Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 2 Alte Besen kratzen mehr, als sie fegen.

3 Der Besen ist am Mast, um die See zu fegen.

Zeichen des bevorstehenden Kampfes.

4 Die Besen kann man am wohlfeilsten geben, die man fertig stiehlt. - Eiselein, 70; Simrock, 945.

5 Die einen Besen liegen lässt, hebt auch ein Fass nicht auf. - Eiselein, 70.

6 Die neuen Besen wischen wohl, nur gehen sie nicht in die Winkel. - Kirchhofer, 205.

7 Ein alter Besen kennt die Winkel wohl.

8 Ein alter Besen scheut keinen Dreck.

9 Ein Besen, der den Dreck fürchtet (scheut), taugt nicht zum Fegen.

10 Ein Besen, der die Gasse kehrt, säubert keine Stube mehr.

11 Ein Besen findet sich wohl, wenn gefegt werden soll.

12 Ein Besen kommt immer wieder, wenn man danach greift, ist er auch noch so oft weggeworfen worden.

13 Ein Besen wird zur Dame, kommt er in schöne Rahme.

In Bergamo sagt man: Kleide einen Besen (s. Rohr), so erscheint er eine schöne Dame.

14 Ein neuer Besen geht über alles.

15 Ein neuer Besen ist bald abgekehrt.

It.: Granata nuova tre di buona. (Bohn I, 100.)

16 Ein neuer Besen kennt den alten nicht.

17 Ein rechter Besen fegt auch die Esse recht.

18 En verkearden1 Bessmen mot me in Ehren halten. (Westf.)

1) Durch Kehren abgenutzten. - Von alten Dienstboten.

19 Ist der Besen abgebraucht, so muss er auch in Ofen. - Eiselein, 70; Egenolff, 343a; Agricola, II, 163.

20 Man steckt einem Besen oder Maien, je nachdem man einem will.

21 Man stellt den Besen unter (über) sich, von wegen den Hexen. - Kirchhofer, 261.

22 Man weiss nit ehe, warzu der besem gut ist, biss das er verkeeret (oder: stumpff) ist. - Tappius, 121a, 219b; Henisch, 312; Eiselein, 70; Franck, II, 88; Lehmann, II, 405, 64.

Lat.: Rem factam stultus cognoscit. (Tappius, 120b.)

23 Man wird ihm brav Besen stecken. - Kirchhofer, 100; Eiselein, 70.

Wie die Aufrichtung von Maien (s. d.) ein Ehrenzeichen war, so gab man in der Schweiz bis auf die neuere Zeit einem abgehenden Beamten die Unzufriedenheit mit seiner Verwaltung dadurch zu erkennen, dass man Besen an dem Wege, den er zu nehmen hatte, aufsteckte.

24 Mancher springt vber ein Besem vnd fält vber ein Hundsdreck. - Lehmann, II, 410, 49.

25 Me mot nit ehr seggen: de Besmen ies gued, bit me ne upkeart heat. (Westf.)

26 Mit dem Besen wiegt (wägt) man nicht die Kraft. - Bertram.

27 'N afkiärten Bessen mot m' (man) in Ehren hollen. (Münster.) - Frommann, VI, 431, 97.

28 Naigi Pesn kiadn guid. (Steiermark.) - Firmenich, II, 771; für Köln: Firmenich, I, 475, 213; für Eifel: Schmitz, 198; für Lippe: Curtze, 354, 496.

29 Neu Beisseme kehre got, se fegen effel de Hötten1 met us. (Aachen.) - Firmenich, I, 492, 25.

1) Ecken, Winkel.

30 Neue Base kere wol, werfe alle Ecke vol. (Henneberg.)

31 Neue Besen kehren wol, aber die alten fegen die Hütten rein. - Simrock, 941.

32 Neue Besen kehren wohl, bis dass sie werden Staubes voll. - Körte, 503.

33 New besem keren wol. - Bücking, 58; Siebenkees, 162; Eiselein, 70; Blum, 342; Pistor., II, 76; Hollenberg, II, 35; Ramann, Unterr., IV, 18; Schleicher, 81; Grimm, I, 1615; Sailer, 170; Simrock, 941; Franck, II, 7a, 85a; Fallersleben, 549; Tunn., 20, 7; Gaal, 188.

[Spaltenumbruch] Beim Antritt eines Amtes oder Geschäfts ist man gewöhnlich sehr eifrig und pünktlich, lässt aber später an Strenge nach.

