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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812.

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Hülsenfrüchte.
fruchtbaren Beschattung willen, erwünscht, wenn auch der Ertrag des Korns etwas
schwächer seyn sollte.

Auf gewöhnlichem Boden haben die gedüngten Erbsen im Korne wie im
Stroh immer den Vorzug, und hinterlassen dann den Boden in einem besonders
günstigen Zustande für die folgende Frucht; wogegen er bekanntlich unter schlecht
stehenden Erbsen verwildert und krautig wird. Indessen ist es selten rathsam, den
Erbsen eine sehr starke Düngung zu geben.

Mit jedem Jahre überzeugen uns mehrere wiederholte comparative Versuche,
daß eine nach der Saat oben aufgestreuete Düngung, es sey mit ganz frischem stro-
higen oder zergangenen Miste, den Erbsen auf sandigem Lehmboden nicht nur wohl-
thätiger sey als eine untergepflügte, sondern daß auch die folgende Winterfrucht
besser darnach gerathe. Die Erfahrung lehrt uns dies so augenscheinlich, daß alle
scheinbar entgegenstehende theoretische Gründe dagegen verstummen müssen. Jedoch
kann ich dies bisjetzt nicht auf strengen Boden ausdehnen, auf welchem noch keine
Versuche meines Wissens darüber angestellt sind.

Der Dünger kann sonst sehr gut mit den Erbsen zugleich untergepflügt wer-
den, indem man diese auf den zerstreueten Dünger säet.

Man hat die Bemerkung gemacht, daß Schaaf- und Pferdemist feinhülsigere
und feinere Erbsen gäbe, als der Kuh- und Schweinemist. Auch Kalk- und
Aschendüngung soll dies bewirken.

§. 127.

Vorbereitung
des Ackers.
Wenn man gleich anerkennt, daß die Erbse einen sehr gelockerten und fein
gepulverten Boden liebe, so sind doch manche nach ihrer Erfahrung überzeugt, daß
sie auf einer Furche gesäet, besser als nach mehrerer Bearbeitung gerathen. Ge-
gen die Richtigkeit einiger Erfahrungen, die man dafür anführt, wende ich nichts
ein; allein es sind ohne Zweifel besondere Umstände da gewesen, welche keines-
weges eine allgemeine Regel begründen. Wenn man in feuchterem Boden eine
Furche vor Winter gegeben hatte, so zog sich die Krume so voll Wasser, daß der
Boden noch zu naß war, als man die Saatfurche im Frühjahre gab, wobei sich
der Boden mehr verballte, als lockerer wurde. Man wollte von der Regel einer
möglichst frühen Erbsenaussaat nicht abweichen, und schmierte sie ein, welches ihnen
immer übel bekommt. Auf Boden, wo man dies nicht zu besorgen hat, und wo

Huͤlſenfruͤchte.
fruchtbaren Beſchattung willen, erwuͤnſcht, wenn auch der Ertrag des Korns etwas
ſchwaͤcher ſeyn ſollte.

Auf gewoͤhnlichem Boden haben die geduͤngten Erbſen im Korne wie im
Stroh immer den Vorzug, und hinterlaſſen dann den Boden in einem beſonders
guͤnſtigen Zuſtande fuͤr die folgende Frucht; wogegen er bekanntlich unter ſchlecht
ſtehenden Erbſen verwildert und krautig wird. Indeſſen iſt es ſelten rathſam, den
Erbſen eine ſehr ſtarke Duͤngung zu geben.

Mit jedem Jahre uͤberzeugen uns mehrere wiederholte comparative Verſuche,
daß eine nach der Saat oben aufgeſtreuete Duͤngung, es ſey mit ganz friſchem ſtro-
higen oder zergangenen Miſte, den Erbſen auf ſandigem Lehmboden nicht nur wohl-
thaͤtiger ſey als eine untergepfluͤgte, ſondern daß auch die folgende Winterfrucht
beſſer darnach gerathe. Die Erfahrung lehrt uns dies ſo augenſcheinlich, daß alle
ſcheinbar entgegenſtehende theoretiſche Gruͤnde dagegen verſtummen muͤſſen. Jedoch
kann ich dies bisjetzt nicht auf ſtrengen Boden ausdehnen, auf welchem noch keine
Verſuche meines Wiſſens daruͤber angeſtellt ſind.

Der Duͤnger kann ſonſt ſehr gut mit den Erbſen zugleich untergepfluͤgt wer-
den, indem man dieſe auf den zerſtreueten Duͤnger ſaͤet.

