Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Uhland, Ludwig: Gedichte. Stuttgart u. a., 1815.

Bild:
<< vorherige Seite
Zimmerspruch.

Das neue Haus ist aufgericht't,
Gedeckt, gemauert ist es nicht,
Noch können Regen und Sonnenschein
Von oben und überall herein:
Drum rufen wir zum Meister der Welt,
Er wolle von dem Himmelszelt
Nur Heil und Segen gießen aus
Hier über dieses offne Haus.
Zuoberst woll' er gut Gedeihn
In die Kornböden uns verleihn;
In die Stube Fleiß und Frömmigkeit,
In die Küche Maß und Reinlichkeit,
In den Stall Gesundheit allermeist,
In den Keller dem Wein einen guten Geist;
Die Fenster und Pforten woll' er weihn,
Daß nichts Unseligs komm' herein,
Und daß aus dieser neuen Thür
Bald fromme Kindlein springen für.
Nun, Maurer, decket und mauret aus!
Der Segen Gottes ist im Haus.

Zimmerſpruch.

Das neue Haus iſt aufgericht’t,
Gedeckt, gemauert iſt es nicht,
Noch können Regen und Sonnenſchein
Von oben und überall herein:
Drum rufen wir zum Meiſter der Welt,
Er wolle von dem Himmelszelt
Nur Heil und Segen gießen aus
Hier über dieſes offne Haus.
Zuoberſt woll’ er gut Gedeihn
In die Kornböden uns verleihn;
In die Stube Fleiß und Frömmigkeit,
In die Küche Maß und Reinlichkeit,
In den Stall Geſundheit allermeiſt,
In den Keller dem Wein einen guten Geiſt;
Die Fenſter und Pforten woll’ er weihn,
Daß nichts Unſeligs komm’ herein,
Und daß aus dieſer neuen Thür
Bald fromme Kindlein ſpringen für.
Nun, Maurer, decket und mauret aus!
Der Segen Gottes iſt im Haus.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0075" n="69"/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#g">Zimmer&#x017F;pruch</hi>.</head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <lg type="poem">
            <l>Das neue Haus i&#x017F;t aufgericht&#x2019;t,</l><lb/>
            <l>Gedeckt, gemauert i&#x017F;t es nicht,</l><lb/>
            <l>Noch können Regen und Sonnen&#x017F;chein</l><lb/>
            <l>Von oben und überall herein:</l><lb/>
            <l>Drum rufen wir zum Mei&#x017F;ter der Welt,</l><lb/>
            <l>Er wolle von dem Himmelszelt</l><lb/>
            <l>Nur Heil und Segen gießen aus</l><lb/>
            <l>Hier über die&#x017F;es offne Haus.</l><lb/>
            <l>Zuober&#x017F;t woll&#x2019; er gut Gedeihn</l><lb/>
            <l>In die Kornböden uns verleihn;</l><lb/>
            <l>In die Stube Fleiß und Frömmigkeit,</l><lb/>
            <l>In die Küche Maß und Reinlichkeit,</l><lb/>
            <l>In den Stall Ge&#x017F;undheit allermei&#x017F;t,</l><lb/>
            <l>In den Keller dem Wein einen guten Gei&#x017F;t;</l><lb/>
            <l>Die Fen&#x017F;ter und Pforten woll&#x2019; er weihn,</l><lb/>
            <l>Daß nichts Un&#x017F;eligs komm&#x2019; herein,</l><lb/>
            <l>Und daß aus die&#x017F;er neuen Thür</l><lb/>
            <l>Bald fromme Kindlein &#x017F;pringen für.</l><lb/>
            <l>Nun, Maurer, decket und mauret aus!</l><lb/>
            <l>Der Segen Gottes i&#x017F;t im Haus.</l>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[69/0075] Zimmerſpruch. Das neue Haus iſt aufgericht’t, Gedeckt, gemauert iſt es nicht, Noch können Regen und Sonnenſchein Von oben und überall herein: Drum rufen wir zum Meiſter der Welt, Er wolle von dem Himmelszelt Nur Heil und Segen gießen aus Hier über dieſes offne Haus. Zuoberſt woll’ er gut Gedeihn In die Kornböden uns verleihn; In die Stube Fleiß und Frömmigkeit, In die Küche Maß und Reinlichkeit, In den Stall Geſundheit allermeiſt, In den Keller dem Wein einen guten Geiſt; Die Fenſter und Pforten woll’ er weihn, Daß nichts Unſeligs komm’ herein, Und daß aus dieſer neuen Thür Bald fromme Kindlein ſpringen für. Nun, Maurer, decket und mauret aus! Der Segen Gottes iſt im Haus.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/uhland_gedichte_1815
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/uhland_gedichte_1815/75
Zitationshilfe: Uhland, Ludwig: Gedichte. Stuttgart u. a., 1815, S. 69. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/uhland_gedichte_1815/75>, abgerufen am 20.10.2018.