Engl.: A new besom (broom) sweeps clean. (Bohn II, 228.)

Frz.: Il n'est rien tel que balai neuf, le valet a fait le balai neuf. (Lendroy, 1069.) - Nouveau balai balaie bien.

Holl.: Nieuwe bezems vegen schoon. (Harrebomee, I, 54.)

It.: Spazzatojo nuovo spazza ben la casa.

Lat.: Discunt nostri: novam scopam bene purgare. (Bebel.) - Fert bene praecipites navis modo facta procellas. (Ovid.) - Fortior in fulva novus est ductator arena. - Scopae recentiores semper meliores.

34 Nie Bessen feget rein. - Eichwald, 125; für Westfalen: Boebel, 144.

35 So lang der bäsen new ist, so keret man damit, so er aber alt würt, so wirfft man jhn ins fewr. - Tappius, 23b; Henisch, 312.

36 Ueber neuen Besen geht nichts.

Frz.: Il fait balai neuf. - Il n'y a rien de tel qu'un balai neuf.

37 Was dem besen entrint, das findt sein grabstett am Galgen. - Henisch, 312.

38 Weel der Basen noi is, su kehrt a gutt. - Gomolcke, 1105; Robinson, 63; Frommann, III, 243, 46.

39 Wei en Besen stielt, is kein Deiw. (Westf.)

Wortspiel mit stielt und stiehlt.

40 Wenn der Besen ist verkehrt, rühmen wir ihn ehrenwerth.

41 Wenn der Besen stumpf (verbraucht) ist, wirft man ihn (in den Ofen) weg. - Blum, 709.

Es ist der Menschen gemeine Weise, den nur zu lieben und zu ehren, von dem sie sich Nutzen versprechen.

42 Wenn der Besen verkehrt ist, sieht man erst, wozu er gedient. - Simrock, 942; Körte, 504; Tappius, 219b.

Engl.: The worth of a thing is best known by the want.

Frz.: Bien perdu, bien connu. (Venedey, 55.) - On connaeit le bien quand on l'a perdu. - Vache ne sait que vaut sa queue, jusqu'a ce qu'elle l'ait perdue.

It.: L'asino non conosce la coda, se non quando nou l'ha piu.

Lat.: Minuit praesentia famam, et vilescunt quotidiana. (Lange, 246.)

43 Wenn man den Besen braucht, wird er aus der Ecke geholt.

44 Wer den Besen kauft, kann auch den Stiel bezahlen.

Wer die grössere Ausgabe zu bestreiten vermag, der wird auch die geringere machen können.

It.: Chi compra la scopa puo anche comprar il manico.

45 Wer sich zum Besen macht, muss über Staub nicht klagen.

46 Wo Besen sich regen, muss sich auch der Staub (Dreck) bewegen.

*47 Den Besen auseinander reissen.

Eine Sache aus ihrer Stellung, ihrem Zusammenhange bringen; daher nennt Cicero einen schlechten, unordentlichen Menschen einen zerrissenen Besen.

Lat.: Scopas dissolvere. - Scopae dissolutae. (Cicero.) (Erasm., 843.)

*48 Einen mit Besen und Schemelbein bewirthen.

Ihm die Thür unsanft weisen.

*49 Er kann mit neuen Besen Stuben kehren. - Murner, Schelm.

*50 Er steckt den Besen.

Richtet sich zum Kampfe. Wahrscheinlich von den Wassergeusen, welche als Zeichen zum Kampfe einen Besen am Maste heraussteckten.

*51 Es ist ein alter Besen.

Frz.: Il a long-temps roti le balai. (Lendroy, 1324.)

*52 Mit dem besten Besen kehren. - Henisch.

Frz.: C'est un balai neuf. (Lendroy, 100.)

*53 Mit fremden Besen kehren.

Fremde Kräfte zum eigenen Vortheil ausbeuten.

*54 Neue Besen machen. (Franz.)

Neues Gesinde, neue Bedienten annehmen.

*55 Nur mit Besen und Kochlöffel umzugehen wissen.

*56 Schöner Besen.

In der Burschensprache = Mädchen.

*57 Sie kehrt dem Besen das Hintere herfür. - Eiselein, 70.

*58 Vör den Besmen keinen Stiel wieten. (Westf.)

Für ein Mädchen keinen Freier.


Besenkraut.

Vor dem Besenkraut muss man den Namen der Birke nicht nennen.


[Spaltenumbruch] 2 Alte Besen kratzen mehr, als sie fegen.

