Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] 11 Du bist der beste Bruder au nit.

Altes deutsches Volkslied und dadurch sprichwörtlich geworden, dass es die Musik in einem rheinischen Dorfe im Jahre 1809 zum Empfange Napoleon's spielte, als er aus Holland kam und durchpassirte.

12 En Brader is'n Butt werth. (Ostfries.) - Frommann, IV, 287, 439; Bueren, 429; Hauskalender, II.

13 Ein Bruder hat den andern wie ein Spiess hinter der Thür. - Henisch, 530.

14 Ein Bruder hilft dem andern.

Von treuer Hülfe.

Lat.: Frater viro adsit. (Erasm., 136.)

15 Gleiche Brüder, gleiche Kappen. - Pistor., III, 28; Simrock, 1345; Hillebrand, 151; Hertius, I, 82; Kirchhofer, 234; Robinson, 38; Eisenhart, 305; Sailer, 256; Ramann, Unterr., I, 42; Eiselein, 98; Lehmann, II, 230, 132; Estor, II, 61; Henisch, 530; Körte, 745.

Mönche eines und desselben Ordens tragen sich gleichförmig und folgen, einerlei Regeln. Im Rechtssinn setzt dies Sprichwort die Regel fest, dass die Kinder des Verstorbenen sich zu gleichen Theilen in den Nachlass theilen sollen. Das Wort Brüder steht für Kinder überhaupt. Im Justinianischen Gesetzbuch ist die Erbfolge der Kinder nach diesem Sprichwort bestimmt. Bei uns ist es in vielen Fällen anders.

Frz.: Dis-moi qui tu hantes, je te dirai qui tu es. - Meme societe, memes principes. (Starschedel, 387.)

Lat.: Aequales fratres, aequalia pallia gestant. - Sors omnibus una manet consortibus. (Philippi, II, 196.)

16 Gleiche Brüder, gleiche Röcke, gleiche Heerden, gleiche Böcke.

17 Gleiche Brüder hält die beste Freundschaft. - Lehmann, II, 230, 133.

18 Gleike Bröers, gleike Kappen. (Grafschaft Mark.) - Woeste, 68, 86; Eichwald, 802; für Waldeck: Curtze, 355, 504.

19 Guten Tag, Bruder, sagte der Mist zum Dreck.

20 Lieber bruder, Jesu, zu Jerusalem empfieng man dich schon, wie gieng dirs aber hernach! - Agricola I, 283.

21 Lustig, ihr Brüder, ein reiches Weib bringt alles wieder.

22 Mei Bruder hot nischt kreigt, sagte der Junge, als er aus der Kirmes kam, awer eich hätte bal woas kreigt. (Schles.)

Wenn jemand bei einem Schmause, bei einer Lustbarkeit zugegen ist, sich aber mit dem Zusehen begnügen muss.

Frz.: Il a mange son pain a la fumee du rot. (Lendroy, 1134.)

23 Mein Bruder ist nicht leer, sagte der Bettler, da rückt und kratzt er sich.

Holl.: Mijn broer heeft vele bezittingen, zei de jood, en hij kraauwde zich. (Harrebomee, I, 92.)

24 Mein Bruder ist, wer handelt wie ein Bruder.

Kroat.: Bratje mio, koje vere bio kad bratski postupa. (Haug.)

25 Nichts Bruder im Spiele!

26 Ohne Bruder kann man leben, aber nicht ohne Freund. - Venedey, 109; Körte, 743.

Ein dänisches Sprichwort dagegen schlägt den Verlust eines Bruders sehr hoch an: Bar er broderlös bag. (Prov. dan., 46.)

27 Sta wis, Broder, ritt de Rock, so hölt dat Unnerfoder. (Lübeck.)

28 Stellt min Broer, so hankt 'n Deew. - Goldschmidt, 78; Henisch, 530.

Drückt eine so tiefe Verachtung und einen so entschiedenen Haas gegen den Dieb aus, dass sogar die brüderliche Liebe und Familienehre dagegen zurücktritt.

29 Unter Brüdern nimmt man es nicht so genau. - Eiselein, 98.

30 Viel Brüder machen schmale Güter. - Simrock, 1350; Körte, 744.

In Bezug auf Erbschaftstheilungen. In fränkischer Mundart vgl. Frommann, VI, 165, 56.

Lat.: Grandia per multos tenuantur flumina vivos. (Gaal, 254.)

