Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] als Rath gegeben, wenn man sieht, dass jemand von einem Zornigen übel behandelt wird, um ihn zum Nachgeben zu vermögen.

It.: Un legno non fa fuoco, e due ne fanno poco; e tre lo fanno tale, ch' ognun si puo scaldare. (Gaal, 238.)

Lat.: Est amor ingratus, si non sit amator amatus.

10 Ein Brand erregt den andern.

Lat.: Torris torrem exurit. (Bovill, I, 11.)

11 Ein Brand wird leicht vom Feuer ergriffen. - Eiselein, 91.

Lat.: Ignis ad torrem veniens.

12 Es ist kein Brand so gering, der nicht seinen Rauch hat. - Winckler, XX, 44.

13 Es ist zeit brand zu ruffen, wenn vnsers nachbawren hauss brent. - Henisch, 477.

Lat.: Tum tua res agitur paries si proximus ardet. (Horaz.)

14 Es wird oft ein grosser Brand aus einem kleinen Funken.

15 Jeder Brand hat seinen Rauch.

16 Jeder hat einen Brand, brennt er nicht, so glimmt er doch.

17 Kann das ein Brand werden, sagte Töffel, und klopfte seine Pfeife in den Karpfenteich.

Holl.: Dat gelijkt wel den tweeden brand van Troje, zei Jochem, en hij zag een' bos zwavelstokken branden. (Harrebomee, I, 82.)

18 Nach dem Brande bleiben die Ruinen.

19 Wer andern einen Brand schürt, verbrennt gewöhnlich seine eigenen Finger. - Henisch, 477; Reinsberg II, 33.

Lat.: Faber compedes, quas facit, ipse gestat.

20 Wo'r man sick warpet mit Bränden, d'ar pustet de Düvel in de Kohlen.

Eifersucht, Hass, Neid u. s. w. sind Brände, die der Teufel gern zur Flamme anbläst.

*21 Auf den glogauischen Brand betteln. - Fülleborn, Bresl. Erzähler.

Wahrscheinlich haben sich viele Bettler einen glogauischen Brand zu Nutze gemacht, um darauf zu sammeln.

*22 Den Brand schüren.

"Die Brandt schüren." (Murner, Nb., 35.)

*23 Den glogauischen Brand singen. (Schles.)

Grossglogau hat mehrere beträchtliche Brände erlitten. Man machte früher sehr häufig Volkslieder auf dergleichen Unglücksfälle. Die Melodien derselben waren natürlich traurig und jammernd. Man will daher mit der obigen Redensart einen klagenden, die Ohren nicht erquickenden Gesang bezeichnen.

*24 Döer de Bränne goaen. (Westf.)

Ausreissen.

*25 Einen Brand zum Feuer bringen. - Henisch, 475.

Einen Kriegslustigen in die Schlacht, einen Verliebten zu jungen Mädchen und Frauen u. s. w.; d. h. jemand dafür verwenden, wozu er grosse Neigung hat.

*26 Er hat ihm einen Brand weisgemacht. (Meiningen.)

Soviel wie einen Bären aufgebunden.

*27 Es ist ein Brand, der aus dem Feuer gerissen.

Ein Mensch, der grossen Gefahren entkommen.

Lat.: Torris de igne erutus. (Seybold, 606.)

*28 Nach Brand riechen. - Zaupser, Idiot., Nachl.

Mit Hochzeitgedanken umgehen.


Brandähre.

Eine Brandähre verdirbt die ganze Garbe.


Brandbrief.

* Einen Brandbrief schreiben. - Eiselein, 91.

Drohbriefe, oder ungestüm wie ein Abgebrannter um Hülfe bitten; uneigentlich: anfeuernd, aufreizend. In der Studentensprache = Mahnbrief. (Sandvoss, 149.)

Holl.: Brandbrieven schrijven. (Harrebomee, I, 87.)


Brandenberg.

Die von Brandenberg und Durstlingen wohnen allzeit in der Hölle. - Fischart, Trunken Gespr.

"Der gern gebrannte Wasser (Branntwein) trinkt und viel Durst danach hat." (Schaltjahr, III.)


Brandenburg.

Ueber die Mark Brandenburg führt Berckenmeyer (S. 322) folgendes Sprichwort an: Mutavit Dominos Marchia saepe suos. Ebendaselbst finden sich auch noch folgende Verse zur Charakterisirung des Landes:

Pisces languores, Schorff, febres atque dolores,

Stroh-Dach, Knapp-Casei sunt hic in Marchia multi.

