Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

Bild:
<< vorherige Seite


ste. Jmmitteist muste der Mahler hinauß
lauffen/ und zusehen/ ob nicht im Hause dar-
neben Gelegenheit wäre/ daß man den arti-
gen Liebhabern könte in die Karte sehen. Die-
ser kam zurücke/ mit der Zeitung/ es wäre ein
Garten hart darbey/ da man durch einen ge-
flochtenen Zaun nicht allein alles hören könte:
sondern es wäre auch ein bequem Garten-
haus/ das etliche Fenster gegen dem Garten
zu hätte/ hierauf liessen sich Gelanor, Florindo
und Eurylas nicht lang auffhaleen/ und traf-
fen in dem Garten eine alte Wittfrau an/ wel-
che sie mit aller Höffligkeit empfieng/ mit dem
Erbieten/ sie möchten alles nach ihrem Gefal-
len gebrauchen. Sie nahmen es zu Danck
an/ und baten/ man möchte nur die Thür zu-
schliessen/ und sie allein ihrer Lust gebrauchen
lassen/ es solte schon ein gutes Trinck-Geld er-
folgen. Aber wer wolte nun so viel Papier
verklecken/ als die Eitelkeit erforderte/ deren
sie in dem andern Garten mehr als zu viel an-
sichtig worden. Da war lauter Höffligkeit/
lauter Complimenten/ lauter Liebe Der
Tisch war mit dem besten Confect besetzt/ etli-
che Mägde und Jungen hatten nur zu thun/
daß sie Zucker in den Wein thaten. Der
junge Kerle selbst trenschirte die Kirschen/

und
F


ſte. Jmmitteiſt muſte der Mahler hinauß
lauffen/ und zuſehen/ ob nicht im Hauſe dar-
neben Gelegenheit waͤre/ daß man den arti-
gen Liebhabern koͤnte in die Karte ſehen. Die-
ſer kam zuruͤcke/ mit der Zeitung/ es waͤre ein
Garten hart darbey/ da man durch einen ge-
flochtenen Zaun nicht allein alles hoͤren koͤnte:
ſondern es waͤre auch ein bequem Garten-
haus/ das etliche Fenſter gegen dem Garten
zu haͤtte/ hierauf lieſſen ſich Gelanor, Florindo
und Eurylas nicht lang auffhaleen/ und traf-
fen in dem Garten eine alte Wittfrau an/ wel-
che ſie mit aller Hoͤffligkeit empfieng/ mit dem
Erbieten/ ſie moͤchten alles nach ihrem Gefal-
len gebrauchen. Sie nahmen es zu Danck
an/ und baten/ man moͤchte nur die Thuͤr zu-
ſchlieſſen/ und ſie allein ihrer Luſt gebrauchen
laſſen/ es ſolte ſchon ein gutes Trinck-Geld er-
folgen. Aber wer wolte nun ſo viel Papier
verklecken/ als die Eitelkeit erforderte/ deren
ſie in dem andern Garten mehr als zu viel an-
ſichtig worden. Da war lauter Hoͤffligkeit/
lauter Complimenten/ lauter Liebe Der
Tiſch war mit dem beſten Confect beſetzt/ etli-
che Maͤgde und Jungen hatten nur zu thun/
daß ſie Zucker in den Wein thaten. Der
junge Kerle ſelbſt trenſchirte die Kirſchen/

