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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

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[Spaltenumbruch] *21 Es ist wie beim Bäcker die Semmel.

*22 Et bald met den Bäcker, bald met den Brauer halden. (Meurs.) - Firmenich, I, 400, 25.

*23 Mit dem Bäcker essen.

Nicht selber backen, sondern das Brot beim Bäcker kaufen.


Bäckergewissen.

* Ein Bäckergewissen im Brote finden.

Von ungebührlich kleinem Brote.


Bäckerkind.

1 Man mutt keen Bäckerkind Stuten geb'n. (Rendsburg.) - Hochdeutsch bei Simrock, 865.

2 Wer wul Bäckerkinnern Staut'n gäwn! (Süderdithmarschen.)

Wer wollte Bäckerskindern Semmel geben.


Bäckerknie.

Er hat Bäckerknie.


Bäcklein.

Auff ein Bäcklein küssen gehört nur ein abwischen. - Lehmann, II, 36, 69.


Backofen.

1 Ein backofen, der nicht heiss ist, vnnd ein mühl, die nicht vmbgehet, seynd vnwerth. - Henisch, 166 (170 ist Druckfehler).

2 Es ist schon im Backofen, was aufgetragen werden soll. - Wurzbach II, 7.

3 Gabe jens tö'gen en Baakauen. (Sylt.)

Sperre den Mund auf gegen einen Backofen.

4 Gegen den Backofen ist übel gaffen (gähnen). - Simrock, 686.

5 Gegen 'n Backaven is quaad janen. (Oldenburg.) - Goldschmidt, 95.

Es ist bedenklich mit einem Mächtigern und Höhern Streit anzufangen. - Janen = mit aufgesperrtem Maule stehen, das doch keine Backofenweite erreicht.

6 In einem Backofen wächst kein Kraut.

7 Man kann ni geg'n enn hädden1 Backawen anjappen2. (Rendsburg.)

1) Heissen.

2) Athmen. - Der Wetteifer und Kampf mit Vornehmen und Mächtigen ist so schwer, wie es unmöglich ist, den Mund so weit zu öffnen, wie ein Backofen.

8 Nenne mich einen Backofen, aber Brot wirst du nicht in mir backen. (Lit.)

J. G. Hamann sagt in einem Briefe an Jacobi (dessen Werke, Bd. 4, Abth. 3, S. 8): "Was ist am Namen gelegen? Nenne mich einen Backofen, aber Brot u. s. w." Die Anführung hat zu dem Schreibenden eine nähere Beziehung, indem er in einem Briefe seine Freude über einen mit schwerem Porto bezahlten Brief ausspricht, auf dessen Adresse er nicht Packhofverwalter, sondern "Backofenverwalter" titulirt war. (Vgl. Neue Preuss. Provinzialblätter, 1849, VIII, 455.)

9 Vor dem Backofen wachsen keine Kräuter, und ob sie da wüchsen, sie würden doch durch die Hitze verbrennen, die darausgeht. - Simrock, 687.

10 Wann ein ding für den bachofen, in die badstub vnd auff die waschbank kombt, so ist's weit gnug ausskommen. - Henisch, 182.

11 Wer gegen einen backofen blasen will, der muss ein gross maul haben. - Henisch, 167.

12 Wer kann gegen 'n Backaben hojanen. (Mecklenburg.) - Latendorf, 223.

13 Wider ein heissen backofen ist böss hauchen. - Henisch, 167 (171 ist Druckfehler).

*14 Dat lett sick nich mit eens in'n Backaben schauben. (Mecklenburg-Schwerin.)

Es kann nicht alles auf einmal geschehen.

*15 Einen auf den Backofen setzen. (Ostpreuss.)

Wenn sich ein Jüngerer früher als ein Aelterer verheirathet, so findet obige Redensart auf den letztern Anwendung.

*16 Es ist ein kalter Backofen.

Eine unnütze Sache.

*17 Giegen den Baekoewen gapen. (Westf.)

Mit Stärkern wetteifern.


Backsel.

1 Al Backsels un Braussels geradt nich. (Ostfries.)

2 Alle Backsels un Brossels sünd nich aweren. (Ostfries.)

Holl.: Alle baksels en brouwels vallen niet even goed uit. (Harrebomee, I, 28.)


[Spaltenumbruch]
Backstein.

Ein alter Backstein hält oft länger als ein neuer.

Leider wahr, aber keine besondere Empfehlung für die neuere Ziegelfabrikation.