Et si videres nostras glaucas mulieres,

Nobiscum fleres, si quid pietatis haberes,

Neque venires ad nos, quia sumus in insula Pathmos,

Et caveas tibi, quia Grütz-Würst est etiam ibi.


[Spaltenumbruch]
Brander.

1 Ein Brander ist kein Kinderspiel.

Holl.: Houd af, het is een brander. (Harrebomee, I, 87.)

*2 Es kommt ein Brander an Bord.

Grosse Gefahr anzudeuten.

Holl.: Wij kregen een brander aan boord. (Sprenger I, 70; II, 34.)


Brandmal.

1 Brandmal - Schandmal. - Henisch.

2 Brandmale wäscht auch Seewasser nicht weg.

Holl.: Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt. (Harrebomee, I, 88.)

*3 Er hat ein brantmal on der stirn. - Franck, I, 59b.


Brandschwanz.

Der Brandschwanz raucht noch.

Es ist noch Gefahr da. "Wir müssen uns nicht fürchten vor dem Grimm des Brandschwanzes, der noch ein wenig raucht." (Luther; Wurzbach II, 104.)


Brandsohle.

* Auf den Brandsohlen gehen. - Eiselein, 91.


Brandstetter.

Herr Brandstetter weiss nicht, welches Wetter. (Wien.)

Brandstetter, eigentlich Prandstätter (Martin Joseph), war wiener Stadtrath und gehörte in den Jahren 1793-95 einer republikanischen Verbindung in Oesterreich an. Nachdem man ihn zu dreissigjährigem schweren Kerker verurtheilt hatte, wurde er auf der Schandbühne ausgestellt, wobei das Volk den Reimspruch machte: "Mein lieber Prandstätter, das ist ein Wetter", der sich noch bis heute im Munde der Wiener erhalten. (Vgl. Frz. Grüffer's Franciscäische Curiosä, Wien 1849, S. 9: Die Jakobinerverschwörung in Osterreich.)


Brandung.

In die Brandung gerathen.

An die Stelle, wo die Wogen am Strande sich brechen und das Landen am gefährlichsten ist; also in grosse Verlegenheit und Gefahr.

Holl.: Hij geraakt in de branding. (Sprenger I, 71.)


Branntwein.

1 Bramwein is'n goden Sluck, Musik is lustig un dusend Daler 'n goden Saupschilling, segt Witt. (Mecklenburg.)

2 Branntwein geht gut ein, aber er macht aus dem Mann ein Schwein.

3 Branntwein ist morgens Blei, mittags Silber, abends Gold. - Körte, 788.

Höchstens wenn man ihn in arzneilichen Gaben nimmt, und auch dann werden wol noch an seinen silbernen und goldenen Wirkungen bescheidene Zweifel erlaubt sein.

4 Branntwein lass sein!

5 Branntwein macht mir Widerwillen, sagte der Trinker.

Wortspiel mit wieder und wider; um zu sagen, er will, wenn er Branntwein sieht, aufs neue trinken, der Appetit wird ihm erregt.

6 Branntwein ohne Brot macht die Leute todt.

7 Branntwein schenken ist ein leicht Gewerbe, aber es führt ins Armenhaus.

Holl.: Jenever schenken is de laatste nering voor den broodzak. (Harrebomee, I, 94.)

8 Branntwein und Noth schlägt die Leute todt.

9 De Bran(de)win drinket, kan wol Janever (Genever) pissen. - Lübben.

10 De Branwin maket nix Goes. (Lippe.)

Der Branntwein macht nichts Gutes.

11 Dem Gevatter Branntwein sitzt der Elendsteufel im Nacken.

12 Der Branntewei es d'n Allene1 er Geestecke2 on di Jonge halle3 sich dro o4. (Meiningen.) - Frommann, II, 415, 126.

1) Alten.

2) Gehstecken.

3) Halten.

4) Daran an.

13 Der Branntwein stürzt das Haus ein.

14 Der Branntwein zeigt sich im Gesicht.

Holl.: Men kan hem de brandewijn (jenever) wel uit zijn gezigt tappen. (Harrebomee, I, 88.)

15 Im Branntwein steckt ein Angelhaken, dessen Leine der Teufel hält.

16 Is de Brannwein in den Mann, is de Verstand in de Kann'. - Goldschmidt, 129.

17 Ollen Morgen Branntewein maket de grauten Dalers klein. (Waldeck.) - Firmenich, I, 326, 42; Curtze, 340.

18 Von Branntwein und Bitterbier ist schon mancher entschlafen hier.

[Spaltenumbruch] als Rath gegeben, wenn man sieht, dass jemand von einem Zornigen übel behandelt wird, um ihn zum Nachgeben zu vermögen.

