Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite

Abwässerung.
welche sehr zusammengesetzt sind, und viel Eisen enthalten, immer sehr mißlich.
Das Schaufelrad, das Wurfrad und die Schnecke erfüllen den Zweck we-
niger oder mehr. Der neu erfundene Belier hydraulique ist nur in gewissen La-
gen anwendbar. Der seit kurzem die Aufmerksamkeit der Mathematiker und Natur-
forscher erregende Montgolfiersche Wasserstößer ist wohl zu unwirksam. Neuerlichst
hat man sich in Holland auch der Dampfmaschinen zu dieser Absicht zu bedienen an-
gefangen, mit großer Wirkung, aber freilich auch mit schweren Kosten.

Oft sind mehrerer solcher Werke erforderlich, um sich das Wasser, eins dem an-
dern, zuzuheben, eher es auf die erforderliche Höhe gebracht werden kann.

§. 260.

Fast eben die Mittel, deren man sich in den verwallten Niederungslanden zurDas Durch-
sinterungs-
wasser.

Abfangung und Ableitung des von der Höhe herunterkommenden Wassers bedient,
sind auch anwendbar, um das sogenannte Durchsinterungs-, Grund- oder Kufen-
wasser abzuleiten. Dieses Wasser ist dasjenige, welches sich durch die durchlassenden
Erdlagen bei höherem Wasserspiegel hindurch und in das gesenkte Land hineinzieht.
Dieses Wasser zieht sich beim Anschwellen der Flüsse in den Boden hinein, beim Fal-
len derselben aber nicht so leicht wieder heraus; vielmehr pflegt es oft erst dann hin-
durchgedrungen zu seyn und sich zu zeigen, wenn das Wasser in den Strömen schon
wieder gefallen ist. Deshalb können es die auf dem Strome direkte zugeführten, mit
einer Fallschleuse versehenen, und unter den Wall durchgehenden Gräben, so wie
auch die, welche man schräg und tiefer abwärts in dem Strome erst einfallen
läßt, abführen.

§. 261.

Den Ueberströmungen und Durchsinterungen solcher Flüsse, die wegen ihrerDurchstiche
gekrümmter
Flußbetten.

Krümmungen ein zu geringes Gefälle haben, und deren Anschwellung nicht vom
Rückstau herrührt, wird dadurch am sichersten gewehret, daß man ihnen ein gerade-
res Bette giebt, und die Hindernisse ihres freien Laufs wegräumt. Je gerader,
desto schneller ist der Strom, und je schneller, um desto weniger Wasser enthält er zu
derselben Zeit in seinem Bette. Je ungehinderter, desto ruhiger fließt er auch, und
je ruhiger er fließt, desto weniger Zerstörungen richtet er an.

Man erreicht dies auf zweierlei Art: Man durchsticht entweder die Krümmun-
gen, und giebt dem Strome durch selbige hindurch ein gerades Bette, wodurch man

Dritter Thell. Y

Abwaͤſſerung.
welche ſehr zuſammengeſetzt ſind, und viel Eiſen enthalten, immer ſehr mißlich.
Das Schaufelrad, das Wurfrad und die Schnecke erfuͤllen den Zweck we-
niger oder mehr. Der neu erfundene Belier hydraulique iſt nur in gewiſſen La-
gen anwendbar. Der ſeit kurzem die Aufmerkſamkeit der Mathematiker und Natur-
forſcher erregende Montgolfierſche Waſſerſtoͤßer iſt wohl zu unwirkſam. Neuerlichſt
hat man ſich in Holland auch der Dampfmaſchinen zu dieſer Abſicht zu bedienen an-
gefangen, mit großer Wirkung, aber freilich auch mit ſchweren Koſten.

Oft ſind mehrerer ſolcher Werke erforderlich, um ſich das Waſſer, eins dem an-
dern, zuzuheben, eher es auf die erforderliche Hoͤhe gebracht werden kann.

§. 260.

Faſt eben die Mittel, deren man ſich in den verwallten Niederungslanden zurDas Durch-
ſinterungs-
waſſer.

Abfangung und Ableitung des von der Hoͤhe herunterkommenden Waſſers bedient,
ſind auch anwendbar, um das ſogenannte Durchſinterungs-, Grund- oder Kufen-
waſſer abzuleiten. Dieſes Waſſer iſt dasjenige, welches ſich durch die durchlaſſenden
Erdlagen bei hoͤherem Waſſerſpiegel hindurch und in das geſenkte Land hineinzieht.
Dieſes Waſſer zieht ſich beim Anſchwellen der Fluͤſſe in den Boden hinein, beim Fal-
len derſelben aber nicht ſo leicht wieder heraus; vielmehr pflegt es oft erſt dann hin-
durchgedrungen zu ſeyn und ſich zu zeigen, wenn das Waſſer in den Stroͤmen ſchon
wieder gefallen iſt. Deshalb koͤnnen es die auf dem Strome direkte zugefuͤhrten, mit
einer Fallſchleuſe verſehenen, und unter den Wall durchgehenden Graͤben, ſo wie
auch die, welche man ſchraͤg und tiefer abwaͤrts in dem Strome erſt einfallen
laͤßt, abfuͤhren.