Bad.

1 Bad, Wein und Weib erquicken (verderben) den Leib. - Simrock, 688; Körte, 366.

Lat.: Balnea sunt remedia laborum. - Balnea, vina, venus, corrumpunt corpora nostra, conservant eadem balnea, vina, venus. - Vina acuunt animos, vino mens aegra resurgit.

2 Bäder, Lieb' und Wein machen das Leben klein.

Der Gebrauch der Bäder kann unter Umständen mehr schaden als nützen.

3 Das Bad sei verflucht, das mir den Hintern eines Menschen zeigt, dessen Gesicht ich nicht einmal gern sehen mag. - Burckhardt, 582.

Die Aegypter sagen damit, dass ihnen der Zufall die Gesellschaft eines Menschen aufgezwungen hat, dessen Anblick ihnen schon zuwider ist.

4 Das bad soll man aussgiessen, vnd das Kind behalten. - Henisch, 169.

5 Das Bad wäscht von aussen rein, die Reue von innen.

6 Das ist ein böses Bad, die Beine ins Feuer halten.

7 Der dir das Bad schenkt, wird mich zum Diener desselben machen. (Türk.)

8 Die im Bade sitzen, müssen sich nicht fürchten vorm Schwitzen.

9 Ein Bad mag's immer sein, stellt sich der Schweiss nur ein.

Wenn man nur recht verfährt, so wird sich auch der Schweiss einstellen. Nestor, der älteste russische Geschichtschreiber (gestorben 1116), erzählt vom heiligen Andreas: "Als er am Dnjepr aufwärts ging, sah er in der Gegend von Nowgorod Badestuben aus Holz gezimmert und darin Oefen aus Stein, welche stark geheizt wurden. Die Leute zogen sich nackt aus, begossen sich mit Wasser und peitschten sich mit Ruthen dermassen, dass man für ihr Leben fürchten musste. Wenn sie heraustraten, begossen sie sich mit kaltem Wasser." (Wurzbach I, 1.)

Poln.: Ma li byc laznia, niechze bedzie znoj.

10 Ein Bad vertreibt den Tod nicht.

11 Ein warmes Bad reinigt mehr als ein kaltes.

Wer selbst z. B. kalt dabei bleibt, wenn er Verweise und Zurechtweisungen ertheilt, darf sich wenig Wirkung davon versprechen.

12 Es hilfft kein bad an einem Juden oder Rappen (Raben). - Henisch, 170; Simrock, 691.

Was in der Natur begründet ist, was zum Charakter einer Sache oder Person gehört, lässt sich nicht abwaschen. Das ist aber auch kein Vorwurf für dieselbe.

13 Gehe ins bad vnd werde nicht nass. - Henisch, 170.

14 Im Bad und beim Barbeer fehlt's nie an neuer Mär.

Holl.: In badplaatsen, barbierswinkels en molens verneemt men alle dingen. (Harrebomee, I, 27.)

15 Kalte Bäder machen warmes Blut.

Es ist unserer Zeit bestimmt gewesen, die heilenden, stärkenden Kräfte des kalten Wassers wieder zu erkennen und in ihre Rechte einzusetzen. Wiewol man in Betreff des Misbrauchs, der mit dem kalten Wasser getrieben worden ist und zum Theil noch getrieben wird, auch sagen könnte: Kalte Bäder machen kaltes Blut.

16 Kein Bad hilft dem Raben. - Sailer, 147.

17 Nach dem Bade warm, nach Lässe1 kalt, thust du das, so wirst du alt. - Eiselein, 50.

1) Nach der Ader oder nach dem Aderlass.

18 Nur wer im Bade sitzt, weiss wie heiss es ist.

19 Was das Bad bringt, muss es wieder nehmen. - Simrock, 12267.

20 Wer das Bad bereitet, kommt nicht hinein.

Ausgenommen manchmal, weil keine Regel ohne Ausnahme ist.

21 Wer ist gen Bad gefahren, dem soll wol getwagen und geschoren werden. - Eiselein, 51.

22 Wer krätzig ins Bad geht, kommt räudig wieder heim. - Lehmann; Simrock, 690.

23 Wer langsam ins Bad kommt, verbrennt sich bald.

Warme Bäder nannten die Alten herculische, weil Vulcan dem Hercules als Anerkennung seiner Thaten warme Bäder bereitete. Auch, da Nero warm badete, neroanische.

