Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Heim.

1 De nar Heime tühet, fragt flitig nan Wege. - Eichwald, 765.

2 Es geht nichts über ein Heim.

3 Jedem ist sein Heim das liebste (schönste). - Schlechta 459.


Heimarbeit.

Heimarbeit wird nicht g'zahlt. (Oberösterreich.)

Zuweilen auch in obscönem Sinne.


Heimat.

1 Heimat mein, was kann besser sein. - Pistor., I, 59; Simrock, 12326.

Böhm.: Sva vlast' kazdemu nejmilejsi, mne ma. (Celakovsky, 226.)

It.: Casa mia, casa mia, per piccina che tu sia, tu mi sembri una badia. (Bohn I, 77.)

Poln.: Ojczyzna swoja kazdemu najmilsza. (Celakovsky, 226.)

2 Hier ist die Heimat nicht, ist's leer, geht's wo anders hin. (Lit.)

Zur Charakteristik der Plünderer und Aushungerer, die von Schonung nichts wissen wollen.

3 In der Heimat fidelt der Geiger umsonst.

Seine Kunst bleibt dort unbeachtet. Auch in Aegypten sagt man: In seiner Heimat hat der Pfeifer keine Freude (über seine Kunst). (Burckhardt, 320.)

4 In der Heimat ist's schön, dachte die Laus, als der Kosack sich kratzte.

5 Ist die Heimat arm, ist sie doch warm. - Sutor, 615.

6 Ohne Heimat und Herd ist das Leben wenig werth.

Frz.: Homme sans abri, oiseau sans nid. (Cahier, 14.)

7 Wem sehr nach der Heimat verlangt, der fragt gern nach dem Wege. - Körte, 2722.


Heimchen.

Heimchen kennen die Winkelchen.


Heimgarten.

1 Wer hat einen Heimgarten, der wird ihn warten.

Einen Heimgarten (Hoengarte) haben, heisst bei den jungen Leuten des Algäu auch so viel als einen Schatz haben. Und was dem Schweizer sein Giltgang, dem Tiroler das Fensterle und dem Bregenzerwälder die Stubet, das ist dem Algäuer sein "Hoengarte" (daheim im Garten). (Vgl. den Artikel Karrenlaufen im Algäu in der Illustrirten Zeitung, Leipzig, Nr. 687.)

*2 In Hemgarte (Heimgarten) gehen. (Algäu.)

Einen Freund daheim besuchen, um mit ihm zu plaudern.


Heimgehen.

*1 Er ist heimgegangen.

*2 Geh heim und lass dich waschen. (Nürtingen.)

*3 Geh heim und lieg' ins Bett. (Rottenburg.)

Du kannst nichts.

*4 Wenn ich itze hem geh, so hessen se mich Räkel. (Oberlausitz.)

So sagt der Zecher im Frühling, wenn abends die Frösche schreien.


Heimgeigen.

*1 Lass dich heimgeigen. (Henneberg.) - Tendlau, 89; Wurzbach, II, 26.

Gegen lästige Personen überhaupt, besonders aber, wenn eine männliche Person einem Mädchen einen zu dreisten Antrag thut oder sich Ungeziemendes herausnimmt. Daher, weil bei Hochzeiten in niedern Volksklassen die Gäste sich vom Tanzsaale mit Musik zu Hause begleiten liessen. Im Innviertel (Oberösterreich) ist es, wie Baumgarten mittheilt, noch Brauch, dass anstatt die dort einst übliche Kirchweih an einem Sonnoder Festtage die Bewohner des Hauses die Erinnerung daran durch ein Mahl begehen. Es heisst dies der Kirta (Kirchtag). Darauf nun geben die Wirthe in der Pfarre den Nachkirta. Wer sich einfindet, kann bei Speise und Trank, natürlich gegen Bezahlung, sich gütlich thun. Oft wird auch getanzt. Geschieht dies aber auch nicht, so fehlt es doch nicht an Spielleuten, die denjenigen, die das Wirthshaus verlassen, wenn sie zu den angesehenen Bewohnern des Orts gehören, "heimgeigen", wofür sie ein Trinkgeld erhalten.

*2 Oetz lass di hemgeig'n. (Franken.) - Frommann, VI, 316, 172.

Ironisch. Mit Spott und Schande heimschicken.


Heimisch.

Man muss heimisch werden. - Eiselein, 296; Braun, I, 1244.

Lat.: Non oportet hospitem semper hospitem esse. (Eiselein, 296.)


Heimkommen.

1 Der kommt nicht mehr heim, den man auf dem Rücken zum Hause hinausträgt.

[Spaltenumbruch] 2 Wenn er spot hei chunnt, so brucht er numme guete-n-Obe z' säge, d' Frau seit's Angere scho. (Solothurn.) - Schild, 83, 300.