It.: Un legno non fa fuoco, e due ne fanno poco; e trè lo fanno tale, ch' ognun si puo scaldare. (Gaal, 238.)

Lat.: Est amor ingratus, si non sit amator amatus.

10 Ein Brand erregt den andern.

Lat.: Torris torrem exurit. (Bovill, I, 11.)

11 Ein Brand wird leicht vom Feuer ergriffen.Eiselein, 91.

Lat.: Ignis ad torrem veniens.

12 Es ist kein Brand so gering, der nicht seinen Rauch hat.Winckler, XX, 44.

13 Es ist zeit brand zu ruffen, wenn vnsers nachbawren hauss brent.Henisch, 477.

Lat.: Tum tua res agitur paries si proximus ardet. (Horaz.)

14 Es wird oft ein grosser Brand aus einem kleinen Funken.

15 Jeder Brand hat seinen Rauch.

16 Jeder hat einen Brand, brennt er nicht, so glimmt er doch.

17 Kann das ein Brand werden, sagte Töffel, und klopfte seine Pfeife in den Karpfenteich.

Holl.: Dat gelijkt wel den tweeden brand van Troje, zei Jochem, en hij zag een' bos zwavelstokken branden. (Harrebomée, I, 82.)

18 Nach dem Brande bleiben die Ruinen.

19 Wer andern einen Brand schürt, verbrennt gewöhnlich seine eigenen Finger.Henisch, 477; Reinsberg II, 33.

Lat.: Faber compedes, quas facit, ipse gestat.

20 Wo'r man sick warpet mit Bränden, d'ar pustet de Düvel in de Kohlen.

Eifersucht, Hass, Neid u. s. w. sind Brände, die der Teufel gern zur Flamme anbläst.

*21 Auf den glogauischen Brand betteln.Fülleborn, Bresl. Erzähler.

Wahrscheinlich haben sich viele Bettler einen glogauischen Brand zu Nutze gemacht, um darauf zu sammeln.

*22 Den Brand schüren.

„Die Brandt schüren.“ (Murner, Nb., 35.)

*23 Den glogauischen Brand singen. (Schles.)

Grossglogau hat mehrere beträchtliche Brände erlitten. Man machte früher sehr häufig Volkslieder auf dergleichen Unglücksfälle. Die Melodien derselben waren natürlich traurig und jammernd. Man will daher mit der obigen Redensart einen klagenden, die Ohren nicht erquickenden Gesang bezeichnen.

*24 Döer de Bränne goaen. (Westf.)

Ausreissen.

*25 Einen Brand zum Feuer bringen.Henisch, 475.

Einen Kriegslustigen in die Schlacht, einen Verliebten zu jungen Mädchen und Frauen u. s. w.; d. h. jemand dafür verwenden, wozu er grosse Neigung hat.

*26 Er hat ihm einen Brand weisgemacht. (Meiningen.)

Soviel wie einen Bären aufgebunden.

*27 Es ist ein Brand, der aus dem Feuer gerissen.

Ein Mensch, der grossen Gefahren entkommen.

Lat.: Torris de igne erutus. (Seybold, 606.)

*28 Nach Brand riechen.Zaupser, Idiot., Nachl.

Mit Hochzeitgedanken umgehen.


Brandähre.

Eine Brandähre verdirbt die ganze Garbe.


Brandbrief.

* Einen Brandbrief schreiben.Eiselein, 91.

Drohbriefe, oder ungestüm wie ein Abgebrannter um Hülfe bitten; uneigentlich: anfeuernd, aufreizend. In der Studentensprache = Mahnbrief. (Sandvoss, 149.)

Holl.: Brandbrieven schrijven. (Harrebomée, I, 87.)


Brandenberg.

Die von Brandenberg und Durstlingen wohnen allzeit in der Hölle.Fischart, Trunken Gespr.

„Der gern gebrannte Wasser (Branntwein) trinkt und viel Durst danach hat.“ (Schaltjahr, III.)


Brandenburg.

Ueber die Mark Brandenburg führt Berckenmeyer (S. 322) folgendes Sprichwort an: Mutavit Dominos Marchia saepe suos. Ebendaselbst finden sich auch noch folgende Verse zur Charakterisirung des Landes:

Pisces languores, Schorff, febres atque dolores,

Stroh-Dach, Knapp-Casei sunt hic in Marchia multi.

Et si videres nostras glaucas mulieres,

Nobiscum fleres, si quid pietatis haberes,

Neque venires ad nos, quia sumus in insula Pathmos,

Et caveas tibi, quia Grütz-Würst est etiam ibi.