24 Wer nicht ins Bad kommt, dem kann der Bader weder Füsse noch Haupt waschen.

[Spaltenumbruch] *21 Es ist wie beim Bäcker die Semmel.

*22 Et bald met den Bäcker, bald met den Brauer halden. (Meurs.) – Firmenich, I, 400, 25.

*23 Mit dem Bäcker essen.

Nicht selber backen, sondern das Brot beim Bäcker kaufen.


Bäckergewissen.

* Ein Bäckergewissen im Brote finden.

Von ungebührlich kleinem Brote.


Bäckerkind.

1 Man mutt keen Bäckerkind Stuten geb'n. (Rendsburg.) – Hochdeutsch bei Simrock, 865.

2 Wer wul Bäckerkinnern Stût'n gäwn! (Süderdithmarschen.)

Wer wollte Bäckerskindern Semmel geben.


Bäckerknie.

Er hat Bäckerknie.


Bäcklein.

Auff ein Bäcklein küssen gehört nur ein abwischen.Lehmann, II, 36, 69.


Backofen.

1 Ein backofen, der nicht heiss ist, vnnd ein mühl, die nicht vmbgehet, seynd vnwerth.Henisch, 166 (170 ist Druckfehler).

2 Es ist schon im Backofen, was aufgetragen werden soll.Wurzbach II, 7.

3 Gabe jens tö'gen en Baakauen. (Sylt.)

Sperre den Mund auf gegen einen Backofen.

4 Gegen den Backofen ist übel gaffen (gähnen).Simrock, 686.

5 Gegen 'n Backaven is quaad jânen. (Oldenburg.) – Goldschmidt, 95.

Es ist bedenklich mit einem Mächtigern und Höhern Streit anzufangen. – Jânen = mit aufgesperrtem Maule stehen, das doch keine Backofenweite erreicht.

6 In einem Backofen wächst kein Kraut.

7 Man kann ni geg'n enn hädden1 Backawen anjappen2. (Rendsburg.)

1) Heissen.

2) Athmen. – Der Wetteifer und Kampf mit Vornehmen und Mächtigen ist so schwer, wie es unmöglich ist, den Mund so weit zu öffnen, wie ein Backofen.

8 Nenne mich einen Backofen, aber Brot wirst du nicht in mir backen. (Lit.)

J. G. Hamann sagt in einem Briefe an Jacobi (dessen Werke, Bd. 4, Abth. 3, S. 8): „Was ist am Namen gelegen? Nenne mich einen Backofen, aber Brot u. s. w.“ Die Anführung hat zu dem Schreibenden eine nähere Beziehung, indem er in einem Briefe seine Freude über einen mit schwerem Porto bezahlten Brief ausspricht, auf dessen Adresse er nicht Packhofverwalter, sondern „Backofenverwalter“ titulirt war. (Vgl. Neue Preuss. Provinzialblätter, 1849, VIII, 455.)

9 Vor dem Backofen wachsen keine Kräuter, und ob sie da wüchsen, sie würden doch durch die Hitze verbrennen, die darausgeht.Simrock, 687.

10 Wann ein ding für den bachofen, in die badstub vnd auff die waschbank kombt, so ist's weit gnug ausskommen.Henisch, 182.

11 Wer gegen einen backofen blasen will, der muss ein gross maul haben.Henisch, 167.

12 Wer kann gegen 'n Backâben hojanen. (Mecklenburg.) – Latendorf, 223.

13 Wider ein heissen backofen ist böss hauchen.Henisch, 167 (171 ist Druckfehler).

*14 Dat lett sick nich mit eens in'n Backâben schûben. (Mecklenburg-Schwerin.)

Es kann nicht alles auf einmal geschehen.

*15 Einen auf den Backofen setzen. (Ostpreuss.)

Wenn sich ein Jüngerer früher als ein Aelterer verheirathet, so findet obige Redensart auf den letztern Anwendung.

*16 Es ist ein kalter Backofen.

Eine unnütze Sache.

*17 Giegen den Baekoewen gapen. (Westf.)

Mit Stärkern wetteifern.


Backsel.

1 Al Backsels un Braussels geradt nich. (Ostfries.)

2 Alle Backsels un Brossels sünd nich awerên. (Ostfries.)

Holl.: Alle baksels en brouwels vallen niet even goed uit. (Harrebomée, I, 28.)


[Spaltenumbruch]
Backstein.

Ein alter Backstein hält oft länger als ein neuer.

Leider wahr, aber keine besondere Empfehlung für die neuere Ziegelfabrikation.


