Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Molkerei.
sie einige gemacht haben, ist die Gefahr nach Westrumbs Versuchen nicht). Glä-
serne und porzellanene Gefäße sind zu kostbar und nur zur Zierde. Die hölzernen
Gefäße sind in größeren Molkereien die gewöhnlichsten, und wenn sie nur gehö-
rig rein gehalten und ausgeluftet werden, auch wirklich tadellos. Man muß haupt-
sächlich verhindern, daß sich ihnen kein saurer Gährungsstoff mittheile, und deshalb
müssen sie von Zeit zu Zeit mit Aschenlauge ausgespühlt, nach dem jedesmahligen
Gebrauche aber sogleich mit Wasser und einer Bürste ausgerieben werden. Ge-
wöhnlich sind sie vom Böttcher verfertigt. Man hat aber auch Molden von leich-
tem Holze aus einem Stücke gemacht, die jedoch unten abgeplattet sind, damit sie
fest stehen. Diese verdienen allerdings den Vorzug, theils weil sie keine Fugen
haben und also leichter rein zu erhalten sind, theils weil sie die größte Oberfläche
der Milch der Atmosphäre aussetzen.

Auf allen Fall müssen die Milchgefäße zum vollständigen Abrahmen möglichst
flach seyn, damit sich die Sahne schnell an die Oberfläche begeben könne. Tiefe
und enge Töpfe sind entschieden nachtheilig und fehlerhaft.

§. 56.

Ueber die Zeit, in welcher die Sahne abgenommen werden soll, sind die Mei-Abnehmen
des Rahms.

nungen verschieden. Einige lassen die Milch erst völlig gerinnen und sauer wer-
den, weil sie dann mehreren Rahmen zu erhalten glauben. Im Hollsteinischen
aber, wo man die Kunst des Buttermachens ohne Zweifel am meisten ausstudirt
hat, ist man entgegengesetzter Meinung, und sucht den Nahm zu erhalten, bevor
die geringste Säurung entsteht. Man giebt es als ein Zeichen an, daß der Rahm
reif sey, wenn man mit dem Messer hineinsticht und keine Milch hervorkommt.

Es hat keinen Zweifel, daß man der letzteren Methode den Vorzug geben
müsse; denn es ist ausgemacht, daß die Säurung nichts zur Absonderung des
Rahms beitrage, daß vielmehr nach derselben keine Absonderung mehr erfolge,
und daß die Butter nicht nur frisch einen angenehmeren Geschmack behalte, son-
dern auch auf die Dauer besser und von Bitterkeit befreiet bleibe, wenn sie von sü-
ßem Rahme gemacht wird. Bei der geringsten Säurung scheint der Rahm käsigte
Theile anzuziehen; die abzunehmende Haut wird deshalb dicker und so glaubt man
irrig, mehr wirklichen Rahm zu erhalten. Es kommt hier sehr viel auf das rich-
tige Treffen des Zeitpunktes an, wo sich der Rahm sämmtlich abgesetzt hat und

Die Molkerei.
ſie einige gemacht haben, iſt die Gefahr nach Weſtrumbs Verſuchen nicht). Glaͤ-
ſerne und porzellanene Gefaͤße ſind zu koſtbar und nur zur Zierde. Die hoͤlzernen
Gefaͤße ſind in groͤßeren Molkereien die gewoͤhnlichſten, und wenn ſie nur gehoͤ-
rig rein gehalten und ausgeluftet werden, auch wirklich tadellos. Man muß haupt-
ſaͤchlich verhindern, daß ſich ihnen kein ſaurer Gaͤhrungsſtoff mittheile, und deshalb
muͤſſen ſie von Zeit zu Zeit mit Aſchenlauge ausgeſpuͤhlt, nach dem jedesmahligen
Gebrauche aber ſogleich mit Waſſer und einer Buͤrſte ausgerieben werden. Ge-
woͤhnlich ſind ſie vom Boͤttcher verfertigt. Man hat aber auch Molden von leich-
tem Holze aus einem Stuͤcke gemacht, die jedoch unten abgeplattet ſind, damit ſie
feſt ſtehen. Dieſe verdienen allerdings den Vorzug, theils weil ſie keine Fugen
haben und alſo leichter rein zu erhalten ſind, theils weil ſie die groͤßte Oberflaͤche
der Milch der Atmoſphaͤre ausſetzen.

Auf allen Fall muͤſſen die Milchgefaͤße zum vollſtaͤndigen Abrahmen moͤglichſt
flach ſeyn, damit ſich die Sahne ſchnell an die Oberflaͤche begeben koͤnne. Tiefe
und enge Toͤpfe ſind entſchieden nachtheilig und fehlerhaft.

§. 56.

