Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873.

Bild:
<< vorherige Seite
[Spaltenumbruch]
Lilliputaner.

* Es sind Lilliputaner.

"Die Schafe und Ziegen sind völlige Lilliputaner, vermehren sich aber sehr rasch." (Baker, Erforschung der Nilquellen, deutsch von Martin, I, 88.)


Lima.

Lima ist der Himmel der Frauen, das Fegefeuer der Männer und die Hölle der Esel. - Reinsberg VI, 115; Volksfreund aus den Sudeten (Hirschberg 1835), Nr. 11, S. 129.

Die Esel vertreten nämlich die Stelle der Lastwagen; und um ihnen bei den schweren Bürden das Athmen zu erleichtern, schlitzt man ihnen ungefähr auf eine Länge von 6 Zoll die Nase auf. Uebrigens werden alle Lastthiere, nicht blos der Esel und nicht blos in Lima, sondern in ganz Peru und Ecuador, überladen und äusserst schlecht behandelt und gepflegt. Maulthiere und Pferde werden mit 8-10 Arobas (a 25 Pfund), ein Esel mit 4-6 beladen. Die Ladung muss über die steilsten Höhen hinauf, und wenn auch die Thiere auf dem Rücken und der Seite ganz wund sind, so wird ihnen nicht die mindeste Rücksicht.


Leimgekel.

* Et äs e Leimgekel. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 32, 19.

Gekel (wol mit gaukeln zusammenhängend) = Spielpuppe; Leimgekel = Lehmpuppe.


Leimhoken.

* Et äs e Leimhoken1. (Siebenbürg.-sächs.) - Frommann, V, 32, 19.

1) Lehmhaken, ein matter, schläfriger Mensch.


Limmer.

In Limmer werd et alle Dage slimmer, segt Sackmann. - Hoefer, 886.

Der meist plattdeutsch predigende Pastor Jobst Sackmann in Limmer bei Hannover sagte seiner Gemeinde einst in einer Predigt: "Ehret den Priester, heisst auch: Bezahlet den Priester. Aber leider, in Limmer werd et alle Dage slimmer, in Vellwer schlachten die Bauern die Kälber und fressen sie selber; aber meine lieben Devenstedter, die haben mir einen schönen Block vors Haus gefahren für meinen Ofen. Gott lasse sie noch lange leben, so werden sie mir nächstes Jahr wieder einen geben. Amen." (Vgl. Ruppius, Sonntagsblatt, Berlin 1865, Nr. 38; Sackmann, 15.)


Limone.

* Er wirft die Limone nach einer Apfelsine. (Surinam.)

Unser: Die Wurst nach der Speckseite. Gibt das Gewisse von geringem Werthe, um des Ungewissen von höherm Werthe wegen auf.


Limpe.

1 Mit Limpe1 kriggt man dat Ei in'n Hoppensack. - Eichwald, 436.

1) Gute Worte, schlaue Freundlichkeit, Gelindigkeit, Glimpf. (Vgl. Stürenburg, 137b.)

*2 He quem d'r mit 'n Leimp off. - Stürenburg, 137b.

Er kam glimpflich davon.


Lincoln.

Lincoln ist die berühmteste Stadt Englands gewesen, London ist's jetzt, York wird's künftig sein. - Berckenmeyer, 83; Deutsche Romanzeitung, III, 41, 867; Hesekiel, 51.

Ein altes englisches geographisches Sprichwort, dessen prophetischen Theil die Zukunft zu bestätigen oder zu widerlegen hat.


Lindau.

Lindau ist klein Venedig. - Deutsche Romanzeitung, III, 41, 393; Hesekiel, 16.

Wegen seiner Lage auf Inseln.


Linde.

1 Auf eine krumme (gebückte) Linde steigen alle Geissen.

2 Die Linde duftet und fordert keinen Dank. (Wend. Lausitz.)

3 Hat die Linde Lauf (Laub), ist auch Gras für die Kuh vollauf. (Sachsen.) - Boebel, 138.

4 Man muss der Linde den Bast nehmen, so lange sie sich schält.

5 Wenn de Linne is Dalers grat, sau et de Bauer Halfabenbrad1. - Schambach, II, 288.

D. i. Vesperbrot. (S. Lindenblatt.)

6 Wenn die Linde blüht, mähe deine Wiesen.

7 Wer Linden pfropfet (polzet) auf den Dorn, hat an beiden sein Recht verlorn. - Körte, 4802; Simrock, 7914.

8 Wo es Linden gibt, wird es auch an Bienen nicht fehlen. - Altmann V, 120.

[Spaltenumbruch] 9 Wo Linden blühen, die Bienen Honig ziehen.