Er hat von seiner Frau einen beredten (schimpflichen) Empfang zu erwarten.

*3 Er ist heimkommen in einer papiernen Kutsche. - Eiselein, 503.

Todesnachricht in einem Briefe.

*4 Er kommt heim, wie der Seiler Fritz. - Jer. Gotthelf, Jacobs, II, 237.

*5 Er kommt jeden Abend beim, wie ein Mühlkarren. - Eiselein, 475.

*6 Er kommt selbander heim.

Berauscht.

*7 Es wird ihm schon heimkommen.

Es wird ihm wieder vergolten werden, im schlimmen Sinne. Vielleicht hat der Vers bei Waldis (III, 51, 18): "Solchs muss dir werden widerbracht", denselben Sinn.


Heimleuchten.

*1 Der kann sich heimleuchten lassen.

Z. B. mit seinem Ansinnen, Begehren, gutem Rathe u. s. w. entfernen; ich will nichts wissen davon.

*2 Ich will ihm heimleuchten mit der Hundslaterne. - Eiselein, 296; Lohrengel, II, 230; Braun, I, 1245.

Man leuchtet einem heim, wenn man ihn aus dem Zimmer, dem Hause u. s. w. namentlich unsanft fortbringt. (S. Heimgeigen.) Für die hochdeutsche Redensart: Einem heimleuchten hat Peter (I, 445) folgende in Oesterreichisch- Schlesien übliche Redensarten zusammengestellt, welche man anwendet, um eine derbe Zurechtweisung oder eine Demüthigung durch Vorwürfe auszudrücken: Aem a Teng'r nausfeir'n. Aen g'hürich v'rpotza. Aem häämläächta. Aem d' Kolwe lausa. Aem a Krein salza. Aem a Kunza gaija. Aem 's Läächzäächa schtäka. Aem a techtich Reibaisa gan. Aem aus'm Salze lasa. Aen schnätan. Aem a Schwar aufschtächn. Aen ais Wax sätza. Aen zweppan.


Heimlich.

1 Heimlich, das ist der Hunde art. - Petri, II, 375.

2 Nichts ist so heimlich, es kompt zu seiner Zeit ans Licht. - Petri, II, 498.

3 Wir wollen's heimlich halten, sagte der Mönch zur Nonne.

*4 Er macht's heimlich, wie der Mönch zu Erfurt. - Klosterspiegel, 51, 15.

"Der im Dom mit einer Nonne öffentlich Beilager hielt."

*5 Es geht heimlich zu, Sanct-Lucas schreibt nicht viel davon. - Simrock, 6623; Körte, 3954a.


Heimliches.

1 Wer was heimlichs hat, sags keinem pfaffen. - Gruter, III, 112; Lehmann, II, 878, 258.

*2 Einem etwas Heimliches ins Ohr raunen.

"Wie dann annoch unsere Teutschen pflegen zu sagen: er hat ihm etwas heimlichs in das ohr geraunet." (Simplic., Galgenmännlein.)


Heimlichfeist.

* Ee isch e Heimligfeiste. (Solothurn.) - Schild, 84, 303.


Heimlichkeit.

1 Heimlichkeit lest sich nicht leicht verschweigen. - Petri, II, 375.

2 Heimlichkeit riecht man weit.

Holl.: Daar wordt iets heimelijks gekookt, dat geen' goeden geur heeft. (Harrebomee, I, 298.)

3 Heimlichkeit von zweien ist eine göttliche Heimlichkeit, Heimlichkeit von dreien ist eine Heimlichkeit von allen.

Frz.: Secret de deux, secret de Dieu, secret de trois, secret de tous. (Kritzinger, 641b.)

4 Heimlichkeiten sind schwer zu tragen und schlimm zu sagen.

Dän.: Hemmelige sager ere onde baade at sige og höre. (Prov. dan., 486.)

5 Heimlichkeiten vertraue man nicht Kindern, Trunkenen und tauben Leuten.

Mhd.: Toub liut und kint und trunken man mügent kein heimlichheit behan. (Boner.) (Zingerle, 65.)

6 Heimlichkeyt ist einem zu enge, zweyen gerecht, dreyen zu weit. - Petri, II, 197.

7 Wo Heimlichkeit newe Zeitung ist, brichts am ersten auss. - Gruter, III, 116; Lehmann, II, 883, 324.


Heimschicken.

* Einen heimschicken. - Eiselein, 296; Braun, I, 1243.

Ihn durch schlagende Gründe zum Schweigen bringen.


[Spaltenumbruch]
Heim.