Bad.

1 Bad, Wein und Weib erquicken (verderben) den Leib.Simrock, 688; Körte, 366.

Lat.: Balnea sunt remedia laborum. – Balnea, vina, venus, corrumpunt corpora nostra, conservant eadem balnea, vina, venus. – Vina acuunt animos, vino mens aegra resurgit.

2 Bäder, Lieb' und Wein machen das Leben klein.

Der Gebrauch der Bäder kann unter Umständen mehr schaden als nützen.

3 Das Bad sei verflucht, das mir den Hintern eines Menschen zeigt, dessen Gesicht ich nicht einmal gern sehen mag.Burckhardt, 582.

Die Aegypter sagen damit, dass ihnen der Zufall die Gesellschaft eines Menschen aufgezwungen hat, dessen Anblick ihnen schon zuwider ist.

4 Das bad soll man aussgiessen, vnd das Kind behalten.Henisch, 169.

5 Das Bad wäscht von aussen rein, die Reue von innen.

6 Das ist ein böses Bad, die Beine ins Feuer halten.

7 Der dir das Bad schenkt, wird mich zum Diener desselben machen. (Türk.)

8 Die im Bade sitzen, müssen sich nicht fürchten vorm Schwitzen.

9 Ein Bad mag's immer sein, stellt sich der Schweiss nur ein.

Wenn man nur recht verfährt, so wird sich auch der Schweiss einstellen. Nestor, der älteste russische Geschichtschreiber (gestorben 1116), erzählt vom heiligen Andreas: „Als er am Dnjepr aufwärts ging, sah er in der Gegend von Nowgorod Badestuben aus Holz gezimmert und darin Oefen aus Stein, welche stark geheizt wurden. Die Leute zogen sich nackt aus, begossen sich mit Wasser und peitschten sich mit Ruthen dermassen, dass man für ihr Leben fürchten musste. Wenn sie heraustraten, begossen sie sich mit kaltem Wasser.“ (Wurzbach I, 1.)

Poln.: Ma li być łaznia, niechże będzie znój.

10 Ein Bad vertreibt den Tod nicht.

11 Ein warmes Bad reinigt mehr als ein kaltes.

Wer selbst z. B. kalt dabei bleibt, wenn er Verweise und Zurechtweisungen ertheilt, darf sich wenig Wirkung davon versprechen.

12 Es hilfft kein bad an einem Juden oder Rappen (Raben).Henisch, 170; Simrock, 691.

Was in der Natur begründet ist, was zum Charakter einer Sache oder Person gehört, lässt sich nicht abwaschen. Das ist aber auch kein Vorwurf für dieselbe.

13 Gehe ins bad vnd werde nicht nass.Henisch, 170.

14 Im Bad und beim Barbeer fehlt's nie an neuer Mär.

Holl.: In badplaatsen, barbierswinkels en molens verneemt men alle dingen. (Harrebomée, I, 27.)

15 Kalte Bäder machen warmes Blut.

Es ist unserer Zeit bestimmt gewesen, die heilenden, stärkenden Kräfte des kalten Wassers wieder zu erkennen und in ihre Rechte einzusetzen. Wiewol man in Betreff des Misbrauchs, der mit dem kalten Wasser getrieben worden ist und zum Theil noch getrieben wird, auch sagen könnte: Kalte Bäder machen kaltes Blut.

16 Kein Bad hilft dem Raben.Sailer, 147.

17 Nach dem Bade warm, nach Lässe1 kalt, thust du das, so wirst du alt.Eiselein, 50.

1) Nach der Ader oder nach dem Aderlass.

18 Nur wer im Bade sitzt, weiss wie heiss es ist.

19 Was das Bad bringt, muss es wieder nehmen.Simrock, 12267.

20 Wer das Bad bereitet, kommt nicht hinein.

Ausgenommen manchmal, weil keine Regel ohne Ausnahme ist.

21 Wer ist gen Bad gefahren, dem soll wol getwagen und geschoren werden.Eiselein, 51.

22 Wer krätzig ins Bad geht, kommt räudig wieder heim.Lehmann; Simrock, 690.

23 Wer langsam ins Bad kommt, verbrennt sich bald.

Warme Bäder nannten die Alten herculische, weil Vulcan dem Hercules als Anerkennung seiner Thaten warme Bäder bereitete. Auch, da Nero warm badete, neroanische.