Die Russen: Aus den bittern Lindenblüten bereiten die Bienen den süssen Honig. - Die Lindenblüte nennt den Honig gern ihr Söhnlein. (Altmann V, 107 u. 118.)


Linden (Name).

Auf der Linden war nichts zu finden, vor der Lause da blieb's ausse, in Berlebach, da kriegt's den Krach, auf der Lösse da blieb's össe.

Spott auf die unergiebigen Bergwerke bei Berleburg.


Lindenblatt.

1 Linnenblad Dalers grat, Mutter gif mek 't Vesperbrad. - Schambach, II, 288.

Im Juni hat das Lindenblatt die Grösse eines Thalers erreicht; von dieser Zeit an wird Vesperbrot verabreicht.

2 Wenn 't Linnenblad as en Ossenage grot is, sau is et Teid det Amelse te äten. - Schambach, II, 288.

Wenn das Lindenblatt so gross ist wie ein Ochsenauge, so ist es Zeit, das Abendbrot zu essen.


Lindenholz.

1 Bey Lindenholtz kan man sich besser wermen als bey Eiche. (S. Eichenholz 4.) - Lehmann, 341, 13.

*2 Hier is mit Lendenholt inbött (Hamburg.)

Wortspiel mit Lindenholz; inbött = eingefeuert.


Lindetritt.

* A ies a rechter Linde-treit. - Robinson, 914; Gomolcke, 966.


Lindwurm.

Ein Lindwurm verliert sein Gift nicht, wenn er auch an einem reinen Orte lebt. - Parömiakon, 2342.


Lindwurmschnauze.

* Er hat eine Lindwurmschnauze. (Nordböhmen.)

Ein grossmäuliger, grober Schreier.


Lineal.

1 Gerad Lineal macht gerade Striche.

*2 Das Lineal auf die Finger erhalten.

Tadel, Zurechtweisung; aus der Schulstube entlehnt, wo Schreibschüler wegen falscher Federhaltung, falschen oder schlechten Schreibens wol in dieser Weise erinnert werden. In einer Besprechung der W. Menzelzel'schen Schrift: Kritik des modernen Zeitbewusstseins, sagt R. Gottschall in Bezug auf dieselbe: "Zuerst erhält Kant das Lineal auf die Finger." (Blätter für liter. Unterhaltung, Leipzig 1870, Nr. 36, S. 565.)


Linie.

1 Wer die Linie passirt ist, kommt auch wol weiter.

*2 Bei der Linie anfangen. (Altgriech.)

Ganz von vorn. Von den Wettläufern hergenommen. Allgemein: von jeder Grenze.

*3 Er hat die Linie passirt. (Seemannssprichwort.)

Ist über das fünfzigste Jahr, den Mittag seines Lebens hinaus.

Holl.: Wanneer hij de linie passeert, zal hij wel verder komen. (Harrebomee, II, 33.)

*4 Er hat keine Linie (weiter, heute) gezogen. (Altgriech.)

Die in ihrer Wissenschaft nicht fortgeschritten sind, überhaupt nichts gethan haben.

*5 Ueber die Linie hinausspringen.

Die Grenze überschreiten.


Linke.

1 Die Linke (nämlich Hand) giht vo Harzen. (Schles.) - Frommann, III, 411, 413; Gomolcke, 339.

2 Was die Linke thut, lass die Rechte nicht wissen. - Simrock, 6523.

*3 Zur Lincken fischen. - Herberger, I, 428.


Linker.

1 Dem Lincken kompt alles lincks. - Sutor, 166; Petri, II, 74.

2 Ein Linker macht nichts recht.


Links.

1 Er ist links und rechts wie ein polnischer Stiefel.

Sehr dehnbar, elastisch, unzuverlässig oder schlau, gewandt. Persius sagt von einem Manne, der immer ein anderes Gesicht zeigt, d. h. zweideutig ist: "Er ist ein zweiter Janus." (Alter Janus est.) (Faselius, 12.)

2 Er ist links und rechts wie ein Schubsack. - Faselius, 9.

3 Wenn kein lincks, so wer kein rechts. - Franck, II, 60a; Simrock, 6525.

[Spaltenumbruch]
Lilliputaner.

* Es sind Lilliputaner.