[Spaltenumbruch]
Brander.

1 Ein Brander ist kein Kinderspiel.

Holl.: Houd af, het is een brander. (Harrebomée, I, 87.)

*2 Es kommt ein Brander an Bord.

Grosse Gefahr anzudeuten.

Holl.: Wij kregen een brander aan boord. (Sprenger I, 70; II, 34.)


Brandmal.

1 Brandmal – Schandmal.Henisch.

2 Brandmale wäscht auch Seewasser nicht weg.

Holl.: Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt. (Harrebomée, I, 88.)

*3 Er hat ein brantmal on der stirn.Franck, I, 59b.


Brandschwanz.

Der Brandschwanz raucht noch.

Es ist noch Gefahr da. „Wir müssen uns nicht fürchten vor dem Grimm des Brandschwanzes, der noch ein wenig raucht.“ (Luther; Wurzbach II, 104.)


Brandsohle.

* Auf den Brandsohlen gehen.Eiselein, 91.


Brandstetter.

Herr Brandstetter weiss nicht, welches Wetter. (Wien.)

Brandstetter, eigentlich Prandstätter (Martin Joseph), war wiener Stadtrath und gehörte in den Jahren 1793-95 einer republikanischen Verbindung in Oesterreich an. Nachdem man ihn zu dreissigjährigem schweren Kerker verurtheilt hatte, wurde er auf der Schandbühne ausgestellt, wobei das Volk den Reimspruch machte: „Mein lieber Prandstätter, das ist ein Wetter“, der sich noch bis heute im Munde der Wiener erhalten. (Vgl. Frz. Grüffer's Franciscäische Curiosä, Wien 1849, S. 9: Die Jakobinerverschwörung in Osterreich.)


Brandung.

In die Brandung gerathen.

An die Stelle, wo die Wogen am Strande sich brechen und das Landen am gefährlichsten ist; also in grosse Verlegenheit und Gefahr.

Holl.: Hij geraakt in de branding. (Sprenger I, 71.)


Branntwein.

1 Bramwîn is'n goden Sluck, Musik is lustig un dusend Dâler 'n gôden Sûpschilling, segt Witt. (Mecklenburg.)

2 Branntwein geht gut ein, aber er macht aus dem Mann ein Schwein.

3 Branntwein ist morgens Blei, mittags Silber, abends Gold.Körte, 788.

Höchstens wenn man ihn in arzneilichen Gaben nimmt, und auch dann werden wol noch an seinen silbernen und goldenen Wirkungen bescheidene Zweifel erlaubt sein.

4 Branntwein lass sein!

5 Branntwein macht mir Widerwillen, sagte der Trinker.

Wortspiel mit wieder und wider; um zu sagen, er will, wenn er Branntwein sieht, aufs neue trinken, der Appetit wird ihm erregt.

6 Branntwein ohne Brot macht die Leute todt.

7 Branntwein schenken ist ein leicht Gewerbe, aber es führt ins Armenhaus.

Holl.: Jenever schenken is de laatste nering voor den broodzak. (Harrebomée, I, 94.)

8 Branntwein und Noth schlägt die Leute todt.

9 De Bran(de)win drinket, kan wol Janever (Genever) pissen.Lübben.

10 De Branwin maket nix Goes. (Lippe.)

Der Branntwein macht nichts Gutes.

11 Dem Gevatter Branntwein sitzt der Elendsteufel im Nacken.

12 Der Branntewei es d'n Allene1 êr Gêestecke2 on di Jonge halle3 sich drô ô4. (Meiningen.) – Frommann, II, 415, 126.

1) Alten.

2) Gehstecken.

3) Halten.

4) Daran an.

13 Der Branntwein stürzt das Haus ein.

14 Der Branntwein zeigt sich im Gesicht.

Holl.: Men kan hem de brandewijn (jenever) wel uit zijn gezigt tappen. (Harrebomée, I, 88.)

