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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

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[Spaltenumbruch] 10 Betteln ist ein Orden, in dem viele zu Herren sind worden. - Lehmann, II, 48, 40; Henisch, 347; Körte, 583; Simrock, 1019.

Betteln hiess früher das "güldene faule Handwerk". Im 14. Jahrhundert waren in Basel die Bettler als solche noch besteuert, und der Vogt musste darauf sehen, dass zunftgerecht gebettelt wurde. Zu Augsburg an der Brücke sassen (16. Jahrhundert) viel kranke Bettler alle Tage, hoben die Hände in die Höhe und flehten um Barmherzigkeit. Als ein reicher Bürger sie heilen lassen wollte, liefen sie davon bis auf zwei. Die Gesundheit hätte ihnen ihr "gülden Handwerk" verdorben. Als der strasburger Bettler Klingelhans eine Erbschaft von 20 Pfund Goldes machte, nahm er sie nicht an, damit er nicht um dieses Bettels willen das reiche Bettelhandwerk aufgeben müsse. In Rom und in katholischen Wallfahrtsorten kann man jetzt einzelne Meister oder ganze Gruppen des "güldenen faulen Handwerks" finden. (Vgl. Riehl, Deutsche Arbeit, Bd. 4, Kap. 3.)

11 Betteln thut niemand wehe.

12 Betteln und appelliren steht jedem frei.

So ganz doch nicht; denn gegen das erstere gibt es Polizeiverordnungen, und - die Appellation muss begründet werden.

13 Betteln und Brothaschen geht in Einen Sack. - Simrock, 1047; Eiselein, 74; Grimm, I, 1730.

14 Betteln verderbt niemands, man wird aber seiner gar vnwerth. - Lehmann, II, 48, 42; Henisch, 347.

Lat.: Satius est pauperem in terra vivere, quam divitem navigare. (Sutor, 632.)

15 Betteln viele in einen Sack, so wird er bald gefüllt. - Simrock, 1038; Grimm, I, 1730.

16 Betteln vom Bettler macht unsern Herrgott lachen.

Gott selbst muss über die Verkehrtheit lachen, wenn ein armer Teufel einen äusserlich grossthuenden, aber in Wirklichkeit noch ärmern Teufel um Unterstützung bittet.

Jüd.-deutsch: Schnor min Haschnor lacht unser Harjet. (Tendlau, 708.)

17 Durch Betteln verdirbt man nit. - Eiselein, 74.

Wer aus Neigung bettelt, ist sittlich schon verdorben.

18 Durch Betteln wird man reich aber unwerth. - Kirchhofer, 213.

19 Eah' as me Bat'ln geaht, solt' me sein Löff'l ve'kaff'n. (Unterinnthal.) - Frommann, VI, 35, 37.

20 Ehrlich Betteln ist besser als unehrlich stehlen.

21 Einer der das Betteln gewohnt ist, höret nicht auf. - Henisch, 347.

22 Vom Betteln wird man nit arm, aber unwerth. - Simrock, 1029; Eiselein, 74.

23 Was darffs viel betteln dem, der sein essen von hoff hat. - Lehmann, II, 864, 59.

24 Wenn du nicht willst betteln gahn, so denke jung an den alten Mann.

Lat.: Mature fias senex. (Seybold, 299.)

25 Wer betteln will, der zeucht nicht schöne Kleider an. - Henisch, 347.

26 Wer bettelt, bekommt Almosen, und wer stiehlt, den klopft man auf die Hosen.

Wie du dich beträgst, so wirst du behandelt. Krieche, man wird dich treten; bücke dich, man wird dich schlagen! Sieh aber jedem muthig ins Gesicht, wisse dein Recht zu vertheidigen und man wird dich in Ruhe lassen.

27 Wer 's Betteln nicht versteht, der lass' es bleiben.

28 Wer sich betlens vnd liegens (Lügens) ernehren soll, dem wirdt bang genug. - Henisch, 345.

29 Wer sich des Bettelns nicht schämt, nährt sich wohl.

Denn die Gutmüthigkeit wird der frechen Zudringlichkeit immer zum Opfer.