und
F
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0127" n="121"/><lb/>
&#x017F;te. Jmmittei&#x017F;t mu&#x017F;te der Mahler hinauß<lb/>
lauffen/ und zu&#x017F;ehen/ ob nicht im Hau&#x017F;e dar-<lb/>
neben Gelegenheit wa&#x0364;re/ daß man den arti-<lb/>
gen Liebhabern ko&#x0364;nte in die Karte &#x017F;ehen. Die-<lb/>
&#x017F;er kam zuru&#x0364;cke/ mit der Zeitung/ es wa&#x0364;re ein<lb/>
Garten hart darbey/ da man durch einen ge-<lb/>
flochtenen Zaun nicht allein alles ho&#x0364;ren ko&#x0364;nte:<lb/>
&#x017F;ondern es wa&#x0364;re auch ein bequem Garten-<lb/>
haus/ das etliche <hi rendition="#fr">F</hi>en&#x017F;ter gegen dem Garten<lb/>
zu ha&#x0364;tte/ hierauf lie&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ich <hi rendition="#aq">Gelanor, Florindo</hi><lb/>
und <hi rendition="#aq">Eurylas</hi> nicht lang auffhaleen/ und traf-<lb/>
fen in dem Garten eine alte Wittfrau an/ wel-<lb/>
che &#x017F;ie mit aller Ho&#x0364;ffligkeit empfieng/ mit dem<lb/>
Erbieten/ &#x017F;ie mo&#x0364;chten alles nach ihrem Gefal-<lb/>
len gebrauchen. Sie nahmen es zu Danck<lb/>
an/ und baten/ man mo&#x0364;chte nur die Thu&#x0364;r zu-<lb/>
&#x017F;chlie&#x017F;&#x017F;en/ und &#x017F;ie allein ihrer Lu&#x017F;t gebrauchen<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en/ es &#x017F;olte &#x017F;chon ein gutes Trinck-Geld er-<lb/>
folgen. Aber wer wolte nun &#x017F;o viel Papier<lb/>
verklecken/ als die Eitelkeit erforderte/ deren<lb/>
&#x017F;ie in dem andern Garten mehr als zu viel an-<lb/>
&#x017F;ichtig worden. Da war lauter Ho&#x0364;ffligkeit/<lb/>
lauter Complimenten/ lauter Liebe Der<lb/>
Ti&#x017F;ch war mit dem be&#x017F;ten Confect be&#x017F;etzt/ etli-<lb/>
che Ma&#x0364;gde und Jungen hatten nur zu thun/<lb/>
daß &#x017F;ie Zucker in den Wein thaten. Der<lb/>
junge Kerle &#x017F;elb&#x017F;t <hi rendition="#aq">tren&#x017F;chirte</hi> die Kir&#x017F;chen/<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#fr">F</hi></fw><fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[121/0127] ſte. Jmmitteiſt muſte der Mahler hinauß lauffen/ und zuſehen/ ob nicht im Hauſe dar- neben Gelegenheit waͤre/ daß man den arti- gen Liebhabern koͤnte in die Karte ſehen. Die- ſer kam zuruͤcke/ mit der Zeitung/ es waͤre ein Garten hart darbey/ da man durch einen ge- flochtenen Zaun nicht allein alles hoͤren koͤnte: ſondern es waͤre auch ein bequem Garten- haus/ das etliche Fenſter gegen dem Garten zu haͤtte/ hierauf lieſſen ſich Gelanor, Florindo und Eurylas nicht lang auffhaleen/ und traf- fen in dem Garten eine alte Wittfrau an/ wel- che ſie mit aller Hoͤffligkeit empfieng/ mit dem Erbieten/ ſie moͤchten alles nach ihrem Gefal- len gebrauchen. Sie nahmen es zu Danck an/ und baten/ man moͤchte nur die Thuͤr zu- ſchlieſſen/ und ſie allein ihrer Luſt gebrauchen laſſen/ es ſolte ſchon ein gutes Trinck-Geld er- folgen. Aber wer wolte nun ſo viel Papier verklecken/ als die Eitelkeit erforderte/ deren ſie in dem andern Garten mehr als zu viel an- ſichtig worden. Da war lauter Hoͤffligkeit/ lauter Complimenten/ lauter Liebe Der Tiſch war mit dem beſten Confect beſetzt/ etli- che Maͤgde und Jungen hatten nur zu thun/ daß ſie Zucker in den Wein thaten. Der junge Kerle ſelbſt trenſchirte die Kirſchen/ und F

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe handelt es sich um die 2. Auflage… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/127
Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 121. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/127>, abgerufen am 25.02.2020.