Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] Grund und Boden des Morgens der Schatten von dem Zaune fällt, die Herstellung- und Unterhaltungspflicht desselben habe, kann ich keinen Grund finden; auch Pistorius bemerkt, dass er keine kenne; für den umgekehrten Fall läge er nahe.


Morgenschlaf.

Der Morgenschlaf ist süss, macht aber Hadern1 um die Füss'. (Rott-Thal.)

1) Lappen, Lumpen. - Er macht träge.


Morgensegen.

1 Mit dem Morgensegen wird's Zeit, wenn der Hirt eintreibt.

2 Morgensegen, Abendsegen ist Tagessegen auf allen Wegen.

3 Wer seinen Morgen- und Abendsegen betet, zielt mit der Doppelflinte auf den Teufel. - Sprichwörtergarten, 199.

*4 Einem den Morgensegen singen.

Vor der Schlacht bei Fehrbellin schrieb der Prinz von Hessen-Homburg an seine Gemahlin: " ... Und gehet alleweil Lüttique (Lüdicke) mit 1500 Mann dem Feindt in ricken, morgen frihe werden sie ihnen den morgensegen singen." (Sandvoss, 72.)

*5 Sie trampelt den Morgensegen. (Alt-Pillau.)

Von einer Hausfrau, die früh keift.


Morgensonne.

1 Die Morgensonne hat mehr Anbeter als die Abendsonne. - Simrock, 7107.

2 Mehr sehen die Morgen Sonn, denn die abendt Sonn. - Lehmann, 569, 41.

3 Morgensonne dauert (scheint) nicht den ganzen Tag.

Slow.: Juterna ura, zlata ura.

*4 Er macht der Morgensonne eine Faust.

Von einem Langschläfer oder einem Faulen überhaupt.


Morgenstern.

* Der Morgenstern ist nicht schöner.


Morgenstunde.

1 Die Morgenstund legt den Gülden in Mund. - Aus einem Ms. vom Jahre 1624.

2 Die Morgenstunde hat arben im Munde. - Petri, II, 139.

3 Morgenstund bringt Brot vnd Gold in Mund. - Petri, II, 483.

4 Morgenstund hat gold (Brot) im Mund. - Gruter, III, 21; Lehmann, II, 85, 166; Hollenberg, I, 52; Bücking, 32; Mayer, II, 27; Pistor., VI, 6; Sailer, 188; Bremser, 2; Gaal, 1157; Eiselein, 473; Neus, 8; Müller, 2, 7; Ramann, Unterr., II, 27; Steiger, 171; Körte, 4302; Körte2, 5406; Simrock, 7095; Siebenkees, 258; Struve, II, 22; Schulzeitung, 365; Boebel, 141; Braun, I, 2767; Lohrengel, I, 173; Marahrens, 95.

Worauf der platte Freund des Schlafs erwidert: "Awer de Abendstunn hett Ble im Ars", nach dem die Abendstunden immer Karten, Glas und Pfeife in der Hand haben. Das Bild ist von dem Brauch entlehnt, kleine Geldbeträge, namentlich werthvolle Geldstücke in dem Munde zu verbergen. Durch Hariri's Makamen (Rückert, I, 22 u. 23) wissen wir, dass dies bei den Arabern geschah. Die Griechen hatten den alten Gebrauch, und wol nicht blos bei den Todten, denen man bekanntlich das Fährgeld für Charon in den Mund gab. (Vgl. Grimm, Myth., 791.) Nach Pertz (Mon. Germ. hist., II, 84) hielten aber auch die Deutschen den Mund für den sichersten Ort, kleinere Geldsummen darin zu verbergen. (Vgl. W. Wackernagel in Haupt's Zeitschrift, VI, 290.) - K. Arenz hat mit diesem Sprichwort ein Gedicht überschrieben. (Düsseldorf II.) - Dies goldene Sprichwort ist aber nicht von ungefähr in die Sprache zahlreicher Völker gekommen; denn die Grundlage aller geistigen Thätigkeit ist Nüchternheit. Sogar die Osmanen sagen, um die Ueberlegenheit der Morgenkraft selbst da, wo es gilt Schwierigkeiten zu überwinden, vor der jeder andern Tageszeit hervorzuheben: Böses am Morgen ist besser als Gutes am Abend. (Schlechta, 21.) Im Jahre 1852 hatte auch ein Negermädchen "Gold im Munde". Sie hatte ihrem Herrn einige Dollarstücke weggenommen und sie in der Eile im Munde verborgen, sie flogen aber infolge einer Ohrfeige heraus.

Dän.: Morgenstund har guld i mund. (Bohn, I, 390.)

Engl.: An hour in the morning is worth two in the evening. - The morning sun never lasts a day. (Bohn II 14.)

Frz.: A qui se leve matin Dieu aide et prete la main. - Homme matineux: sain, gai et soigneux. - L'aurore est l'amie des muses. (Masson, 248.)

Holl.: De bruine morgenstond is goed voor de reizigers. - De morgenstond heeft goud in den mond. (Bohn[Spaltenumbruch] I, 306.) - Geen bekwamer licht dan van den morgenstond. (Harrebomee, II, 104b.)

It.: Il mattino e l'amico dello studio.