„Die Schafe und Ziegen sind völlige Lilliputaner, vermehren sich aber sehr rasch.“ (Baker, Erforschung der Nilquellen, deutsch von Martin, I, 88.)


Lima.

Lima ist der Himmel der Frauen, das Fegefeuer der Männer und die Hölle der Esel.Reinsberg VI, 115; Volksfreund aus den Sudeten (Hirschberg 1835), Nr. 11, S. 129.

Die Esel vertreten nämlich die Stelle der Lastwagen; und um ihnen bei den schweren Bürden das Athmen zu erleichtern, schlitzt man ihnen ungefähr auf eine Länge von 6 Zoll die Nase auf. Uebrigens werden alle Lastthiere, nicht blos der Esel und nicht blos in Lima, sondern in ganz Peru und Ecuador, überladen und äusserst schlecht behandelt und gepflegt. Maulthiere und Pferde werden mit 8-10 Arobas (à 25 Pfund), ein Esel mit 4-6 beladen. Die Ladung muss über die steilsten Höhen hinauf, und wenn auch die Thiere auf dem Rücken und der Seite ganz wund sind, so wird ihnen nicht die mindeste Rücksicht.


Lîmgekel.

* Et äs e Lîmgekel. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 32, 19.

Gekel (wol mit gaukeln zusammenhängend) = Spielpuppe; Lîmgekel = Lehmpuppe.


Lîmhôken.

* Et äs e Lîmhoken1. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 32, 19.

1) Lehmhaken, ein matter, schläfriger Mensch.


Limmer.

In Limmer werd et alle Dage slimmer, segt Sackmann.Hoefer, 886.

Der meist plattdeutsch predigende Pastor Jobst Sackmann in Limmer bei Hannover sagte seiner Gemeinde einst in einer Predigt: „Ehret den Priester, heisst auch: Bezahlet den Priester. Aber leider, in Limmer werd et alle Dage slimmer, in Vellwer schlachten die Bauern die Kälber und fressen sie selber; aber meine lieben Devenstedter, die haben mir einen schönen Block vors Haus gefahren für meinen Ofen. Gott lasse sie noch lange leben, so werden sie mir nächstes Jahr wieder einen geben. Amen.“ (Vgl. Ruppius, Sonntagsblatt, Berlin 1865, Nr. 38; Sackmann, 15.)


Limone.

* Er wirft die Limone nach einer Apfelsine. (Surinam.)

Unser: Die Wurst nach der Speckseite. Gibt das Gewisse von geringem Werthe, um des Ungewissen von höherm Werthe wegen auf.


Limpe.

1 Mit Limpe1 kriggt man dat Ei in'n Hoppensack.Eichwald, 436.

1) Gute Worte, schlaue Freundlichkeit, Gelindigkeit, Glimpf. (Vgl. Stürenburg, 137b.)

*2 He quêm d'r mit 'n Lîmp off.Stürenburg, 137b.

Er kam glimpflich davon.


Lincoln.

Lincoln ist die berühmteste Stadt Englands gewesen, London ist's jetzt, York wird's künftig sein.Berckenmeyer, 83; Deutsche Romanzeitung, III, 41, 867; Hesekiel, 51.

Ein altes englisches geographisches Sprichwort, dessen prophetischen Theil die Zukunft zu bestätigen oder zu widerlegen hat.


Lindau.

Lindau ist klein Venedig.Deutsche Romanzeitung, III, 41, 393; Hesekiel, 16.

Wegen seiner Lage auf Inseln.


Linde.

1 Auf eine krumme (gebückte) Linde steigen alle Geissen.

2 Die Linde duftet und fordert keinen Dank. (Wend. Lausitz.)

3 Hat die Linde Lauf (Laub), ist auch Gras für die Kuh vollauf. (Sachsen.) – Boebel, 138.

4 Man muss der Linde den Bast nehmen, so lange sie sich schält.

5 Wenn de Linne is Dâlers grât, sau et de Bûer Halfâbenbrad1.Schambach, II, 288.

D. i. Vesperbrot. (S. Lindenblatt.)

6 Wenn die Linde blüht, mähe deine Wiesen.

7 Wer Linden pfropfet (polzet) auf den Dorn, hat an beiden sein Recht verlorn.Körte, 4802; Simrock, 7914.

8 Wo es Linden gibt, wird es auch an Bienen nicht fehlen.Altmann V, 120.

[Spaltenumbruch] 9 Wo Linden blühen, die Bienen Honig ziehen.