30 Wer sich zu betteln nicht schämt, wird auch bald zu stehlen sich nicht schämen.

31 Wer sich zu betteln schämt, schämt sich nicht am Galgen zu hangen.

32 Wir haben ihn betteln gelehrt und jetzt läuft er uns an den Thoren den Rang ab. (Aegypt.)

Wenn der Schüler über seinen Meister ist.

*33 Das Betteln verdriesst ihn nicht, aber das Nichtskriegen. (Leipzig.)


Bettelorden.

1 Nichts ist reicher als der Bettelorden, er kauft Grafen und Herren aus.

[Spaltenumbruch] 2 Wenn die Bettelorden eingehen, verfallen die Stützen der Kirchen.

Es wäre schlimm genug, wenn die Kirche keine bessern hätte.


Bettelsack.

1 Bettelsack hat ein immer gienend Maul. - Simrock, 1040; Eiselein, 73.

Lat.: Impedit ire forum defectus denariorum. (Sutor, 629.)

2 Bettelsack ist bodenlos. - Lehmann, II, 61, 88; Simrock, 1036; Pistor., II, 82; Körte, 585; Tappius, 39b.

Lat.: Mendicus est insatiabilis.

3 Bettelsack sagt nie: Ich habe genug. - Sailer, 198; Simrock, 1037.

4 Bettelsack steht allzeit leer. - Lehmann, II, 48, 41; Simrock, 1039; Henisch, 346; Körte, 586.

5 Bettelsack und Hoffart wohnen gern beisammen. - Grimm, I, 1731.

6 Der Bettelsack an der Wand und Staat auf der Strasse.

7 Der Bettelsack hat ein offenes (gähnend) Maul, sagt nie: es ist genug.

Holl.: De bedelzak heeft een gat. ( Harrebomee, I, 36.)

8 Der Bettelsack hat einen langen Zettel; man trägt aller Welt Garn darein. - Sailer, 198.

9 Der bettelsack hat keyn boden. - Franck, I, 44b; Egenolff, 318a; Henisch, 345.

Holl.: Der bedelaren hand is eene bodemlooze mand. (Bohn, I, 306.) - De bedelzak heeft geen' boden. - Eene bedelaars tasch is nooit vol. (Harrebomee, I, 36.)

10 Der Bettelsack ist ein Freibrief zum Stehlen.

11 Der Bettelsack stehet nit zu füllen. - Tappius, 39b.

Holl.: Dat vult den bedelzak niet. (Harrebomee, I, 36.)

Lat.: Mendici pera non impletur. (Philippi, I, 246.)

12 Der Bettelsack ward (wird) nie voll. - Sailer, 198; Körte, 587; Eiselein, 73; Kirchhofer, 213; Gaal, 202.

"Bettelsack wird nimmer voll, wie man ihn füllt, so bleibt er hohl." (Soltau.)

Engl.: A beggars purse is always empty.

Frz.: Le sac des mendians n'a point de fonds.

It.: Il sacco de mendici non ha fondo.

Lat.: Mendicorum loculi semper inanes. (Zenodot.) (Erasmus, 802; Seybold, 281 u. 303; Philippi, I, 246.)

Port.: Fardel de pedinte nunca he cheio. (Bohn I, 277.)

13 Ein Bettelsack, wohl herumgeführt, erhält seinen Herrn.

14 Ein leerer Bettelsack ist schwerer als ein voller. - Sprichwörtergarten, 85.

15 Mancher fährt mit dem Bettelsack besser, als ein anderer mit dem Geldsack. - Grimm, I, 1731.

16 Röhr dein Bedelsack, mörgen is Brottag. (Ostfries.)

17 Sobald einem der Bettelsack in der Hand erwarmt, thut er nimmer kein Gut mehr. - Henisch, 346.

18 Wem der Bettelsack in der Hand erwarmt, der legt ihn nimmer ab. - Sailer, 199.

19 Wem der Bettelsack zum Pathengeschenk ward, der trägt nicht schwer daran. - Sprichwörtergarten, 84.

*20 Den Bettelsack umhängen müssen.