31 Vierlei brüder findet man viel in der Welt: dollbrüder, wollbrüder, falschbrüder, lochbrüder. - Henisch, 530; Lehmann, II, 802, 94.

32 Wann 't op siewer Broaüer (15. Juli) reagent, dann reagent't siewen Weaken.

33 Wenn Bruder Date lebt und frisch ist, so steht's um Bruder Dabitur auch wohl.

[Spaltenumbruch] 34 Wenn der Bruder stiehlt, so hängt ein Dieb.

Nicht parteiisch, auch wenn es die nächsten Verwandten trifft.

35 Wer einen jüngern Bruder hat, dessen Geheimnisse sind sicher. (Afrika.)

36 Wei künnen as Bröder mit'n anner leben, säd' de Jung to seinen Vader, äwerst he will jo nich. (Mecklenburg.) - Latendorf, 224; Hoefer, 557.

37 Wie die Brüder, so die Braut. (Serb.)

38 Wir leben wie Brüder, sagte der Sohn, als er mit seinem Vater im Gerinne lag.

Holl.: Nu leven wij als broeders, zei de jongen tegen zijn vaar, en zij zaten in eene kroeg. (Harrebomee, I, 92.)

39 Wir sind Brüder, aber wir rechnen zusammen wie Kaufleute.

40 Wo die Brüder zusammenthun, werfen sie den Abt zum Fenster hinaus. - Fischart.

41 Zweyer Brüder Wyff sind selten ohn kyff. - Petri, II.

*42 Bruder, hat dich der Teufel noch nicht geholt; ich denke, du bist lange am Galgen. - Meisner, 46.

Eine scherzhafte, früher besonders unter Soldaten übliche Begrüssungsformel.

*43 Das ist es unter Brüdern werth. - Eiselein, 98.

*44 En fuchtige Brö'r. - Eichwald, 203.

*45 Er ist ein durstiger Bruder. - Mayer, II, 145. (S. Ansehen 29 und Boden 38.)

*46 Er ist ein lustiger Bruder (oder: ein Bruder Lustig).

Frz.: C'est un pere-la-joie. - C'est un vive-la-joie qui n'engendre pas la melancolie. (Lendroy, 1552.)


Bruderander.

Sie sind miteinander Bruderander.

Zur Bezeichnung von Lumpengenossen.

Jüd.-deutsch: Chawerlappes. (Tendlau, 578.)


Brudereinigkeit.

Brudereinigkeit ist ein Kraut, das nur in wenig Gärten wird gebaut.


Bruderhass.

Bruderhass, Teufelshass.

Die ärgste Zwietracht, die bitterste Feindschaft ist die unter Brüdern.

Lat.: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (Wiegand, 232.)


Bruderkrieg.

Bruderkriege - schlimme Kriege.


Bruderliebe.

Bruderliebe sieht oft trübe. - Simrock, 1349; Körte, 746.

Lat.: Rara concordia fratrum.

Ung.: Csak ritkan vagyon egyesseg az atyafiak között. (Gaal, 255.)


Brudern.

Da ist nicht viel zu brudern.


Brüderschaft.

1 Man muss nicht mit jedem Brüderschaft trinken.

Lat.: Ne cuivis dextram injeceris. (Plutarch.) (Philippi, II, 12.)

*2 Er gehört auch in die Brüderschaft. - Eiselein, 98.

*3 Zur grossen Brüderschaft gehören.

Zu denen, welchen ihre Weiber Hörner aufsetzen.


Bruderzorn.

1 Bruderzorn, Höllenzorn. - Simrock, 1346; Körte, 747.

Die Walachen sagen: Wer hat dir die Augen ausgestochen? Mein Bruder. Daher liess auch der Zigeuner, als er Kaiser geworden war, zuerst seinen Vater aufhängen, um vor künftigen, noch möglichen Brüdern sicher zu sein. (Reinsberg II, 18.)

Lat.: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (Erasmus, 705; Seybold, 194; Wiegand, 232.)

2 Bruderzorn ist heftig.

Holl.: Der broederen toorn rijst al te hoog. (Harrebomee. I, 91.)


Bruderzwist.

Bruderzwist der schlimmste ist (gar heftig ist). - Simrock, 1347; Eiselein, 98.


Brühe.

1 Brühe für die Gans ist Brühe für den Gänserich.

Was einem recht, ist dem andern billig.

2 Der in der brü stecket, dem geschihet am wehesten. - Henisch, 532.

[Spaltenumbruch] 11 Du bist der beste Bruder au nit.