15 Im Branntwein steckt ein Angelhaken, dessen Leine der Teufel hält.

16 Is de Brannwîn in den Mann, is de Verstand in de Kann'.Goldschmidt, 129.

17 Ollen Morgen Branntewein maket de grauten Dâlers klein. (Waldeck.) – Firmenich, I, 326, 42; Curtze, 340.

18 Von Branntwein und Bitterbier ist schon mancher entschlafen hier.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><pb facs="#f0251" n="[223]"/><cb n="445"/>
als Rath gegeben, wenn man sieht, dass jemand von einem Zornigen übel behandelt wird, um ihn zum Nachgeben zu vermögen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Un legno non fa fuoco, e due ne fanno poco; e trè lo fanno tale, ch' ognun si puo scaldare. (<hi rendition="#i">Gaal, 238.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Est amor ingratus, si non sit amator amatus.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">10 Ein Brand erregt den andern.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Torris torrem exurit. (<hi rendition="#i">Bovill, I, 11.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">11 Ein Brand wird leicht vom Feuer ergriffen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 91.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Ignis ad torrem veniens.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">12 Es ist kein Brand so gering, der nicht seinen Rauch hat.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Winckler, XX, 44.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Es ist zeit brand zu ruffen, wenn vnsers nachbawren hauss brent.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 477.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Tum tua res agitur paries si proximus ardet. (<hi rendition="#i">Horaz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Es wird oft ein grosser Brand aus einem kleinen Funken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">15 Jeder Brand hat seinen Rauch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Jeder hat einen Brand, brennt er nicht, so glimmt er doch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">17 Kann das ein Brand werden, sagte Töffel, und klopfte seine Pfeife in den Karpfenteich.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Dat gelijkt wel den tweeden brand van Troje, zei Jochem, en hij zag een' bos zwavelstokken branden. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 82.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">18 Nach dem Brande bleiben die Ruinen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">19 Wer andern einen Brand schürt, verbrennt gewöhnlich seine eigenen Finger.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 477; Reinsberg II, 33.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Faber compedes, quas facit, ipse gestat.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">20 Wo'r man sick warpet mit Bränden, d'ar pustet de Düvel in de Kohlen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Eifersucht, Hass, Neid u. s. w. sind Brände, die der Teufel gern zur Flamme anbläst.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*21 Auf den glogauischen Brand betteln.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fülleborn, Bresl. Erzähler.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wahrscheinlich haben sich viele Bettler einen glogauischen Brand zu Nutze gemacht, um darauf zu sammeln.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*22 Den Brand schüren.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Die Brandt schüren.&#x201C; (<hi rendition="#i">Murner, Nb., 35.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*23 Den glogauischen Brand singen.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Grossglogau hat mehrere beträchtliche Brände erlitten. Man machte früher sehr häufig Volkslieder auf dergleichen Unglücksfälle. Die Melodien derselben waren natürlich traurig und jammernd. Man will daher mit der obigen Redensart einen klagenden, die Ohren nicht erquickenden Gesang bezeichnen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*24 Döer de Bränne goaen.</hi> (<hi rendition="#i">Westf.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Ausreissen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*25 Einen Brand zum Feuer bringen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 475.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Einen Kriegslustigen in die Schlacht, einen Verliebten zu jungen Mädchen und Frauen u. s. w.; d. h. jemand dafür verwenden, wozu er grosse Neigung hat.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*26 Er hat ihm einen Brand weisgemacht.</hi> (<hi rendition="#i">Meiningen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Soviel wie einen Bären aufgebunden.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*27 Es ist ein Brand, der aus dem Feuer gerissen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein Mensch, der grossen Gefahren entkommen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Torris de igne erutus. (<hi rendition="#i">Seybold, 606.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*28 Nach Brand riechen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Zaupser, Idiot., Nachl.