Die Russen: Aus den bittern Lindenblüten bereiten die Bienen den süssen Honig. – Die Lindenblüte nennt den Honig gern ihr Söhnlein. (Altmann V, 107 u. 118.)


Linden (Name).

Auf der Linden war nichts zu finden, vor der Lause da blieb's ausse, in Berlebach, da kriegt's den Krach, auf der Lösse da blieb's össe.

Spott auf die unergiebigen Bergwerke bei Berleburg.


Lindenblatt.

1 Linnenblad Dâlers grât, Mutter gif mek 't Vesperbrâd.Schambach, II, 288.

Im Juni hat das Lindenblatt die Grösse eines Thalers erreicht; von dieser Zeit an wird Vesperbrot verabreicht.

2 Wenn 't Linnenblad as en Ossenâge grôt is, sau is et Tîd det Âmelse te äten.Schambach, II, 288.

Wenn das Lindenblatt so gross ist wie ein Ochsenauge, so ist es Zeit, das Abendbrot zu essen.


Lindenholz.

1 Bey Lindenholtz kan man sich besser wermen als bey Eiche. (S. Eichenholz 4.) – Lehmann, 341, 13.

*2 Hier is mit Lendenholt inbött (Hamburg.)

Wortspiel mit Lindenholz; inbött = eingefeuert.


Lindetritt.

* A ies a rechter Linde-trît.Robinson, 914; Gomolcke, 966.


Lindwurm.

Ein Lindwurm verliert sein Gift nicht, wenn er auch an einem reinen Orte lebt.Parömiakon, 2342.


Lindwurmschnauze.

* Er hat eine Lindwurmschnauze. (Nordböhmen.)

Ein grossmäuliger, grober Schreier.


Lineal.

1 Gerad Lineal macht gerade Striche.

*2 Das Lineal auf die Finger erhalten.

Tadel, Zurechtweisung; aus der Schulstube entlehnt, wo Schreibschüler wegen falscher Federhaltung, falschen oder schlechten Schreibens wol in dieser Weise erinnert werden. In einer Besprechung der W. Menzelzel'schen Schrift: Kritik des modernen Zeitbewusstseins, sagt R. Gottschall in Bezug auf dieselbe: „Zuerst erhält Kant das Lineal auf die Finger.“ (Blätter für liter. Unterhaltung, Leipzig 1870, Nr. 36, S. 565.)


Linie.

1 Wer die Linie passirt ist, kommt auch wol weiter.

*2 Bei der Linie anfangen. (Altgriech.)

Ganz von vorn. Von den Wettläufern hergenommen. Allgemein: von jeder Grenze.

*3 Er hat die Linie passirt. (Seemannssprichwort.)

Ist über das fünfzigste Jahr, den Mittag seines Lebens hinaus.

Holl.: Wanneer hij de linie passeert, zal hij wel verder komen. (Harrebomée, II, 33.)

*4 Er hat keine Linie (weiter, heute) gezogen. (Altgriech.)

Die in ihrer Wissenschaft nicht fortgeschritten sind, überhaupt nichts gethan haben.

*5 Ueber die Linie hinausspringen.

Die Grenze überschreiten.


Linke.

1 Die Linke (nämlich Hand) giht vo Harzen. (Schles.) – Frommann, III, 411, 413; Gomolcke, 339.

2 Was die Linke thut, lass die Rechte nicht wissen.Simrock, 6523.

*3 Zur Lincken fischen.Herberger, I, 428.


Linker.

1 Dem Lincken kompt alles lincks.Sutor, 166; Petri, II, 74.

2 Ein Linker macht nichts recht.


Links.

1 Er ist links und rechts wie ein polnischer Stiefel.

Sehr dehnbar, elastisch, unzuverlässig oder schlau, gewandt. Persius sagt von einem Manne, der immer ein anderes Gesicht zeigt, d. h. zweideutig ist: „Er ist ein zweiter Janus.“ (Alter Janus est.) (Faselius, 12.)