Altes deutsches Volkslied und dadurch sprichwörtlich geworden, dass es die Musik in einem rheinischen Dorfe im Jahre 1809 zum Empfange Napoleon's spielte, als er aus Holland kam und durchpassirte.

12 Ên Brader is'n Butt werth. (Ostfries.) – Frommann, IV, 287, 439; Bueren, 429; Hauskalender, II.

13 Ein Bruder hat den andern wie ein Spiess hinter der Thür.Henisch, 530.

14 Ein Bruder hilft dem andern.

Von treuer Hülfe.

Lat.: Frater viro adsit. (Erasm., 136.)

15 Gleiche Brüder, gleiche Kappen.Pistor., III, 28; Simrock, 1345; Hillebrand, 151; Hertius, I, 82; Kirchhofer, 234; Robinson, 38; Eisenhart, 305; Sailer, 256; Ramann, Unterr., I, 42; Eiselein, 98; Lehmann, II, 230, 132; Estor, II, 61; Henisch, 530; Körte, 745.

Mönche eines und desselben Ordens tragen sich gleichförmig und folgen, einerlei Regeln. Im Rechtssinn setzt dies Sprichwort die Regel fest, dass die Kinder des Verstorbenen sich zu gleichen Theilen in den Nachlass theilen sollen. Das Wort Brüder steht für Kinder überhaupt. Im Justinianischen Gesetzbuch ist die Erbfolge der Kinder nach diesem Sprichwort bestimmt. Bei uns ist es in vielen Fällen anders.

Frz.: Dis-moi qui tu hantes, je te dirai qui tu es. – Même société, mêmes principes. (Starschedel, 387.)

Lat.: Aequales fratres, aequalia pallia gestant. – Sors omnibus una manet consortibus. (Philippi, II, 196.)

16 Gleiche Brüder, gleiche Röcke, gleiche Heerden, gleiche Böcke.

17 Gleiche Brüder hält die beste Freundschaft.Lehmann, II, 230, 133.

18 Glîke Bröers, glîke Kappen. (Grafschaft Mark.) – Woeste, 68, 86; Eichwald, 802; für Waldeck: Curtze, 355, 504.

19 Guten Tag, Bruder, sagte der Mist zum Dreck.

20 Lieber bruder, Jesu, zu Jerusalem empfieng man dich schon, wie gieng dirs aber hernach!Agricola I, 283.

21 Lustig, ihr Brüder, ein reiches Weib bringt alles wieder.

22 Mei Bruder hot nischt krîgt, sagte der Junge, als er aus der Kirmes kam, awer îch hätte bâl woas krîgt. (Schles.)

Wenn jemand bei einem Schmause, bei einer Lustbarkeit zugegen ist, sich aber mit dem Zusehen begnügen muss.

Frz.: Il a mangé son pain à la fumée du rôt. (Lendroy, 1134.)

23 Mein Bruder ist nicht leer, sagte der Bettler, da rückt und kratzt er sich.

Holl.: Mijn broêr heeft vele bezittingen, zei de jood, en hij kraauwde zich. (Harrebomée, I, 92.)

24 Mein Bruder ist, wer handelt wie ein Bruder.

Kroat.: Bratje mio, koje vĕre bio kad bratski postupa. (Haug.)

25 Nichts Bruder im Spiele!

26 Ohne Bruder kann man leben, aber nicht ohne Freund.Venedey, 109; Körte, 743.

Ein dänisches Sprichwort dagegen schlägt den Verlust eines Bruders sehr hoch an: Bar er broderløs bag. (Prov. dan., 46.)

27 Sta wis, Broder, ritt de Rock, so hölt dat Unnerfoder. (Lübeck.)

28 Stellt min Broer, so hankt 'n Deew.Goldschmidt, 78; Henisch, 530.

Drückt eine so tiefe Verachtung und einen so entschiedenen Haas gegen den Dieb aus, dass sogar die brüderliche Liebe und Familienehre dagegen zurücktritt.

29 Unter Brüdern nimmt man es nicht so genau.Eiselein, 98.

30 Viel Brüder machen schmale Güter.Simrock, 1350; Körte, 744.

In Bezug auf Erbschaftstheilungen. In fränkischer Mundart vgl. Frommann, VI, 165, 56.

Lat.: Grandia per multos tenuantur flumina vivos. (Gaal, 254.)

31 Vierlei brüder findet man viel in der Welt: dollbrüder, wollbrüder, falschbrüder, lochbrüder.Henisch, 530; Lehmann, II, 802, 94.