Man hat die Bemerkung gemacht, daß Schaaf- und Pferdemiſt feinhuͤlſigere
und feinere Erbſen gaͤbe, als der Kuh- und Schweinemiſt. Auch Kalk- und
Aſchenduͤngung ſoll dies bewirken.

§. 127.

Vorbereitung
des Ackers.
Wenn man gleich anerkennt, daß die Erbſe einen ſehr gelockerten und fein
gepulverten Boden liebe, ſo ſind doch manche nach ihrer Erfahrung uͤberzeugt, daß
ſie auf einer Furche geſaͤet, beſſer als nach mehrerer Bearbeitung gerathen. Ge-
gen die Richtigkeit einiger Erfahrungen, die man dafuͤr anfuͤhrt, wende ich nichts
ein; allein es ſind ohne Zweifel beſondere Umſtaͤnde da geweſen, welche keines-
weges eine allgemeine Regel begruͤnden. Wenn man in feuchterem Boden eine
Furche vor Winter gegeben hatte, ſo zog ſich die Krume ſo voll Waſſer, daß der
Boden noch zu naß war, als man die Saatfurche im Fruͤhjahre gab, wobei ſich
der Boden mehr verballte, als lockerer wurde. Man wollte von der Regel einer
moͤglichſt fruͤhen Erbſenausſaat nicht abweichen, und ſchmierte ſie ein, welches ihnen
immer uͤbel bekommt. Auf Boden, wo man dies nicht zu beſorgen hat, und wo

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[114/0138] Huͤlſenfruͤchte. fruchtbaren Beſchattung willen, erwuͤnſcht, wenn auch der Ertrag des Korns etwas ſchwaͤcher ſeyn ſollte. Auf gewoͤhnlichem Boden haben die geduͤngten Erbſen im Korne wie im Stroh immer den Vorzug, und hinterlaſſen dann den Boden in einem beſonders guͤnſtigen Zuſtande fuͤr die folgende Frucht; wogegen er bekanntlich unter ſchlecht ſtehenden Erbſen verwildert und krautig wird. Indeſſen iſt es ſelten rathſam, den Erbſen eine ſehr ſtarke Duͤngung zu geben. Mit jedem Jahre uͤberzeugen uns mehrere wiederholte comparative Verſuche, daß eine nach der Saat oben aufgeſtreuete Duͤngung, es ſey mit ganz friſchem ſtro- higen oder zergangenen Miſte, den Erbſen auf ſandigem Lehmboden nicht nur wohl- thaͤtiger ſey als eine untergepfluͤgte, ſondern daß auch die folgende Winterfrucht beſſer darnach gerathe. Die Erfahrung lehrt uns dies ſo augenſcheinlich, daß alle ſcheinbar entgegenſtehende theoretiſche Gruͤnde dagegen verſtummen muͤſſen. Jedoch kann ich dies bisjetzt nicht auf ſtrengen Boden ausdehnen, auf welchem noch keine Verſuche meines Wiſſens daruͤber angeſtellt ſind. Der Duͤnger kann ſonſt ſehr gut mit den Erbſen zugleich untergepfluͤgt wer- den, indem man dieſe auf den zerſtreueten Duͤnger ſaͤet. Man hat die Bemerkung gemacht, daß Schaaf- und Pferdemiſt feinhuͤlſigere und feinere Erbſen gaͤbe, als der Kuh- und Schweinemiſt. Auch Kalk- und Aſchenduͤngung ſoll dies bewirken. §. 127. Wenn man gleich anerkennt, daß die Erbſe einen ſehr gelockerten und fein gepulverten Boden liebe, ſo ſind doch manche nach ihrer Erfahrung uͤberzeugt, daß ſie auf einer Furche geſaͤet, beſſer als nach mehrerer Bearbeitung gerathen. Ge- gen die Richtigkeit einiger Erfahrungen, die man dafuͤr anfuͤhrt, wende ich nichts ein; allein es ſind ohne Zweifel beſondere Umſtaͤnde da geweſen, welche keines- weges eine allgemeine Regel begruͤnden. Wenn man in feuchterem Boden eine Furche vor Winter gegeben hatte, ſo zog ſich die Krume ſo voll Waſſer, daß der Boden noch zu naß war, als man die Saatfurche im Fruͤhjahre gab, wobei ſich der Boden mehr verballte, als lockerer wurde. Man wollte von der Regel einer moͤglichſt fruͤhen Erbſenausſaat nicht abweichen, und ſchmierte ſie ein, welches ihnen immer uͤbel bekommt. Auf Boden, wo man dies nicht zu beſorgen hat, und wo Vorbereitung des Ackers.

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812, S. 114. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/138>, abgerufen am 22.03.2019.