24 Wer nicht ins Bad kommt, dem kann der Bader weder Füsse noch Haupt waschen.

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[[109]/0137] *21 Es ist wie beim Bäcker die Semmel. *22 Et bald met den Bäcker, bald met den Brauer halden. (Meurs.) – Firmenich, I, 400, 25. *23 Mit dem Bäcker essen. Nicht selber backen, sondern das Brot beim Bäcker kaufen. Bäckergewissen. * Ein Bäckergewissen im Brote finden. Von ungebührlich kleinem Brote. Bäckerkind. 1 Man mutt keen Bäckerkind Stuten geb'n. (Rendsburg.) – Hochdeutsch bei Simrock, 865. 2 Wer wul Bäckerkinnern Stût'n gäwn! (Süderdithmarschen.) Wer wollte Bäckerskindern Semmel geben. Bäckerknie. Er hat Bäckerknie. Bäcklein. Auff ein Bäcklein küssen gehört nur ein abwischen. – Lehmann, II, 36, 69. Backofen. 1 Ein backofen, der nicht heiss ist, vnnd ein mühl, die nicht vmbgehet, seynd vnwerth. – Henisch, 166 (170 ist Druckfehler). 2 Es ist schon im Backofen, was aufgetragen werden soll. – Wurzbach II, 7. 3 Gabe jens tö'gen en Baakauen. (Sylt.) Sperre den Mund auf gegen einen Backofen. 4 Gegen den Backofen ist übel gaffen (gähnen). – Simrock, 686. 5 Gegen 'n Backaven is quaad jânen. (Oldenburg.) – Goldschmidt, 95. Es ist bedenklich mit einem Mächtigern und Höhern Streit anzufangen. – Jânen = mit aufgesperrtem Maule stehen, das doch keine Backofenweite erreicht. 6 In einem Backofen wächst kein Kraut. 7 Man kann ni geg'n enn hädden1 Backawen anjappen2. (Rendsburg.) 1) Heissen. 2) Athmen. – Der Wetteifer und Kampf mit Vornehmen und Mächtigen ist so schwer, wie es unmöglich ist, den Mund so weit zu öffnen, wie ein Backofen. 8 Nenne mich einen Backofen, aber Brot wirst du nicht in mir backen. (Lit.) J. G. Hamann sagt in einem Briefe an Jacobi (dessen Werke, Bd. 4, Abth. 3, S. 8): „Was ist am Namen gelegen? Nenne mich einen Backofen, aber Brot u. s. w.“ Die Anführung hat zu dem Schreibenden eine nähere Beziehung, indem er in einem Briefe seine Freude über einen mit schwerem Porto bezahlten Brief ausspricht, auf dessen Adresse er nicht Packhofverwalter, sondern „Backofenverwalter“ titulirt war. (Vgl. Neue Preuss. Provinzialblätter, 1849, VIII, 455.) 9 Vor dem Backofen wachsen keine Kräuter, und ob sie da wüchsen, sie würden doch durch die Hitze verbrennen, die darausgeht. – Simrock, 687. 10 Wann ein ding für den bachofen, in die badstub vnd auff die waschbank kombt, so ist's weit gnug ausskommen. – Henisch, 182. 11 Wer gegen einen backofen blasen will, der muss ein gross maul haben. – Henisch, 167. 12 Wer kann gegen 'n Backâben hojanen. (Mecklenburg.) – Latendorf, 223. 13 Wider ein heissen backofen ist böss hauchen. – Henisch, 167 (171 ist Druckfehler). *14 Dat lett sick nich mit eens in'n Backâben schûben. (Mecklenburg-Schwerin.) Es kann nicht alles auf einmal geschehen. *15 Einen auf den Backofen setzen. (Ostpreuss.) Wenn sich ein Jüngerer früher als ein Aelterer verheirathet, so findet obige Redensart auf den letztern Anwendung. *16 Es ist ein kalter Backofen. Eine unnütze Sache. *17 Giegen den Baekoewen gapen. (Westf.) Mit Stärkern wetteifern. Backsel. 1 Al Backsels un Braussels geradt nich. (Ostfries.) 2 Alle Backsels un Brossels sünd nich awerên. (Ostfries.) Holl.: Alle baksels en brouwels vallen niet even goed uit. (Harrebomée, I, 28.) Backstein. Ein alter Backstein hält oft länger als ein neuer. Leider wahr, aber keine besondere Empfehlung für die neuere Ziegelfabrikation. Bad. 1 Bad, Wein und Weib erquicken (verderben) den Leib. – Simrock, 688; Körte, 366. Lat.: Balnea sunt remedia laborum. – Balnea, vina, venus, corrumpunt corpora nostra, conservant eadem balnea, vina, venus. – Vina acuunt animos, vino mens aegra resurgit. 