Frz.: Etre reduit a la besace.

*21 Der Bettelsack gesellt sich zu ihm.

Er geräth in Armuth.

*22 Einem den Bettelsack vor die Thür werfen.

*23 Zwei Bettelsäcke in denselben Kochtopf ausschütten.

Wenn zwei arme Personen einander heirathen.


Bettelstab.

1 Bettelstab nährt, Buchstab verzehrt.

2 Bettelstab und Bischofsstab sind aus Einem Holze.

3 Das Schifflein Bettelstab zerschellt, wenn's an des Geizes Felsen fällt. (Tamul.)

4 Wem der Bettelstab in der Hand erwarmt, der thut nicht mehr gut (zur Arbeit). - Körte, 589; Guttenstein, 161; Simrock, 1143; Franck, II, 75b; Eiselein, 73.

Lat.: Egestag est magistra fraudum, et quod deest virium, suplere solet nequitia, eo atrociore, quo infirmiore. (Sutor, 632.)

5 Wenn dir der Bettelstab beschieden ist, so poche nur an die grossen Thüren. (Aegypt.)

Sprich nur die um Hülfe an, welche die Mittel besitzen, dir zu helfen.

[Spaltenumbruch] 10 Betteln ist ein Orden, in dem viele zu Herren sind worden.Lehmann, II, 48, 40; Henisch, 347; Körte, 583; Simrock, 1019.

Betteln hiess früher das „güldene faule Handwerk“. Im 14. Jahrhundert waren in Basel die Bettler als solche noch besteuert, und der Vogt musste darauf sehen, dass zunftgerecht gebettelt wurde. Zu Augsburg an der Brücke sassen (16. Jahrhundert) viel kranke Bettler alle Tage, hoben die Hände in die Höhe und flehten um Barmherzigkeit. Als ein reicher Bürger sie heilen lassen wollte, liefen sie davon bis auf zwei. Die Gesundheit hätte ihnen ihr „gülden Handwerk“ verdorben. Als der strasburger Bettler Klingelhans eine Erbschaft von 20 Pfund Goldes machte, nahm er sie nicht an, damit er nicht um dieses Bettels willen das reiche Bettelhandwerk aufgeben müsse. In Rom und in katholischen Wallfahrtsorten kann man jetzt einzelne Meister oder ganze Gruppen des „güldenen faulen Handwerks“ finden. (Vgl. Riehl, Deutsche Arbeit, Bd. 4, Kap. 3.)

11 Betteln thut niemand wehe.

12 Betteln und appelliren steht jedem frei.

So ganz doch nicht; denn gegen das erstere gibt es Polizeiverordnungen, und – die Appellation muss begründet werden.

13 Betteln und Brothaschen geht in Einen Sack.Simrock, 1047; Eiselein, 74; Grimm, I, 1730.

14 Betteln verderbt niemands, man wird aber seiner gar vnwerth.Lehmann, II, 48, 42; Henisch, 347.

Lat.: Satius est pauperem in terra vivere, quam divitem navigare. (Sutor, 632.)

15 Betteln viele in einen Sack, so wird er bald gefüllt.Simrock, 1038; Grimm, I, 1730.

16 Betteln vom Bettler macht unsern Herrgott lachen.

Gott selbst muss über die Verkehrtheit lachen, wenn ein armer Teufel einen äusserlich grossthuenden, aber in Wirklichkeit noch ärmern Teufel um Unterstützung bittet.

Jüd.-deutsch: Schnor min Haschnor lacht unser Harjet. (Tendlau, 708.)

17 Durch Betteln verdirbt man nit.Eiselein, 74.

Wer aus Neigung bettelt, ist sittlich schon verdorben.