Ueber die Zeit, in welcher die Sahne abgenommen werden ſoll, ſind die Mei-Abnehmen
des Rahms.

nungen verſchieden. Einige laſſen die Milch erſt voͤllig gerinnen und ſauer wer-
den, weil ſie dann mehreren Rahmen zu erhalten glauben. Im Hollſteiniſchen
aber, wo man die Kunſt des Buttermachens ohne Zweifel am meiſten ausſtudirt
hat, iſt man entgegengeſetzter Meinung, und ſucht den Nahm zu erhalten, bevor
die geringſte Saͤurung entſteht. Man giebt es als ein Zeichen an, daß der Rahm
reif ſey, wenn man mit dem Meſſer hineinſticht und keine Milch hervorkommt.

Es hat keinen Zweifel, daß man der letzteren Methode den Vorzug geben
muͤſſe; denn es iſt ausgemacht, daß die Saͤurung nichts zur Abſonderung des
Rahms beitrage, daß vielmehr nach derſelben keine Abſonderung mehr erfolge,
und daß die Butter nicht nur friſch einen angenehmeren Geſchmack behalte, ſon-
dern auch auf die Dauer beſſer und von Bitterkeit befreiet bleibe, wenn ſie von ſuͤ-
ßem Rahme gemacht wird. Bei der geringſten Saͤurung ſcheint der Rahm kaͤſigte
Theile anzuziehen; die abzunehmende Haut wird deshalb dicker und ſo glaubt man
irrig, mehr wirklichen Rahm zu erhalten. Es kommt hier ſehr viel auf das rich-
tige Treffen des Zeitpunktes an, wo ſich der Rahm ſaͤmmtlich abgeſetzt hat und