1 De nar Heime tühet, fragt flitig nan Wege.Eichwald, 765.

2 Es geht nichts über ein Heim.

3 Jedem ist sein Heim das liebste (schönste).Schlechta 459.


Heimarbeit.

Heimarbeit wird nicht g'zahlt. (Oberösterreich.)

Zuweilen auch in obscönem Sinne.


Heimat.

1 Heimat mein, was kann besser sein.Pistor., I, 59; Simrock, 12326.

Böhm.: Svá vlast' každému nejmilejši, mnĕ má. (Čelakovsky, 226.)

It.: Casa mia, casa mia, per piccina che tu sia, tu mi sembri una badia. (Bohn I, 77.)

Poln.: Ojczyzna swoja kazdemu najmilsza. (Čelakovsky, 226.)

2 Hier ist die Heimat nicht, ist's leer, geht's wo anders hin. (Lit.)

Zur Charakteristik der Plünderer und Aushungerer, die von Schonung nichts wissen wollen.

3 In der Heimat fidelt der Geiger umsonst.

Seine Kunst bleibt dort unbeachtet. Auch in Aegypten sagt man: In seiner Heimat hat der Pfeifer keine Freude (über seine Kunst). (Burckhardt, 320.)

4 In der Heimat ist's schön, dachte die Laus, als der Kosack sich kratzte.

5 Ist die Heimat arm, ist sie doch warm.Sutor, 615.

6 Ohne Heimat und Herd ist das Leben wenig werth.

Frz.: Homme sans abri, oiseau sans nid. (Cahier, 14.)

7 Wem sehr nach der Heimat verlangt, der fragt gern nach dem Wege.Körte, 2722.


Heimchen.

Heimchen kennen die Winkelchen.


Heimgarten.

1 Wer hat einen Heimgarten, der wird ihn warten.

Einen Heimgarten (Hoengarte) haben, heisst bei den jungen Leuten des Algäu auch so viel als einen Schatz haben. Und was dem Schweizer sein Giltgang, dem Tiroler das Fensterle und dem Bregenzerwälder die Stubet, das ist dem Algäuer sein „Hoengarte“ (daheim im Garten). (Vgl. den Artikel Karrenlaufen im Algäu in der Illustrirten Zeitung, Leipzig, Nr. 687.)

*2 In Hêmgarte (Heimgarten) gehen. (Algäu.)

Einen Freund daheim besuchen, um mit ihm zu plaudern.


Heimgehen.

*1 Er ist heimgegangen.

*2 Geh heim und lass dich waschen. (Nürtingen.)

*3 Geh heim und lieg' ins Bett. (Rottenburg.)

Du kannst nichts.

*4 Wenn ich itze hêm geh, so hêssen se mich Räkel. (Oberlausitz.)

So sagt der Zecher im Frühling, wenn abends die Frösche schreien.


Heimgeigen.

*1 Lass dich heimgeigen. (Henneberg.) – Tendlau, 89; Wurzbach, II, 26.

Gegen lästige Personen überhaupt, besonders aber, wenn eine männliche Person einem Mädchen einen zu dreisten Antrag thut oder sich Ungeziemendes herausnimmt. Daher, weil bei Hochzeiten in niedern Volksklassen die Gäste sich vom Tanzsaale mit Musik zu Hause begleiten liessen. Im Innviertel (Oberösterreich) ist es, wie Baumgarten mittheilt, noch Brauch, dass anstatt die dort einst übliche Kirchweih an einem Sonnoder Festtage die Bewohner des Hauses die Erinnerung daran durch ein Mahl begehen. Es heisst dies der Kirta (Kirchtag). Darauf nun geben die Wirthe in der Pfarre den Nachkirta. Wer sich einfindet, kann bei Speise und Trank, natürlich gegen Bezahlung, sich gütlich thun. Oft wird auch getanzt. Geschieht dies aber auch nicht, so fehlt es doch nicht an Spielleuten, die denjenigen, die das Wirthshaus verlassen, wenn sie zu den angesehenen Bewohnern des Orts gehören, „heimgeigen“, wofür sie ein Trinkgeld erhalten.

*2 Oetz lass di hêmgeig'n. (Franken.) – Frommann, VI, 316, 172.

Ironisch. Mit Spott und Schande heimschicken.


Heimisch.

Man muss heimisch werden.Eiselein, 296; Braun, I, 1244.

Lat.: Non oportet hospitem semper hospitem esse. (Eiselein, 296.)


Heimkommen.

1 Der kommt nicht mehr heim, den man auf dem Rücken zum Hause hinausträgt.

[Spaltenumbruch] 2 Wenn er spot hei chunnt, so brucht er numme guete-n-Obe z' säge, d' Frau seit's Angere scho. (Solothurn.) – Schild, 83, 300.