18 Durch Betteln wird man reich aber unwerth.Kirchhofer, 213.

19 Eah' as me Bat'ln geaht, solt' me sein Löff'l ve'kaff'n. (Unterinnthal.) – Frommann, VI, 35, 37.

20 Ehrlich Betteln ist besser als unehrlich stehlen.

21 Einer der das Betteln gewohnt ist, höret nicht auf.Henisch, 347.

22 Vom Betteln wird man nit arm, aber unwerth.Simrock, 1029; Eiselein, 74.

23 Was darffs viel betteln dem, der sein essen von hoff hat.Lehmann, II, 864, 59.

24 Wenn du nicht willst betteln gahn, so denke jung an den alten Mann.

Lat.: Mature fias senex. (Seybold, 299.)

25 Wer betteln will, der zeucht nicht schöne Kleider an.Henisch, 347.

26 Wer bettelt, bekommt Almosen, und wer stiehlt, den klopft man auf die Hosen.

Wie du dich beträgst, so wirst du behandelt. Krieche, man wird dich treten; bücke dich, man wird dich schlagen! Sieh aber jedem muthig ins Gesicht, wisse dein Recht zu vertheidigen und man wird dich in Ruhe lassen.

27 Wer 's Betteln nicht versteht, der lass' es bleiben.

28 Wer sich betlens vnd liegens (Lügens) ernehren soll, dem wirdt bang genug.Henisch, 345.

29 Wer sich des Bettelns nicht schämt, nährt sich wohl.

Denn die Gutmüthigkeit wird der frechen Zudringlichkeit immer zum Opfer.

30 Wer sich zu betteln nicht schämt, wird auch bald zu stehlen sich nicht schämen.

31 Wer sich zu betteln schämt, schämt sich nicht am Galgen zu hangen.

32 Wir haben ihn betteln gelehrt und jetzt läuft er uns an den Thoren den Rang ab. (Aegypt.)

Wenn der Schüler über seinen Meister ist.

*33 Das Betteln verdriesst ihn nicht, aber das Nichtskriegen. (Leipzig.)


Bettelorden.

1 Nichts ist reicher als der Bettelorden, er kauft Grafen und Herren aus.

[Spaltenumbruch] 2 Wenn die Bettelorden eingehen, verfallen die Stützen der Kirchen.

Es wäre schlimm genug, wenn die Kirche keine bessern hätte.


Bettelsack.

1 Bettelsack hat ein immer gienend Maul.Simrock, 1040; Eiselein, 73.

Lat.: Impedit ire forum defectus denariorum. (Sutor, 629.)

2 Bettelsack ist bodenlos.Lehmann, II, 61, 88; Simrock, 1036; Pistor., II, 82; Körte, 585; Tappius, 39b.

Lat.: Mendicus est insatiabilis.

3 Bettelsack sagt nie: Ich habe genug.Sailer, 198; Simrock, 1037.

4 Bettelsack steht allzeit leer.Lehmann, II, 48, 41; Simrock, 1039; Henisch, 346; Körte, 586.

5 Bettelsack und Hoffart wohnen gern beisammen.Grimm, I, 1731.

6 Der Bettelsack an der Wand und Staat auf der Strasse.

7 Der Bettelsack hat ein offenes (gähnend) Maul, sagt nie: es ist genug.

Holl.: De bedelzak heeft een gat. ( Harrebomée, I, 36.)

8 Der Bettelsack hat einen langen Zettel; man trägt aller Welt Garn darein.Sailer, 198.

9 Der bettelsack hat keyn boden.Franck, I, 44b; Egenolff, 318a; Henisch, 345.

Holl.: Der bedelaren hand is eene bodemlooze mand. (Bohn, I, 306.) – De bedelzak heeft geen' boden. – Eene bedelaars tasch is nooit vol. (Harrebomée, I, 36.)