3 Der Besen ist am Mast, um die See zu fegen.

Zeichen des bevorstehenden Kampfes.

4 Die Besen kann man am wohlfeilsten geben, die man fertig stiehlt.Eiselein, 70; Simrock, 945.

5 Die einen Besen liegen lässt, hebt auch ein Fass nicht auf.Eiselein, 70.

6 Die neuen Besen wischen wohl, nur gehen sie nicht in die Winkel.Kirchhofer, 205.

7 Ein alter Besen kennt die Winkel wohl.

8 Ein alter Besen scheut keinen Dreck.

9 Ein Besen, der den Dreck fürchtet (scheut), taugt nicht zum Fegen.

10 Ein Besen, der die Gasse kehrt, säubert keine Stube mehr.

11 Ein Besen findet sich wohl, wenn gefegt werden soll.

12 Ein Besen kommt immer wieder, wenn man danach greift, ist er auch noch so oft weggeworfen worden.

13 Ein Besen wird zur Dame, kommt er in schöne Rahme.

In Bergamo sagt man: Kleide einen Besen (s. Rohr), so erscheint er eine schöne Dame.

14 Ein neuer Besen geht über alles.

15 Ein neuer Besen ist bald abgekehrt.

It.: Granata nuova tre dì buona. (Bohn I, 100.)

16 Ein neuer Besen kennt den alten nicht.

17 Ein rechter Besen fegt auch die Esse recht.

18 En verkearden1 Bessmen mot me in Ehren halten. (Westf.)

1) Durch Kehren abgenutzten. – Von alten Dienstboten.

19 Ist der Besen abgebraucht, so muss er auch in Ofen.Eiselein, 70; Egenolff, 343a; Agricola, II, 163.

20 Man steckt einem Besen oder Maien, je nachdem man einem will.

21 Man stellt den Besen unter (über) sich, von wegen den Hexen.Kirchhofer, 261.

22 Man weiss nit ehe, warzu der besem gut ist, biss das er verkeeret (oder: stumpff) ist.Tappius, 121a, 219b; Henisch, 312; Eiselein, 70; Franck, II, 88; Lehmann, II, 405, 64.

Lat.: Rem factam stultus cognoscit. (Tappius, 120b.)

23 Man wird ihm brav Besen stecken.Kirchhofer, 100; Eiselein, 70.

Wie die Aufrichtung von Maien (s. d.) ein Ehrenzeichen war, so gab man in der Schweiz bis auf die neuere Zeit einem abgehenden Beamten die Unzufriedenheit mit seiner Verwaltung dadurch zu erkennen, dass man Besen an dem Wege, den er zu nehmen hatte, aufsteckte.

24 Mancher springt vber ein Besem vnd fält vber ein Hundsdreck.Lehmann, II, 410, 49.

25 Me mot nit ehr seggen: de Besmen ies gued, bit me ne upkeart heat. (Westf.)

26 Mit dem Besen wiegt (wägt) man nicht die Kraft.Bertram.

27 'N afkiärten Bessen mot m' (man) in Ehren hollen. (Münster.) – Frommann, VI, 431, 97.

28 Naigi Pesn kiadn guid. (Steiermark.) – Firmenich, II, 771; für Köln: Firmenich, I, 475, 213; für Eifel: Schmitz, 198; für Lippe: Curtze, 354, 496.

29 Neu Beisseme kehre got, se fêgen effel de Hötten1 met us. (Aachen.) – Firmenich, I, 492, 25.

1) Ecken, Winkel.

30 Neue Bâse kêre wôl, werfe alle Ecke vôl. (Henneberg.)

31 Neue Besen kehren wol, aber die alten fegen die Hütten rein.Simrock, 941.

32 Neue Besen kehren wohl, bis dass sie werden Staubes voll.Körte, 503.

33 New besem keren wol.Bücking, 58; Siebenkees, 162; Eiselein, 70; Blum, 342; Pistor., II, 76; Hollenberg, II, 35; Ramann, Unterr., IV, 18; Schleicher, 81; Grimm, I, 1615; Sailer, 170; Simrock, 941; Franck, II, 7a, 85a; Fallersleben, 549; Tunn., 20, 7; Gaal, 188.

[Spaltenumbruch] Beim Antritt eines Amtes oder Geschäfts ist man gewöhnlich sehr eifrig und pünktlich, lässt aber später an Strenge nach.

Engl.: A new besom (broom) sweeps clean. (Bohn II, 228.)

Frz.: Il n'est rien tel que balai neuf, le valet a fait le balai neuf. (Lendroy, 1069.) – Nouveau balai balaie bien.

