Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Tieck, Ludwig: Phantasus. Bd. 3. Berlin, 1816.

Bild:
<< vorherige Seite
Zweite Abtheilung.
Achte Scene.


Andalosia mit Agrippina schnell herein.
Agrippina.
Weh mir! zum zweitenmal so grausen Schreck!
Andalosia. (wirft die Verkleidung ab.)
Erkennst Du mich, Verruchte? Diesesmal
Wird nicht mein Leichtsinn, schwachgemuthe Rührung
Dich meiner Rach' und Deiner Straf entreißen.
Zuerst denn!
(zieht ein Messer.)
Agrippina. (kniet.)
Weh! O theurer, edler Mann!
O Du Verehrter, Unbegreiflicher,
Nur meines Lebens, meiner Ehre schone.
Andalosia.
Ich bin kein Mörder, nur mein Eigenthum,
Um das ich viel erduldet, sey mir wieder.
(er schneidet den Säckel ab.)
Ich halte Dich in meinen Händen! ja,
Die List gelang, die Feindinn liegt im Staube.
Was sag' ich Dir, Du wandelbar Verstellte?
Nein, zittre nicht, Du bist bei mir gesichert,
So ferne der Begier, als wenn in heilger
Klausur Dich strenge Klostermauern hielten.
O steh, steh auf, mir ekelt diese Stellung;
Darf so die Königstochter sich erniedern?
Von Ehre sprachst Du? O Ihr Unbescholtnen,
Hoffärthigen, von Hochmuth Aufgeschwellten,
Ihr brüstet Euch mit leerem Wort und Klang,
Sinnloses Schellenläuten Euer Prunk:
Ihr seht verschmähend auf die Armen hin,
Die, von der Kraft der Göttinn überwältigt,
Zweite Abtheilung.
Achte Scene.