Er hat von seiner Frau einen beredten (schimpflichen) Empfang zu erwarten.

*3 Er ist heimkommen in einer papiernen Kutsche.Eiselein, 503.

Todesnachricht in einem Briefe.

*4 Er kommt heim, wie der Seiler Fritz.Jer. Gotthelf, Jacobs, II, 237.

*5 Er kommt jeden Abend beim, wie ein Mühlkarren.Eiselein, 475.

*6 Er kommt selbander heim.

Berauscht.

*7 Es wird ihm schon heimkommen.

Es wird ihm wieder vergolten werden, im schlimmen Sinne. Vielleicht hat der Vers bei Waldis (III, 51, 18): „Solchs muss dir werden widerbracht“, denselben Sinn.


Heimleuchten.

*1 Der kann sich heimleuchten lassen.

Z. B. mit seinem Ansinnen, Begehren, gutem Rathe u. s. w. entfernen; ich will nichts wissen davon.

*2 Ich will ihm heimleuchten mit der Hundslaterne.Eiselein, 296; Lohrengel, II, 230; Braun, I, 1245.

Man leuchtet einem heim, wenn man ihn aus dem Zimmer, dem Hause u. s. w. namentlich unsanft fortbringt. (S. Heimgeigen.) Für die hochdeutsche Redensart: Einem heimleuchten hat Peter (I, 445) folgende in Oesterreichisch- Schlesien übliche Redensarten zusammengestellt, welche man anwendet, um eine derbe Zurechtweisung oder eine Demüthigung durch Vorwürfe auszudrücken: Aem a Teng'r nausfîr'n. Aen g'hürich v'rpotza. Aem häämläächta. Aem d' Kolwe lausa. Aem a Krîn sâlza. Aem a Kunza gaija. Aem 's Läächzäächa schtäka. Aem a techtich Rîbaisa gân. Aem aus'm Sâlze lâsa. Aen schnätan. Aem a Schwâr ûfschtächn. Aen ais Wax sätza. Aen zweppan.


Heimlich.

1 Heimlich, das ist der Hunde art.Petri, II, 375.

2 Nichts ist so heimlich, es kompt zu seiner Zeit ans Licht.Petri, II, 498.

3 Wir wollen's heimlich halten, sagte der Mönch zur Nonne.

*4 Er macht's heimlich, wie der Mönch zu Erfurt.Klosterspiegel, 51, 15.

„Der im Dom mit einer Nonne öffentlich Beilager hielt.“

*5 Es geht heimlich zu, Sanct-Lucas schreibt nicht viel davon.Simrock, 6623; Körte, 3954a.


Heimliches.

1 Wer was heimlichs hat, sags keinem pfaffen.Gruter, III, 112; Lehmann, II, 878, 258.

*2 Einem etwas Heimliches ins Ohr raunen.

„Wie dann annoch unsere Teutschen pflegen zu sagen: er hat ihm etwas heimlichs in das ohr geraunet.“ (Simplic., Galgenmännlein.)


Heimlichfeist.

* Ee isch e Heimligfeiste. (Solothurn.) – Schild, 84, 303.


Heimlichkeit.

1 Heimlichkeit lest sich nicht leicht verschweigen.Petri, II, 375.

2 Heimlichkeit riecht man weit.

Holl.: Daar wordt iets heimelijks gekookt, dat geen' goeden geur heeft. (Harrebomée, I, 298.)

3 Heimlichkeit von zweien ist eine göttliche Heimlichkeit, Heimlichkeit von dreien ist eine Heimlichkeit von allen.

Frz.: Secret de deux, secret de Dieu, secret de trois, secret de tous. (Kritzinger, 641b.)

4 Heimlichkeiten sind schwer zu tragen und schlimm zu sagen.

Dän.: Hemmelige sager ere onde baade at sige og høre. (Prov. dan., 486.)

5 Heimlichkeiten vertraue man nicht Kindern, Trunkenen und tauben Leuten.

Mhd.: Toub liut und kint und trunken man mügent kein heimlichheit behân. (Boner.) (Zingerle, 65.)

6 Heimlichkeyt ist einem zu enge, zweyen gerecht, dreyen zu weit.Petri, II, 197.

7 Wo Heimlichkeit newe Zeitung ist, brichts am ersten auss.Gruter, III, 116; Lehmann, II, 883, 324.


Heimschicken.

* Einen heimschicken.Eiselein, 296; Braun, I, 1243.