Holl.: Nieuwe bezems vegen schoon. (Harrebomée, I, 54.)

It.: Spazzatojo nuovo spazza ben la casa.

Lat.: Discunt nostri: novam scopam bene purgare. (Bebel.) – Fert bene praecipites navis modo facta procellas. (Ovid.) – Fortior in fulva novus est ductator arena. – Scopae recentiores semper meliores.

34 Nie Bessen feget rein.Eichwald, 125; für Westfalen: Boebel, 144.

35 So lang der bäsen new ist, so keret man damit, so er aber alt würt, so wirfft man jhn ins fewr.Tappius, 23b; Henisch, 312.

36 Ueber neuen Besen geht nichts.

Frz.: Il fait balai neuf. – Il n'y a rien de tel qu'un balai neuf.

37 Was dem besen entrint, das findt sein grabstett am Galgen.Henisch, 312.

38 Weel der Bâsen noi is, su kehrt a gutt.Gomolcke, 1105; Robinson, 63; Frommann, III, 243, 46.

39 Wei en Besen stielt, is kein Deiw. (Westf.)

Wortspiel mit stielt und stiehlt.

40 Wenn der Besen ist verkehrt, rühmen wir ihn ehrenwerth.

41 Wenn der Besen stumpf (verbraucht) ist, wirft man ihn (in den Ofen) weg.Blum, 709.

Es ist der Menschen gemeine Weise, den nur zu lieben und zu ehren, von dem sie sich Nutzen versprechen.

42 Wenn der Besen verkehrt ist, sieht man erst, wozu er gedient.Simrock, 942; Körte, 504; Tappius, 219b.

Engl.: The worth of a thing is best known by the want.

Frz.: Bien perdu, bien connu. (Venedey, 55.) – On connaît le bien quand on l'a perdu. – Vache ne sait que vaut sa queue, jusqu'à ce qu'elle l'ait perdue.

It.: L'asino non conosce la coda, se non quando nou l'ha più.

Lat.: Minuit praesentia famam, et vilescunt quotidiana. (Lange, 246.)

43 Wenn man den Besen braucht, wird er aus der Ecke geholt.

44 Wer den Besen kauft, kann auch den Stiel bezahlen.

Wer die grössere Ausgabe zu bestreiten vermag, der wird auch die geringere machen können.

It.: Chi compra la scopa può anche comprar il manico.

45 Wer sich zum Besen macht, muss über Staub nicht klagen.

46 Wo Besen sich regen, muss sich auch der Staub (Dreck) bewegen.

*47 Den Besen auseinander reissen.

Eine Sache aus ihrer Stellung, ihrem Zusammenhange bringen; daher nennt Cicero einen schlechten, unordentlichen Menschen einen zerrissenen Besen.

Lat.: Scopas dissolvere. – Scopae dissolutae. (Cicero.) (Erasm., 843.)

*48 Einen mit Besen und Schemelbein bewirthen.

Ihm die Thür unsanft weisen.

*49 Er kann mit neuen Besen Stuben kehren.Murner, Schelm.

*50 Er steckt den Besen.

Richtet sich zum Kampfe. Wahrscheinlich von den Wassergeusen, welche als Zeichen zum Kampfe einen Besen am Maste heraussteckten.

*51 Es ist ein alter Besen.

Frz.: Il a long-temps rôti le balai. (Lendroy, 1324.)

*52 Mit dem besten Besen kehren.Henisch.

Frz.: C'est un balai neuf. (Lendroy, 100.)

*53 Mit fremden Besen kehren.

Fremde Kräfte zum eigenen Vortheil ausbeuten.

*54 Neue Besen machen. (Franz.)

Neues Gesinde, neue Bedienten annehmen.

*55 Nur mit Besen und Kochlöffel umzugehen wissen.

*56 Schöner Besen.

In der Burschensprache = Mädchen.

*57 Sie kehrt dem Besen das Hintere herfür.Eiselein, 70.

*58 Vör den Besmen keinen Stiel wieten. (Westf.)

Für ein Mädchen keinen Freier.


Besenkraut.