Andaloſia mit Agrippina ſchnell herein.
Agrippina.
Weh mir! zum zweitenmal ſo grauſen Schreck!
Andaloſia. (wirft die Verkleidung ab.)
Erkennſt Du mich, Verruchte? Dieſesmal
Wird nicht mein Leichtſinn, ſchwachgemuthe Ruͤhrung
Dich meiner Rach' und Deiner Straf entreißen.
Zuerſt denn!
(zieht ein Meſſer.)
Agrippina. (kniet.)
Weh! O theurer, edler Mann!
O Du Verehrter, Unbegreiflicher,
Nur meines Lebens, meiner Ehre ſchone.
Andaloſia.
Ich bin kein Moͤrder, nur mein Eigenthum,
Um das ich viel erduldet, ſey mir wieder.
(er ſchneidet den Saͤckel ab.)
Ich halte Dich in meinen Haͤnden! ja,
Die Liſt gelang, die Feindinn liegt im Staube.
Was ſag' ich Dir, Du wandelbar Verſtellte?
Nein, zittre nicht, Du biſt bei mir geſichert,
So ferne der Begier, als wenn in heilger
Klauſur Dich ſtrenge Kloſtermauern hielten.
O ſteh, ſteh auf, mir ekelt dieſe Stellung;
Darf ſo die Koͤnigstochter ſich erniedern?
Von Ehre ſprachſt Du? O Ihr Unbeſcholtnen,
Hoffaͤrthigen, von Hochmuth Aufgeſchwellten,
Ihr bruͤſtet Euch mit leerem Wort und Klang,
Sinnloſes Schellenlaͤuten Euer Prunk:
Ihr ſeht verſchmaͤhend auf die Armen hin,
Die, von der Kraft der Goͤttinn uͤberwaͤltigt,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0452" n="442"/>
            <fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Zweite Abtheilung</hi>.</fw><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#c"><hi rendition="#g">Achte Scene</hi>.</hi> </head><lb/>
              <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
              <stage> <hi rendition="#c"><hi rendition="#g">Andalo&#x017F;ia</hi> mit <hi rendition="#g">Agrippina</hi> &#x017F;chnell herein.</hi> </stage><lb/>
              <sp who="#Agrippina">
                <speaker><hi rendition="#g">Agrippina</hi>.</speaker><lb/>
                <p>Weh mir! zum zweitenmal &#x017F;o grau&#x017F;en Schreck!</p>
              </sp><lb/>
              <sp who="#Andalo&#x017F;ia">
                <speaker><hi rendition="#g">Andalo&#x017F;ia</hi>.</speaker>
                <stage>(wirft die Verkleidung ab.)</stage><lb/>
                <p>Erkenn&#x017F;t Du mich, Verruchte? Die&#x017F;esmal<lb/>
Wird nicht mein Leicht&#x017F;inn, &#x017F;chwachgemuthe Ru&#x0364;hrung<lb/>
Dich meiner Rach' und Deiner Straf entreißen.<lb/>
Zuer&#x017F;t denn!</p>
                <stage>(zieht ein Me&#x017F;&#x017F;er.)</stage>
              </sp><lb/>
              <sp who="#Agrippina">
                <speaker><hi rendition="#g">Agrippina</hi>.</speaker>
                <stage>(kniet.)</stage><lb/>
                <p><hi rendition="#et">Weh! O theurer, edler Mann!</hi><lb/>
O Du Verehrter, Unbegreiflicher,<lb/>
Nur meines Lebens, meiner Ehre &#x017F;chone.</p>
              </sp><lb/>
              <sp who="#Andalo&#x017F;ia">
                <speaker><hi rendition="#g">Andalo&#x017F;ia</hi>.</speaker><lb/>
                <p>Ich bin kein Mo&#x0364;rder, nur mein Eigenthum,<lb/>
Um das ich viel erduldet, &#x017F;ey mir wieder.<lb/><stage><hi rendition="#et">(er &#x017F;chneidet den Sa&#x0364;ckel ab.)</hi></stage><lb/>
Ich halte Dich in meinen Ha&#x0364;nden! ja,<lb/>
Die Li&#x017F;t gelang, die Feindinn liegt im Staube.<lb/>
Was &#x017F;ag' ich Dir, Du wandelbar Ver&#x017F;tellte?<lb/>
Nein, zittre nicht, Du bi&#x017F;t bei mir ge&#x017F;ichert,<lb/>
So ferne der Begier, als wenn in heilger<lb/>
Klau&#x017F;ur Dich &#x017F;trenge Klo&#x017F;termauern hielten.<lb/>
O &#x017F;teh, &#x017F;teh auf, mir ekelt die&#x017F;e Stellung;<lb/>
Darf &#x017F;o die Ko&#x0364;nigstochter &#x017F;ich erniedern?<lb/>
Von Ehre &#x017F;prach&#x017F;t Du? O Ihr Unbe&#x017F;choltnen,<lb/>
Hoffa&#x0364;rthigen, von Hochmuth Aufge&#x017F;chwellten,<lb/>
Ihr bru&#x0364;&#x017F;tet Euch mit leerem Wort und Klang,<lb/>
Sinnlo&#x017F;es Schellenla&#x0364;uten Euer Prunk:<lb/>
Ihr &#x017F;eht ver&#x017F;chma&#x0364;hend auf die Armen hin,<lb/>
Die, von der Kraft der Go&#x0364;ttinn u&#x0364;berwa&#x0364;ltigt,<lb/></p>
              </sp>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[442/0452] Zweite Abtheilung. Achte Scene. Andaloſia mit Agrippina ſchnell herein. Agrippina. Weh mir! zum zweitenmal ſo grauſen Schreck! Andaloſia. (wirft die Verkleidung ab.) Erkennſt Du mich, Verruchte? Dieſesmal Wird nicht mein Leichtſinn, ſchwachgemuthe Ruͤhrung Dich meiner Rach' und Deiner Straf entreißen. Zuerſt denn! (zieht ein Meſſer.) Agrippina. (kniet.) Weh! O theurer, edler Mann! O Du Verehrter, Unbegreiflicher, Nur meines Lebens, meiner Ehre ſchone. Andaloſia. Ich bin kein Moͤrder, nur mein Eigenthum, Um das ich viel erduldet, ſey mir wieder. (er ſchneidet den Saͤckel ab.) Ich halte Dich in meinen Haͤnden! ja, Die Liſt gelang, die Feindinn liegt im Staube. Was ſag' ich Dir, Du wandelbar Verſtellte? Nein, zittre nicht, Du biſt bei mir geſichert, So ferne der Begier, als wenn in heilger Klauſur Dich ſtrenge Kloſtermauern hielten. O ſteh, ſteh auf, mir ekelt dieſe Stellung; Darf ſo die Koͤnigstochter ſich erniedern? Von Ehre ſprachſt Du? O Ihr Unbeſcholtnen, Hoffaͤrthigen, von Hochmuth Aufgeſchwellten, Ihr bruͤſtet Euch mit leerem Wort und Klang, Sinnloſes Schellenlaͤuten Euer Prunk: Ihr ſeht verſchmaͤhend auf die Armen hin, Die, von der Kraft der Goͤttinn uͤberwaͤltigt,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/tieck_phantasus03_1816
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/tieck_phantasus03_1816/452
Zitationshilfe: Tieck, Ludwig: Phantasus. Bd. 3. Berlin, 1816, S. 442. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/tieck_phantasus03_1816/452>, abgerufen am 24.04.2019.