Ihn durch schlagende Gründe zum Schweigen bringen.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0243" n="[237]"/>
        <cb n="473"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heim.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 De nar Heime tühet, fragt flitig nan Wege.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 765.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Es geht nichts über ein Heim.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Jedem ist sein Heim das liebste (schönste).</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schlechta 459.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimarbeit.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Heimarbeit wird nicht g'zahlt.</hi> (<hi rendition="#i">Oberösterreich.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Zuweilen auch in obscönem Sinne.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimat.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Heimat mein, was kann besser sein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Pistor., I, 59; Simrock, 12326.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Böhm.</hi>: Svá vlast' ka&#x017E;dému nejmilej&#x0161;i, mn&#x0115; má. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 226.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Casa mia, casa mia, per piccina che tu sia, tu mi sembri una badia. (<hi rendition="#i">Bohn I, 77.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Poln.</hi>: Ojczyzna swoja kazdemu najmilsza. (<hi rendition="#i">&#x010C;elakovsky, 226.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Hier ist die Heimat nicht, ist's leer, geht's wo anders hin.</hi> (<hi rendition="#i">Lit.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Zur Charakteristik der Plünderer und Aushungerer, die von Schonung nichts wissen wollen.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 In der Heimat fidelt der Geiger umsonst.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Seine Kunst bleibt dort unbeachtet. Auch in Aegypten sagt man: In seiner Heimat hat der Pfeifer keine Freude (über seine Kunst). (<hi rendition="#i">Burckhardt, 320.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 In der Heimat ist's schön, dachte die Laus, als der Kosack sich kratzte.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Ist die Heimat arm, ist sie doch warm.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutor, 615.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Ohne Heimat und Herd ist das Leben wenig werth.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Homme sans abri, oiseau sans nid. (<hi rendition="#i">Cahier, 14.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Wem sehr nach der Heimat verlangt, der fragt gern nach dem Wege.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 2722.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimchen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Heimchen kennen die Winkelchen.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimgarten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Wer hat einen Heimgarten, der wird ihn warten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Einen Heimgarten (Hoengarte) haben, heisst bei den jungen Leuten des Algäu auch so viel als einen Schatz haben. Und was dem Schweizer sein Giltgang, dem Tiroler das Fensterle und dem Bregenzerwälder die Stubet, das ist dem Algäuer sein &#x201E;Hoengarte&#x201C; (daheim im Garten). (Vgl. den Artikel Karrenlaufen im Algäu in der <hi rendition="#i">Illustrirten Zeitung, Leipzig, Nr. 687.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 In Hêmgarte (Heimgarten) gehen.</hi> (<hi rendition="#i">Algäu.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Einen Freund daheim besuchen, um mit ihm zu plaudern.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimgehen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Er ist heimgegangen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Geh heim und lass dich waschen.</hi> (<hi rendition="#i">Nürtingen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Geh heim und lieg' ins Bett.</hi> (<hi rendition="#i">Rottenburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Du kannst nichts.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Wenn ich itze hêm geh, so hêssen se mich Räkel.</hi> (<hi rendition="#i">Oberlausitz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">So sagt der Zecher im Frühling, wenn abends die Frösche schreien.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimgeigen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*1 Lass dich heimgeigen.</hi> (<hi rendition="#i">Henneberg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Tendlau, 89; Wurzbach, II, 26.