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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810.

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Die Mistdüngung.
dem Honigthau unterworfen, und bekamen unvollkommene Körner. Sie schienen
durch zu vieles Hydrogen und mit zu wenigem Kohlenstoff genährt zu seyn.

Wenn dieser Mist auf oder im Acker ausdörret, so zerfällt er in etlichen Jah-
ren nicht, mischt sich nicht mit der Erdkrume, und wird wohl erst sehr spät zu wirk-
lichem fruchtbaren Moder, weil er nachher in keine Gährung kommen kann, son-
dern nur verwittert. Daher wohl die Bemerkung, daß Mist, der auf die erste
Frucht keine Wirkung thue, auch auf die folgenden keine äußere.

Es kömmt daher allerdings viel darauf an, den Mist gerade in einem der
Bodenart angemessenen Zustande auf und in den Acker zu bringen.

§. 25.

Luftaussetzung
des Mistes,
wann sie un-
schädlich sey.
Den Mist, der eben in seiner höchsten und hitzigen Gährung sich befindet, zu
rühren und zu vertheilen, scheint mir nicht bloß der Theorie, sondern auch mehreren
Beobachtungen nach höchst nachtheilig. Hier gehen wahrscheinlich viele seiner wirk-
samsten Stoffe verloren, wenn er in freie Berührung mit der Luft kommt. Bevor er
aber seine Gährung lebhaft angefangen hat, oder nachdem seine hitzige Gährung
vollendet ist, scheint er in beiden Fällen durch Luftaussetzung gar nichts zu ver-
lieren, was wenigstens nicht auf andere Weise wiedergewonnen wird.

Den langen frischen Mist im Winter über den Boden auszubreiten, und ihn
so bis zur Frühjahrsbeackerung liegen zu lassen, thut eine augenfällige und sehr er-
wünschte Wirkung; vorausgesetzt, daß abfließendes Wasser seine ausgezogenen
Theile nicht wegführe, sondern selbige nur in den Boden hinneinziehe. Diese
Bedeckung des Bodens über Winter macht ihn ungemein locker und auffallend
fruchtbar. Ich habe häufig gesehen, daß man das Stroh, welches freilich zum
Theil ausgewaschen und nicht vermodert war, wieder zusammenbrachte, und aufs
Neue zur Einstreuung brauchte, oder aber solches auf einer naßkalten Stelle in den
Acker brachte, und dennoch hatte der Boden, worauf es lag, eine allen Anschein
nach eben so große Fruchtbarkeit angenommen, als wäre der sämmtliche Mist un-
tergebracht worden. Häufig werden Wiesen auf diese Weise bedüngt. Langen
und kurzen Mist über ausgesäete Erbsen und Wicken verbreiten, ihn darauf liegen
und diese hindurchwachsen lassen, habe ich zu oft versucht, um auf warmem, lockern
Mittelboden vom vorzüglichen Effekt dieser Methode nicht vollkommen überzeugt
zu seyn. Insbesondere hat sie mir bei späterer Einsaat immer eine vorzügliche

Die Miſtduͤngung.
dem Honigthau unterworfen, und bekamen unvollkommene Koͤrner. Sie ſchienen
durch zu vieles Hydrogen und mit zu wenigem Kohlenſtoff genaͤhrt zu ſeyn.

Wenn dieſer Miſt auf oder im Acker ausdoͤrret, ſo zerfaͤllt er in etlichen Jah-
ren nicht, miſcht ſich nicht mit der Erdkrume, und wird wohl erſt ſehr ſpaͤt zu wirk-
lichem fruchtbaren Moder, weil er nachher in keine Gaͤhrung kommen kann, ſon-
dern nur verwittert. Daher wohl die Bemerkung, daß Miſt, der auf die erſte
Frucht keine Wirkung thue, auch auf die folgenden keine aͤußere.

Es koͤmmt daher allerdings viel darauf an, den Miſt gerade in einem der
Bodenart angemeſſenen Zuſtande auf und in den Acker zu bringen.

§. 25.

Luftausſetzung
des Miſtes,
wann ſie un-
ſchaͤdlich ſey.
Den Miſt, der eben in ſeiner hoͤchſten und hitzigen Gaͤhrung ſich befindet, zu
ruͤhren und zu vertheilen, ſcheint mir nicht bloß der Theorie, ſondern auch mehreren
Beobachtungen nach hoͤchſt nachtheilig. Hier gehen wahrſcheinlich viele ſeiner wirk-
ſamſten Stoffe verloren, wenn er in freie Beruͤhrung mit der Luft kommt. Bevor er
aber ſeine Gaͤhrung lebhaft angefangen hat, oder nachdem ſeine hitzige Gaͤhrung
vollendet iſt, ſcheint er in beiden Faͤllen durch Luftausſetzung gar nichts zu ver-
lieren, was wenigſtens nicht auf andere Weiſe wiedergewonnen wird.