Vor dem Besenkraut muss man den Namen der Birke nicht nennen.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0190" n="[162]"/><cb n="323"/>
2 Alte Besen kratzen mehr, als sie fegen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Der Besen ist am Mast, um die See zu fegen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Zeichen des bevorstehenden Kampfes.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Die Besen kann man am wohlfeilsten geben, die man fertig stiehlt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 70; Simrock, 945.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Die einen Besen liegen lässt, hebt auch ein Fass nicht auf.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 70.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Die neuen Besen wischen wohl, nur gehen sie nicht in die Winkel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer, 205.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Ein alter Besen kennt die Winkel wohl.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Ein alter Besen scheut keinen Dreck.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">9 Ein Besen, der den Dreck fürchtet (scheut), taugt nicht zum Fegen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">10 Ein Besen, der die Gasse kehrt, säubert keine Stube mehr.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">11 Ein Besen findet sich wohl, wenn gefegt werden soll.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">12 Ein Besen kommt immer wieder, wenn man danach greift, ist er auch noch so oft weggeworfen worden.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">13 Ein Besen wird zur Dame, kommt er in schöne Rahme.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">In Bergamo sagt man: Kleide einen Besen (s.  Rohr), so erscheint er eine schöne Dame.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Ein neuer Besen geht über alles.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">15 Ein neuer Besen ist bald abgekehrt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Granata nuova tre dì buona. (<hi rendition="#i">Bohn I, 100.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Ein neuer Besen kennt den alten nicht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">17 Ein rechter Besen fegt auch die Esse recht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">18 En verkearden<hi rendition="#sup">1</hi> Bessmen mot me in Ehren halten.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Durch Kehren abgenutzten. &#x2013; Von alten Dienstboten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">19 Ist der Besen abgebraucht, so muss er auch in Ofen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 70; Egenolff, 343<hi rendition="#sup">a</hi>; Agricola, II, 163.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">20 Man steckt einem Besen oder Maien, je nachdem man einem will.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">21 Man stellt den Besen unter (über) sich, von wegen den Hexen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer, 261.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">22 Man weiss nit ehe, warzu der besem gut ist, biss das er verkeeret (oder: stumpff) ist.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tappius, 121<hi rendition="#sup">a</hi>, 219<hi rendition="#sup">b</hi>; Henisch, 312; Eiselein, 70; Franck, II, 88; Lehmann, II, 405, 64.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Rem factam stultus cognoscit. (<hi rendition="#i">Tappius, 120<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">23 Man wird ihm brav Besen stecken.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Kirchhofer, 100; Eiselein, 70.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wie die Aufrichtung von  Maien (s. d.) ein Ehrenzeichen war, so gab man in der Schweiz bis auf die neuere Zeit einem abgehenden Beamten die Unzufriedenheit mit seiner Verwaltung dadurch zu erkennen, dass man Besen an dem Wege, den er zu nehmen hatte, aufsteckte.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">24 Mancher springt vber ein Besem vnd fält vber ein Hundsdreck.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, II, 410, 49.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">25 Me mot nit ehr seggen: de Besmen ies gued, bit me ne upkeart heat.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">26 Mit dem Besen wiegt (wägt) man nicht die Kraft.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Bertram.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">27 'N afkiärten Bessen mot m' (man) in Ehren hollen.</hi> (<hi rendition="#i">Münster.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, VI, 431, 97.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">28 Naigi Pesn kiadn guid.</hi> (<hi rendition="#i">Steiermark.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, II, 771;</hi> für Köln: <hi rendition="#i">Firmenich, I, 475, 213;</hi> für Eifel: <hi rendition="#i">Schmitz, 198;</hi> für Lippe: <hi rendition="#i">Curtze, 354, 496.