2 Er ist links und rechts wie ein Schubsack.Faselius, 9.

3 Wenn kein lincks, so wer kein rechts.Franck, II, 60a; Simrock, 6525.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0111" n="[97]"/>
        <cb n="193"/>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lilliputaner.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Es sind Lilliputaner.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Die Schafe und Ziegen sind völlige Lilliputaner, vermehren sich aber sehr rasch.&#x201C; (<hi rendition="#i">Baker, Erforschung der Nilquellen, deutsch von Martin, I, 88.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lima.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Lima ist der Himmel der Frauen, das Fegefeuer der Männer und die Hölle der Esel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Reinsberg VI, 115; Volksfreund aus den Sudeten (Hirschberg 1835), Nr. 11, S. 129.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Esel vertreten nämlich die Stelle der Lastwagen; und um ihnen bei den schweren Bürden das Athmen zu erleichtern, schlitzt man ihnen ungefähr auf eine Länge von 6 Zoll die Nase auf. Uebrigens werden alle Lastthiere, nicht blos der Esel und nicht blos in Lima, sondern in ganz Peru und Ecuador, überladen und äusserst schlecht behandelt und gepflegt. Maulthiere und Pferde werden mit 8-10 Arobas (à 25 Pfund), ein Esel mit 4-6 beladen. Die Ladung muss über die steilsten Höhen hinauf, und wenn auch die Thiere auf dem Rücken und der Seite ganz wund sind, so wird ihnen nicht die mindeste Rücksicht.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lîmgekel.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Et äs e Lîmgekel.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 32, 19.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Gekel (wol mit gaukeln zusammenhängend) = Spielpuppe; Lîmgekel = Lehmpuppe.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lîmhôken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Et äs e Lîmhoken<hi rendition="#sup">1</hi>.</hi> (<hi rendition="#i">Siebenbürg.-sächs.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, V, 32, 19.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Lehmhaken, ein matter, schläfriger Mensch.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Limmer.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">In Limmer werd et alle Dage slimmer, segt Sackmann.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Hoefer, 886.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der meist plattdeutsch predigende Pastor Jobst Sackmann in Limmer bei Hannover sagte seiner Gemeinde einst in einer Predigt: &#x201E;Ehret den Priester, heisst auch: Bezahlet den Priester. Aber leider, in Limmer werd et alle Dage slimmer, in Vellwer schlachten die Bauern die Kälber und fressen sie selber; aber meine lieben Devenstedter, die haben mir einen schönen Block vors Haus gefahren für meinen Ofen. Gott lasse sie noch lange leben, so werden sie mir nächstes Jahr wieder einen geben. Amen.&#x201C; (Vgl. <hi rendition="#i">Ruppius, Sonntagsblatt, Berlin 1865, Nr. 38; Sackmann, 15.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Limone.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er wirft die Limone nach einer Apfelsine.</hi> (<hi rendition="#i">Surinam.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Unser: Die Wurst nach der Speckseite. Gibt das Gewisse von geringem Werthe, um des Ungewissen von höherm Werthe wegen auf.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Limpe.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Mit Limpe<hi rendition="#sup">1</hi> kriggt man dat Ei in'n Hoppensack.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eichwald, 436.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Gute Worte, schlaue Freundlichkeit, Gelindigkeit, Glimpf. (Vgl. <hi rendition="#i">Stürenburg, 137<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 He quêm d'r mit 'n Lîmp off.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Stürenburg, 137<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Er kam glimpflich davon.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lincoln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Lincoln ist die berühmteste Stadt Englands gewesen, London ist's jetzt, York wird's künftig sein.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Berckenmeyer, 83; Deutsche Romanzeitung, III, 41, 867; Hesekiel, 51.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein altes englisches geographisches Sprichwort, dessen prophetischen Theil die Zukunft zu bestätigen oder zu widerlegen hat.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lindau.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Lindau ist klein Venedig.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Deutsche Romanzeitung, III, 41, 393; Hesekiel, 16.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wegen seiner Lage auf Inseln.