10 Der Bettelsack ist ein Freibrief zum Stehlen.

11 Der Bettelsack stehet nit zu füllen.Tappius, 39b.

Holl.: Dat vult den bedelzak niet. (Harrebomée, I, 36.)

Lat.: Mendici pera non impletur. (Philippi, I, 246.)

12 Der Bettelsack ward (wird) nie voll.Sailer, 198; Körte, 587; Eiselein, 73; Kirchhofer, 213; Gaal, 202.

„Bettelsack wird nimmer voll, wie man ihn füllt, so bleibt er hohl.“ (Soltau.)

Engl.: A beggars purse is always empty.

Frz.: Le sac des mendians n'a point de fonds.

It.: Il sacco de mendici non ha fondo.

Lat.: Mendicorum loculi semper inanes. (Zenodot.) (Erasmus, 802; Seybold, 281 u. 303; Philippi, I, 246.)

Port.: Fardel de pedinte nunca he cheio. (Bohn I, 277.)

13 Ein Bettelsack, wohl herumgeführt, erhält seinen Herrn.

14 Ein leerer Bettelsack ist schwerer als ein voller.Sprichwörtergarten, 85.

15 Mancher fährt mit dem Bettelsack besser, als ein anderer mit dem Geldsack.Grimm, I, 1731.

16 Röhr dîn Bedelsack, mörgen is Brottag. (Ostfries.)

17 Sobald einem der Bettelsack in der Hand erwarmt, thut er nimmer kein Gut mehr.Henisch, 346.

18 Wem der Bettelsack in der Hand erwarmt, der legt ihn nimmer ab.Sailer, 199.

19 Wem der Bettelsack zum Pathengeschenk ward, der trägt nicht schwer daran.Sprichwörtergarten, 84.

*20 Den Bettelsack umhängen müssen.

Frz.: Être reduit à la besace.

*21 Der Bettelsack gesellt sich zu ihm.

Er geräth in Armuth.

*22 Einem den Bettelsack vor die Thür werfen.

*23 Zwei Bettelsäcke in denselben Kochtopf ausschütten.

Wenn zwei arme Personen einander heirathen.


Bettelstab.

1 Bettelstab nährt, Buchstab verzehrt.

2 Bettelstab und Bischofsstab sind aus Einem Holze.

3 Das Schifflein Bettelstab zerschellt, wenn's an des Geizes Felsen fällt. (Tamul.)

4 Wem der Bettelstab in der Hand erwarmt, der thut nicht mehr gut (zur Arbeit).Körte, 589; Guttenstein, 161; Simrock, 1143; Franck, II, 75b; Eiselein, 73.