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">29 Neu Beisseme kehre got, se fêgen effel de Hötten<hi rendition="#sup">1</hi> met us.</hi> (<hi rendition="#i">Aachen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, I, 492, 25.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Ecken, Winkel.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">30 Neue Bâse kêre wôl, werfe alle Ecke vôl.</hi> (<hi rendition="#i">Henneberg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">31 Neue Besen kehren wol, aber die alten fegen die Hütten rein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 941.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">32 Neue Besen kehren wohl, bis dass sie werden Staubes voll.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 503.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">33 New besem keren wol.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Bücking, 58; Siebenkees, 162; Eiselein, 70; Blum, 342; Pistor., II, 76; Hollenberg, II, 35; Ramann, Unterr., IV, 18; Schleicher, 81; Grimm, I, 1615; Sailer, 170; Simrock, 941; Franck, II, 7<hi rendition="#sup">a</hi>, 85<hi rendition="#sup">a</hi>; Fallersleben, 549; Tunn., 20, 7; Gaal, 188.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><cb n="324"/>
Beim Antritt eines Amtes oder Geschäfts ist man gewöhnlich sehr eifrig und pünktlich, lässt aber später an Strenge nach.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: A new besom (broom) sweeps clean. (<hi rendition="#i">Bohn II, 228.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il n'est rien tel que balai neuf, le valet a fait le balai neuf. (<hi rendition="#i">Lendroy, 1069.</hi>) &#x2013; Nouveau balai balaie bien.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Nieuwe bezems vegen schoon. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 54.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Spazzatojo nuovo spazza ben la casa.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Discunt nostri: novam scopam bene purgare. (<hi rendition="#i">Bebel.</hi>) &#x2013; Fert bene praecipites navis modo facta procellas. (<hi rendition="#i">Ovid.</hi>) &#x2013; Fortior in fulva novus est ductator arena. &#x2013; Scopae recentiores semper meliores.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">34 Nie Bessen feget rein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 125;</hi> für Westfalen: <hi rendition="#i">Boebel, 144.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">35 So lang der bäsen new ist, so keret man damit, so er aber alt würt, so wirfft man jhn ins fewr.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Tappius, 23<hi rendition="#sup">b</hi>; Henisch, 312.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">36 Ueber neuen Besen geht nichts.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il fait balai neuf. &#x2013; Il n'y a rien de tel qu'un balai neuf.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">37 Was dem besen entrint, das findt sein grabstett am Galgen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 312.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">38 Weel der Bâsen noi is, su kehrt a gutt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gomolcke, 1105; Robinson, 63; Frommann, III, 243, 46.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">39 Wei en Besen stielt, is kein Deiw.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Wortspiel mit stielt und stiehlt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">40 Wenn der Besen ist verkehrt, rühmen wir ihn ehrenwerth.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">41 Wenn der Besen stumpf (verbraucht) ist, wirft man ihn (in den Ofen) weg.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Blum, 709.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Es ist der Menschen gemeine Weise, den nur zu lieben und zu ehren, von dem sie sich Nutzen versprechen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">42 Wenn der Besen verkehrt ist, sieht man erst, wozu er gedient.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 942; Körte, 504; Tappius, 219<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: The worth of a thing is best known by the want.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Bien perdu, bien connu. (<hi rendition="#i">Venedey, 55.</hi>) &#x2013; On connaît le bien quand on l'a perdu. &#x2013; Vache ne sait que vaut sa queue, jusqu'à ce qu'elle l'ait perdue.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: L'asino non conosce la coda, se non quando nou l'ha più.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Minuit praesentia famam, et vilescunt quotidiana. (<hi rendition="#i">Lange, 246.