnern durchwirkt iſt, da kann man faſt mit Sicherheit ſchließen, daß tiefer unten ſich wirklicher Mergel finden

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810, S. 96. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft02_1810/140>, abgerufen am 19.03.2019.