32 Wann 't op siewer Broaüer (15. Juli) reagent, dann reagent't siewen Weaken.

33 Wenn Bruder Date lebt und frisch ist, so steht's um Bruder Dabitur auch wohl.

[Spaltenumbruch] 34 Wenn der Bruder stiehlt, so hängt ein Dieb.

Nicht parteiisch, auch wenn es die nächsten Verwandten trifft.

35 Wer einen jüngern Bruder hat, dessen Geheimnisse sind sicher. (Afrika.)

36 Wî künnen as Bröder mit'n anner leben, säd' de Jung to sînen Vader, äwerst he will jô nich. (Mecklenburg.) – Latendorf, 224; Hoefer, 557.

37 Wie die Brüder, so die Braut. (Serb.)

38 Wir leben wie Brüder, sagte der Sohn, als er mit seinem Vater im Gerinne lag.

Holl.: Nu leven wij als broeders, zei de jongen tegen zijn vaâr, en zij zaten in eene kroeg. (Harrebomée, I, 92.)

39 Wir sind Brüder, aber wir rechnen zusammen wie Kaufleute.

40 Wo die Brüder zusammenthun, werfen sie den Abt zum Fenster hinaus.Fischart.

41 Zweyer Brüder Wyff sind selten ohn kyff.Petri, II.

*42 Bruder, hat dich der Teufel noch nicht geholt; ich denke, du bist lange am Galgen.Meisner, 46.

Eine scherzhafte, früher besonders unter Soldaten übliche Begrüssungsformel.

*43 Das ist es unter Brüdern werth.Eiselein, 98.

*44 En fuchtige Brö'r.Eichwald, 203.

*45 Er ist ein durstiger Bruder.Mayer, II, 145. (S. Ansehen 29 und Boden 38.)

*46 Er ist ein lustiger Bruder (oder: ein Bruder Lustig).

Frz.: C'est un père-la-joie. – C'est un vive-la-joie qui n'engendre pas la mélancolie. (Lendroy, 1552.)


Bruderander.

Sie sind miteinander Bruderander.

Zur Bezeichnung von Lumpengenossen.

Jüd.-deutsch: Chawerlappes. (Tendlau, 578.)


Brudereinigkeit.

Brudereinigkeit ist ein Kraut, das nur in wenig Gärten wird gebaut.


Bruderhass.

Bruderhass, Teufelshass.

Die ärgste Zwietracht, die bitterste Feindschaft ist die unter Brüdern.

Lat.: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (Wiegand, 232.)


Bruderkrieg.

Bruderkriege – schlimme Kriege.


Bruderliebe.

Bruderliebe sieht oft trübe.Simrock, 1349; Körte, 746.

Lat.: Rara concordia fratrum.

Ung.: Csak ritkán vagyon egyesség az atyafiak között. (Gaal, 255.)


Brudern.

Da ist nicht viel zu brudern.


Brüderschaft.

1 Man muss nicht mit jedem Brüderschaft trinken.

Lat.: Ne cuivis dextram injeceris. (Plutarch.) (Philippi, II, 12.)

*2 Er gehört auch in die Brüderschaft.Eiselein, 98.

*3 Zur grossen Brüderschaft gehören.

Zu denen, welchen ihre Weiber Hörner aufsetzen.


Bruderzorn.

1 Bruderzorn, Höllenzorn.Simrock, 1346; Körte, 747.

Die Walachen sagen: Wer hat dir die Augen ausgestochen? Mein Bruder. Daher liess auch der Zigeuner, als er Kaiser geworden war, zuerst seinen Vater aufhängen, um vor künftigen, noch möglichen Brüdern sicher zu sein. (Reinsberg II, 18.)

Lat.: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (Erasmus, 705; Seybold, 194; Wiegand, 232.)

2 Bruderzorn ist heftig.

Holl.: Der broederen toorn rijst al te hoog. (Harrebomée. I, 91.)


Bruderzwist.

Bruderzwist der schlimmste ist (gar heftig ist).Simrock, 1347; Eiselein, 98.


Brühe.

1 Brühe für die Gans ist Brühe für den Gänserich.

Was einem recht, ist dem andern billig.