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">43 Wenn man den Besen braucht, wird er aus der Ecke geholt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">44 Wer den Besen kauft, kann auch den Stiel bezahlen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wer die grössere Ausgabe zu bestreiten vermag, der wird auch die geringere machen können.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Chi compra la scopa può anche comprar il manico.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">45 Wer sich zum Besen macht, muss über Staub nicht klagen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">46 Wo Besen sich regen, muss sich auch der Staub (Dreck) bewegen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*47 Den Besen auseinander reissen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Eine Sache aus ihrer Stellung, ihrem Zusammenhange bringen; daher nennt Cicero einen schlechten, unordentlichen Menschen einen zerrissenen Besen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Scopas dissolvere. &#x2013; Scopae dissolutae. (<hi rendition="#i">Cicero.</hi>) (<hi rendition="#i">Erasm., 843.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*48 Einen mit Besen und Schemelbein bewirthen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ihm die Thür unsanft weisen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*49 Er kann mit neuen Besen Stuben kehren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Murner, Schelm.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*50 Er steckt den Besen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Richtet sich zum Kampfe. Wahrscheinlich von den Wassergeusen, welche als Zeichen zum Kampfe einen Besen am Maste heraussteckten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*51 Es ist ein alter Besen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il a long-temps rôti le balai. (<hi rendition="#i">Lendroy, 1324.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*52 Mit dem besten Besen kehren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: C'est un balai neuf. (<hi rendition="#i">Lendroy, 100.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*53 Mit fremden Besen kehren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Fremde Kräfte zum eigenen Vortheil ausbeuten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*54 Neue Besen machen.</hi> (<hi rendition="#i">Franz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Neues Gesinde, neue Bedienten annehmen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*55 Nur mit Besen und Kochlöffel umzugehen wissen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*56 Schöner Besen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">In der Burschensprache = Mädchen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*57 Sie kehrt dem Besen das Hintere herfür.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 70.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*58 Vör den Besmen keinen Stiel wieten.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Für ein Mädchen keinen Freier.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Besenkraut.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Vor dem Besenkraut muss man den Namen der Birke nicht nennen.</hi> </p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[162]/0190] 2 Alte Besen kratzen mehr, als sie fegen. 3 Der Besen ist am Mast, um die See zu fegen. Zeichen des bevorstehenden Kampfes. 4 Die Besen kann man am wohlfeilsten geben, die man fertig stiehlt. – Eiselein, 70; Simrock, 945. 5 Die einen Besen liegen lässt, hebt auch ein Fass nicht auf. – Eiselein, 70. 6 Die neuen Besen wischen wohl, nur gehen sie nicht in die Winkel. – Kirchhofer, 205. 7 Ein alter Besen kennt die Winkel wohl. 8 Ein alter Besen scheut keinen Dreck. 9 Ein Besen, der den Dreck fürchtet (scheut), taugt nicht zum Fegen. 10 Ein Besen, der die Gasse kehrt, säubert keine Stube mehr. 11 Ein Besen findet sich wohl, wenn gefegt werden soll. 12 Ein Besen kommt immer wieder, wenn man danach greift, ist er auch noch so oft weggeworfen worden. 13 Ein Besen wird zur Dame, kommt er in schöne Rahme. In Bergamo sagt man: Kleide einen Besen (s. Rohr), so erscheint er eine schöne Dame. 14 Ein neuer Besen geht über alles. 15 Ein neuer Besen ist bald abgekehrt. It.: Granata nuova tre dì buona. (Bohn I, 100.) 16 Ein neuer Besen kennt den alten nicht. 17 Ein rechter Besen fegt auch die Esse recht. 18 En verkearden1 Bessmen mot me in Ehren halten. (Westf.) 1) Durch Kehren abgenutzten. – Von alten Dienstboten. 19 Ist der Besen abgebraucht, so muss er auch in Ofen. – Eiselein, 70; Egenolff, 343a; Agricola, II, 163. 20 Man steckt einem Besen oder Maien, je nachdem man einem will. 21 Man stellt den Besen unter (über) sich, von wegen den Hexen. – Kirchhofer, 261. 22 Man weiss nit ehe, warzu der besem gut ist, biss das er verkeeret (oder: stumpff) ist. – Tappius, 121a, 219b; Henisch, 312; Eiselein, 70; Franck, II, 88; Lehmann, II, 405, 64. Lat.: Rem factam stultus cognoscit. (Tappius, 120b.) 23 Man wird ihm brav Besen stecken. – Kirchhofer, 100; Eiselein, 70. Wie die Aufrichtung von Maien (s. d.) ein Ehrenzeichen war, so gab man in der Schweiz bis auf die neuere Zeit einem abgehenden Beamten die Unzufriedenheit mit seiner Verwaltung dadurch zu erkennen, dass man Besen an dem Wege, den er zu nehmen hatte, aufsteckte. 