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Mit Hochzeitgedanken umgehen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandähre.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Eine Brandähre verdirbt die ganze Garbe.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandbrief.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einen Brandbrief schreiben.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 91.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Drohbriefe, oder ungestüm wie ein Abgebrannter um Hülfe bitten; uneigentlich: anfeuernd, aufreizend. In der Studentensprache = Mahnbrief. (<hi rendition="#i">Sandvoss, 149.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Brandbrieven schrijven. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 87.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandenberg.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Die von Brandenberg und Durstlingen wohnen allzeit in der Hölle.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart, Trunken Gespr.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Der gern gebrannte Wasser (Branntwein) trinkt und viel Durst danach hat.&#x201C; (<hi rendition="#i">Schaltjahr, III.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandenburg.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et">Ueber die Mark Brandenburg führt Berckenmeyer (S. 322) folgendes Sprichwort an: Mutavit Dominos Marchia saepe suos. Ebendaselbst finden sich auch noch folgende Verse zur Charakterisirung des Landes:</p><lb/>
          <p rendition="#et">Pisces languores, Schorff, febres atque dolores,</p><lb/>
          <p rendition="#et">Stroh-Dach, Knapp-Casei sunt hic in Marchia multi.</p><lb/>
          <p rendition="#et">Et si videres nostras glaucas mulieres,</p><lb/>
          <p rendition="#et">Nobiscum fleres, si quid pietatis haberes,</p><lb/>
          <p rendition="#et">Neque venires ad nos, quia sumus in insula Pathmos,</p><lb/>
          <p rendition="#et">Et caveas tibi, quia Grütz-Würst est etiam ibi.</p><lb/>
        </div>
        <cb n="446"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brander.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Ein Brander ist kein Kinderspiel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Houd af, het is een brander. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 87.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Es kommt ein Brander an Bord.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Grosse Gefahr anzudeuten.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Wij kregen een brander aan boord. (<hi rendition="#i">Sprenger I, 70; II, 34.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandmal.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Brandmal &#x2013; Schandmal.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Brandmale wäscht auch Seewasser nicht weg.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 88.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Er hat ein brantmal on der stirn.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, I, 59<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandschwanz.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Der Brandschwanz raucht noch.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Es ist noch Gefahr da. &#x201E;Wir müssen uns nicht fürchten vor dem Grimm des Brandschwanzes, der noch ein wenig raucht.&#x201C; (<hi rendition="#i">Luther; Wurzbach II, 104.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandsohle.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Auf den Brandsohlen gehen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 91.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandstetter.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Herr Brandstetter weiss nicht, welches Wetter.</hi> (<hi rendition="#i">Wien.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Brandstetter, eigentlich Prandstätter (Martin Joseph), war wiener Stadtrath und gehörte in den Jahren 1793-95 einer republikanischen Verbindung in Oesterreich an. Nachdem man ihn zu dreissigjährigem schweren Kerker verurtheilt hatte, wurde er auf der Schandbühne ausgestellt, wobei das Volk den Reimspruch machte: &#x201E;Mein lieber Prandstätter, das ist ein Wetter&#x201C;, der sich noch bis heute im Munde der Wiener erhalten. (Vgl. <hi rendition="#i">Frz. Grüffer's Franciscäische Curiosä, Wien 1849, S. 9: Die Jakobinerverschwörung in Osterreich.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brandung.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">In die Brandung gerathen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">An die Stelle, wo die Wogen am Strande sich brechen und das Landen am gefährlichsten ist; also in grosse Verlegenheit und Gefahr.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Hij geraakt in de branding. (<hi rendition="#i">Sprenger I, 71.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Branntwein.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Bramwîn is'n goden Sluck, Musik is lustig un dusend Dâler 'n gôden Sûpschilling, segt Witt.</hi> (<hi rendition="#i">Mecklenburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Branntwein geht gut ein, aber er macht aus dem Mann ein Schwein.