Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Ackerwerkzeuge.
ihm diese scharfe Kante auf eine andere Weise, durch die Vorsetzung einer scharfen
eisernen Schiene, oder wie beim Smalschen Pfluge, durch den hervortretenden An-
satz des die linke Seite des Pfluges schließenden Eisens. (Beschr. der Ackergeräthe,
Heft I., Taf. 2. Fig. II. e) Man findet auch Pflüge, wo das Messer unmittelbar
auf selbigem ruht, und diese scharfe Kante ausmacht; (daselbst, Taf. 6. Fig. I. und
II. a) wobei denn aber der Vortheil der Verlängerung der linken Seite, ohne Ver-
mehrung der Friktion, wegfällt. So unbezweifelt nützlich die beschriebene Richtung
dieser Griessäule ist, so findet man doch zuweilen Pflüge, wo sie gerade die entgegen-
gesetzte hat, und sich nach vorwärts überlehnt. Man braucht diese Stellung nur an-
zusehen, um ihre mindere Haltbarkeit und Unzweckmäßigkeit zu fühlen.

§. 115.

Der Pflug-
baum.
Der Pflugbaum oder der Grindel ist derjenige Theil, mittelst welchem
der Körper des Pfluges in der Erde fortgezogen wird, da es unmöglich ist, die Zug-
kraft unmittelbar an dem Pflugkörper anzubringen.

Dieser Pflugbaum ist vorn, mittelst der Griessäule, und hinten, mehrentheils
mittelst der linken Sterze, mit dem Pflugkörper verbunden. Diese Verbindung muß
in derjenigen Richtung gemacht werden, daß, wenn der Zug an dem bestimmten
Punkte angebracht wird, der Pflug horizontal in der Erde in derjenigen Tiefe, worin
er einmal eingesetzt worden, hergehe.

Steht der Baum vorne zu hoch, -- oder ist die Griessäule zu lang -- so be-
kommt das Schaar eine zu starke Tendenz in den Boden, der Pflug geht, wie sich der
Bauer ausdrückt, auf der Nase; steht er zu niedrig, -- oder ist die Griessäule zu
kurz -- so geht die Tendenz des Schaars aus dem Boden heraus, und man sagt, der
Pflug gehe auf dem Hacken. Er muß aber horizontal, oder eigentlich mit der Ober-
fläche der Erde, vorn und hinten in der Tiefe, wo er eingesetzt worden, parallel gehen.
Es kann dieses zwar bei dem Räderpfluge durch die höhere oder niedrige Lage des
Pflugbaums auf der Lichte oder durch dessen Verkürzung oder Verlängerung, bei
dem räderlosen Pfluge durch die Veränderung des Punktes, wo die Zuglinie an der
Spitze des Pflugbaums befestigt ist, oder durch eine andere Richtung dieser Zuglinie
gehoben werden. Allein die Hebung des Baums wirkt dann seiner Tendenz im Erd-
boden entgegen, und das Schaar macht keinen horizontalen Schnitt, sondern kratzt

Die Ackerwerkzeuge.
ihm dieſe ſcharfe Kante auf eine andere Weiſe, durch die Vorſetzung einer ſcharfen
eiſernen Schiene, oder wie beim Smalſchen Pfluge, durch den hervortretenden An-
ſatz des die linke Seite des Pfluges ſchließenden Eiſens. (Beſchr. der Ackergeraͤthe,
Heft I., Taf. 2. Fig. II. e) Man findet auch Pfluͤge, wo das Meſſer unmittelbar
auf ſelbigem ruht, und dieſe ſcharfe Kante ausmacht; (daſelbſt, Taf. 6. Fig. I. und
II. a) wobei denn aber der Vortheil der Verlaͤngerung der linken Seite, ohne Ver-
mehrung der Friktion, wegfaͤllt. So unbezweifelt nuͤtzlich die beſchriebene Richtung
dieſer Griesſaͤule iſt, ſo findet man doch zuweilen Pfluͤge, wo ſie gerade die entgegen-
geſetzte hat, und ſich nach vorwaͤrts uͤberlehnt. Man braucht dieſe Stellung nur an-
zuſehen, um ihre mindere Haltbarkeit und Unzweckmaͤßigkeit zu fuͤhlen.

§. 115.

Der Pflug-
baum.
Der Pflugbaum oder der Grindel iſt derjenige Theil, mittelſt welchem
der Koͤrper des Pfluges in der Erde fortgezogen wird, da es unmoͤglich iſt, die Zug-
kraft unmittelbar an dem Pflugkoͤrper anzubringen.

Dieſer Pflugbaum iſt vorn, mittelſt der Griesſaͤule, und hinten, mehrentheils
mittelſt der linken Sterze, mit dem Pflugkoͤrper verbunden. Dieſe Verbindung muß
in derjenigen Richtung gemacht werden, daß, wenn der Zug an dem beſtimmten
Punkte angebracht wird, der Pflug horizontal in der Erde in derjenigen Tiefe, worin
er einmal eingeſetzt worden, hergehe.