Lat.: Aurora musis amica (grata). (Binder I, 115; II, 297; Frob., 47; Schulbl., 491; Seybold, 48; Philippi, I, 51; Chaos, 813.) - Diluculo surgere saluberrimum est. (Eiselein, 473.) - Matutinus habet commoda mira labor. (Chaos, 456.)

Poln.: Kto rano wstaje, temu Bog daje. (Masson, 247.)

Schwed.: Morgonstund haar guld i munn. (Grubb, 532; Marin, 21.)

Span.: Quien madruga, Dios le ayuda. (Masson, 248.)

Ung.: Reggeli idonek sok penz a szajjaban. (Gaal, 1157.)

5 Morgenstund' hat Gold im Mund, sagte Bummelherm und trank schon früh ein Glas (danziger) Goldwasser.

6 Morgenstund' het Gold im Mund und - Blei im Krage. - Sutermeister, 35.

7 Morgenstunne het Gold in'n Munne; wär lange slöpt, dä geit te Grunne. - Schambach, II, 315.

Mit Bezug auf die Langschläfer, die sich gleichsam vor Körperschwere aus dem Bett nicht zu erheben vermögen, wird der ersten Hälfte wol auch als Nachsatz beigefügt: un Blei in 'n Marse. (Vgl. K. Ritter, Stehe früh auf! Ueber den Nutzen des Frühaufstehens für die Gesundheit und die Geschäfte, nebst Mitteln sich das frühe Aufstehen anzugewöhnen.)


Morgensuppe.

1 Alles zur Morgensuppe verschlingen ist ein böser Imbiss. - Simrock, 7101; Körte, 4304; Braun, I, 2768.

2 Man mut de Morgensupp nig to grot maken, dat man abends ok wat hett. - Schütze, I, 13; III, 112; hochdeutsch bei Simrock, 7102; Körte, 4303; Masson, 313.

Im Harz: Me mot de Morgenzoppe nich te grot maken, dat me et Amds ok wat het. (Lohrengel, I, 589.) Man muss in der Jugend oder beim Anfange einer Einrichtung nicht zu viel aufgehen lassen, um abends, im Alter oder am Ende nicht darben zu müssen. - Zur Zeit, da man Kaffee und Thee nicht kannte, hiess das Frühstück Morgensuppe.

*3 Dat is man en Morgensupp. - Schütze, III, 112.

Nur ein Frühstück, nicht viel.

Lat.: Tam facile, quam pirum vulpes comest. (Plautus.) (Binder II, 3273; Philippi, II, 210.)

*4 Es ist ihm nur eine Morgensuppe.

So leicht als etwas sein kann; nur ein Spielwerk.


Morgenthau.

1 Morgenthau hält der Sonne nicht Stand.

2 Morgenthau, schwacher Bau.

Jugendliche Träume verfliegen schnell, wenn der Ernst des Lebens naht.


Morgenwolke.

Eine kleine Morgenwolke macht oft ein grosses Abendgewitter.


Morgenworte.

Die Morgenworte gleichen nicht den Abendworten.


Morian.

Morian was en graut Hund un mosde sek doch in de Geduld gewen. - Schambach, II, 316.

Der sprichwörtliche Zuruf: Morian war ein grosser Hund und musste sich doch in Geduld ergeben, mahnt die Ungeduldigen zur Geduld und stützt sich nach Schambach auf eine untergegangene Thierfabel. Morian und der sonst mehrfach vorkommende grosse Hund scheinen identisch zu sein. Um einen Dünkelhaften lächerlich zu machen, sagt man: Er denkt, der grosse Hund ist sein Pathe. (S. Denken 93 und Hund 1473.)


Moritz.

Moritzele, Moritzele, mit deiner dürra Kuah; sie hat a dreckigs Fidele un geit kein Milch dazu. - Birlinger, 1123.


Morixeln.

* Einen morixeln1. - Eiselein, 473.

1) Tödten, von mori.


Mörken.

* Dat is en vun 't Mörken. (Altona.) - Schütze, III, 110.

Ein Mädchen von schlechtem Ruf. Mörken ist eine krumme Nebengasse, in der ehemals derartige Personen wohnten.


Mormelaugen.

* Er hat Mormelaugen.

"Vom Mormelstockfisch - hat grosse Augen, eines finstern Gesichts, von dannen ein Sprichwort geflossen: Er hat Mormelaugen in die, so ein kurz dunkel Gesicht habend." (Forer-Gesner's Thierbuch 1563, Bl. 41a.)


Morro.

Morro, Farger, Osiander, ist ein Schinder wie der ander. (Rothenburg.) - Birlinger, 1136.

Drei dort berüchtigte Pferdequäler.


[Spaltenumbruch] Grund und Boden des Morgens der Schatten von dem Zaune fällt, die Herstellung- und Unterhaltungspflicht desselben habe, kann ich keinen Grund finden; auch Pistorius bemerkt, dass er keine kenne; für den umgekehrten Fall läge er nahe.


Morgenschlaf.

Der Morgenschlaf ist süss, macht aber Hadern1 um die Füss'. (Rott-Thal.)

1) Lappen, Lumpen. – Er macht träge.


Morgensegen.

