Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Unzer, Johann August: Gedanken vom Einfluß der Seele in ihren Körper. Halle (Saale), 1746.

Bild:
<< vorherige Seite

seyn, und mich dieses Schlusses zu meinen fol-
genden Beweise bedienen, und ich glaube, daß
mir es eben niemand verdencken würde, wenn
ich dieses thäte. Jn der That würde ich so
gar viel auch nicht einmal damit gewinnen;
denn ich bin viel zu offenhertzig, als daß ich
meinen Lesern verschweigen solte, daß auch
dieser Schluß unzulänglich sey Wahrheit und
Gewißheit dadurch zu erlangen. Zugleich aber
mache ich auch dadurch den Eifer bekandt, wel-
chen ich vor die Meinung hege, daß die Sele
in ihren Körper würcke. Wenn es mir nur
darum zu thun wäre, die Anzahl der Schrift-
steller in der Welt zu vermehren, so solte mir
es nicht an Worten fehlen, diesen Schluß, der
doch in der That zu weit getrieben ist, vor gül-
tig und vollkommen genau bestimmt zu erklä-
ren. Da ich aber die Wahrheit zu finden
wünsche, so halte ich mir auch selbst nicht das
geringste zu gute, damit ich meinen Gegnern
die Mühe erspahren möge, Fehler aufzusuchen,
welche meinen gantzen Beweis umstossen kön-
ten. Jch suche sie selber. Jch entdecke sie, und
will sie verbessern. Was kan man aber solcher-
gestalt wol mehr von mir fodern?

§. 20.

Jch sage: Wenn A ist, und B ist auch,
wenn
A nicht ist, und B ist auch nicht,
und dieses trift allemal; so ist es wahr-
scheinlich, so kan ich muthmassen, daß
eins von diesen beyden die Ursache von

dem

ſeyn, und mich dieſes Schluſſes zu meinen fol-
genden Beweiſe bedienen, und ich glaube, daß
mir es eben niemand verdencken wuͤrde, wenn
ich dieſes thaͤte. Jn der That wuͤrde ich ſo
gar viel auch nicht einmal damit gewinnen;
denn ich bin viel zu offenhertzig, als daß ich
meinen Leſern verſchweigen ſolte, daß auch
dieſer Schluß unzulaͤnglich ſey Wahrheit und
Gewißheit dadurch zu erlangen. Zugleich aber
mache ich auch dadurch den Eifer bekandt, wel-
chen ich vor die Meinung hege, daß die Sele
in ihren Koͤrper wuͤrcke. Wenn es mir nur
darum zu thun waͤre, die Anzahl der Schrift-
ſteller in der Welt zu vermehren, ſo ſolte mir
es nicht an Worten fehlen, dieſen Schluß, der
doch in der That zu weit getrieben iſt, vor guͤl-
tig und vollkommen genau beſtimmt zu erklaͤ-
ren. Da ich aber die Wahrheit zu finden
wuͤnſche, ſo halte ich mir auch ſelbſt nicht das
geringſte zu gute, damit ich meinen Gegnern
die Muͤhe erſpahren moͤge, Fehler aufzuſuchen,
welche meinen gantzen Beweis umſtoſſen koͤn-
ten. Jch ſuche ſie ſelber. Jch entdecke ſie, und
will ſie verbeſſern. Was kan man aber ſolcher-
geſtalt wol mehr von mir fodern?

§. 20.

Jch ſage: Wenn A iſt, und B iſt auch,
wenn
A nicht iſt, und B iſt auch nicht,
und dieſes trift allemal; ſo iſt es wahr-
ſcheinlich, ſo kan ich muthmaſſen, daß
eins von dieſen beyden die Urſache von