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[[177]/0205] 10 Betteln ist ein Orden, in dem viele zu Herren sind worden. – Lehmann, II, 48, 40; Henisch, 347; Körte, 583; Simrock, 1019. Betteln hiess früher das „güldene faule Handwerk“. Im 14. Jahrhundert waren in Basel die Bettler als solche noch besteuert, und der Vogt musste darauf sehen, dass zunftgerecht gebettelt wurde. Zu Augsburg an der Brücke sassen (16. Jahrhundert) viel kranke Bettler alle Tage, hoben die Hände in die Höhe und flehten um Barmherzigkeit. Als ein reicher Bürger sie heilen lassen wollte, liefen sie davon bis auf zwei. Die Gesundheit hätte ihnen ihr „gülden Handwerk“ verdorben. Als der strasburger Bettler Klingelhans eine Erbschaft von 20 Pfund Goldes machte, nahm er sie nicht an, damit er nicht um dieses Bettels willen das reiche Bettelhandwerk aufgeben müsse. In Rom und in katholischen Wallfahrtsorten kann man jetzt einzelne Meister oder ganze Gruppen des „güldenen faulen Handwerks“ finden. (Vgl. Riehl, Deutsche Arbeit, Bd. 4, Kap. 3.) 11 Betteln thut niemand wehe. 12 Betteln und appelliren steht jedem frei. So ganz doch nicht; denn gegen das erstere gibt es Polizeiverordnungen, und – die Appellation muss begründet werden. 13 Betteln und Brothaschen geht in Einen Sack. – Simrock, 1047; Eiselein, 74; Grimm, I, 1730. 14 Betteln verderbt niemands, man wird aber seiner gar vnwerth. – Lehmann, II, 48, 42; Henisch, 347. Lat.: Satius est pauperem in terra vivere, quam divitem navigare. (Sutor, 632.) 15 Betteln viele in einen Sack, so wird er bald gefüllt. – Simrock, 1038; Grimm, I, 1730. 16 Betteln vom Bettler macht unsern Herrgott lachen. Gott selbst muss über die Verkehrtheit lachen, wenn ein armer Teufel einen äusserlich grossthuenden, aber in Wirklichkeit noch ärmern Teufel um Unterstützung bittet. Jüd.-deutsch: Schnor min Haschnor lacht unser Harjet. (Tendlau, 708.) 17 Durch Betteln verdirbt man nit. – Eiselein, 74. Wer aus Neigung bettelt, ist sittlich schon verdorben. 18 Durch Betteln wird man reich aber unwerth. – Kirchhofer, 213. 19 Eah' as me Bat'ln geaht, solt' me sein Löff'l ve'kaff'n. (Unterinnthal.) – Frommann, VI, 35, 37. 20 Ehrlich Betteln ist besser als unehrlich stehlen. 21 Einer der das Betteln gewohnt ist, höret nicht auf. – Henisch, 347. 22 Vom Betteln wird man nit arm, aber unwerth. – Simrock, 1029; Eiselein, 74. 23 Was darffs viel betteln dem, der sein essen von hoff hat. – Lehmann, II, 864, 59. 24 Wenn du nicht willst betteln gahn, so denke jung an den alten Mann. Lat.: Mature fias senex. (Seybold, 299.) 25 Wer betteln will, der zeucht nicht schöne Kleider an. – Henisch, 347. 26 Wer bettelt, bekommt Almosen, und wer stiehlt, den klopft man auf die Hosen. Wie du dich beträgst, so wirst du behandelt. Krieche, man wird dich treten; bücke dich, man wird dich schlagen! Sieh aber jedem muthig ins Gesicht, wisse dein Recht zu vertheidigen und man wird dich in Ruhe lassen. 27 Wer 's Betteln nicht versteht, der lass' es bleiben. 28 Wer sich betlens vnd liegens (Lügens) ernehren soll, dem wirdt bang genug. – Henisch, 345. 29 Wer sich des Bettelns nicht schämt, nährt sich wohl. Denn die Gutmüthigkeit wird der frechen Zudringlichkeit immer zum Opfer. 30 Wer sich zu betteln nicht schämt, wird auch bald zu stehlen sich nicht schämen. 31 Wer sich zu betteln schämt, schämt sich nicht am Galgen zu hangen. 32 Wir haben ihn betteln gelehrt und jetzt läuft er uns an den Thoren den Rang ab. (Aegypt.) Wenn der Schüler über seinen Meister ist. *33 Das Betteln verdriesst ihn nicht, aber das Nichtskriegen. (Leipzig.) Bettelorden. 