24 Mancher springt vber ein Besem vnd fält vber ein Hundsdreck. – Lehmann, II, 410, 49. 25 Me mot nit ehr seggen: de Besmen ies gued, bit me ne upkeart heat. (Westf.) 26 Mit dem Besen wiegt (wägt) man nicht die Kraft. – Bertram. 27 'N afkiärten Bessen mot m' (man) in Ehren hollen. (Münster.) – Frommann, VI, 431, 97. 28 Naigi Pesn kiadn guid. (Steiermark.) – Firmenich, II, 771; für Köln: Firmenich, I, 475, 213; für Eifel: Schmitz, 198; für Lippe: Curtze, 354, 496. 29 Neu Beisseme kehre got, se fêgen effel de Hötten1 met us. (Aachen.) – Firmenich, I, 492, 25. 1) Ecken, Winkel. 30 Neue Bâse kêre wôl, werfe alle Ecke vôl. (Henneberg.) 31 Neue Besen kehren wol, aber die alten fegen die Hütten rein. – Simrock, 941. 32 Neue Besen kehren wohl, bis dass sie werden Staubes voll. – Körte, 503. 33 New besem keren wol. – Bücking, 58; Siebenkees, 162; Eiselein, 70; Blum, 342; Pistor., II, 76; Hollenberg, II, 35; Ramann, Unterr., IV, 18; Schleicher, 81; Grimm, I, 1615; Sailer, 170; Simrock, 941; Franck, II, 7a, 85a; Fallersleben, 549; Tunn., 20, 7; Gaal, 188. Beim Antritt eines Amtes oder Geschäfts ist man gewöhnlich sehr eifrig und pünktlich, lässt aber später an Strenge nach. Engl.: A new besom (broom) sweeps clean. (Bohn II, 228.) Frz.: Il n'est rien tel que balai neuf, le valet a fait le balai neuf. (Lendroy, 1069.) – Nouveau balai balaie bien. Holl.: Nieuwe bezems vegen schoon. (Harrebomée, I, 54.) It.: Spazzatojo nuovo spazza ben la casa. Lat.: Discunt nostri: novam scopam bene purgare. (Bebel.) – Fert bene praecipites navis modo facta procellas. (Ovid.) – Fortior in fulva novus est ductator arena. – Scopae recentiores semper meliores. 34 Nie Bessen feget rein. – Eichwald, 125; für Westfalen: Boebel, 144. 35 So lang der bäsen new ist, so keret man damit, so er aber alt würt, so wirfft man jhn ins fewr. – Tappius, 23b; Henisch, 312. 36 Ueber neuen Besen geht nichts. Frz.: Il fait balai neuf. – Il n'y a rien de tel qu'un balai neuf. 37 Was dem besen entrint, das findt sein grabstett am Galgen. – Henisch, 312. 38 Weel der Bâsen noi is, su kehrt a gutt. – Gomolcke, 1105; Robinson, 63; Frommann, III, 243, 46. 39 Wei en Besen stielt, is kein Deiw. (Westf.) Wortspiel mit stielt und stiehlt. 40 Wenn der Besen ist verkehrt, rühmen wir ihn ehrenwerth. 41 Wenn der Besen stumpf (verbraucht) ist, wirft man ihn (in den Ofen) weg. – Blum, 709. Es ist der Menschen gemeine Weise, den nur zu lieben und zu ehren, von dem sie sich Nutzen versprechen. 42 Wenn der Besen verkehrt ist, sieht man erst, wozu er gedient. – Simrock, 942; Körte, 504; Tappius, 219b. Engl.: The worth of a thing is best known by the want. Frz.: Bien perdu, bien connu. (Venedey, 55.) – On connaît le bien quand on l'a perdu. – Vache ne sait que vaut sa queue, jusqu'à ce qu'elle l'ait perdue. It.: L'asino non conosce la coda, se non quando nou l'ha più. Lat.: Minuit praesentia famam, et vilescunt quotidiana. (Lange, 246.) 43 Wenn man den Besen braucht, wird er aus der Ecke geholt. 44 Wer den Besen kauft, kann auch den Stiel bezahlen. Wer die grössere Ausgabe zu bestreiten vermag, der wird auch die geringere machen können. It.: Chi compra la scopa può anche comprar il manico. 45 Wer sich zum Besen macht, muss über Staub nicht klagen. 46 Wo Besen sich regen, muss sich auch der Staub (Dreck) bewegen. *47 Den Besen auseinander reissen. Eine Sache aus ihrer Stellung, ihrem Zusammenhange bringen; daher nennt Cicero einen schlechten, unordentlichen Menschen einen zerrissenen Besen. Lat.: Scopas dissolvere. – Scopae dissolutae. (Cicero.) (Erasm., 843.) *48 Einen mit Besen und Schemelbein bewirthen. Ihm die Thür unsanft weisen. *49 Er kann mit neuen Besen Stuben kehren. – Murner, Schelm. *50 Er steckt den Besen. Richtet sich zum Kampfe. Wahrscheinlich von den Wassergeusen, welche als Zeichen zum Kampfe einen Besen am Maste heraussteckten. *51 Es ist ein alter Besen. Frz.: Il a long-temps rôti le balai. (Lendroy, 1324.) *52 Mit dem besten Besen kehren. – Henisch. Frz.: C'est un balai neuf. (Lendroy, 100.) *53 Mit fremden Besen kehren. Fremde Kräfte zum eigenen Vortheil ausbeuten. *54 Neue Besen machen. (Franz.) Neues Gesinde, neue Bedienten annehmen. *55 Nur mit Besen und Kochlöffel umzugehen wissen. *56 Schöner Besen. In der Burschensprache = Mädchen. *57 Sie kehrt dem Besen das Hintere herfür. – Eiselein, 70. *58 Vör den Besmen keinen Stiel wieten. (Westf.) Für ein Mädchen keinen Freier. Besenkraut. Vor dem Besenkraut muss man den Namen der Birke nicht nennen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/190
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [162]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/190>, abgerufen am 27.10.2020.