2 Der in der brü stecket, dem geschihet am wehesten.Henisch, 532.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><pb facs="#f0272" n="[244]"/><cb n="487"/>
11 Du bist der beste Bruder au nit.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Altes deutsches Volkslied und dadurch sprichwörtlich geworden, dass es die Musik in einem rheinischen Dorfe im Jahre 1809 zum Empfange Napoleon's spielte, als er aus Holland kam und durchpassirte.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">12 Ên Brader is'n Butt werth.</hi> (<hi rendition="#i">Ostfries.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, IV, 287, 439; Bueren, 429; Hauskalender, II.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">13 Ein Bruder hat den andern wie ein Spiess hinter der Thür.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 530.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">14 Ein Bruder hilft dem andern.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Von treuer Hülfe.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Frater viro adsit. (<hi rendition="#i">Erasm., 136.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">15 Gleiche Brüder, gleiche Kappen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pistor., III, 28; Simrock, 1345; Hillebrand, 151; Hertius, I, 82; Kirchhofer, 234; Robinson, 38; Eisenhart, 305; Sailer, 256; Ramann, Unterr., I, 42; Eiselein, 98; Lehmann, II, 230, 132; Estor, II, 61; Henisch, 530; Körte, 745.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Mönche eines und desselben Ordens tragen sich gleichförmig und folgen, einerlei Regeln. Im Rechtssinn setzt dies Sprichwort die Regel fest, dass die Kinder des Verstorbenen sich zu gleichen Theilen in den Nachlass theilen sollen. Das Wort Brüder steht für Kinder überhaupt. Im Justinianischen Gesetzbuch ist die Erbfolge der Kinder nach diesem Sprichwort bestimmt. Bei uns ist es in vielen Fällen anders.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Dis-moi qui tu hantes, je te dirai qui tu es. &#x2013; Même société, mêmes principes. (<hi rendition="#i">Starschedel, 387.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Aequales fratres, aequalia pallia gestant. &#x2013; Sors omnibus una manet consortibus. (<hi rendition="#i">Philippi, II, 196.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">16 Gleiche Brüder, gleiche Röcke, gleiche Heerden, gleiche Böcke.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">17 Gleiche Brüder hält die beste Freundschaft.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, II, 230, 133.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">18 Glîke Bröers, glîke Kappen.</hi> (<hi rendition="#i">Grafschaft Mark.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Woeste, 68, 86; Eichwald, 802;</hi> für Waldeck: <hi rendition="#i">Curtze, 355, 504.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">19 Guten Tag, Bruder, sagte der Mist zum Dreck.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">20 Lieber bruder, Jesu, zu Jerusalem empfieng man dich schon, wie gieng dirs aber hernach!</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Agricola I, 283.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">21 Lustig, ihr Brüder, ein reiches Weib bringt alles wieder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">22 Mei Bruder hot nischt krîgt, sagte der Junge, als er aus der Kirmes kam, awer îch hätte bâl woas krîgt.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn jemand bei einem Schmause, bei einer Lustbarkeit zugegen ist, sich aber mit dem Zusehen begnügen muss.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Il a mangé son pain à la fumée du rôt. (<hi rendition="#i">Lendroy, 1134.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">23 Mein Bruder ist nicht leer, sagte der Bettler, da rückt und kratzt er sich.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Mijn broêr heeft vele bezittingen, zei de jood, en hij kraauwde zich. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 92.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">24 Mein Bruder ist, wer handelt wie ein Bruder.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Kroat.</hi>: Bratje mio, koje v&#x0115;re bio kad bratski postupa. (<hi rendition="#i">Haug.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">25 Nichts Bruder im Spiele!</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">26 Ohne Bruder kann man leben, aber nicht ohne Freund.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Venedey, 109; Körte, 743.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein dänisches Sprichwort dagegen schlägt den Verlust eines Bruders sehr hoch an: Bar er broderløs bag. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 46.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">27 Sta wis, Broder, ritt de Rock, so hölt dat Unnerfoder.</hi> (<hi rendition="#i">Lübeck.