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Wanderley, Germano: Handbuch der Bauconstruktionslehre. 2. Aufl. Bd. 2. Die Constructionen in Stein. Leipzig, 1878.

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Zweiter Abschnitt.

Der Steinbau.

Unter Steinbau versteht man diejenige Bauart, bei welcher man
sich sowohl der natürlichen Steine, als auch der künstlich präparirten
steinartigen Baustoffe bedient. Zu den Ersteren gehören die auf dem
Felde zerstreut liegenden Granitsteine, die sogenannten Findlinge,
sowie die aus größeren Brüchen stammenden Granit-, Syenit-, Kalk-
und Sandsteine jeglicher Gattung; zu den Letzteren *) zählt man die
aus Thon geformten Ziegeln, welche sowohl in gebranntem, als auch
ungebranntem Zustande benutzt werden. Die Be- und Verarbeitung
dieser verschiedenen Materialien erfordert besondere Geschicklichkeit und
wird durch Professionisten ausgeübt, nach denen man vielfach den
Steinbau eintheilt in:

1) Maurerarbeiten,
2) Steinmetzarbeiten.

Während die Steinmetzer sich lediglich mit der Bearbeitung der
Werk- und Bruchsteine beschäftigen und diese, wenn sie in größeren
Mengen und Dimensionen beim Baue vorkommen, auch versetzen,
pflegen die Maurer blos mit den Ziegeln zu manipuliren und in
einigen Gegenden, wo einzelne Constructionstheile, wie z. B. Gesimse,
Treppen und Sockelbekleidungen aus natürlichen Steinen hergestellt
werden, auch die, von dem Steinmetzer im Bruche oder in der Werk-
stätte zugerichteten Werksteine, auf dem Bau ordnungsmäßig an die
richtige Stelle zu bringen. Ferner existiren in vielen Districten, wo
die rohen Bruchsteine und Felsen zu Fundamenten, und sogar auch
zu größerem Mauerwerk Verwendung finden, sogenannte "Stein-
hauer
", denen es obliegt, die ganz unregelmäßigen Steine etwas
lagerschichtig zu bearbeiten und einzelne Theile, wie z. B. Sockelbe-
kleidungen aus Granit, Granitstufen u. s. w., ebenflächig zu bahnen.

*) Die Lehm-, Kalk- und Cementpisee's haben wir hier nicht besprochen. Die
Herstellung derselben ist beschrieben in "Wanderley, die ländlichen Wirthschaftsgebäude."
Wanderley, Bauconstr. II 1
Zweiter Abſchnitt.

Der Steinbau.

Unter Steinbau verſteht man diejenige Bauart, bei welcher man
ſich ſowohl der natürlichen Steine, als auch der künſtlich präparirten
ſteinartigen Bauſtoffe bedient. Zu den Erſteren gehören die auf dem
Felde zerſtreut liegenden Granitſteine, die ſogenannten Findlinge,
ſowie die aus größeren Brüchen ſtammenden Granit-, Syenit-, Kalk-
und Sandſteine jeglicher Gattung; zu den Letzteren *) zählt man die
aus Thon geformten Ziegeln, welche ſowohl in gebranntem, als auch
ungebranntem Zuſtande benutzt werden. Die Be- und Verarbeitung
dieſer verſchiedenen Materialien erfordert beſondere Geſchicklichkeit und
wird durch Profeſſioniſten ausgeübt, nach denen man vielfach den
Steinbau eintheilt in:

1) Maurerarbeiten,
2) Steinmetzarbeiten.

Während die Steinmetzer ſich lediglich mit der Bearbeitung der
Werk- und Bruchſteine beſchäftigen und dieſe, wenn ſie in größeren
Mengen und Dimenſionen beim Baue vorkommen, auch verſetzen,
pflegen die Maurer blos mit den Ziegeln zu manipuliren und in
einigen Gegenden, wo einzelne Conſtructionstheile, wie z. B. Geſimſe,
Treppen und Sockelbekleidungen aus natürlichen Steinen hergeſtellt
werden, auch die, von dem Steinmetzer im Bruche oder in der Werk-
ſtätte zugerichteten Werkſteine, auf dem Bau ordnungsmäßig an die
richtige Stelle zu bringen. Ferner exiſtiren in vielen Diſtricten, wo
die rohen Bruchſteine und Felſen zu Fundamenten, und ſogar auch
zu größerem Mauerwerk Verwendung finden, ſogenannte „Stein-
hauer
“, denen es obliegt, die ganz unregelmäßigen Steine etwas
lagerſchichtig zu bearbeiten und einzelne Theile, wie z. B. Sockelbe-
kleidungen aus Granit, Granitſtufen u. ſ. w., ebenflächig zu bahnen.

*) Die Lehm-, Kalk- und Cementpiſee’s haben wir hier nicht beſprochen. Die
Herſtellung derſelben iſt beſchrieben in „Wanderley, die ländlichen Wirthſchaftsgebäude.“
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[[1]/0017] Zweiter Abſchnitt. Der Steinbau. Unter Steinbau verſteht man diejenige Bauart, bei welcher man ſich ſowohl der natürlichen Steine, als auch der künſtlich präparirten ſteinartigen Bauſtoffe bedient. Zu den Erſteren gehören die auf dem Felde zerſtreut liegenden Granitſteine, die ſogenannten Findlinge, ſowie die aus größeren Brüchen ſtammenden Granit-, Syenit-, Kalk- und Sandſteine jeglicher Gattung; zu den Letzteren *) zählt man die aus Thon geformten Ziegeln, welche ſowohl in gebranntem, als auch ungebranntem Zuſtande benutzt werden. Die Be- und Verarbeitung dieſer verſchiedenen Materialien erfordert beſondere Geſchicklichkeit und wird durch Profeſſioniſten ausgeübt, nach denen man vielfach den Steinbau eintheilt in: 1) Maurerarbeiten, 2) Steinmetzarbeiten. Während die Steinmetzer ſich lediglich mit der Bearbeitung der Werk- und Bruchſteine beſchäftigen und dieſe, wenn ſie in größeren Mengen und Dimenſionen beim Baue vorkommen, auch verſetzen, pflegen die Maurer blos mit den Ziegeln zu manipuliren und in einigen Gegenden, wo einzelne Conſtructionstheile, wie z. B. Geſimſe, Treppen und Sockelbekleidungen aus natürlichen Steinen hergeſtellt werden, auch die, von dem Steinmetzer im Bruche oder in der Werk- ſtätte zugerichteten Werkſteine, auf dem Bau ordnungsmäßig an die richtige Stelle zu bringen. Ferner exiſtiren in vielen Diſtricten, wo die rohen Bruchſteine und Felſen zu Fundamenten, und ſogar auch zu größerem Mauerwerk Verwendung finden, ſogenannte „Stein- hauer“, denen es obliegt, die ganz unregelmäßigen Steine etwas lagerſchichtig zu bearbeiten und einzelne Theile, wie z. B. Sockelbe- kleidungen aus Granit, Granitſtufen u. ſ. w., ebenflächig zu bahnen. *) Die Lehm-, Kalk- und Cementpiſee’s haben wir hier nicht beſprochen. Die Herſtellung derſelben iſt beſchrieben in „Wanderley, die ländlichen Wirthſchaftsgebäude.“ Wanderley, Bauconſtr. II 1

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Zitationshilfe: Wanderley, Germano: Handbuch der Bauconstruktionslehre. 2. Aufl. Bd. 2. Die Constructionen in Stein. Leipzig, 1878, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wanderley_bauconstructionslehre02_1878/17>, abgerufen am 07.08.2020.