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Linde.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Auf eine krumme (gebückte) Linde steigen alle Geissen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Die Linde duftet und fordert keinen Dank.</hi> (<hi rendition="#i">Wend. Lausitz.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Hat die Linde Lauf (Laub), ist auch Gras für die Kuh vollauf.</hi> (<hi rendition="#i">Sachsen.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Boebel, 138.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">4 Man muss der Linde den Bast nehmen, so lange sie sich schält.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">5 Wenn de Linne is Dâlers grât, sau et de Bûer Halfâbenbrad<hi rendition="#sup">1</hi>.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, II, 288.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">D. i. Vesperbrot. (S.  Lindenblatt.)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">6 Wenn die Linde blüht, mähe deine Wiesen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Wer Linden pfropfet (polzet) auf den Dorn, hat an beiden sein Recht verlorn.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Körte, 4802; Simrock, 7914.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">8 Wo es Linden gibt, wird es auch an Bienen nicht fehlen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Altmann V, 120.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger"><cb n="194"/>
9 Wo Linden blühen, die Bienen Honig ziehen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Russen: Aus den bittern Lindenblüten bereiten die Bienen den süssen Honig. &#x2013; Die Lindenblüte nennt den Honig gern ihr Söhnlein. (<hi rendition="#i">Altmann V, 107 u. 118.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head><hi rendition="#b">Linden</hi> (Name).</head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Auf der Linden war nichts zu finden, vor der Lause da blieb's ausse, in Berlebach, da kriegt's den Krach, auf der Lösse da blieb's össe.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Spott auf die unergiebigen Bergwerke bei Berleburg.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lindenblatt.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Linnenblad Dâlers grât, Mutter gif mek 't Vesperbrâd.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, II, 288.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Im Juni hat das Lindenblatt die Grösse eines Thalers erreicht; von dieser Zeit an wird Vesperbrot verabreicht.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Wenn 't Linnenblad as en Ossenâge grôt is, sau is et Tîd det Âmelse te äten.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, II, 288.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Wenn das Lindenblatt so gross ist wie ein Ochsenauge, so ist es Zeit, das Abendbrot zu essen.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lindenholz.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Bey Lindenholtz kan man sich besser wermen als bey Eiche.</hi> (S.  Eichenholz 4.) &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 341, 13.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Hier is mit Lendenholt inbött</hi> (<hi rendition="#i">Hamburg.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Wortspiel mit Lindenholz; inbött = eingefeuert.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lindetritt.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* A ies a rechter Linde-trît.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Robinson, 914; Gomolcke, 966.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lindwurm.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Ein Lindwurm verliert sein Gift nicht, wenn er auch an einem reinen Orte lebt.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Parömiakon, 2342.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lindwurmschnauze.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Er hat eine Lindwurmschnauze.</hi> (<hi rendition="#i">Nordböhmen.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein grossmäuliger, grober Schreier.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Lineal.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Gerad Lineal macht gerade Striche.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*2 Das Lineal auf die Finger erhalten.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Tadel, Zurechtweisung; aus der Schulstube entlehnt, wo Schreibschüler wegen falscher Federhaltung, falschen oder schlechten Schreibens wol in dieser Weise erinnert werden. In einer Besprechung der <hi rendition="#i">W. Menzelzel'schen Schrift: Kritik des modernen Zeitbewusstseins,</hi> sagt <hi rendition="#i">R. Gottschall</hi> in Bezug auf dieselbe: &#x201E;Zuerst erhält Kant das Lineal auf die Finger.&#x201C; (<hi rendition="#i">Blätter für liter. Unterhaltung, Leipzig 1870, Nr. 36, S. 565.