1 Mit dem Morgensegen wird's Zeit, wenn der Hirt eintreibt.

2 Morgensegen, Abendsegen ist Tagessegen auf allen Wegen.

3 Wer seinen Morgen- und Abendsegen betet, zielt mit der Doppelflinte auf den Teufel.Sprichwörtergarten, 199.

*4 Einem den Morgensegen singen.

Vor der Schlacht bei Fehrbellin schrieb der Prinz von Hessen-Homburg an seine Gemahlin: „ ... Und gehet alleweil Lüttique (Lüdicke) mit 1500 Mann dem Feindt in ricken, morgen frihe werden sie ihnen den morgensegen singen.“ (Sandvoss, 72.)

*5 Sie trampelt den Morgensegen. (Alt-Pillau.)

Von einer Hausfrau, die früh keift.


Morgensonne.

1 Die Morgensonne hat mehr Anbeter als die Abendsonne.Simrock, 7107.

2 Mehr sehen die Morgen Sonn, denn die abendt Sonn.Lehmann, 569, 41.

3 Morgensonne dauert (scheint) nicht den ganzen Tag.

Slow.: Juterna ura, zlata ura.

*4 Er macht der Morgensonne eine Faust.

Von einem Langschläfer oder einem Faulen überhaupt.


Morgenstern.

* Der Morgenstern ist nicht schöner.


Morgenstunde.

1 Die Morgenstund legt den Gülden in Mund.Aus einem Ms. vom Jahre 1624.

2 Die Morgenstunde hat arben im Munde.Petri, II, 139.

3 Morgenstund bringt Brot vnd Gold in Mund.Petri, II, 483.

4 Morgenstund hat gold (Brot) im Mund.Gruter, III, 21; Lehmann, II, 85, 166; Hollenberg, I, 52; Bücking, 32; Mayer, II, 27; Pistor., VI, 6; Sailer, 188; Bremser, 2; Gaal, 1157; Eiselein, 473; Neus, 8; Müller, 2, 7; Ramann, Unterr., II, 27; Steiger, 171; Körte, 4302; Körte2, 5406; Simrock, 7095; Siebenkees, 258; Struve, II, 22; Schulzeitung, 365; Boebel, 141; Braun, I, 2767; Lohrengel, I, 173; Marahrens, 95.

Worauf der platte Freund des Schlafs erwidert: „Awer de Abendstunn hett Blê im Ars“, nach dem die Abendstunden immer Karten, Glas und Pfeife in der Hand haben. Das Bild ist von dem Brauch entlehnt, kleine Geldbeträge, namentlich werthvolle Geldstücke in dem Munde zu verbergen. Durch Hariri's Makamen (Rückert, I, 22 u. 23) wissen wir, dass dies bei den Arabern geschah. Die Griechen hatten den alten Gebrauch, und wol nicht blos bei den Todten, denen man bekanntlich das Fährgeld für Charon in den Mund gab. (Vgl. Grimm, Myth., 791.) Nach Pertz (Mon. Germ. hist., II, 84) hielten aber auch die Deutschen den Mund für den sichersten Ort, kleinere Geldsummen darin zu verbergen. (Vgl. W. Wackernagel in Haupt's Zeitschrift, VI, 290.) – K. Arenz hat mit diesem Sprichwort ein Gedicht überschrieben. (Düsseldorf II.) – Dies goldene Sprichwort ist aber nicht von ungefähr in die Sprache zahlreicher Völker gekommen; denn die Grundlage aller geistigen Thätigkeit ist Nüchternheit. Sogar die Osmanen sagen, um die Ueberlegenheit der Morgenkraft selbst da, wo es gilt Schwierigkeiten zu überwinden, vor der jeder andern Tageszeit hervorzuheben: Böses am Morgen ist besser als Gutes am Abend. (Schlechta, 21.) Im Jahre 1852 hatte auch ein Negermädchen „Gold im Munde“. Sie hatte ihrem Herrn einige Dollarstücke weggenommen und sie in der Eile im Munde verborgen, sie flogen aber infolge einer Ohrfeige heraus.

Dän.: Morgenstund har guld i mund. (Bohn, I, 390.)

Engl.: An hour in the morning is worth two in the evening. – The morning sun never lasts a day. (Bohn II 14.)

Frz.: A qui se leve matin Dieu aide et prête la main. – Homme matineux: sain, gai et soigneux. – L'aurore est l'amie des muses. (Masson, 248.)

Holl.: De bruine morgenstond is goed voor de reizigers. – De morgenstond heeft goud in den mond. (Bohn[Spaltenumbruch] I, 306.) – Geen bekwamer licht dan van den morgenstond. (Harrebomée, II, 104b.)

It.: Il mattino è l'amico dello studio.

Lat.: Aurora musis amica (grata). (Binder I, 115; II, 297; Frob., 47; Schulbl., 491; Seybold, 48; Philippi, I, 51; Chaos, 813.) – Diluculo surgere saluberrimum est. (Eiselein, 473.) – Matutinus habet commoda mira labor. (Chaos, 456.)

Poln.: Kto rano wstaje, temu Bóg daje. (Masson, 247.)

Schwed.: Morgonstund haar guld i munn. (Grubb, 532; Marin, 21.)

Span.: Quien madruga, Dios le ayuda. (Masson, 248.)

Ung.: Reggeli időnek sok pénz a szájjában. (Gaal, 1157.)