2 Bäder, Lieb' und Wein machen das Leben klein. Der Gebrauch der Bäder kann unter Umständen mehr schaden als nützen. 3 Das Bad sei verflucht, das mir den Hintern eines Menschen zeigt, dessen Gesicht ich nicht einmal gern sehen mag. – Burckhardt, 582. Die Aegypter sagen damit, dass ihnen der Zufall die Gesellschaft eines Menschen aufgezwungen hat, dessen Anblick ihnen schon zuwider ist. 4 Das bad soll man aussgiessen, vnd das Kind behalten. – Henisch, 169. 5 Das Bad wäscht von aussen rein, die Reue von innen. 6 Das ist ein böses Bad, die Beine ins Feuer halten. 7 Der dir das Bad schenkt, wird mich zum Diener desselben machen. (Türk.) 8 Die im Bade sitzen, müssen sich nicht fürchten vorm Schwitzen. 9 Ein Bad mag's immer sein, stellt sich der Schweiss nur ein. Wenn man nur recht verfährt, so wird sich auch der Schweiss einstellen. Nestor, der älteste russische Geschichtschreiber (gestorben 1116), erzählt vom heiligen Andreas: „Als er am Dnjepr aufwärts ging, sah er in der Gegend von Nowgorod Badestuben aus Holz gezimmert und darin Oefen aus Stein, welche stark geheizt wurden. Die Leute zogen sich nackt aus, begossen sich mit Wasser und peitschten sich mit Ruthen dermassen, dass man für ihr Leben fürchten musste. Wenn sie heraustraten, begossen sie sich mit kaltem Wasser.“ (Wurzbach I, 1.) Poln.: Ma li być łaznia, niechże będzie znój. 10 Ein Bad vertreibt den Tod nicht. 11 Ein warmes Bad reinigt mehr als ein kaltes. Wer selbst z. B. kalt dabei bleibt, wenn er Verweise und Zurechtweisungen ertheilt, darf sich wenig Wirkung davon versprechen. 12 Es hilfft kein bad an einem Juden oder Rappen (Raben). – Henisch, 170; Simrock, 691. Was in der Natur begründet ist, was zum Charakter einer Sache oder Person gehört, lässt sich nicht abwaschen. Das ist aber auch kein Vorwurf für dieselbe. 13 Gehe ins bad vnd werde nicht nass. – Henisch, 170. 14 Im Bad und beim Barbeer fehlt's nie an neuer Mär. Holl.: In badplaatsen, barbierswinkels en molens verneemt men alle dingen. (Harrebomée, I, 27.) 15 Kalte Bäder machen warmes Blut. Es ist unserer Zeit bestimmt gewesen, die heilenden, stärkenden Kräfte des kalten Wassers wieder zu erkennen und in ihre Rechte einzusetzen. Wiewol man in Betreff des Misbrauchs, der mit dem kalten Wasser getrieben worden ist und zum Theil noch getrieben wird, auch sagen könnte: Kalte Bäder machen kaltes Blut. 16 Kein Bad hilft dem Raben. – Sailer, 147. 17 Nach dem Bade warm, nach Lässe1 kalt, thust du das, so wirst du alt. – Eiselein, 50. 1) Nach der Ader oder nach dem Aderlass. 18 Nur wer im Bade sitzt, weiss wie heiss es ist. 19 Was das Bad bringt, muss es wieder nehmen. – Simrock, 12267. 20 Wer das Bad bereitet, kommt nicht hinein. Ausgenommen manchmal, weil keine Regel ohne Ausnahme ist. 21 Wer ist gen Bad gefahren, dem soll wol getwagen und geschoren werden. – Eiselein, 51. 22 Wer krätzig ins Bad geht, kommt räudig wieder heim. – Lehmann; Simrock, 690. 23 Wer langsam ins Bad kommt, verbrennt sich bald. Warme Bäder nannten die Alten herculische, weil Vulcan dem Hercules als Anerkennung seiner Thaten warme Bäder bereitete. Auch, da Nero warm badete, neroanische. 24 Wer nicht ins Bad kommt, dem kann der Bader weder Füsse noch Haupt waschen.

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [109]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/137>, abgerufen am 28.10.2020.