Steht der Baum vorne zu hoch, — oder iſt die Griesſaͤule zu lang — ſo be-
kommt das Schaar eine zu ſtarke Tendenz in den Boden, der Pflug geht, wie ſich der
Bauer ausdruͤckt, auf der Naſe; ſteht er zu niedrig, — oder iſt die Griesſaͤule zu
kurz — ſo geht die Tendenz des Schaars aus dem Boden heraus, und man ſagt, der
Pflug gehe auf dem Hacken. Er muß aber horizontal, oder eigentlich mit der Ober-
flaͤche der Erde, vorn und hinten in der Tiefe, wo er eingeſetzt worden, parallel gehen.
Es kann dieſes zwar bei dem Raͤderpfluge durch die hoͤhere oder niedrige Lage des
Pflugbaums auf der Lichte oder durch deſſen Verkuͤrzung oder Verlaͤngerung, bei
dem raͤderloſen Pfluge durch die Veraͤnderung des Punktes, wo die Zuglinie an der
Spitze des Pflugbaums befeſtigt iſt, oder durch eine andere Richtung dieſer Zuglinie
gehoben werden. Allein die Hebung des Baums wirkt dann ſeiner Tendenz im Erd-
boden entgegen, und das Schaar macht keinen horizontalen Schnitt, ſondern kratzt