5 Morgenstund' hat Gold im Mund, sagte Bummelherm und trank schon früh ein Glas (danziger) Goldwasser.

6 Morgenstund' het Gold im Mund und – Blei im Krage.Sutermeister, 35.

7 Morgenstunne het Gold in'n Munne; wär lange slöpt, dä geit te Grunne.Schambach, II, 315.

Mit Bezug auf die Langschläfer, die sich gleichsam vor Körperschwere aus dem Bett nicht zu erheben vermögen, wird der ersten Hälfte wol auch als Nachsatz beigefügt: un Blî in 'n Marse. (Vgl. K. Ritter, Stehe früh auf! Ueber den Nutzen des Frühaufstehens für die Gesundheit und die Geschäfte, nebst Mitteln sich das frühe Aufstehen anzugewöhnen.)


Morgensuppe.

1 Alles zur Morgensuppe verschlingen ist ein böser Imbiss.Simrock, 7101; Körte, 4304; Braun, I, 2768.

2 Man mut de Morgensupp nig to grôt maken, dat man abends ôk wat hett.Schütze, I, 13; III, 112; hochdeutsch bei Simrock, 7102; Körte, 4303; Masson, 313.

Im Harz: Me mot de Morgenzoppe nich te grot maken, dat me et Amds ôk wat het. (Lohrengel, I, 589.) Man muss in der Jugend oder beim Anfange einer Einrichtung nicht zu viel aufgehen lassen, um abends, im Alter oder am Ende nicht darben zu müssen. – Zur Zeit, da man Kaffee und Thee nicht kannte, hiess das Frühstück Morgensuppe.

*3 Dat is man en Morgensupp.Schütze, III, 112.

Nur ein Frühstück, nicht viel.

Lat.: Tam facile, quam pirum vulpes comest. (Plautus.) (Binder II, 3273; Philippi, II, 210.)

*4 Es ist ihm nur eine Morgensuppe.

So leicht als etwas sein kann; nur ein Spielwerk.


Morgenthau.

1 Morgenthau hält der Sonne nicht Stand.

2 Morgenthau, schwacher Bau.

Jugendliche Träume verfliegen schnell, wenn der Ernst des Lebens naht.


Morgenwolke.

Eine kleine Morgenwolke macht oft ein grosses Abendgewitter.


Morgenworte.

Die Morgenworte gleichen nicht den Abendworten.


Morian.

Morian was en graut Hund un mosde sek doch in de Geduld gewen.Schambach, II, 316.

Der sprichwörtliche Zuruf: Morian war ein grosser Hund und musste sich doch in Geduld ergeben, mahnt die Ungeduldigen zur Geduld und stützt sich nach Schambach auf eine untergegangene Thierfabel. Morian und der sonst mehrfach vorkommende grosse Hund scheinen identisch zu sein. Um einen Dünkelhaften lächerlich zu machen, sagt man: Er denkt, der grosse Hund ist sein Pathe. (S. Denken 93 und Hund 1473.)


Moritz.

Moritzele, Moritzele, mit deiner dürra Kuah; sie hat a dreckigs Fidele un geit kein Milch dazu.Birlinger, 1123.


Morixeln.

* Einen morixeln1.Eiselein, 473.

1) Tödten, von mori.


Mörken.

* Dat is ên vun 't Mörken. (Altona.) – Schütze, III, 110.

Ein Mädchen von schlechtem Ruf. Mörken ist eine krumme Nebengasse, in der ehemals derartige Personen wohnten.


Mormelaugen.

* Er hat Mormelaugen.

„Vom Mormelstockfisch – hat grosse Augen, eines finstern Gesichts, von dannen ein Sprichwort geflossen: Er hat Mormelaugen in die, so ein kurz dunkel Gesicht habend.“ (Forer-Gesner's Thierbuch 1563, Bl. 41a.)


Morro.

Morro, Farger, Osiander, ist ein Schinder wie der ander. (Rothenburg.) – Birlinger, 1136.