Den langen friſchen Miſt im Winter uͤber den Boden auszubreiten, und ihn
ſo bis zur Fruͤhjahrsbeackerung liegen zu laſſen, thut eine augenfaͤllige und ſehr er-
wuͤnſchte Wirkung; vorausgeſetzt, daß abfließendes Waſſer ſeine ausgezogenen
Theile nicht wegfuͤhre, ſondern ſelbige nur in den Boden hinneinziehe. Dieſe
Bedeckung des Bodens uͤber Winter macht ihn ungemein locker und auffallend
fruchtbar. Ich habe haͤufig geſehen, daß man das Stroh, welches freilich zum
Theil ausgewaſchen und nicht vermodert war, wieder zuſammenbrachte, und aufs
Neue zur Einſtreuung brauchte, oder aber ſolches auf einer naßkalten Stelle in den
Acker brachte, und dennoch hatte der Boden, worauf es lag, eine allen Anſchein
nach eben ſo große Fruchtbarkeit angenommen, als waͤre der ſaͤmmtliche Miſt un-
tergebracht worden. Haͤufig werden Wieſen auf dieſe Weiſe beduͤngt. Langen
und kurzen Miſt uͤber ausgeſaͤete Erbſen und Wicken verbreiten, ihn darauf liegen
und dieſe hindurchwachſen laſſen, habe ich zu oft verſucht, um auf warmem, lockern
Mittelboden vom vorzuͤglichen Effekt dieſer Methode nicht vollkommen uͤberzeugt
zu ſeyn. Insbeſondere hat ſie mir bei ſpaͤterer Einſaat immer eine vorzuͤgliche

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[194/0242] Die Miſtduͤngung. dem Honigthau unterworfen, und bekamen unvollkommene Koͤrner. Sie ſchienen durch zu vieles Hydrogen und mit zu wenigem Kohlenſtoff genaͤhrt zu ſeyn. Wenn dieſer Miſt auf oder im Acker ausdoͤrret, ſo zerfaͤllt er in etlichen Jah- ren nicht, miſcht ſich nicht mit der Erdkrume, und wird wohl erſt ſehr ſpaͤt zu wirk- lichem fruchtbaren Moder, weil er nachher in keine Gaͤhrung kommen kann, ſon- dern nur verwittert. Daher wohl die Bemerkung, daß Miſt, der auf die erſte Frucht keine Wirkung thue, auch auf die folgenden keine aͤußere. Es koͤmmt daher allerdings viel darauf an, den Miſt gerade in einem der Bodenart angemeſſenen Zuſtande auf und in den Acker zu bringen. §. 25. Den Miſt, der eben in ſeiner hoͤchſten und hitzigen Gaͤhrung ſich befindet, zu ruͤhren und zu vertheilen, ſcheint mir nicht bloß der Theorie, ſondern auch mehreren Beobachtungen nach hoͤchſt nachtheilig. Hier gehen wahrſcheinlich viele ſeiner wirk- ſamſten Stoffe verloren, wenn er in freie Beruͤhrung mit der Luft kommt. Bevor er aber ſeine Gaͤhrung lebhaft angefangen hat, oder nachdem ſeine hitzige Gaͤhrung vollendet iſt, ſcheint er in beiden Faͤllen durch Luftausſetzung gar nichts zu ver- lieren, was wenigſtens nicht auf andere Weiſe wiedergewonnen wird. Luftausſetzung des Miſtes, wann ſie un- ſchaͤdlich ſey. Den langen friſchen Miſt im Winter uͤber den Boden auszubreiten, und ihn ſo bis zur Fruͤhjahrsbeackerung liegen zu laſſen, thut eine augenfaͤllige und ſehr er- wuͤnſchte Wirkung; vorausgeſetzt, daß abfließendes Waſſer ſeine ausgezogenen Theile nicht wegfuͤhre, ſondern ſelbige nur in den Boden hinneinziehe. Dieſe Bedeckung des Bodens uͤber Winter macht ihn ungemein locker und auffallend fruchtbar. Ich habe haͤufig geſehen, daß man das Stroh, welches freilich zum Theil ausgewaſchen und nicht vermodert war, wieder zuſammenbrachte, und aufs Neue zur Einſtreuung brauchte, oder aber ſolches auf einer naßkalten Stelle in den Acker brachte, und dennoch hatte der Boden, worauf es lag, eine allen Anſchein nach eben ſo große Fruchtbarkeit angenommen, als waͤre der ſaͤmmtliche Miſt un- tergebracht worden. Haͤufig werden Wieſen auf dieſe Weiſe beduͤngt. Langen und kurzen Miſt uͤber ausgeſaͤete Erbſen und Wicken verbreiten, ihn darauf liegen und dieſe hindurchwachſen laſſen, habe ich zu oft verſucht, um auf warmem, lockern Mittelboden vom vorzuͤglichen Effekt dieſer Methode nicht vollkommen uͤberzeugt zu ſeyn. Insbeſondere hat ſie mir bei ſpaͤterer Einſaat immer eine vorzuͤgliche

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810, S. 194. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft02_1810/242>, abgerufen am 23.03.2019.