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0048" n="26"/><fw place="top" type="header">Die Ackerwerkzeuge.</fw><lb/>
ihm die&#x017F;e &#x017F;charfe Kante auf eine andere Wei&#x017F;e, durch die Vor&#x017F;etzung einer &#x017F;charfen<lb/>
ei&#x017F;ernen Schiene, oder wie beim Smal&#x017F;chen Pfluge, durch den hervortretenden An-<lb/>
&#x017F;atz des die linke Seite des Pfluges &#x017F;chließenden Ei&#x017F;ens. (Be&#x017F;chr. der Ackergera&#x0364;the,<lb/>
Heft <hi rendition="#aq">I.</hi>, Taf. 2. Fig. <hi rendition="#aq">II. e</hi>) Man findet auch Pflu&#x0364;ge, wo das Me&#x017F;&#x017F;er unmittelbar<lb/>
auf &#x017F;elbigem ruht, und die&#x017F;e &#x017F;charfe Kante ausmacht; (da&#x017F;elb&#x017F;t, Taf. 6. Fig. <hi rendition="#aq">I.</hi> und<lb/><hi rendition="#aq">II. a</hi>) wobei denn aber der Vortheil der Verla&#x0364;ngerung der linken Seite, ohne Ver-<lb/>
mehrung der Friktion, wegfa&#x0364;llt. So unbezweifelt nu&#x0364;tzlich die be&#x017F;chriebene Richtung<lb/>
die&#x017F;er Gries&#x017F;a&#x0364;ule i&#x017F;t, &#x017F;o findet man doch zuweilen Pflu&#x0364;ge, wo &#x017F;ie gerade die entgegen-<lb/>
ge&#x017F;etzte hat, und &#x017F;ich nach vorwa&#x0364;rts u&#x0364;berlehnt. Man braucht die&#x017F;e Stellung nur an-<lb/>
zu&#x017F;ehen, um ihre mindere Haltbarkeit und Unzweckma&#x0364;ßigkeit zu fu&#x0364;hlen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 115.</head><lb/>
              <p><note place="left">Der Pflug-<lb/>
baum.</note>Der <hi rendition="#g">Pflugbaum</hi> oder der <hi rendition="#g">Grindel</hi> i&#x017F;t derjenige Theil, mittel&#x017F;t welchem<lb/>
der Ko&#x0364;rper des Pfluges in der Erde fortgezogen wird, da es unmo&#x0364;glich i&#x017F;t, die Zug-<lb/>
kraft unmittelbar an dem Pflugko&#x0364;rper anzubringen.</p><lb/>
              <p>Die&#x017F;er Pflugbaum i&#x017F;t vorn, mittel&#x017F;t der Gries&#x017F;a&#x0364;ule, und hinten, mehrentheils<lb/>
mittel&#x017F;t der linken Sterze, mit dem Pflugko&#x0364;rper verbunden. Die&#x017F;e Verbindung muß<lb/>
in derjenigen Richtung gemacht werden, daß, wenn der Zug an dem be&#x017F;timmten<lb/>
Punkte angebracht wird, der Pflug horizontal in der Erde in derjenigen Tiefe, worin<lb/>
er einmal einge&#x017F;etzt worden, hergehe.</p><lb/>
              <p>Steht der Baum vorne zu hoch, &#x2014; oder i&#x017F;t die Gries&#x017F;a&#x0364;ule zu lang &#x2014; &#x017F;o be-<lb/>
kommt das Schaar eine zu &#x017F;tarke Tendenz in den Boden, der Pflug geht, wie &#x017F;ich der<lb/>
Bauer ausdru&#x0364;ckt, auf der Na&#x017F;e; &#x017F;teht er zu niedrig, &#x2014; oder i&#x017F;t die Gries&#x017F;a&#x0364;ule zu<lb/>
kurz &#x2014; &#x017F;o geht die Tendenz des Schaars aus dem Boden heraus, und man &#x017F;agt, der<lb/>
Pflug gehe auf dem Hacken. Er muß aber horizontal, oder eigentlich mit der Ober-<lb/>
fla&#x0364;che der Erde, vorn und hinten in der Tiefe, wo er einge&#x017F;etzt worden, parallel gehen.<lb/>
Es kann die&#x017F;es zwar bei dem Ra&#x0364;derpfluge durch die ho&#x0364;here oder niedrige Lage des<lb/>
Pflugbaums auf der <hi rendition="#g">Lichte</hi> oder durch de&#x017F;&#x017F;en Verku&#x0364;rzung oder Verla&#x0364;ngerung, bei<lb/>
dem ra&#x0364;derlo&#x017F;en Pfluge durch die Vera&#x0364;nderung des Punktes, wo die Zuglinie an der<lb/>
Spitze des Pflugbaums befe&#x017F;tigt i&#x017F;t, oder durch eine andere Richtung die&#x017F;er Zuglinie<lb/>
gehoben werden. Allein die Hebung des Baums wirkt dann &#x017F;einer Tendenz im Erd-<lb/>
boden entgegen, und das Schaar macht keinen horizontalen Schnitt, &#x017F;ondern kratzt<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[26/0048] Die Ackerwerkzeuge. ihm dieſe ſcharfe Kante auf eine andere Weiſe, durch die Vorſetzung einer ſcharfen eiſernen Schiene, oder wie beim Smalſchen Pfluge, durch den hervortretenden An- ſatz des die linke Seite des Pfluges ſchließenden Eiſens. (Beſchr. der Ackergeraͤthe, Heft I., Taf. 2. Fig. II. e) Man findet auch Pfluͤge, wo das Meſſer unmittelbar auf ſelbigem ruht, und dieſe ſcharfe Kante ausmacht; (daſelbſt, Taf. 6. Fig. I. und II. a) wobei denn aber der Vortheil der Verlaͤngerung der linken Seite, ohne Ver- mehrung der Friktion, wegfaͤllt. So unbezweifelt nuͤtzlich die beſchriebene Richtung dieſer Griesſaͤule iſt, ſo findet man doch zuweilen Pfluͤge, wo ſie gerade die entgegen- geſetzte hat, und ſich nach vorwaͤrts uͤberlehnt. Man braucht dieſe Stellung nur an- zuſehen, um ihre mindere Haltbarkeit und Unzweckmaͤßigkeit zu fuͤhlen. §. 115. Der Pflugbaum oder der Grindel iſt derjenige Theil, mittelſt welchem der Koͤrper des Pfluges in der Erde fortgezogen wird, da es unmoͤglich iſt, die Zug- kraft unmittelbar an dem Pflugkoͤrper anzubringen. Der Pflug- baum. Dieſer Pflugbaum iſt vorn, mittelſt der Griesſaͤule, und hinten, mehrentheils mittelſt der linken Sterze, mit dem Pflugkoͤrper verbunden. Dieſe Verbindung muß in derjenigen Richtung gemacht werden, daß, wenn der Zug an dem beſtimmten Punkte angebracht wird, der Pflug horizontal in der Erde in derjenigen Tiefe, worin er einmal eingeſetzt worden, hergehe. Steht der Baum vorne zu hoch, — oder iſt die Griesſaͤule zu lang — ſo be- kommt das Schaar eine zu ſtarke Tendenz in den Boden, der Pflug geht, wie ſich der Bauer ausdruͤckt, auf der Naſe; ſteht er zu niedrig, — oder iſt die Griesſaͤule zu kurz — ſo geht die Tendenz des Schaars aus dem Boden heraus, und man ſagt, der Pflug gehe auf dem Hacken. Er muß aber horizontal, oder eigentlich mit der Ober- flaͤche der Erde, vorn und hinten in der Tiefe, wo er eingeſetzt worden, parallel gehen. Es kann dieſes zwar bei dem Raͤderpfluge durch die hoͤhere oder niedrige Lage des Pflugbaums auf der Lichte oder durch deſſen Verkuͤrzung oder Verlaͤngerung, bei dem raͤderloſen Pfluge durch die Veraͤnderung des Punktes, wo die Zuglinie an der Spitze des Pflugbaums befeſtigt iſt, oder durch eine andere Richtung dieſer Zuglinie gehoben werden. Allein die Hebung des Baums wirkt dann ſeiner Tendenz im Erd- boden entgegen, und das Schaar macht keinen horizontalen Schnitt, ſondern kratzt

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/48
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/48>, abgerufen am 12.12.2018.