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Branntwein ist morgens Blei, mittags Silber, abends Gold.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 788.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Höchstens wenn man ihn in arzneilichen Gaben nimmt, und auch dann werden wol noch an seinen silbernen und goldenen Wirkungen bescheidene Zweifel erlaubt sein.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Branntwein lass sein!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Branntwein macht mir Widerwillen, sagte der Trinker.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Wortspiel mit wieder und wider; um zu sagen, er will, wenn er Branntwein sieht, aufs neue trinken, der Appetit wird ihm erregt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Branntwein ohne Brot macht die Leute todt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">7 Branntwein schenken ist ein leicht Gewerbe, aber es führt ins Armenhaus.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Jenever schenken is de laatste nering voor den broodzak. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 94.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">8 Branntwein und Noth schlägt die Leute todt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">9 De Bran(de)win drinket, kan wol Janever (Genever) pissen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lübben.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">10 De Branwin maket nix Goes.</hi> (<hi rendition="#i">Lippe.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Der Branntwein macht nichts Gutes.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">11 Dem Gevatter Branntwein sitzt der Elendsteufel im Nacken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">12 Der Branntewei es d'n Allene<hi rendition="#sup">1</hi> êr Gêestecke<hi rendition="#sup">2</hi> on di Jonge halle<hi rendition="#sup">3</hi> sich drô ô<hi rendition="#sup">4</hi>.</hi> (<hi rendition="#i">Meiningen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, II, 415, 126.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Alten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">2</hi>) Gehstecken.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">3</hi>) Halten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">4</hi>) Daran an.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">13 Der Branntwein stürzt das Haus ein.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Der Branntwein zeigt sich im Gesicht.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Men kan hem de brandewijn (jenever) wel uit zijn gezigt tappen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 88.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">15 Im Branntwein steckt ein Angelhaken, dessen Leine der Teufel hält.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">16 Is de Brannwîn in den Mann, is de Verstand in de Kann'.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Goldschmidt, 129.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Ollen Morgen Branntewein maket de grauten Dâlers klein.</hi> (<hi rendition="#i">Waldeck.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Firmenich, I, 326, 42; Curtze, 340.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">18 Von Branntwein und Bitterbier ist schon mancher entschlafen hier.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[223]/0251] als Rath gegeben, wenn man sieht, dass jemand von einem Zornigen übel behandelt wird, um ihn zum Nachgeben zu vermögen. It.: Un legno non fa fuoco, e due ne fanno poco; e trè lo fanno tale, ch' ognun si puo scaldare. (Gaal, 238.) Lat.: Est amor ingratus, si non sit amator amatus. 10 Ein Brand erregt den andern. Lat.: Torris torrem exurit. (Bovill, I, 11.) 11 Ein Brand wird leicht vom Feuer ergriffen. – Eiselein, 91. Lat.: Ignis ad torrem veniens. 12 Es ist kein Brand so gering, der nicht seinen Rauch hat. – Winckler, XX, 44. 13 Es ist zeit brand zu ruffen, wenn vnsers nachbawren hauss brent. – Henisch, 477. Lat.: Tum tua res agitur paries si proximus ardet. (Horaz.) 14 Es wird oft ein grosser Brand aus einem kleinen Funken. 15 Jeder Brand hat seinen Rauch. 16 Jeder hat einen Brand, brennt er nicht, so glimmt er doch. 17 Kann das ein Brand werden, sagte Töffel, und klopfte seine Pfeife in den Karpfenteich. Holl.: Dat gelijkt wel den tweeden brand van Troje, zei Jochem, en hij zag een' bos zwavelstokken branden. (Harrebomée, I, 82.) 18 Nach dem Brande bleiben die Ruinen. 19 Wer andern einen Brand schürt, verbrennt gewöhnlich seine eigenen Finger. – Henisch, 477; Reinsberg II, 33. Lat.: Faber compedes, quas facit, ipse gestat. 20 Wo'r man sick warpet mit Bränden, d'ar pustet de Düvel in de Kohlen. Eifersucht, Hass, Neid u. s. w. sind Brände, die der Teufel gern zur Flamme anbläst. *21 Auf den glogauischen Brand betteln. – Fülleborn, Bresl. Erzähler. Wahrscheinlich haben sich viele Bettler einen glogauischen Brand zu Nutze gemacht, um darauf zu sammeln. *22 Den Brand schüren. „Die Brandt schüren.