Drei dort berüchtigte Pferdequäler.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <p rendition="#et"><pb facs="#f0381" n="[367]"/><cb n="733"/>
Grund und Boden des Morgens der Schatten von dem Zaune fällt, die Herstellung- und Unterhaltungspflicht desselben habe, kann ich keinen Grund finden; auch <hi rendition="#i">Pistorius</hi> bemerkt, dass er keine kenne; für den umgekehrten Fall läge er nahe.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgenschlaf.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Der Morgenschlaf ist süss, macht aber Hadern<hi rendition="#sup">1</hi> um die Füss'.</hi> (<hi rendition="#i">Rott-Thal.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Lappen, Lumpen. &#x2013; Er macht träge.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgensegen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Mit dem Morgensegen wird's Zeit, wenn der Hirt eintreibt.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Morgensegen, Abendsegen ist Tagessegen auf allen Wegen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Wer seinen Morgen- und Abendsegen betet, zielt mit der Doppelflinte auf den Teufel.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sprichwörtergarten, 199.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*4 Einem den Morgensegen singen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Vor der Schlacht bei Fehrbellin schrieb der Prinz von Hessen-Homburg an seine Gemahlin: &#x201E; ... Und gehet alleweil Lüttique (Lüdicke) mit 1500 Mann dem Feindt in ricken, morgen frihe werden sie ihnen den morgensegen singen.&#x201C; (<hi rendition="#i">Sandvoss, 72.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*5 Sie trampelt den Morgensegen.</hi> (<hi rendition="#i">Alt-Pillau.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et">Von einer Hausfrau, die früh keift.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgensonne.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Die Morgensonne hat mehr Anbeter als die Abendsonne.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 7107.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Mehr sehen die Morgen Sonn, denn die abendt Sonn.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Lehmann, 569, 41.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">3 Morgensonne dauert (scheint) nicht den ganzen Tag.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Slow.</hi>: Juterna ura, zlata ura.</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*4 Er macht der Morgensonne eine Faust.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Von einem Langschläfer oder einem Faulen überhaupt.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgenstern.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Der Morgenstern ist nicht schöner.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgenstunde.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Die Morgenstund legt den Gülden in Mund.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Aus einem Ms. vom Jahre 1624.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Die Morgenstunde hat arben im Munde.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 139.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">3 Morgenstund bringt Brot vnd Gold in Mund.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Petri, II, 483.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">4 Morgenstund hat gold (Brot) im Mund.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Gruter, III, 21; Lehmann, II, 85, 166; Hollenberg, I, 52; Bücking, 32; Mayer, II, 27; Pistor., VI, 6; Sailer, 188; Bremser, 2; Gaal, 1157; Eiselein, 473; Neus, 8; Müller, 2, 7; Ramann, Unterr., II, 27; Steiger, 171; Körte, 4302; Körte<hi rendition="#sup">2</hi>, 5406; Simrock, 7095; Siebenkees, 258; Struve, II, 22; Schulzeitung, 365; Boebel, 141; Braun, I, 2767; Lohrengel, I, 173; Marahrens, 95.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Worauf der platte Freund des Schlafs erwidert: &#x201E;Awer de Abendstunn hett Blê im Ars&#x201C;, nach dem die Abendstunden immer Karten, Glas und Pfeife in der Hand haben. Das Bild ist von dem Brauch entlehnt, kleine Geldbeträge, namentlich werthvolle Geldstücke in dem Munde zu verbergen. Durch Hariri's Makamen (<hi rendition="#i">Rückert, I, 22 u. 23</hi>) wissen wir, dass dies bei den Arabern geschah. Die Griechen hatten den alten Gebrauch, und wol nicht blos bei den Todten, denen man bekanntlich das Fährgeld für Charon in den Mund gab. (Vgl. <hi rendition="#i">Grimm, Myth., 791.</hi>) Nach <hi rendition="#i">Pertz</hi> (<hi rendition="#i">Mon. Germ. hist., II, 84</hi>) hielten aber auch die Deutschen den Mund für den sichersten Ort, kleinere Geldsummen darin zu verbergen. (Vgl. <hi rendition="#i">W. Wackernagel</hi> in <hi rendition="#i">Haupt's Zeitschrift, VI, 290.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">K. Arenz</hi> hat mit diesem Sprichwort ein Gedicht überschrieben. (<hi rendition="#i">Düsseldorf II.</hi>) &#x2013; Dies goldene Sprichwort ist aber nicht von ungefähr in die Sprache zahlreicher Völker gekommen; denn die Grundlage aller geistigen Thätigkeit ist Nüchternheit. Sogar die Osmanen sagen, um die Ueberlegenheit der Morgenkraft selbst da, wo es gilt Schwierigkeiten zu überwinden, vor der jeder andern Tageszeit hervorzuheben: Böses am Morgen ist besser als Gutes am Abend. (<hi rendition="#i">Schlechta, 21.