1 Nichts ist reicher als der Bettelorden, er kauft Grafen und Herren aus. 2 Wenn die Bettelorden eingehen, verfallen die Stützen der Kirchen. Es wäre schlimm genug, wenn die Kirche keine bessern hätte. Bettelsack. 1 Bettelsack hat ein immer gienend Maul. – Simrock, 1040; Eiselein, 73. Lat.: Impedit ire forum defectus denariorum. (Sutor, 629.) 2 Bettelsack ist bodenlos. – Lehmann, II, 61, 88; Simrock, 1036; Pistor., II, 82; Körte, 585; Tappius, 39b. Lat.: Mendicus est insatiabilis. 3 Bettelsack sagt nie: Ich habe genug. – Sailer, 198; Simrock, 1037. 4 Bettelsack steht allzeit leer. – Lehmann, II, 48, 41; Simrock, 1039; Henisch, 346; Körte, 586. 5 Bettelsack und Hoffart wohnen gern beisammen. – Grimm, I, 1731. 6 Der Bettelsack an der Wand und Staat auf der Strasse. 7 Der Bettelsack hat ein offenes (gähnend) Maul, sagt nie: es ist genug. Holl.: De bedelzak heeft een gat. ( Harrebomée, I, 36.) 8 Der Bettelsack hat einen langen Zettel; man trägt aller Welt Garn darein. – Sailer, 198. 9 Der bettelsack hat keyn boden. – Franck, I, 44b; Egenolff, 318a; Henisch, 345. Holl.: Der bedelaren hand is eene bodemlooze mand. (Bohn, I, 306.) – De bedelzak heeft geen' boden. – Eene bedelaars tasch is nooit vol. (Harrebomée, I, 36.) 10 Der Bettelsack ist ein Freibrief zum Stehlen. 11 Der Bettelsack stehet nit zu füllen. – Tappius, 39b. Holl.: Dat vult den bedelzak niet. (Harrebomée, I, 36.) Lat.: Mendici pera non impletur. (Philippi, I, 246.) 12 Der Bettelsack ward (wird) nie voll. – Sailer, 198; Körte, 587; Eiselein, 73; Kirchhofer, 213; Gaal, 202. „Bettelsack wird nimmer voll, wie man ihn füllt, so bleibt er hohl.“ (Soltau.) Engl.: A beggars purse is always empty. Frz.: Le sac des mendians n'a point de fonds. It.: Il sacco de mendici non ha fondo. Lat.: Mendicorum loculi semper inanes. (Zenodot.) (Erasmus, 802; Seybold, 281 u. 303; Philippi, I, 246.) Port.: Fardel de pedinte nunca he cheio. (Bohn I, 277.) 13 Ein Bettelsack, wohl herumgeführt, erhält seinen Herrn. 14 Ein leerer Bettelsack ist schwerer als ein voller. – Sprichwörtergarten, 85. 15 Mancher fährt mit dem Bettelsack besser, als ein anderer mit dem Geldsack. – Grimm, I, 1731. 16 Röhr dîn Bedelsack, mörgen is Brottag. (Ostfries.) 17 Sobald einem der Bettelsack in der Hand erwarmt, thut er nimmer kein Gut mehr. – Henisch, 346. 18 Wem der Bettelsack in der Hand erwarmt, der legt ihn nimmer ab. – Sailer, 199. 19 Wem der Bettelsack zum Pathengeschenk ward, der trägt nicht schwer daran. – Sprichwörtergarten, 84. *20 Den Bettelsack umhängen müssen. Frz.: Être reduit à la besace. *21 Der Bettelsack gesellt sich zu ihm. Er geräth in Armuth. *22 Einem den Bettelsack vor die Thür werfen. *23 Zwei Bettelsäcke in denselben Kochtopf ausschütten. Wenn zwei arme Personen einander heirathen. Bettelstab. 1 Bettelstab nährt, Buchstab verzehrt. 2 Bettelstab und Bischofsstab sind aus Einem Holze. 3 Das Schifflein Bettelstab zerschellt, wenn's an des Geizes Felsen fällt. (Tamul.) 4 Wem der Bettelstab in der Hand erwarmt, der thut nicht mehr gut (zur Arbeit). – Körte, 589; Guttenstein, 161; Simrock, 1143; Franck, II, 75b; Eiselein, 73. Lat.: Egestag est magistra fraudum, et quod deest virium, suplere solet nequitia, eo atrociore, quo infirmiore. (Sutor, 632.) 5 Wenn dir der Bettelstab beschieden ist, so poche nur an die grossen Thüren. (Aegypt.) Sprich nur die um Hülfe an, welche die Mittel besitzen, dir zu helfen.

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [177]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/205>, abgerufen am 29.10.2020.