§. 261.

Den Ueberſtroͤmungen und Durchſinterungen ſolcher Fluͤſſe, die wegen ihrerDurchſtiche
gekruͤmmter
Flußbetten.

Kruͤmmungen ein zu geringes Gefaͤlle haben, und deren Anſchwellung nicht vom
Ruͤckſtau herruͤhrt, wird dadurch am ſicherſten gewehret, daß man ihnen ein gerade-
res Bette giebt, und die Hinderniſſe ihres freien Laufs wegraͤumt. Je gerader,
deſto ſchneller iſt der Strom, und je ſchneller, um deſto weniger Waſſer enthaͤlt er zu
derſelben Zeit in ſeinem Bette. Je ungehinderter, deſto ruhiger fließt er auch, und
je ruhiger er fließt, deſto weniger Zerſtoͤrungen richtet er an.

Man erreicht dies auf zweierlei Art: Man durchſticht entweder die Kruͤmmun-
gen, und giebt dem Strome durch ſelbige hindurch ein gerades Bette, wodurch man

Dritter Thell. Y
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0191" n="169"/><fw place="top" type="header">Abwa&#x0364;&#x017F;&#x017F;erung.</fw><lb/>
welche &#x017F;ehr zu&#x017F;ammenge&#x017F;etzt &#x017F;ind, und viel Ei&#x017F;en enthalten, immer &#x017F;ehr mißlich.<lb/>
Das <hi rendition="#g">Schaufelrad,</hi> das <hi rendition="#g">Wurfrad</hi> und die <hi rendition="#g">Schnecke</hi> erfu&#x0364;llen den Zweck we-<lb/>
niger oder mehr. Der neu erfundene <hi rendition="#aq">Belier hydraulique</hi> i&#x017F;t nur in gewi&#x017F;&#x017F;en La-<lb/>
gen anwendbar. Der &#x017F;eit kurzem die Aufmerk&#x017F;amkeit der Mathematiker und Natur-<lb/>
for&#x017F;cher erregende Montgolfier&#x017F;che Wa&#x017F;&#x017F;er&#x017F;to&#x0364;ßer i&#x017F;t wohl zu unwirk&#x017F;am. Neuerlich&#x017F;t<lb/>
hat man &#x017F;ich in Holland auch der Dampfma&#x017F;chinen zu die&#x017F;er Ab&#x017F;icht zu bedienen an-<lb/>
gefangen, mit großer Wirkung, aber freilich auch mit &#x017F;chweren Ko&#x017F;ten.</p><lb/>
              <p>Oft &#x017F;ind mehrerer &#x017F;olcher Werke erforderlich, um &#x017F;ich das Wa&#x017F;&#x017F;er, eins dem an-<lb/>
dern, zuzuheben, eher es auf die erforderliche Ho&#x0364;he gebracht werden kann.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 260.</head><lb/>
              <p>Fa&#x017F;t eben die Mittel, deren man &#x017F;ich in den verwallten Niederungslanden zur<note place="right">Das Durch-<lb/>
&#x017F;interungs-<lb/>
wa&#x017F;&#x017F;er.</note><lb/>
Abfangung und Ableitung des von der Ho&#x0364;he herunterkommenden Wa&#x017F;&#x017F;ers bedient,<lb/>
&#x017F;ind auch anwendbar, um das &#x017F;ogenannte Durch&#x017F;interungs-, Grund- oder Kufen-<lb/>
wa&#x017F;&#x017F;er abzuleiten. Die&#x017F;es Wa&#x017F;&#x017F;er i&#x017F;t dasjenige, welches &#x017F;ich durch die durchla&#x017F;&#x017F;enden<lb/>
Erdlagen bei ho&#x0364;herem Wa&#x017F;&#x017F;er&#x017F;piegel hindurch und in das ge&#x017F;enkte Land hineinzieht.<lb/>
Die&#x017F;es Wa&#x017F;&#x017F;er zieht &#x017F;ich beim An&#x017F;chwellen der Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e in den Boden hinein, beim Fal-<lb/>
len der&#x017F;elben aber nicht &#x017F;o leicht wieder heraus; vielmehr pflegt es oft er&#x017F;t dann hin-<lb/>
durchgedrungen zu &#x017F;eyn und &#x017F;ich zu zeigen, wenn das Wa&#x017F;&#x017F;er in den Stro&#x0364;men &#x017F;chon<lb/>
wieder gefallen i&#x017F;t. Deshalb ko&#x0364;nnen es die auf dem Strome direkte zugefu&#x0364;hrten, mit<lb/>
einer Fall&#x017F;chleu&#x017F;e ver&#x017F;ehenen, und unter den Wall durchgehenden Gra&#x0364;ben, &#x017F;o wie<lb/>
auch die, welche man &#x017F;chra&#x0364;g und tiefer abwa&#x0364;rts in dem Strome er&#x017F;t einfallen<lb/>
la&#x0364;ßt, abfu&#x0364;hren.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 261.</head><lb/>
              <p>Den Ueber&#x017F;tro&#x0364;mungen und Durch&#x017F;interungen &#x017F;olcher Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, die wegen ihrer<note place="right">Durch&#x017F;tiche<lb/>