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Gegen lästige Personen überhaupt, besonders aber, wenn eine männliche Person einem Mädchen einen zu dreisten Antrag thut oder sich Ungeziemendes herausnimmt. Daher, weil bei Hochzeiten in niedern Volksklassen die Gäste sich vom Tanzsaale mit Musik zu Hause begleiten liessen. Im Innviertel (Oberösterreich) ist es, wie <hi rendition="#i">Baumgarten</hi> mittheilt, noch Brauch, dass anstatt die dort einst übliche Kirchweih an einem Sonnoder Festtage die Bewohner des Hauses die Erinnerung daran durch ein Mahl begehen. Es heisst dies der Kirta (Kirchtag). Darauf nun geben die Wirthe in der Pfarre den Nachkirta. Wer sich einfindet, kann bei Speise und Trank, natürlich gegen Bezahlung, sich gütlich thun. Oft wird auch getanzt. Geschieht dies aber auch nicht, so fehlt es doch nicht an Spielleuten, die denjenigen, die das Wirthshaus verlassen, wenn sie zu den angesehenen Bewohnern des Orts gehören, &#x201E;heimgeigen&#x201C;, wofür sie ein Trinkgeld erhalten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Oetz lass di hêmgeig'n.</hi> (<hi rendition="#i">Franken.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, VI, 316, 172.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ironisch. Mit Spott und Schande heimschicken.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimisch.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Man muss heimisch werden.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 296; Braun, I, 1244.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Non oportet hospitem semper hospitem esse. (<hi rendition="#i">Eiselein, 296.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimkommen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Der kommt nicht mehr heim, den man auf dem Rücken zum Hause hinausträgt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger"><cb n="474"/>
2 Wenn er spot hei chunnt, so brucht er numme guete-n-Obe z' säge, d' Frau seit's Angere scho.</hi> (<hi rendition="#i">Solothurn.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schild, 83, 300.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er hat von seiner Frau einen beredten (schimpflichen) Empfang zu erwarten.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Er ist heimkommen in einer papiernen Kutsche.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 503.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Todesnachricht in einem Briefe.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Er kommt heim, wie der Seiler Fritz.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Jer. Gotthelf, Jacobs, II, 237.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Er kommt jeden Abend beim, wie ein Mühlkarren.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 475.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*6 Er kommt selbander heim.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Berauscht.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*7 Es wird ihm schon heimkommen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Es wird ihm wieder vergolten werden, im schlimmen Sinne. Vielleicht hat der Vers bei <hi rendition="#i">Waldis (III, 51, 18):</hi> &#x201E;Solchs muss dir werden widerbracht&#x201C;, denselben Sinn.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimleuchten.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*1 Der kann sich heimleuchten lassen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Z. B. mit seinem Ansinnen, Begehren, gutem Rathe u. s. w. entfernen; ich will nichts wissen davon.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Ich will ihm heimleuchten mit der Hundslaterne.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 296; Lohrengel, II, 230; Braun, I, 1245.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Man leuchtet einem heim, wenn man ihn aus dem Zimmer, dem Hause u. s. w. namentlich unsanft fortbringt. (S.  Heimgeigen.) Für die hochdeutsche Redensart: Einem heimleuchten hat <hi rendition="#i">Peter (I, 445)</hi> folgende in Oesterreichisch- Schlesien übliche Redensarten zusammengestellt, welche man anwendet, um eine derbe Zurechtweisung oder eine Demüthigung durch Vorwürfe auszudrücken: Aem a Teng'r nausfîr'n. Aen g'hürich v'rpotza. Aem häämläächta. Aem d' Kolwe lausa. Aem a Krîn sâlza. Aem a Kunza gaija. Aem 's Läächzäächa schtäka. Aem a techtich Rîbaisa gân. Aem aus'm Sâlze lâsa. Aen schnätan. Aem a Schwâr ûfschtächn. Aen ais Wax sätza. Aen zweppan.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimlich.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Heimlich, das ist der Hunde art.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 375.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Nichts ist so heimlich, es kompt zu seiner Zeit ans Licht.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 498.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Wir wollen's heimlich halten, sagte der Mönch zur Nonne.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Er macht's heimlich, wie der Mönch zu Erfurt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Klosterspiegel, 51, 15.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Der im Dom mit einer Nonne öffentlich Beilager hielt.&#x201C;</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Es geht heimlich zu, Sanct-Lucas schreibt nicht viel davon.