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Linie.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Wer die Linie passirt ist, kommt auch wol weiter.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*2 Bei der Linie anfangen.</hi> (<hi rendition="#i">Altgriech.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Ganz von vorn. Von den Wettläufern hergenommen. Allgemein: von jeder Grenze.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Er hat die Linie passirt.</hi> (<hi rendition="#i">Seemannssprichwort.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Ist über das fünfzigste Jahr, den Mittag seines Lebens hinaus.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: Wanneer hij de linie passeert, zal hij wel verder komen. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 33.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*4 Er hat keine Linie (weiter, heute) gezogen.</hi> (<hi rendition="#i">Altgriech.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Die in ihrer Wissenschaft nicht fortgeschritten sind, überhaupt nichts gethan haben.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*5 Ueber die Linie hinausspringen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Die Grenze überschreiten.</p><lb/>
          <p/><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Linke.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Die Linke (nämlich Hand) giht vo Harzen.</hi> (<hi rendition="#i">Schles.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Frommann, III, 411, 413; Gomolcke, 339.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Was die Linke thut, lass die Rechte nicht wissen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 6523.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Zur Lincken fischen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Herberger, I, 428.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Linker.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Dem Lincken kompt alles lincks.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutor, 166; Petri, II, 74.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Ein Linker macht nichts recht.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Links.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Er ist links und rechts wie ein polnischer Stiefel.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Sehr dehnbar, elastisch, unzuverlässig oder schlau, gewandt. <hi rendition="#i">Persius</hi> sagt von einem Manne, der immer ein anderes Gesicht zeigt, d. h. zweideutig ist: &#x201E;Er ist ein zweiter Janus.&#x201C; (Alter Janus est.) (<hi rendition="#i">Faselius, 12.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Er ist links und rechts wie ein Schubsack.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Faselius, 9.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wenn kein lincks, so wer kein rechts.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Franck, II, 60<hi rendition="#sup">a</hi>; Simrock, 6525.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">
</hi> </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[97]/0111] Lilliputaner. * Es sind Lilliputaner. „Die Schafe und Ziegen sind völlige Lilliputaner, vermehren sich aber sehr rasch.“ (Baker, Erforschung der Nilquellen, deutsch von Martin, I, 88.) Lima. Lima ist der Himmel der Frauen, das Fegefeuer der Männer und die Hölle der Esel. – Reinsberg VI, 115; Volksfreund aus den Sudeten (Hirschberg 1835), Nr. 11, S. 129. Die Esel vertreten nämlich die Stelle der Lastwagen; und um ihnen bei den schweren Bürden das Athmen zu erleichtern, schlitzt man ihnen ungefähr auf eine Länge von 6 Zoll die Nase auf. Uebrigens werden alle Lastthiere, nicht blos der Esel und nicht blos in Lima, sondern in ganz Peru und Ecuador, überladen und äusserst schlecht behandelt und gepflegt. Maulthiere und Pferde werden mit 8-10 Arobas (à 25 Pfund), ein Esel mit 4-6 beladen. Die Ladung muss über die steilsten Höhen hinauf, und wenn auch die Thiere auf dem Rücken und der Seite ganz wund sind, so wird ihnen nicht die mindeste Rücksicht. Lîmgekel. * Et äs e Lîmgekel. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 32, 19. Gekel (wol mit gaukeln zusammenhängend) = Spielpuppe; Lîmgekel = Lehmpuppe. Lîmhôken. * Et äs e Lîmhoken1. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 32, 19. 1) Lehmhaken, ein matter, schläfriger Mensch. Limmer. In Limmer werd et alle Dage slimmer, segt Sackmann. – Hoefer, 886. Der meist plattdeutsch predigende Pastor Jobst Sackmann in Limmer bei Hannover sagte seiner Gemeinde einst in einer Predigt: „Ehret den Priester, heisst auch: Bezahlet den Priester. Aber leider, in Limmer werd et alle Dage slimmer, in Vellwer schlachten die Bauern die Kälber und fressen sie selber; aber meine lieben Devenstedter, die haben mir einen schönen Block vors Haus gefahren für meinen Ofen. Gott lasse sie noch lange leben, so werden sie mir nächstes Jahr wieder einen geben. Amen.