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">28 Stellt min Broer, so hankt 'n Deew.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Goldschmidt, 78; Henisch, 530.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Drückt eine so tiefe Verachtung und einen so entschiedenen Haas gegen den Dieb aus, dass sogar die brüderliche Liebe und Familienehre dagegen zurücktritt.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">29 Unter Brüdern nimmt man es nicht so genau.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 98.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">30 Viel Brüder machen schmale Güter.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 1350; Körte, 744.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">In Bezug auf Erbschaftstheilungen. In fränkischer Mundart vgl. <hi rendition="#i">Frommann, VI, 165, 56.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Grandia per multos tenuantur flumina vivos. (<hi rendition="#i">Gaal, 254.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">31 Vierlei brüder findet man viel in der Welt: dollbrüder, wollbrüder, falschbrüder, lochbrüder.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 530; Lehmann, II, 802, 94.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">32 Wann 't op siewer Broaüer (15. Juli) reagent, dann reagent't siewen Weaken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">33 Wenn Bruder Date lebt und frisch ist, so steht's um Bruder Dabitur auch wohl.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="488"/>
34 Wenn der Bruder stiehlt, so hängt ein Dieb.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Nicht parteiisch, auch wenn es die nächsten Verwandten trifft.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">35 Wer einen jüngern Bruder hat, dessen Geheimnisse sind sicher.</hi> (<hi rendition="#i">Afrika.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">36 Wî künnen as Bröder mit'n anner leben, säd' de Jung to sînen Vader, äwerst he will jô nich.</hi> (<hi rendition="#i">Mecklenburg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Latendorf, 224; Hoefer, 557.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">37 Wie die Brüder, so die Braut.</hi> (<hi rendition="#i">Serb.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">38 Wir leben wie Brüder, sagte der Sohn, als er mit seinem Vater im Gerinne lag.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Nu leven wij als broeders, zei de jongen tegen zijn vaâr, en zij zaten in eene kroeg. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 92.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">39 Wir sind Brüder, aber wir rechnen zusammen wie Kaufleute.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">40 Wo die Brüder zusammenthun, werfen sie den Abt zum Fenster hinaus.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Fischart.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">41 Zweyer Brüder Wyff sind selten ohn kyff.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*42 Bruder, hat dich der Teufel noch nicht geholt; ich denke, du bist lange am Galgen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Meisner, 46.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Eine scherzhafte, früher besonders unter Soldaten übliche Begrüssungsformel.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*43 Das ist es unter Brüdern werth.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 98.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*44 En fuchtige Brö'r.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 203.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*45 Er ist ein durstiger Bruder.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Mayer, II, 145.</hi> (S.  Ansehen 29 und  Boden 38.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*46 Er ist ein lustiger Bruder (oder: ein Bruder Lustig).</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: C'est un père-la-joie. &#x2013; C'est un vive-la-joie qui n'engendre pas la mélancolie. (<hi rendition="#i">Lendroy, 1552.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bruderander.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Sie sind miteinander Bruderander.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Zur Bezeichnung von Lumpengenossen.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Jüd.-deutsch</hi>: Chawerlappes. (<hi rendition="#i">Tendlau, 578.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brudereinigkeit.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Brudereinigkeit ist ein Kraut, das nur in wenig Gärten wird gebaut.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bruderhass.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Bruderhass, Teufelshass.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die ärgste Zwietracht, die bitterste Feindschaft ist die unter Brüdern.