Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Ackerwerkzeuge.
ken sind selten rund, mehrentheils eckig, viereckig oder dreieckig. Letztere sind
wegen des spitzeren Winkels wirksamer. Man hat sie aber auch messerförmig,
vorn scharf und hinten mit einem breiteren Rücken.

Sie sind entweder in die Eggenbäume eingekeilt, gleichsam wie ein Nagel
eingeschlagen, oder unbeweglich darin vernietet. Im erstern Falle sind sie länger
gemacht, und stehen über den Eggenbalken hervor. Dies hat den Nutzen, daß
man sie tiefer einschlagen und verlängern, auch schärfen kann, wenn sie unten ab-
geschliffen sind. Aber es hat den Nachtheil, daß sie leicht verloren werden, ent-
weder von selbst ausspringen, wenn sie mit der Spitze auf einen Stein stoßen,
oder aber absichtlich herausgeschlagen werden. Jeder, der ein Stück Eisen
braucht, etwa zum Vorstecknagel, holt sich eine Zinke aus der Egge, so daß man
oft eine Egge fast zinkenlos findet, wenn man sie gebrauchen will. Die fest sitzen-
den Zinken sind mit einem Rande auf den Pflugbalken aufgenagelt. Seltener
und nur bei den messerförmigen Zinken werden sie an ihrem Stiele mittelst einer
Schraubenmutter aufgeschroben, um sie abnehmen und schärfen zu können.

§. 130.

Im Allgemeinen kömmt es bei dem Bau der Egge, der großen wie der klei-Erfordernisse
einer guten
Egge.

nen, auf folgende Punkte an:

Erstlich, daß die Zinken entfernt genug von einander stehen, damit sich die
Zwischenräume nicht so leicht vollsetzen, und der Boden sich nicht dazwischen zu-
sammenballen könne.

Zweitens, daß die Zinken so stehen, daß die Züge derselben in gleicher Ent-
fernung von einander kommen.

Drittens, daß jede Zinke einen besondern Zug mache, und nicht der Zug der
einen mit dem Zuge der andern zusammentreffe.

Viertens, daß die Zinken dennoch in möglichst gleicher Entfernung in dem
Balken von einander stehen, indem sie zu dicht neben einander den Balken an der
Stelle schwächen würden.

Das dritte Erforderniß findet man bei den meisten Eggen nicht beobachtet.
Die Zinken sind mehrentheils nach der Form des sogenannten Quinkunx in die Eg-
genbalken eingesetzt, so daß der Zug des ersten Balkens mit dem des dritten und
der des zweiten mit dem des vierten zusammentrifft. Ein Theil der Züge ist also

Die Ackerwerkzeuge.
ken ſind ſelten rund, mehrentheils eckig, viereckig oder dreieckig. Letztere ſind
wegen des ſpitzeren Winkels wirkſamer. Man hat ſie aber auch meſſerfoͤrmig,
vorn ſcharf und hinten mit einem breiteren Ruͤcken.

Sie ſind entweder in die Eggenbaͤume eingekeilt, gleichſam wie ein Nagel
eingeſchlagen, oder unbeweglich darin vernietet. Im erſtern Falle ſind ſie laͤnger
gemacht, und ſtehen uͤber den Eggenbalken hervor. Dies hat den Nutzen, daß
man ſie tiefer einſchlagen und verlaͤngern, auch ſchaͤrfen kann, wenn ſie unten ab-
geſchliffen ſind. Aber es hat den Nachtheil, daß ſie leicht verloren werden, ent-
weder von ſelbſt ausſpringen, wenn ſie mit der Spitze auf einen Stein ſtoßen,
oder aber abſichtlich herausgeſchlagen werden. Jeder, der ein Stuͤck Eiſen
braucht, etwa zum Vorſtecknagel, holt ſich eine Zinke aus der Egge, ſo daß man
oft eine Egge faſt zinkenlos findet, wenn man ſie gebrauchen will. Die feſt ſitzen-
den Zinken ſind mit einem Rande auf den Pflugbalken aufgenagelt. Seltener
und nur bei den meſſerfoͤrmigen Zinken werden ſie an ihrem Stiele mittelſt einer
Schraubenmutter aufgeſchroben, um ſie abnehmen und ſchaͤrfen zu koͤnnen.

§. 130.