“ (Vgl. Ruppius, Sonntagsblatt, Berlin 1865, Nr. 38; Sackmann, 15.) Limone. * Er wirft die Limone nach einer Apfelsine. (Surinam.) Unser: Die Wurst nach der Speckseite. Gibt das Gewisse von geringem Werthe, um des Ungewissen von höherm Werthe wegen auf. Limpe. 1 Mit Limpe1 kriggt man dat Ei in'n Hoppensack. – Eichwald, 436. 1) Gute Worte, schlaue Freundlichkeit, Gelindigkeit, Glimpf. (Vgl. Stürenburg, 137b.) *2 He quêm d'r mit 'n Lîmp off. – Stürenburg, 137b. Er kam glimpflich davon. Lincoln. Lincoln ist die berühmteste Stadt Englands gewesen, London ist's jetzt, York wird's künftig sein. – Berckenmeyer, 83; Deutsche Romanzeitung, III, 41, 867; Hesekiel, 51. Ein altes englisches geographisches Sprichwort, dessen prophetischen Theil die Zukunft zu bestätigen oder zu widerlegen hat. Lindau. Lindau ist klein Venedig. – Deutsche Romanzeitung, III, 41, 393; Hesekiel, 16. Wegen seiner Lage auf Inseln. Linde. 1 Auf eine krumme (gebückte) Linde steigen alle Geissen. 2 Die Linde duftet und fordert keinen Dank. (Wend. Lausitz.) 3 Hat die Linde Lauf (Laub), ist auch Gras für die Kuh vollauf. (Sachsen.) – Boebel, 138. 4 Man muss der Linde den Bast nehmen, so lange sie sich schält. 5 Wenn de Linne is Dâlers grât, sau et de Bûer Halfâbenbrad1. – Schambach, II, 288. D. i. Vesperbrot. (S. Lindenblatt.) 6 Wenn die Linde blüht, mähe deine Wiesen. 7 Wer Linden pfropfet (polzet) auf den Dorn, hat an beiden sein Recht verlorn. – Körte, 4802; Simrock, 7914. 8 Wo es Linden gibt, wird es auch an Bienen nicht fehlen. – Altmann V, 120. 9 Wo Linden blühen, die Bienen Honig ziehen. Die Russen: Aus den bittern Lindenblüten bereiten die Bienen den süssen Honig. – Die Lindenblüte nennt den Honig gern ihr Söhnlein. (Altmann V, 107 u. 118.) Linden (Name). Auf der Linden war nichts zu finden, vor der Lause da blieb's ausse, in Berlebach, da kriegt's den Krach, auf der Lösse da blieb's össe. Spott auf die unergiebigen Bergwerke bei Berleburg. Lindenblatt. 1 Linnenblad Dâlers grât, Mutter gif mek 't Vesperbrâd. – Schambach, II, 288. Im Juni hat das Lindenblatt die Grösse eines Thalers erreicht; von dieser Zeit an wird Vesperbrot verabreicht. 2 Wenn 't Linnenblad as en Ossenâge grôt is, sau is et Tîd det Âmelse te äten. – Schambach, II, 288. Wenn das Lindenblatt so gross ist wie ein Ochsenauge, so ist es Zeit, das Abendbrot zu essen. Lindenholz. 1 Bey Lindenholtz kan man sich besser wermen als bey Eiche. (S. Eichenholz 4.) – Lehmann, 341, 13. *2 Hier is mit Lendenholt inbött (Hamburg.) Wortspiel mit Lindenholz; inbött = eingefeuert. Lindetritt. * A ies a rechter Linde-trît. – Robinson, 914; Gomolcke, 966. Lindwurm. Ein Lindwurm verliert sein Gift nicht, wenn er auch an einem reinen Orte lebt. – Parömiakon, 2342. Lindwurmschnauze. * Er hat eine Lindwurmschnauze. (Nordböhmen.) Ein grossmäuliger, grober Schreier. Lineal. 1 Gerad Lineal macht gerade Striche. *2 Das Lineal auf die Finger erhalten. Tadel, Zurechtweisung; aus der Schulstube entlehnt, wo Schreibschüler wegen falscher Federhaltung, falschen oder schlechten Schreibens wol in dieser Weise erinnert werden. In einer Besprechung der W. Menzelzel'schen Schrift: Kritik des modernen Zeitbewusstseins, sagt R. Gottschall in Bezug auf dieselbe: „Zuerst erhält Kant das Lineal auf die Finger.“ (Blätter für liter. Unterhaltung, Leipzig 1870, Nr. 36, S. 565.) Linie. 1 Wer die Linie passirt ist, kommt auch wol weiter. *2 Bei der Linie anfangen. (Altgriech.) Ganz von vorn. Von den Wettläufern hergenommen. Allgemein: von jeder Grenze. *3 Er hat die Linie passirt. (Seemannssprichwort.) Ist über das fünfzigste Jahr, den Mittag seines Lebens hinaus. Holl.: Wanneer hij de linie passeert, zal hij wel verder komen. (Harrebomée, II, 33.) *4 Er hat keine Linie (weiter, heute) gezogen. (Altgriech.) Die in ihrer Wissenschaft nicht fortgeschritten sind, überhaupt nichts gethan haben. *5 Ueber die Linie hinausspringen. Die Grenze überschreiten. Linke. 1 Die Linke (nämlich Hand) giht vo Harzen. (Schles.) – Frommann, III, 411, 413; Gomolcke, 339. 2 Was die Linke thut, lass die Rechte nicht wissen. – Simrock, 6523. *3 Zur Lincken fischen. – Herberger, I, 428. Linker. 1 Dem Lincken kompt alles lincks. – Sutor, 166; Petri, II, 74. 2 Ein Linker macht nichts recht. Links. 1 Er ist links und rechts wie ein polnischer Stiefel. Sehr dehnbar, elastisch, unzuverlässig oder schlau, gewandt. Persius sagt von einem Manne, der immer ein anderes Gesicht zeigt, d. h. zweideutig ist: „Er ist ein zweiter Janus.“ (Alter Janus est.) (Faselius, 12.) 2 Er ist links und rechts wie ein Schubsack. – Faselius, 9. 3 Wenn kein lincks, so wer kein rechts. – Franck, II, 60a; Simrock, 6525.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:28Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:28Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/111
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873, S. [97]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/111>, abgerufen am 24.10.2020.