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (<hi rendition="#i">Wiegand, 232.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bruderkrieg.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Bruderkriege &#x2013; schlimme Kriege.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bruderliebe.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Bruderliebe sieht oft trübe.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 1349; Körte, 746.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Rara concordia fratrum.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ung.</hi>: Csak ritkán vagyon egyesség az atyafiak között. (<hi rendition="#i">Gaal, 255.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brudern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Da ist nicht viel zu brudern.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brüderschaft.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Man muss nicht mit jedem Brüderschaft trinken.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Ne cuivis dextram injeceris. (<hi rendition="#i">Plutarch.</hi>) (<hi rendition="#i">Philippi, II, 12.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Er gehört auch in die Brüderschaft.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 98.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*3 Zur grossen Brüderschaft gehören.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Zu denen, welchen ihre Weiber Hörner aufsetzen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bruderzorn.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Bruderzorn, Höllenzorn.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 1346; Körte, 747.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Walachen sagen: Wer hat dir die Augen ausgestochen? Mein Bruder. Daher liess auch der Zigeuner, als er Kaiser geworden war, zuerst seinen Vater aufhängen, um vor künftigen, noch möglichen Brüdern sicher zu sein. (<hi rendition="#i">Reinsberg II, 18.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (<hi rendition="#i">Erasmus, 705; Seybold, 194; Wiegand, 232.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Bruderzorn ist heftig.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Der broederen toorn rijst al te hoog. (<hi rendition="#i">Harrebomée. I, 91.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bruderzwist.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Bruderzwist der schlimmste ist (gar heftig ist).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 1347; Eiselein, 98.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Brühe.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Brühe für die Gans ist Brühe für den Gänserich.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Was einem recht, ist dem andern billig.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Der in der brü stecket, dem geschihet am wehesten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Henisch, 532.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[244]/0272] 11 Du bist der beste Bruder au nit. Altes deutsches Volkslied und dadurch sprichwörtlich geworden, dass es die Musik in einem rheinischen Dorfe im Jahre 1809 zum Empfange Napoleon's spielte, als er aus Holland kam und durchpassirte. 12 Ên Brader is'n Butt werth. (Ostfries.) – Frommann, IV, 287, 439; Bueren, 429; Hauskalender, II. 13 Ein Bruder hat den andern wie ein Spiess hinter der Thür. – Henisch, 530. 14 Ein Bruder hilft dem andern. Von treuer Hülfe. Lat.: Frater viro adsit. (Erasm., 136.) 15 Gleiche Brüder, gleiche Kappen. – Pistor., III, 28; Simrock, 1345; Hillebrand, 151; Hertius, I, 82; Kirchhofer, 234; Robinson, 38; Eisenhart, 305; Sailer, 256; Ramann, Unterr., I, 42; Eiselein, 98; Lehmann, II, 230, 132; Estor, II, 61; Henisch, 530; Körte, 745. Mönche eines und desselben Ordens tragen sich gleichförmig und folgen, einerlei Regeln. Im Rechtssinn setzt dies Sprichwort die Regel fest, dass die Kinder des Verstorbenen sich zu gleichen Theilen in den Nachlass theilen sollen. Das Wort Brüder steht für Kinder überhaupt. Im Justinianischen Gesetzbuch ist die Erbfolge der Kinder nach diesem Sprichwort bestimmt. Bei uns ist es in vielen Fällen anders. Frz.: Dis-moi qui tu hantes, je te dirai qui tu es. – Même société, mêmes principes. (Starschedel, 387.) Lat.: Aequales fratres, aequalia pallia gestant. – Sors omnibus una manet consortibus. (Philippi, II, 196.) 16 Gleiche Brüder, gleiche Röcke, gleiche Heerden, gleiche Böcke. 17 Gleiche Brüder hält die beste Freundschaft. – Lehmann, II, 230, 133. 18 Glîke Bröers, glîke Kappen. (Grafschaft Mark.) – Woeste, 68, 86; Eichwald, 802; für Waldeck: Curtze, 355, 504. 19 Guten Tag, Bruder, sagte der Mist zum Dreck. 20 Lieber bruder, Jesu, zu Jerusalem empfieng man dich schon, wie gieng dirs aber hernach! – Agricola I, 283. 21 Lustig, ihr Brüder, ein reiches Weib bringt alles wieder. 