gekru&#x0364;mmter<lb/>
Flußbetten.</note><lb/>
Kru&#x0364;mmungen ein zu geringes Gefa&#x0364;lle haben, und deren An&#x017F;chwellung nicht vom<lb/>
Ru&#x0364;ck&#x017F;tau herru&#x0364;hrt, wird dadurch am &#x017F;icher&#x017F;ten gewehret, daß man ihnen ein gerade-<lb/>
res Bette giebt, und die Hinderni&#x017F;&#x017F;e ihres freien Laufs wegra&#x0364;umt. Je gerader,<lb/>
de&#x017F;to &#x017F;chneller i&#x017F;t der Strom, und je &#x017F;chneller, um de&#x017F;to weniger Wa&#x017F;&#x017F;er entha&#x0364;lt er zu<lb/>
der&#x017F;elben Zeit in &#x017F;einem Bette. Je ungehinderter, de&#x017F;to ruhiger fließt er auch, und<lb/>
je ruhiger er fließt, de&#x017F;to weniger Zer&#x017F;to&#x0364;rungen richtet er an.</p><lb/>
              <p>Man erreicht dies auf zweierlei Art: Man durch&#x017F;ticht entweder die Kru&#x0364;mmun-<lb/>
gen, und giebt dem Strome durch &#x017F;elbige hindurch ein gerades Bette, wodurch man<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">Dritter Thell. Y</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[169/0191] Abwaͤſſerung. welche ſehr zuſammengeſetzt ſind, und viel Eiſen enthalten, immer ſehr mißlich. Das Schaufelrad, das Wurfrad und die Schnecke erfuͤllen den Zweck we- niger oder mehr. Der neu erfundene Belier hydraulique iſt nur in gewiſſen La- gen anwendbar. Der ſeit kurzem die Aufmerkſamkeit der Mathematiker und Natur- forſcher erregende Montgolfierſche Waſſerſtoͤßer iſt wohl zu unwirkſam. Neuerlichſt hat man ſich in Holland auch der Dampfmaſchinen zu dieſer Abſicht zu bedienen an- gefangen, mit großer Wirkung, aber freilich auch mit ſchweren Koſten. Oft ſind mehrerer ſolcher Werke erforderlich, um ſich das Waſſer, eins dem an- dern, zuzuheben, eher es auf die erforderliche Hoͤhe gebracht werden kann. §. 260. Faſt eben die Mittel, deren man ſich in den verwallten Niederungslanden zur Abfangung und Ableitung des von der Hoͤhe herunterkommenden Waſſers bedient, ſind auch anwendbar, um das ſogenannte Durchſinterungs-, Grund- oder Kufen- waſſer abzuleiten. Dieſes Waſſer iſt dasjenige, welches ſich durch die durchlaſſenden Erdlagen bei hoͤherem Waſſerſpiegel hindurch und in das geſenkte Land hineinzieht. Dieſes Waſſer zieht ſich beim Anſchwellen der Fluͤſſe in den Boden hinein, beim Fal- len derſelben aber nicht ſo leicht wieder heraus; vielmehr pflegt es oft erſt dann hin- durchgedrungen zu ſeyn und ſich zu zeigen, wenn das Waſſer in den Stroͤmen ſchon wieder gefallen iſt. Deshalb koͤnnen es die auf dem Strome direkte zugefuͤhrten, mit einer Fallſchleuſe verſehenen, und unter den Wall durchgehenden Graͤben, ſo wie auch die, welche man ſchraͤg und tiefer abwaͤrts in dem Strome erſt einfallen laͤßt, abfuͤhren. Das Durch- ſinterungs- waſſer. §. 261. Den Ueberſtroͤmungen und Durchſinterungen ſolcher Fluͤſſe, die wegen ihrer Kruͤmmungen ein zu geringes Gefaͤlle haben, und deren Anſchwellung nicht vom Ruͤckſtau herruͤhrt, wird dadurch am ſicherſten gewehret, daß man ihnen ein gerade- res Bette giebt, und die Hinderniſſe ihres freien Laufs wegraͤumt. Je gerader, deſto ſchneller iſt der Strom, und je ſchneller, um deſto weniger Waſſer enthaͤlt er zu derſelben Zeit in ſeinem Bette. Je ungehinderter, deſto ruhiger fließt er auch, und je ruhiger er fließt, deſto weniger Zerſtoͤrungen richtet er an. Durchſtiche gekruͤmmter Flußbetten. Man erreicht dies auf zweierlei Art: Man durchſticht entweder die Kruͤmmun- gen, und giebt dem Strome durch ſelbige hindurch ein gerades Bette, wodurch man Dritter Thell. Y

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/191
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812, S. 169. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/191>, abgerufen am 19.12.2018.