Im Allgemeinen koͤmmt es bei dem Bau der Egge, der großen wie der klei-Erforderniſſe
einer guten
Egge.

nen, auf folgende Punkte an:

Erſtlich, daß die Zinken entfernt genug von einander ſtehen, damit ſich die
Zwiſchenraͤume nicht ſo leicht vollſetzen, und der Boden ſich nicht dazwiſchen zu-
ſammenballen koͤnne.

Zweitens, daß die Zinken ſo ſtehen, daß die Zuͤge derſelben in gleicher Ent-
fernung von einander kommen.

Drittens, daß jede Zinke einen beſondern Zug mache, und nicht der Zug der
einen mit dem Zuge der andern zuſammentreffe.

Viertens, daß die Zinken dennoch in moͤglichſt gleicher Entfernung in dem
Balken von einander ſtehen, indem ſie zu dicht neben einander den Balken an der
Stelle ſchwaͤchen wuͤrden.

Das dritte Erforderniß findet man bei den meiſten Eggen nicht beobachtet.
Die Zinken ſind mehrentheils nach der Form des ſogenannten Quinkunx in die Eg-
genbalken eingeſetzt, ſo daß der Zug des erſten Balkens mit dem des dritten und
der des zweiten mit dem des vierten zuſammentrifft. Ein Theil der Zuͤge iſt alſo