</hi>) Im Jahre 1852 hatte auch ein Negermädchen &#x201E;Gold im Munde&#x201C;. Sie hatte ihrem Herrn einige Dollarstücke weggenommen und sie in der Eile im Munde verborgen, sie flogen aber infolge einer Ohrfeige heraus.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Dän.</hi>: Morgenstund har guld i mund. (<hi rendition="#i">Bohn, I, 390.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Engl.</hi>: An hour in the morning is worth two in the evening. &#x2013; The morning sun never lasts a day. (<hi rendition="#i">Bohn II 14.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Frz.</hi>: A qui se leve matin Dieu aide et prête la main. &#x2013; Homme matineux: sain, gai et soigneux. &#x2013; L'aurore est l'amie des muses. (<hi rendition="#i">Masson, 248.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Holl.</hi>: De bruine morgenstond is goed voor de reizigers. &#x2013; De morgenstond heeft goud in den mond. (<hi rendition="#i">Bohn<cb n="734"/>
I, 306.</hi>) &#x2013; Geen bekwamer licht dan van den morgenstond. (<hi rendition="#i">Harrebomée, II, 104<hi rendition="#sup">b</hi>.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">It.</hi>: Il mattino è l'amico dello studio.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Aurora musis amica (grata). (<hi rendition="#i">Binder I, 115; II, 297; Frob., 47; Schulbl., 491; Seybold, 48; Philippi, I, 51; Chaos, 813.</hi>) &#x2013; Diluculo surgere saluberrimum est. (<hi rendition="#i">Eiselein, 473.</hi>) &#x2013; Matutinus habet commoda mira labor. (<hi rendition="#i">Chaos, 456.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Poln.</hi>: Kto rano wstaje, temu Bóg daje. (<hi rendition="#i">Masson, 247.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Schwed.</hi>: Morgonstund haar guld i munn. (<hi rendition="#i">Grubb, 532; Marin, 21.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Span.</hi>: Quien madruga, Dios le ayuda. (<hi rendition="#i">Masson, 248.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Ung.</hi>: Reggeli id&#x0151;nek sok pénz a szájjában. (<hi rendition="#i">Gaal, 1157.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">5 Morgenstund' hat Gold im Mund, sagte Bummelherm und trank schon früh ein Glas (danziger) Goldwasser.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">6 Morgenstund' het Gold im Mund und &#x2013; Blei im Krage.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Sutermeister, 35.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">7 Morgenstunne het Gold in'n Munne; wär lange slöpt, dä geit te Grunne.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, II, 315.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Mit Bezug auf die Langschläfer, die sich gleichsam vor Körperschwere aus dem Bett nicht zu erheben vermögen, wird der ersten Hälfte wol auch als Nachsatz beigefügt: un Blî in 'n Marse. (Vgl. <hi rendition="#i">K. Ritter, Stehe früh auf!</hi> Ueber den Nutzen des Frühaufstehens für die Gesundheit und die Geschäfte, nebst Mitteln sich das frühe Aufstehen anzugewöhnen.)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgensuppe.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">1 Alles zur Morgensuppe verschlingen ist ein böser Imbiss.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Simrock, 7101; Körte, 4304; Braun, I, 2768.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">2 Man mut de Morgensupp nig to grôt maken, dat man abends ôk wat hett.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, I, 13; III, 112;</hi> hochdeutsch bei <hi rendition="#i">Simrock, 7102; Körte, 4303; Masson, 313.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Im Harz: Me mot de Morgenzoppe nich te grot maken, dat me et Amds ôk wat het. (<hi rendition="#i">Lohrengel, I, 589.</hi>) Man muss in der Jugend oder beim Anfange einer Einrichtung nicht zu viel aufgehen lassen, um abends, im Alter oder am Ende nicht darben zu müssen. &#x2013; Zur Zeit, da man Kaffee und Thee nicht kannte, hiess das Frühstück Morgensuppe.</p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">*3 Dat is man en Morgensupp.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, III, 112.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Nur ein Frühstück, nicht viel.</p><lb/>
          <p rendition="#et2"><hi rendition="#i">Lat.</hi>: Tam facile, quam pirum vulpes comest. (<hi rendition="#i">Plautus.</hi>) (<hi rendition="#i">Binder II, 3273; Philippi, II, 210.</hi>)</p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">*4 Es ist ihm nur eine Morgensuppe.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">So leicht als etwas sein kann; nur ein Spielwerk.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgenthau.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">1 Morgenthau hält der Sonne nicht Stand.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">2 Morgenthau, schwacher Bau.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">Jugendliche Träume verfliegen schnell, wenn der Ernst des Lebens naht.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgenwolke.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Eine kleine Morgenwolke macht oft ein grosses Abendgewitter.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morgenworte.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">Die Morgenworte gleichen nicht den Abendworten.</hi> </p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morian.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Morian was en graut Hund un mosde sek doch in de Geduld gewen.