dem
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0079" n="49"/>
&#x017F;eyn, und mich die&#x017F;es Schlu&#x017F;&#x017F;es zu meinen fol-<lb/>
genden Bewei&#x017F;e bedienen, und ich glaube, daß<lb/>
mir es eben niemand verdencken wu&#x0364;rde, wenn<lb/>
ich die&#x017F;es tha&#x0364;te. Jn der That wu&#x0364;rde ich &#x017F;o<lb/>
gar viel auch nicht einmal damit gewinnen;<lb/>
denn ich bin viel zu offenhertzig, als daß ich<lb/><hi rendition="#fr">meinen Le&#x017F;ern</hi> ver&#x017F;chweigen &#x017F;olte, daß auch<lb/>
die&#x017F;er Schluß unzula&#x0364;nglich &#x017F;ey Wahrheit und<lb/>
Gewißheit dadurch zu erlangen. Zugleich aber<lb/>
mache ich auch dadurch den Eifer bekandt, wel-<lb/>
chen ich vor die Meinung hege, daß die Sele<lb/>
in ihren Ko&#x0364;rper wu&#x0364;rcke. Wenn es mir nur<lb/>
darum zu thun wa&#x0364;re, die Anzahl der Schrift-<lb/>
&#x017F;teller in der Welt zu vermehren, &#x017F;o &#x017F;olte mir<lb/>
es nicht an Worten fehlen, die&#x017F;en Schluß, der<lb/>
doch in der That zu weit getrieben i&#x017F;t, vor gu&#x0364;l-<lb/>
tig und vollkommen genau be&#x017F;timmt zu erkla&#x0364;-<lb/>
ren. Da ich aber die Wahrheit zu finden<lb/>
wu&#x0364;n&#x017F;che, &#x017F;o halte ich mir auch &#x017F;elb&#x017F;t nicht das<lb/>
gering&#x017F;te zu gute, damit ich meinen Gegnern<lb/>
die Mu&#x0364;he er&#x017F;pahren mo&#x0364;ge, Fehler aufzu&#x017F;uchen,<lb/>
welche meinen gantzen Beweis um&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en ko&#x0364;n-<lb/>
ten. Jch &#x017F;uche &#x017F;ie &#x017F;elber. Jch entdecke &#x017F;ie, und<lb/>
will &#x017F;ie verbe&#x017F;&#x017F;ern. Was kan man aber &#x017F;olcher-<lb/>
ge&#x017F;talt wol mehr von mir fodern?</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 20.</head><lb/>
          <p>Jch &#x017F;age: <hi rendition="#fr">Wenn</hi> <hi rendition="#aq">A</hi> <hi rendition="#fr">i&#x017F;t, und</hi> <hi rendition="#aq">B</hi> <hi rendition="#fr">i&#x017F;t auch,<lb/>
wenn</hi> <hi rendition="#aq">A</hi> <hi rendition="#fr">nicht i&#x017F;t, und</hi> <hi rendition="#aq">B</hi> <hi rendition="#fr">i&#x017F;t auch nicht,<lb/>
und die&#x017F;es trift allemal; &#x017F;o i&#x017F;t es wahr-<lb/>
&#x017F;cheinlich, &#x017F;o kan ich muthma&#x017F;&#x017F;en, daß<lb/>
eins von die&#x017F;en beyden die Ur&#x017F;ache von</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">dem</hi></fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[49/0079] ſeyn, und mich dieſes Schluſſes zu meinen fol- genden Beweiſe bedienen, und ich glaube, daß mir es eben niemand verdencken wuͤrde, wenn ich dieſes thaͤte. Jn der That wuͤrde ich ſo gar viel auch nicht einmal damit gewinnen; denn ich bin viel zu offenhertzig, als daß ich meinen Leſern verſchweigen ſolte, daß auch dieſer Schluß unzulaͤnglich ſey Wahrheit und Gewißheit dadurch zu erlangen. Zugleich aber mache ich auch dadurch den Eifer bekandt, wel- chen ich vor die Meinung hege, daß die Sele in ihren Koͤrper wuͤrcke. Wenn es mir nur darum zu thun waͤre, die Anzahl der Schrift- ſteller in der Welt zu vermehren, ſo ſolte mir es nicht an Worten fehlen, dieſen Schluß, der doch in der That zu weit getrieben iſt, vor guͤl- tig und vollkommen genau beſtimmt zu erklaͤ- ren. Da ich aber die Wahrheit zu finden wuͤnſche, ſo halte ich mir auch ſelbſt nicht das geringſte zu gute, damit ich meinen Gegnern die Muͤhe erſpahren moͤge, Fehler aufzuſuchen, welche meinen gantzen Beweis umſtoſſen koͤn- ten. Jch ſuche ſie ſelber. Jch entdecke ſie, und will ſie verbeſſern. Was kan man aber ſolcher- geſtalt wol mehr von mir fodern? §. 20. Jch ſage: Wenn A iſt, und B iſt auch, wenn A nicht iſt, und B iſt auch nicht, und dieſes trift allemal; ſo iſt es wahr- ſcheinlich, ſo kan ich muthmaſſen, daß eins von dieſen beyden die Urſache von dem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/unzer_gedanken_1746
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/unzer_gedanken_1746/79
Zitationshilfe: Unzer, Johann August: Gedanken vom Einfluß der Seele in ihren Körper. Halle (Saale), 1746, S. 49. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/unzer_gedanken_1746/79>, abgerufen am 21.08.2019.