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0077" n="55"/><fw place="top" type="header">Die Ackerwerkzeuge.</fw><lb/>
ken &#x017F;ind &#x017F;elten rund, mehrentheils eckig, viereckig oder dreieckig. Letztere &#x017F;ind<lb/>
wegen des &#x017F;pitzeren Winkels wirk&#x017F;amer. Man hat &#x017F;ie aber auch me&#x017F;&#x017F;erfo&#x0364;rmig,<lb/>
vorn &#x017F;charf und hinten mit einem breiteren Ru&#x0364;cken.</p><lb/>
              <p>Sie &#x017F;ind entweder in die Eggenba&#x0364;ume eingekeilt, gleich&#x017F;am wie ein Nagel<lb/>
einge&#x017F;chlagen, oder unbeweglich darin vernietet. Im er&#x017F;tern Falle &#x017F;ind &#x017F;ie la&#x0364;nger<lb/>
gemacht, und &#x017F;tehen u&#x0364;ber den Eggenbalken hervor. Dies hat den Nutzen, daß<lb/>
man &#x017F;ie tiefer ein&#x017F;chlagen und verla&#x0364;ngern, auch &#x017F;cha&#x0364;rfen kann, wenn &#x017F;ie unten ab-<lb/>
ge&#x017F;chliffen &#x017F;ind. Aber es hat den Nachtheil, daß &#x017F;ie leicht verloren werden, ent-<lb/>
weder von &#x017F;elb&#x017F;t aus&#x017F;pringen, wenn &#x017F;ie mit der Spitze auf einen Stein &#x017F;toßen,<lb/>
oder aber ab&#x017F;ichtlich herausge&#x017F;chlagen werden. Jeder, der ein Stu&#x0364;ck Ei&#x017F;en<lb/>
braucht, etwa zum Vor&#x017F;tecknagel, holt &#x017F;ich eine Zinke aus der Egge, &#x017F;o daß man<lb/>
oft eine Egge fa&#x017F;t zinkenlos findet, wenn man &#x017F;ie gebrauchen will. Die fe&#x017F;t &#x017F;itzen-<lb/>
den Zinken &#x017F;ind mit einem Rande auf den Pflugbalken aufgenagelt. Seltener<lb/>
und nur bei den me&#x017F;&#x017F;erfo&#x0364;rmigen Zinken werden &#x017F;ie an ihrem Stiele mittel&#x017F;t einer<lb/>
Schraubenmutter aufge&#x017F;chroben, um &#x017F;ie abnehmen und &#x017F;cha&#x0364;rfen zu ko&#x0364;nnen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 130.</head><lb/>
              <p>Im Allgemeinen ko&#x0364;mmt es bei dem Bau der Egge, der großen wie der klei-<note place="right">Erforderni&#x017F;&#x017F;e<lb/>
einer guten<lb/>
Egge.</note><lb/>
nen, auf folgende Punkte an:</p><lb/>
              <p>Er&#x017F;tlich, daß die Zinken entfernt genug von einander &#x017F;tehen, damit &#x017F;ich die<lb/>
Zwi&#x017F;chenra&#x0364;ume nicht &#x017F;o leicht voll&#x017F;etzen, und der Boden &#x017F;ich nicht dazwi&#x017F;chen zu-<lb/>
&#x017F;ammenballen ko&#x0364;nne.</p><lb/>
              <p>Zweitens, daß die Zinken &#x017F;o &#x017F;tehen, daß die Zu&#x0364;ge der&#x017F;elben in gleicher Ent-<lb/>
fernung von einander kommen.</p><lb/>
              <p>Drittens, daß jede Zinke einen be&#x017F;ondern Zug mache, und nicht der Zug der<lb/>
einen mit dem Zuge der andern zu&#x017F;ammentreffe.</p><lb/>
              <p>Viertens, daß die Zinken dennoch in mo&#x0364;glich&#x017F;t gleicher Entfernung in dem<lb/>
Balken von einander &#x017F;tehen, indem &#x017F;ie zu dicht neben einander den Balken an der<lb/>
Stelle &#x017F;chwa&#x0364;chen wu&#x0364;rden.</p><lb/>
              <p>Das dritte Erforderniß findet man bei den mei&#x017F;ten Eggen nicht beobachtet.<lb/>
Die Zinken &#x017F;ind mehrentheils nach der Form des &#x017F;ogenannten Quinkunx in die Eg-<lb/>
genbalken einge&#x017F;etzt, &#x017F;o daß der Zug des er&#x017F;ten Balkens mit dem des dritten und<lb/>
der des zweiten mit dem des vierten zu&#x017F;ammentrifft. Ein Theil der Zu&#x0364;ge i&#x017F;t al&#x017F;o<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[55/0077] Die Ackerwerkzeuge. ken ſind ſelten rund, mehrentheils eckig, viereckig oder dreieckig. Letztere ſind wegen des ſpitzeren Winkels wirkſamer. Man hat ſie aber auch meſſerfoͤrmig, vorn ſcharf und hinten mit einem breiteren Ruͤcken. Sie ſind entweder in die Eggenbaͤume eingekeilt, gleichſam wie ein Nagel eingeſchlagen, oder unbeweglich darin vernietet. Im erſtern Falle ſind ſie laͤnger gemacht, und ſtehen uͤber den Eggenbalken hervor. Dies hat den Nutzen, daß man ſie tiefer einſchlagen und verlaͤngern, auch ſchaͤrfen kann, wenn ſie unten ab- geſchliffen ſind. Aber es hat den Nachtheil, daß ſie leicht verloren werden, ent- weder von ſelbſt ausſpringen, wenn ſie mit der Spitze auf einen Stein ſtoßen, oder aber abſichtlich herausgeſchlagen werden. Jeder, der ein Stuͤck Eiſen braucht, etwa zum Vorſtecknagel, holt ſich eine Zinke aus der Egge, ſo daß man oft eine Egge faſt zinkenlos findet, wenn man ſie gebrauchen will. Die feſt ſitzen- den Zinken ſind mit einem Rande auf den Pflugbalken aufgenagelt. Seltener und nur bei den meſſerfoͤrmigen Zinken werden ſie an ihrem Stiele mittelſt einer Schraubenmutter aufgeſchroben, um ſie abnehmen und ſchaͤrfen zu koͤnnen. §. 130. Im Allgemeinen koͤmmt es bei dem Bau der Egge, der großen wie der klei- nen, auf folgende Punkte an: Erforderniſſe einer guten Egge. Erſtlich, daß die Zinken entfernt genug von einander ſtehen, damit ſich die Zwiſchenraͤume nicht ſo leicht vollſetzen, und der Boden ſich nicht dazwiſchen zu- ſammenballen koͤnne. Zweitens, daß die Zinken ſo ſtehen, daß die Zuͤge derſelben in gleicher Ent- fernung von einander kommen. Drittens, daß jede Zinke einen beſondern Zug mache, und nicht der Zug der einen mit dem Zuge der andern zuſammentreffe. Viertens, daß die Zinken dennoch in moͤglichſt gleicher Entfernung in dem Balken von einander ſtehen, indem ſie zu dicht neben einander den Balken an der Stelle ſchwaͤchen wuͤrden. Das dritte Erforderniß findet man bei den meiſten Eggen nicht beobachtet. Die Zinken ſind mehrentheils nach der Form des ſogenannten Quinkunx in die Eg- genbalken eingeſetzt, ſo daß der Zug des erſten Balkens mit dem des dritten und der des zweiten mit dem des vierten zuſammentrifft. Ein Theil der Zuͤge iſt alſo

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/77
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812, S. 55. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/77>, abgerufen am 11.12.2019.