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0375" n="351"/><fw place="top" type="header">Die Molkerei.</fw><lb/>
&#x017F;ie einige gemacht haben, i&#x017F;t die Gefahr nach We&#x017F;trumbs Ver&#x017F;uchen nicht). Gla&#x0364;-<lb/>
&#x017F;erne und porzellanene Gefa&#x0364;ße &#x017F;ind zu ko&#x017F;tbar und nur zur Zierde. Die ho&#x0364;lzernen<lb/>
Gefa&#x0364;ße &#x017F;ind in gro&#x0364;ßeren Molkereien die gewo&#x0364;hnlich&#x017F;ten, und wenn &#x017F;ie nur geho&#x0364;-<lb/>
rig rein gehalten und ausgeluftet werden, auch wirklich tadellos. Man muß haupt-<lb/>
&#x017F;a&#x0364;chlich verhindern, daß &#x017F;ich ihnen kein &#x017F;aurer Ga&#x0364;hrungs&#x017F;toff mittheile, und deshalb<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie von Zeit zu Zeit mit A&#x017F;chenlauge ausge&#x017F;pu&#x0364;hlt, nach dem jedesmahligen<lb/>
Gebrauche aber &#x017F;ogleich mit Wa&#x017F;&#x017F;er und einer Bu&#x0364;r&#x017F;te ausgerieben werden. Ge-<lb/>
wo&#x0364;hnlich &#x017F;ind &#x017F;ie vom Bo&#x0364;ttcher verfertigt. Man hat aber auch Molden von leich-<lb/>
tem Holze aus einem Stu&#x0364;cke gemacht, die jedoch unten abgeplattet &#x017F;ind, damit &#x017F;ie<lb/>
fe&#x017F;t &#x017F;tehen. Die&#x017F;e verdienen allerdings den Vorzug, theils weil &#x017F;ie keine Fugen<lb/>
haben und al&#x017F;o leichter rein zu erhalten &#x017F;ind, theils weil &#x017F;ie die gro&#x0364;ßte Oberfla&#x0364;che<lb/>
der Milch der Atmo&#x017F;pha&#x0364;re aus&#x017F;etzen.</p><lb/>
              <p>Auf allen Fall mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en die Milchgefa&#x0364;ße zum voll&#x017F;ta&#x0364;ndigen Abrahmen mo&#x0364;glich&#x017F;t<lb/>
flach &#x017F;eyn, damit &#x017F;ich die Sahne &#x017F;chnell an die Oberfla&#x0364;che begeben ko&#x0364;nne. Tiefe<lb/>
und enge To&#x0364;pfe &#x017F;ind ent&#x017F;chieden nachtheilig und fehlerhaft.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 56.</head><lb/>
              <p>Ueber die Zeit, in welcher die Sahne abgenommen werden &#x017F;oll, &#x017F;ind die Mei-<note place="right">Abnehmen<lb/>
des Rahms.</note><lb/>
nungen ver&#x017F;chieden. Einige la&#x017F;&#x017F;en die Milch er&#x017F;t vo&#x0364;llig gerinnen und &#x017F;auer wer-<lb/>
den, weil &#x017F;ie dann mehreren Rahmen zu erhalten glauben. Im Holl&#x017F;teini&#x017F;chen<lb/>
aber, wo man die Kun&#x017F;t des Buttermachens ohne Zweifel am mei&#x017F;ten aus&#x017F;tudirt<lb/>
hat, i&#x017F;t man entgegenge&#x017F;etzter Meinung, und &#x017F;ucht den Nahm zu erhalten, bevor<lb/>
die gering&#x017F;te Sa&#x0364;urung ent&#x017F;teht. Man giebt es als ein Zeichen an, daß der Rahm<lb/>
reif &#x017F;ey, wenn man mit dem Me&#x017F;&#x017F;er hinein&#x017F;ticht und keine Milch hervorkommt.</p><lb/>
              <p>Es hat keinen Zweifel, daß man der letzteren Methode den Vorzug geben<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e; denn es i&#x017F;t ausgemacht, daß die Sa&#x0364;urung nichts zur Ab&#x017F;onderung des<lb/>
Rahms beitrage, daß vielmehr nach der&#x017F;elben keine Ab&#x017F;onderung mehr erfolge,<lb/>
und daß die Butter nicht nur fri&#x017F;ch einen angenehmeren Ge&#x017F;chmack behalte, &#x017F;on-<lb/>
dern auch auf die Dauer be&#x017F;&#x017F;er und von Bitterkeit befreiet bleibe, wenn &#x017F;ie von &#x017F;u&#x0364;-<lb/>
ßem Rahme gemacht wird. Bei der gering&#x017F;ten Sa&#x0364;urung &#x017F;cheint der Rahm ka&#x0364;&#x017F;igte<lb/>
Theile anzuziehen; die abzunehmende Haut wird deshalb dicker und &#x017F;o glaubt man<lb/>
irrig, mehr wirklichen Rahm zu erhalten. Es kommt hier &#x017F;ehr viel auf das rich-<lb/>
tige Treffen des Zeitpunktes an, wo &#x017F;ich der Rahm &#x017F;a&#x0364;mmtlich abge&#x017F;etzt hat und<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[351/0375] Die Molkerei. ſie einige gemacht haben, iſt die Gefahr nach Weſtrumbs Verſuchen nicht). Glaͤ- ſerne und porzellanene Gefaͤße ſind zu koſtbar und nur zur Zierde. Die hoͤlzernen Gefaͤße ſind in groͤßeren Molkereien die gewoͤhnlichſten, und wenn ſie nur gehoͤ- rig rein gehalten und ausgeluftet werden, auch wirklich tadellos. Man muß haupt- ſaͤchlich verhindern, daß ſich ihnen kein ſaurer Gaͤhrungsſtoff mittheile, und deshalb muͤſſen ſie von Zeit zu Zeit mit Aſchenlauge ausgeſpuͤhlt, nach dem jedesmahligen Gebrauche aber ſogleich mit Waſſer und einer Buͤrſte ausgerieben werden. Ge- woͤhnlich ſind ſie vom Boͤttcher verfertigt. Man hat aber auch Molden von leich- tem Holze aus einem Stuͤcke gemacht, die jedoch unten abgeplattet ſind, damit ſie feſt ſtehen. Dieſe verdienen allerdings den Vorzug, theils weil ſie keine Fugen haben und alſo leichter rein zu erhalten ſind, theils weil ſie die groͤßte Oberflaͤche der Milch der Atmoſphaͤre ausſetzen. Auf allen Fall muͤſſen die Milchgefaͤße zum vollſtaͤndigen Abrahmen moͤglichſt flach ſeyn, damit ſich die Sahne ſchnell an die Oberflaͤche begeben koͤnne. Tiefe und enge Toͤpfe ſind entſchieden nachtheilig und fehlerhaft. §. 56. Ueber die Zeit, in welcher die Sahne abgenommen werden ſoll, ſind die Mei- nungen verſchieden. Einige laſſen die Milch erſt voͤllig gerinnen und ſauer wer- den, weil ſie dann mehreren Rahmen zu erhalten glauben. Im Hollſteiniſchen aber, wo man die Kunſt des Buttermachens ohne Zweifel am meiſten ausſtudirt hat, iſt man entgegengeſetzter Meinung, und ſucht den Nahm zu erhalten, bevor die geringſte Saͤurung entſteht. Man giebt es als ein Zeichen an, daß der Rahm reif ſey, wenn man mit dem Meſſer hineinſticht und keine Milch hervorkommt. Abnehmen des Rahms. Es hat keinen Zweifel, daß man der letzteren Methode den Vorzug geben muͤſſe; denn es iſt ausgemacht, daß die Saͤurung nichts zur Abſonderung des Rahms beitrage, daß vielmehr nach derſelben keine Abſonderung mehr erfolge, und daß die Butter nicht nur friſch einen angenehmeren Geſchmack behalte, ſon- dern auch auf die Dauer beſſer und von Bitterkeit befreiet bleibe, wenn ſie von ſuͤ- ßem Rahme gemacht wird. Bei der geringſten Saͤurung ſcheint der Rahm kaͤſigte Theile anzuziehen; die abzunehmende Haut wird deshalb dicker und ſo glaubt man irrig, mehr wirklichen Rahm zu erhalten. Es kommt hier ſehr viel auf das rich- tige Treffen des Zeitpunktes an, wo ſich der Rahm ſaͤmmtlich abgeſetzt hat und

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/375
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812, S. 351. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/375>, abgerufen am 21.03.2019.