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 6623; Körte, 3954<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimliches.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Wer was heimlichs hat, sags keinem pfaffen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gruter, III, 112; Lehmann, II, 878, 258.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Einem etwas Heimliches ins Ohr raunen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Wie dann annoch unsere Teutschen pflegen zu sagen: er hat ihm etwas heimlichs in das ohr geraunet.&#x201C; (<hi rendition="#i">Simplic., Galgenmännlein.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimlichfeist.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Ee isch e Heimligfeiste.</hi> (<hi rendition="#i">Solothurn.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schild, 84, 303.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimlichkeit.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Heimlichkeit lest sich nicht leicht verschweigen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 375.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Heimlichkeit riecht man weit.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Daar wordt iets heimelijks gekookt, dat geen' goeden geur heeft. (<hi rendition="#i">Harrebomée, I, 298.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Heimlichkeit von zweien ist eine göttliche Heimlichkeit, Heimlichkeit von dreien ist eine Heimlichkeit von allen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: Secret de deux, secret de Dieu, secret de trois, secret de tous. (<hi rendition="#i">Kritzinger, 641<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Heimlichkeiten sind schwer zu tragen und schlimm zu sagen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Hemmelige sager ere onde baade at sige og høre. (<hi rendition="#i">Prov. dan., 486.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Heimlichkeiten vertraue man nicht Kindern, Trunkenen und tauben Leuten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Mhd.</hi>: Toub liut und kint und trunken man mügent kein heimlichheit behân. (<hi rendition="#i">Boner.</hi>) (<hi rendition="#i">Zingerle, 65.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Heimlichkeyt ist einem zu enge, zweyen gerecht, dreyen zu weit.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 197.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Wo Heimlichkeit newe Zeitung ist, brichts am ersten auss.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gruter, III, 116; Lehmann, II, 883, 324.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Heimschicken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einen heimschicken.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 296; Braun, I, 1243.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ihn durch schlagende Gründe zum Schweigen bringen.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[237]/0243] Heim. 1 De nar Heime tühet, fragt flitig nan Wege. – Eichwald, 765. 2 Es geht nichts über ein Heim. 3 Jedem ist sein Heim das liebste (schönste). – Schlechta 459. Heimarbeit. Heimarbeit wird nicht g'zahlt. (Oberösterreich.) Zuweilen auch in obscönem Sinne. Heimat. 1 Heimat mein, was kann besser sein. – Pistor., I, 59; Simrock, 12326. Böhm.: Svá vlast' každému nejmilejši, mnĕ má. (Čelakovsky, 226.) It.: Casa mia, casa mia, per piccina che tu sia, tu mi sembri una badia. (Bohn I, 77.) Poln.: Ojczyzna swoja kazdemu najmilsza. (Čelakovsky, 226.) 2 Hier ist die Heimat nicht, ist's leer, geht's wo anders hin. (Lit.) Zur Charakteristik der Plünderer und Aushungerer, die von Schonung nichts wissen wollen. 3 In der Heimat fidelt der Geiger umsonst. Seine Kunst bleibt dort unbeachtet. Auch in Aegypten sagt man: In seiner Heimat hat der Pfeifer keine Freude (über seine Kunst). (Burckhardt, 320.) 4 In der Heimat ist's schön, dachte die Laus, als der Kosack sich kratzte. 5 Ist die Heimat arm, ist sie doch warm. – Sutor, 615. 6 Ohne Heimat und Herd ist das Leben wenig werth. Frz.: Homme sans abri, oiseau sans nid. (Cahier, 14.) 7 Wem sehr nach der Heimat verlangt, der fragt gern nach dem Wege. – Körte, 2722. Heimchen. Heimchen kennen die Winkelchen. Heimgarten. 1 Wer hat einen Heimgarten, der wird ihn warten. Einen Heimgarten (Hoengarte) haben, heisst bei den jungen Leuten des Algäu auch so viel als einen Schatz haben. Und was dem Schweizer sein Giltgang, dem Tiroler das Fensterle und dem Bregenzerwälder die Stubet, das ist dem Algäuer sein „Hoengarte“ (daheim im Garten). (Vgl. den Artikel Karrenlaufen im Algäu in der Illustrirten Zeitung, Leipzig, Nr. 687.) *2 In Hêmgarte (Heimgarten) gehen. (Algäu.) Einen Freund daheim besuchen, um mit ihm zu plaudern. Heimgehen. *1 Er ist heimgegangen. *2 Geh heim und lass dich waschen. (Nürtingen.) *3 Geh heim und lieg' ins Bett. (Rottenburg.) Du kannst nichts. *4 Wenn ich itze hêm geh, so hêssen se mich Räkel. (Oberlausitz.) So sagt der Zecher im Frühling, wenn abends die Frösche