22 Mei Bruder hot nischt krîgt, sagte der Junge, als er aus der Kirmes kam, awer îch hätte bâl woas krîgt. (Schles.) Wenn jemand bei einem Schmause, bei einer Lustbarkeit zugegen ist, sich aber mit dem Zusehen begnügen muss. Frz.: Il a mangé son pain à la fumée du rôt. (Lendroy, 1134.) 23 Mein Bruder ist nicht leer, sagte der Bettler, da rückt und kratzt er sich. Holl.: Mijn broêr heeft vele bezittingen, zei de jood, en hij kraauwde zich. (Harrebomée, I, 92.) 24 Mein Bruder ist, wer handelt wie ein Bruder. Kroat.: Bratje mio, koje vĕre bio kad bratski postupa. (Haug.) 25 Nichts Bruder im Spiele! 26 Ohne Bruder kann man leben, aber nicht ohne Freund. – Venedey, 109; Körte, 743. Ein dänisches Sprichwort dagegen schlägt den Verlust eines Bruders sehr hoch an: Bar er broderløs bag. (Prov. dan., 46.) 27 Sta wis, Broder, ritt de Rock, so hölt dat Unnerfoder. (Lübeck.) 28 Stellt min Broer, so hankt 'n Deew. – Goldschmidt, 78; Henisch, 530. Drückt eine so tiefe Verachtung und einen so entschiedenen Haas gegen den Dieb aus, dass sogar die brüderliche Liebe und Familienehre dagegen zurücktritt. 29 Unter Brüdern nimmt man es nicht so genau. – Eiselein, 98. 30 Viel Brüder machen schmale Güter. – Simrock, 1350; Körte, 744. In Bezug auf Erbschaftstheilungen. In fränkischer Mundart vgl. Frommann, VI, 165, 56. Lat.: Grandia per multos tenuantur flumina vivos. (Gaal, 254.) 31 Vierlei brüder findet man viel in der Welt: dollbrüder, wollbrüder, falschbrüder, lochbrüder. – Henisch, 530; Lehmann, II, 802, 94. 32 Wann 't op siewer Broaüer (15. Juli) reagent, dann reagent't siewen Weaken. 33 Wenn Bruder Date lebt und frisch ist, so steht's um Bruder Dabitur auch wohl. 34 Wenn der Bruder stiehlt, so hängt ein Dieb. Nicht parteiisch, auch wenn es die nächsten Verwandten trifft. 35 Wer einen jüngern Bruder hat, dessen Geheimnisse sind sicher. (Afrika.) 36 Wî künnen as Bröder mit'n anner leben, säd' de Jung to sînen Vader, äwerst he will jô nich. (Mecklenburg.) – Latendorf, 224; Hoefer, 557. 37 Wie die Brüder, so die Braut. (Serb.) 38 Wir leben wie Brüder, sagte der Sohn, als er mit seinem Vater im Gerinne lag. Holl.: Nu leven wij als broeders, zei de jongen tegen zijn vaâr, en zij zaten in eene kroeg. (Harrebomée, I, 92.) 39 Wir sind Brüder, aber wir rechnen zusammen wie Kaufleute. 40 Wo die Brüder zusammenthun, werfen sie den Abt zum Fenster hinaus. – Fischart. 41 Zweyer Brüder Wyff sind selten ohn kyff. – Petri, II. *42 Bruder, hat dich der Teufel noch nicht geholt; ich denke, du bist lange am Galgen. – Meisner, 46. Eine scherzhafte, früher besonders unter Soldaten übliche Begrüssungsformel. *43 Das ist es unter Brüdern werth. – Eiselein, 98. *44 En fuchtige Brö'r. – Eichwald, 203. *45 Er ist ein durstiger Bruder. – Mayer, II, 145. (S. Ansehen 29 und Boden 38.) *46 Er ist ein lustiger Bruder (oder: ein Bruder Lustig). Frz.: C'est un père-la-joie. – C'est un vive-la-joie qui n'engendre pas la mélancolie. (Lendroy, 1552.) Bruderander. Sie sind miteinander Bruderander. Zur Bezeichnung von Lumpengenossen. Jüd.-deutsch: Chawerlappes. (Tendlau, 578.) Brudereinigkeit. Brudereinigkeit ist ein Kraut, das nur in wenig Gärten wird gebaut. Bruderhass. Bruderhass, Teufelshass. Die ärgste Zwietracht, die bitterste Feindschaft ist die unter Brüdern. Lat.: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (Wiegand, 232.) Bruderkrieg. Bruderkriege – schlimme Kriege. Bruderliebe. Bruderliebe sieht oft trübe. – Simrock, 1349; Körte, 746. Lat.: Rara concordia fratrum. Ung.: Csak ritkán vagyon egyesség az atyafiak között. (Gaal, 255.) Brudern. Da ist nicht viel zu brudern. Brüderschaft. 1 Man muss nicht mit jedem Brüderschaft trinken. Lat.: Ne cuivis dextram injeceris. (Plutarch.) (Philippi, II, 12.) *2 Er gehört auch in die Brüderschaft. – Eiselein, 98. *3 Zur grossen Brüderschaft gehören. Zu denen, welchen ihre Weiber Hörner aufsetzen. Bruderzorn. 1 Bruderzorn, Höllenzorn. – Simrock, 1346; Körte, 747. Die Walachen sagen: Wer hat dir die Augen ausgestochen? Mein Bruder. Daher liess auch der Zigeuner, als er Kaiser geworden war, zuerst seinen Vater aufhängen, um vor künftigen, noch möglichen Brüdern sicher zu sein. (Reinsberg II, 18.) Lat.: Fratrum inter se irae sunt acerbissimae. (Erasmus, 705; Seybold, 194; Wiegand, 232.) 2 Bruderzorn ist heftig. Holl.: Der broederen toorn rijst al te hoog. (Harrebomée. I, 91.) Bruderzwist. Bruderzwist der schlimmste ist (gar heftig ist). – Simrock, 1347; Eiselein, 98. Brühe. 1 Brühe für die Gans ist Brühe für den Gänserich. Was einem recht, ist dem andern billig. 2 Der in der brü stecket, dem geschihet am wehesten. – Henisch, 532.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:38Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:38Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/272
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1. Leipzig, 1867, S. [244]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon01_1867/272>, abgerufen am 25.11.2020.