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Schambach, II, 316.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Der sprichwörtliche Zuruf: Morian war ein grosser Hund und musste sich doch in Geduld ergeben, mahnt die Ungeduldigen zur Geduld und stützt sich nach <hi rendition="#i">Schambach</hi> auf eine untergegangene Thierfabel. Morian und der sonst mehrfach vorkommende grosse Hund scheinen identisch zu sein. Um einen Dünkelhaften lächerlich zu machen, sagt man: Er denkt, der grosse Hund ist sein Pathe. (S.  Denken 93 und  Hund 1473.)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Moritz.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Moritzele, Moritzele, mit deiner dürra Kuah; sie hat a dreckigs Fidele un geit kein Milch dazu.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Birlinger, 1123.</hi></p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morixeln.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Einen morixeln<hi rendition="#sup">1</hi>.</hi> &#x2013; <hi rendition="#i">Eiselein, 473.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#sup">1</hi>) Tödten, von mori.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mörken.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">* Dat is ên vun 't Mörken.</hi> (<hi rendition="#i">Altona.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Schütze, III, 110.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Ein Mädchen von schlechtem Ruf. Mörken ist eine krumme Nebengasse, in der ehemals derartige Personen wohnten.</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mormelaugen.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"> <hi rendition="#larger">* Er hat Mormelaugen.</hi> </p><lb/>
          <p rendition="#et">&#x201E;Vom Mormelstockfisch &#x2013; hat grosse Augen, eines finstern Gesichts, von dannen ein Sprichwort geflossen: Er hat Mormelaugen in die, so ein kurz dunkel Gesicht habend.&#x201C; (<hi rendition="#i">Forer-Gesner's Thierbuch 1563, Bl. 41<hi rendition="#sup">a</hi>.</hi>)</p><lb/>
        </div>
        <div type="lexiconEntry" n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Morro.</hi> </head><lb/>
          <p rendition="#et"><hi rendition="#larger">Morro, Farger, Osiander, ist ein Schinder wie der ander.</hi> (<hi rendition="#i">Rothenburg.</hi>) &#x2013; <hi rendition="#i">Birlinger, 1136.</hi></p><lb/>
          <p rendition="#et">Drei dort berüchtigte Pferdequäler.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[367]/0381] Grund und Boden des Morgens der Schatten von dem Zaune fällt, die Herstellung- und Unterhaltungspflicht desselben habe, kann ich keinen Grund finden; auch Pistorius bemerkt, dass er keine kenne; für den umgekehrten Fall läge er nahe. Morgenschlaf. Der Morgenschlaf ist süss, macht aber Hadern1 um die Füss'. (Rott-Thal.) 1) Lappen, Lumpen. – Er macht träge. Morgensegen. 1 Mit dem Morgensegen wird's Zeit, wenn der Hirt eintreibt. 2 Morgensegen, Abendsegen ist Tagessegen auf allen Wegen. 3 Wer seinen Morgen- und Abendsegen betet, zielt mit der Doppelflinte auf den Teufel. – Sprichwörtergarten, 199. *4 Einem den Morgensegen singen. Vor der Schlacht bei Fehrbellin schrieb der Prinz von Hessen-Homburg an seine Gemahlin: „ ... Und gehet alleweil Lüttique (Lüdicke) mit 1500 Mann dem Feindt in ricken, morgen frihe werden sie ihnen den morgensegen singen.“ (Sandvoss, 72.) *5 Sie trampelt den Morgensegen. (Alt-Pillau.) Von einer Hausfrau, die früh keift. Morgensonne. 1 Die Morgensonne hat mehr Anbeter als die Abendsonne. – Simrock, 7107. 2 Mehr sehen die Morgen Sonn, denn die abendt Sonn. – Lehmann, 569, 41. 3 Morgensonne dauert (scheint) nicht den ganzen Tag. Slow.: Juterna ura, zlata ura. *4 Er macht der Morgensonne eine Faust. Von einem Langschläfer oder einem Faulen überhaupt. Morgenstern. * Der Morgenstern ist nicht schöner. Morgenstunde. 1 Die Morgenstund legt den Gülden in Mund. – Aus einem Ms. vom Jahre 1624. 2 Die Morgenstunde hat arben im Munde. – Petri, II, 139. 3 Morgenstund bringt Brot vnd Gold in Mund. – Petri, II, 483. 4 Morgenstund hat gold (Brot) im Mund. – Gruter, III, 21; Lehmann, II, 85, 166; Hollenberg, I, 52; Bücking, 32; Mayer, II, 27; Pistor., VI, 6; Sailer, 188; Bremser, 2; Gaal, 1157; Eiselein, 473; Neus, 8; Müller, 2, 7; Ramann, Unterr., II, 27; Steiger, 171; Körte, 4302; Körte2, 5406; Simrock, 7095; Siebenkees, 258; Struve, II, 22; Schulzeitung, 365; Boebel, 141; Braun, I, 2767; Lohrengel, I, 173; Marahrens, 95. Worauf der platte Freund des Schlafs erwidert: „Awer de Abendstunn hett Blê im Ars“, nach dem die Abendstunden immer Karten, Glas und Pfeife in der Hand haben. Das Bild ist von dem Brauch entlehnt, kleine Geldbeträge, namentlich werthvolle Geldstücke in dem Munde zu verbergen. Durch Hariri's Makamen (Rückert, I, 22 u. 23) wissen wir, dass dies bei den Arabern geschah. Die Griechen hatten den alten Gebrauch, und wol nicht blos bei den Todten, denen man bekanntlich das Fährgeld für Charon in den Mund gab. (Vgl. Grimm, Myth., 791.) Nach Pertz (Mon. Germ. hist., II, 84) hielten aber auch die Deutschen den Mund für den sichersten Ort, kleinere Geldsummen darin zu verbergen. (Vgl. W. Wackernagel in Haupt's Zeitschrift, VI, 290.) – K. Arenz hat mit diesem Sprichwort ein Gedicht überschrieben. (Düsseldorf II.) – Dies goldene Sprichwort ist aber nicht von ungefähr in die Sprache zahlreicher Völker gekommen; denn die Grundlage aller geistigen