schreien. Heimgeigen. *1 Lass dich heimgeigen. (Henneberg.) – Tendlau, 89; Wurzbach, II, 26. Gegen lästige Personen überhaupt, besonders aber, wenn eine männliche Person einem Mädchen einen zu dreisten Antrag thut oder sich Ungeziemendes herausnimmt. Daher, weil bei Hochzeiten in niedern Volksklassen die Gäste sich vom Tanzsaale mit Musik zu Hause begleiten liessen. Im Innviertel (Oberösterreich) ist es, wie Baumgarten mittheilt, noch Brauch, dass anstatt die dort einst übliche Kirchweih an einem Sonnoder Festtage die Bewohner des Hauses die Erinnerung daran durch ein Mahl begehen. Es heisst dies der Kirta (Kirchtag). Darauf nun geben die Wirthe in der Pfarre den Nachkirta. Wer sich einfindet, kann bei Speise und Trank, natürlich gegen Bezahlung, sich gütlich thun. Oft wird auch getanzt. Geschieht dies aber auch nicht, so fehlt es doch nicht an Spielleuten, die denjenigen, die das Wirthshaus verlassen, wenn sie zu den angesehenen Bewohnern des Orts gehören, „heimgeigen“, wofür sie ein Trinkgeld erhalten. *2 Oetz lass di hêmgeig'n. (Franken.) – Frommann, VI, 316, 172. Ironisch. Mit Spott und Schande heimschicken. Heimisch. Man muss heimisch werden. – Eiselein, 296; Braun, I, 1244. Lat.: Non oportet hospitem semper hospitem esse. (Eiselein, 296.) Heimkommen. 1 Der kommt nicht mehr heim, den man auf dem Rücken zum Hause hinausträgt. 2 Wenn er spot hei chunnt, so brucht er numme guete-n-Obe z' säge, d' Frau seit's Angere scho. (Solothurn.) – Schild, 83, 300. Er hat von seiner Frau einen beredten (schimpflichen) Empfang zu erwarten. *3 Er ist heimkommen in einer papiernen Kutsche. – Eiselein, 503. Todesnachricht in einem Briefe. *4 Er kommt heim, wie der Seiler Fritz. – Jer. Gotthelf, Jacobs, II, 237. *5 Er kommt jeden Abend beim, wie ein Mühlkarren. – Eiselein, 475. *6 Er kommt selbander heim. Berauscht. *7 Es wird ihm schon heimkommen. Es wird ihm wieder vergolten werden, im schlimmen Sinne. Vielleicht hat der Vers bei Waldis (III, 51, 18): „Solchs muss dir werden widerbracht“, denselben Sinn. Heimleuchten. *1 Der kann sich heimleuchten lassen. Z. B. mit seinem Ansinnen, Begehren, gutem Rathe u. s. w. entfernen; ich will nichts wissen davon. *2 Ich will ihm heimleuchten mit der Hundslaterne. – Eiselein, 296; Lohrengel, II, 230; Braun, I, 1245. Man leuchtet einem heim, wenn man ihn aus dem Zimmer, dem Hause u. s. w. namentlich unsanft fortbringt. (S. Heimgeigen.) Für die hochdeutsche Redensart: Einem heimleuchten hat Peter (I, 445) folgende in Oesterreichisch- Schlesien übliche Redensarten zusammengestellt, welche man anwendet, um eine derbe Zurechtweisung oder eine Demüthigung durch Vorwürfe auszudrücken: Aem a Teng'r nausfîr'n. Aen g'hürich v'rpotza. Aem häämläächta. Aem d' Kolwe lausa. Aem a Krîn sâlza. Aem a Kunza gaija. Aem 's Läächzäächa schtäka. Aem a techtich Rîbaisa gân. Aem aus'm Sâlze lâsa. Aen schnätan. Aem a Schwâr ûfschtächn. Aen ais Wax sätza. Aen zweppan. Heimlich. 1 Heimlich, das ist der Hunde art. – Petri, II, 375. 2 Nichts ist so heimlich, es kompt zu seiner Zeit ans Licht. – Petri, II, 498. 3 Wir wollen's heimlich halten, sagte der Mönch zur Nonne. *4 Er macht's heimlich, wie der Mönch zu Erfurt. – Klosterspiegel, 51, 15. „Der im Dom mit einer Nonne öffentlich Beilager hielt.“ *5 Es geht heimlich zu, Sanct-Lucas schreibt nicht viel davon. – Simrock, 6623; Körte, 3954a. Heimliches. 1 Wer was heimlichs hat, sags keinem pfaffen. – Gruter, III, 112; Lehmann, II, 878, 258. *2 Einem etwas Heimliches ins Ohr raunen. „Wie dann annoch unsere Teutschen pflegen zu sagen: er hat ihm etwas heimlichs in das ohr geraunet.“ (Simplic., Galgenmännlein.) Heimlichfeist. * Ee isch e Heimligfeiste. (Solothurn.) – Schild, 84, 303. Heimlichkeit. 1 Heimlichkeit lest sich nicht leicht verschweigen. – Petri, II, 375. 2 Heimlichkeit riecht man weit. Holl.: Daar wordt iets heimelijks gekookt, dat geen' goeden geur heeft. (Harrebomée, I, 298.) 3 Heimlichkeit von zweien ist eine göttliche Heimlichkeit, Heimlichkeit von dreien ist eine Heimlichkeit von allen. Frz.: Secret de deux, secret de Dieu, secret de trois, secret de tous. (Kritzinger, 641b.) 4 Heimlichkeiten sind schwer zu tragen und schlimm zu sagen. Dän.: Hemmelige sager ere onde baade at sige og høre. (Prov. dan., 486.) 5 Heimlichkeiten vertraue man nicht Kindern, Trunkenen und tauben Leuten. Mhd.: Toub liut und kint und trunken man mügent kein heimlichheit behân. (Boner.) (Zingerle, 65.) 6 Heimlichkeyt ist einem zu enge, zweyen gerecht, dreyen zu weit. – Petri, II, 197. 7 Wo Heimlichkeit newe Zeitung ist, brichts am ersten auss. – Gruter, III, 116; Lehmann, II, 883, 324. Heimschicken. * Einen heimschicken. – Eiselein, 296; Braun, I, 1243. Ihn durch schlagende Gründe zum Schweigen bringen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:54:47Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:54:47Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/243
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870, S. [237]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/243>, abgerufen am 27.10.2020.