“ (Murner, Nb., 35.) *23 Den glogauischen Brand singen. (Schles.) Grossglogau hat mehrere beträchtliche Brände erlitten. Man machte früher sehr häufig Volkslieder auf dergleichen Unglücksfälle. Die Melodien derselben waren natürlich traurig und jammernd. Man will daher mit der obigen Redensart einen klagenden, die Ohren nicht erquickenden Gesang bezeichnen. *24 Döer de Bränne goaen. (Westf.) Ausreissen. *25 Einen Brand zum Feuer bringen. – Henisch, 475. Einen Kriegslustigen in die Schlacht, einen Verliebten zu jungen Mädchen und Frauen u. s. w.; d. h. jemand dafür verwenden, wozu er grosse Neigung hat. *26 Er hat ihm einen Brand weisgemacht. (Meiningen.) Soviel wie einen Bären aufgebunden. *27 Es ist ein Brand, der aus dem Feuer gerissen. Ein Mensch, der grossen Gefahren entkommen. Lat.: Torris de igne erutus. (Seybold, 606.) *28 Nach Brand riechen. – Zaupser, Idiot., Nachl. Mit Hochzeitgedanken umgehen. Brandähre. Eine Brandähre verdirbt die ganze Garbe. Brandbrief. * Einen Brandbrief schreiben. – Eiselein, 91. Drohbriefe, oder ungestüm wie ein Abgebrannter um Hülfe bitten; uneigentlich: anfeuernd, aufreizend. In der Studentensprache = Mahnbrief. (Sandvoss, 149.) Holl.: Brandbrieven schrijven. (Harrebomée, I, 87.) Brandenberg. Die von Brandenberg und Durstlingen wohnen allzeit in der Hölle. – Fischart, Trunken Gespr. „Der gern gebrannte Wasser (Branntwein) trinkt und viel Durst danach hat.“ (Schaltjahr, III.) Brandenburg. Ueber die Mark Brandenburg führt Berckenmeyer (S. 322) folgendes Sprichwort an: Mutavit Dominos Marchia saepe suos. Ebendaselbst finden sich auch noch folgende Verse zur Charakterisirung des Landes: Pisces languores, Schorff, febres atque dolores, Stroh-Dach, Knapp-Casei sunt hic in Marchia multi. Et si videres nostras glaucas mulieres, Nobiscum fleres, si quid pietatis haberes, Neque venires ad nos, quia sumus in insula Pathmos, Et caveas tibi, quia Grütz-Würst est etiam ibi. Brander. 1 Ein Brander ist kein Kinderspiel. Holl.: Houd af, het is een brander. (Harrebomée, I, 87.) *2 Es kommt ein Brander an Bord. Grosse Gefahr anzudeuten. Holl.: Wij kregen een brander aan boord. (Sprenger I, 70; II, 34.) Brandmal. 1 Brandmal – Schandmal. – Henisch. 2 Brandmale wäscht auch Seewasser nicht weg. Holl.: Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt. (Harrebomée, I, 88.) *3 Er hat ein brantmal on der stirn. – Franck, I, 59b. Brandschwanz. Der Brandschwanz raucht noch. Es ist noch Gefahr da. „Wir müssen uns nicht fürchten vor dem Grimm des Brandschwanzes, der noch ein wenig raucht.“ (Luther; Wurzbach II, 104.) Brandsohle. * Auf den Brandsohlen gehen. – Eiselein, 91. Brandstetter. Herr Brandstetter weiss nicht, welches Wetter. (Wien.) Brandstetter, eigentlich Prandstätter (Martin Joseph), war wiener Stadtrath und gehörte in den Jahren 1793-95 einer republikanischen Verbindung in Oesterreich an. Nachdem man ihn zu dreissigjährigem schweren Kerker verurtheilt hatte, wurde er auf der Schandbühne ausgestellt, wobei das Volk den Reimspruch machte: „Mein lieber Prandstätter, das ist ein Wetter“, der sich noch bis heute im Munde der Wiener erhalten. (Vgl. Frz. Grüffer's Franciscäische Curiosä, Wien 1849, S. 9: Die Jakobinerverschwörung in Osterreich.) Brandung. In die Brandung gerathen. An die Stelle, wo die Wogen am Strande sich brechen und das Landen am gefährlichsten ist; also in grosse Verlegenheit und Gefahr. Holl.: Hij geraakt in de branding. (Sprenger I, 71.) Branntwein. 1 Bramwîn is'n goden Sluck, Musik is lustig un dusend Dâler 'n gôden Sûpschilling, segt Witt. (Mecklenburg.) 2 Branntwein geht gut ein, aber er macht aus dem Mann ein Schwein. 3 Branntwein ist morgens Blei, mittags Silber, abends Gold. – Körte, 788. Höchstens wenn man ihn in arzneilichen Gaben nimmt, und auch dann werden wol noch an seinen silbernen und goldenen Wirkungen bescheidene Zweifel erlaubt sein. 4 Branntwein lass sein! 5 Branntwein macht mir Widerwillen, sagte der Trinker. Wortspiel mit wieder und wider; um zu sagen, er will, wenn er Branntwein sieht, aufs neue trinken, der Appetit wird ihm erregt. 6 Branntwein ohne Brot macht die Leute todt. 7 Branntwein schenken ist ein leicht Gewerbe, aber es führt ins Armenhaus. Holl.: Jenever schenken is de laatste nering voor den broodzak. (Harrebomée, I, 94.) 8 Branntwein und Noth schlägt die Leute todt. 9 De Bran(de)win drinket, kan wol Janever (Genever) pissen. – Lübben. 10 De Branwin maket nix Goes. (Lippe.) Der Branntwein macht nichts Gutes. 11 Dem Gevatter Branntwein sitzt der Elendsteufel im Nacken. 12 Der Branntewei es d'n Allene1 êr Gêestecke2 on di Jonge halle3 sich drô ô4. (Meiningen.) – Frommann, II, 415, 126. 1) Alten. 2) Gehstecken. 3) Halten. 4) Daran an. 13 Der Branntwein stürzt das Haus ein. 14 Der Branntwein zeigt sich im Gesicht. Holl.: Men kan hem de brandewijn (jenever) wel uit zijn gezigt tappen. (Harrebomée, I, 88.) 15 Im Branntwein steckt ein Angelhaken, dessen Leine der Teufel hält. 16 Is de Brannwîn in den Mann, is de Verstand in de Kann'. – Goldschmidt, 129. 17 Ollen Morgen Branntewein maket de grauten Dâlers klein. (Waldeck.) – Firmenich, I, 326, 42; Curtze, 340. 18 Von Branntwein und Bitterbier ist schon mancher entschlafen hier.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/251
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [223]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/251>, abgerufen am 01.12.2020.