Thätigkeit ist Nüchternheit. Sogar die Osmanen sagen, um die Ueberlegenheit der Morgenkraft selbst da, wo es gilt Schwierigkeiten zu überwinden, vor der jeder andern Tageszeit hervorzuheben: Böses am Morgen ist besser als Gutes am Abend. (Schlechta, 21.) Im Jahre 1852 hatte auch ein Negermädchen „Gold im Munde“. Sie hatte ihrem Herrn einige Dollarstücke weggenommen und sie in der Eile im Munde verborgen, sie flogen aber infolge einer Ohrfeige heraus. Dän.: Morgenstund har guld i mund. (Bohn, I, 390.) Engl.: An hour in the morning is worth two in the evening. – The morning sun never lasts a day. (Bohn II 14.) Frz.: A qui se leve matin Dieu aide et prête la main. – Homme matineux: sain, gai et soigneux. – L'aurore est l'amie des muses. (Masson, 248.) Holl.: De bruine morgenstond is goed voor de reizigers. – De morgenstond heeft goud in den mond. (Bohn I, 306.) – Geen bekwamer licht dan van den morgenstond. (Harrebomée, II, 104b.) It.: Il mattino è l'amico dello studio. Lat.: Aurora musis amica (grata). (Binder I, 115; II, 297; Frob., 47; Schulbl., 491; Seybold, 48; Philippi, I, 51; Chaos, 813.) – Diluculo surgere saluberrimum est. (Eiselein, 473.) – Matutinus habet commoda mira labor. (Chaos, 456.) Poln.: Kto rano wstaje, temu Bóg daje. (Masson, 247.) Schwed.: Morgonstund haar guld i munn. (Grubb, 532; Marin, 21.) Span.: Quien madruga, Dios le ayuda. (Masson, 248.) Ung.: Reggeli időnek sok pénz a szájjában. (Gaal, 1157.) 5 Morgenstund' hat Gold im Mund, sagte Bummelherm und trank schon früh ein Glas (danziger) Goldwasser. 6 Morgenstund' het Gold im Mund und – Blei im Krage. – Sutermeister, 35. 7 Morgenstunne het Gold in'n Munne; wär lange slöpt, dä geit te Grunne. – Schambach, II, 315. Mit Bezug auf die Langschläfer, die sich gleichsam vor Körperschwere aus dem Bett nicht zu erheben vermögen, wird der ersten Hälfte wol auch als Nachsatz beigefügt: un Blî in 'n Marse. (Vgl. K. Ritter, Stehe früh auf! Ueber den Nutzen des Frühaufstehens für die Gesundheit und die Geschäfte, nebst Mitteln sich das frühe Aufstehen anzugewöhnen.) Morgensuppe. 1 Alles zur Morgensuppe verschlingen ist ein böser Imbiss. – Simrock, 7101; Körte, 4304; Braun, I, 2768. 2 Man mut de Morgensupp nig to grôt maken, dat man abends ôk wat hett. – Schütze, I, 13; III, 112; hochdeutsch bei Simrock, 7102; Körte, 4303; Masson, 313. Im Harz: Me mot de Morgenzoppe nich te grot maken, dat me et Amds ôk wat het. (Lohrengel, I, 589.) Man muss in der Jugend oder beim Anfange einer Einrichtung nicht zu viel aufgehen lassen, um abends, im Alter oder am Ende nicht darben zu müssen. – Zur Zeit, da man Kaffee und Thee nicht kannte, hiess das Frühstück Morgensuppe. *3 Dat is man en Morgensupp. – Schütze, III, 112. Nur ein Frühstück, nicht viel. Lat.: Tam facile, quam pirum vulpes comest. (Plautus.) (Binder II, 3273; Philippi, II, 210.) *4 Es ist ihm nur eine Morgensuppe. So leicht als etwas sein kann; nur ein Spielwerk. Morgenthau. 1 Morgenthau hält der Sonne nicht Stand. 2 Morgenthau, schwacher Bau. Jugendliche Träume verfliegen schnell, wenn der Ernst des Lebens naht. Morgenwolke. Eine kleine Morgenwolke macht oft ein grosses Abendgewitter. Morgenworte. Die Morgenworte gleichen nicht den Abendworten. Morian. Morian was en graut Hund un mosde sek doch in de Geduld gewen. – Schambach, II, 316. Der sprichwörtliche Zuruf: Morian war ein grosser Hund und musste sich doch in Geduld ergeben, mahnt die Ungeduldigen zur Geduld und stützt sich nach Schambach auf eine untergegangene Thierfabel. Morian und der sonst mehrfach vorkommende grosse Hund scheinen identisch zu sein. Um einen Dünkelhaften lächerlich zu machen, sagt man: Er denkt, der grosse Hund ist sein Pathe. (S. Denken 93 und Hund 1473.) Moritz. Moritzele, Moritzele, mit deiner dürra Kuah; sie hat a dreckigs Fidele un geit kein Milch dazu. – Birlinger, 1123. Morixeln. * Einen morixeln1. – Eiselein, 473. 1) Tödten, von mori. Mörken. * Dat is ên vun 't Mörken. (Altona.) – Schütze, III, 110. Ein Mädchen von schlechtem Ruf. Mörken ist eine krumme Nebengasse, in der ehemals derartige Personen wohnten. Mormelaugen. * Er hat Mormelaugen. „Vom Mormelstockfisch – hat grosse Augen, eines finstern Gesichts, von dannen ein Sprichwort geflossen: Er hat Mormelaugen in die, so ein kurz dunkel Gesicht habend.“ (Forer-Gesner's Thierbuch 1563, Bl. 41a.) Morro. Morro, Farger, Osiander, ist ein Schinder wie der ander. (Rothenburg.) – Birlinger, 1136. Drei dort berüchtigte Pferdequäler.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-09-18T08:39:28Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Andreas Nolda: Bearbeitung der digitalen Edition. (2020-09-18T08:39:28Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht übernommen; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet; Hervorhebungen I/J in Fraktur: keine Angabe; i/j in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: nicht übernommen; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): keine Angabe; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: keine Angabe; Zeichensetzung: keine Angabe; Zeilenumbrüche markiert: nein

Verzeichnisse im Vorspann wurden nicht transkribiert. Errata aus den Berichtigungen im Nachspann wurden stillschweigend integriert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/381
Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 3. Leipzig, 1873, S. [367]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon03_1873/381>, abgerufen am 25.10.2020.