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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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L. Ach nein Hr. Doctor/ ich bin noch so alt
nicht/ daß ich einen Unterscheid unter den
Jahrzeiten machen könte.
Chr. Es mag seyn. Doch gefält ihr nicht
der schöne Spaziergang?
L. Der Gang ist gut gnug.
Chr. Aber wie gefält ihr die Persohn/ die mit
ihr geht.
L. Jch werde ja so unhöfflich nicht seyn/
und werde sagen/ sie gefiele mir nicht.
Chr. Jch mag keine Complimente haben/ sie
soll von Hertzen sagen/ ob ihr die Person
gefällt.
L. Wen ich in Ehren halte/ der gefällt mir.
Chr. Wie hanlt sie mich aber in Ehren?
L. So hoch als meinen Vater.
Chr. Jungf. Lißgen/ das ist zu viel/ vor dem
Vater muß man sich fürchten/ das darff
man bey mir nicht thun.
L. Aber ich fürchte mich vor ihm Herr Doctor.
Chr. Darzu hat sie keine Ursach.
L. Jch werde mich ja vor einem vornehmen
Manne fürchten.
Chr. Ein vornehmer Mann thut so einem
schönen Mädgen nichts.
L. Das weiß ich wohl.
Chr. So muß sie ohne Furcht seyn.
L. Ach
F ij

L. Ach nein Hr. Doctor/ ich bin noch ſo alt
nicht/ daß ich einen Unterſcheid unter den
Jahrzeiten machen koͤnte.
Chr. Es mag ſeyn. Doch gefaͤlt ihr nicht
der ſchoͤne Spaziergang?
L. Der Gang iſt gut gnug.
Chr. Aber wie gefaͤlt ihr die Perſohn/ die mit
ihr geht.
L. Jch werde ja ſo unhoͤfflich nicht ſeyn/
und werde ſagen/ ſie gefiele mir nicht.
Chr. Jch mag keine Complimente haben/ ſie
ſoll von Hertzen ſagen/ ob ihr die Perſon
gefaͤllt.
L. Wen ich in Ehren halte/ der gefaͤllt mir.
Chr. Wie hālt ſie mich aber in Ehren?
L. So hoch als meinen Vater.
Chr. Jungf. Lißgen/ das iſt zu viel/ vor dem
Vater muß man ſich fuͤrchten/ das darff
man bey mir nicht thun.
L. Aber ich fuͤrchte mich vor ihm Herr Doctor.
Chr. Darzu hat ſie keine Urſach.
L. Jch werde mich ja vor einem vornehmen
Manne fuͤrchten.
Chr. Ein vornehmer Mann thut ſo einem
ſchoͤnen Maͤdgen nichts.
L. Das weiß ich wohl.
Chr. So muß ſie ohne Furcht ſeyn.
L. Ach
F ij
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[123/0129] L. Ach nein Hr. Doctor/ ich bin noch ſo alt nicht/ daß ich einen Unterſcheid unter den Jahrzeiten machen koͤnte. Chr. Es mag ſeyn. Doch gefaͤlt ihr nicht der ſchoͤne Spaziergang? L. Der Gang iſt gut gnug. Chr. Aber wie gefaͤlt ihr die Perſohn/ die mit ihr geht. L. Jch werde ja ſo unhoͤfflich nicht ſeyn/ und werde ſagen/ ſie gefiele mir nicht. Chr. Jch mag keine Complimente haben/ ſie ſoll von Hertzen ſagen/ ob ihr die Perſon gefaͤllt. L. Wen ich in Ehren halte/ der gefaͤllt mir. Chr. Wie hālt ſie mich aber in Ehren? L. So hoch als meinen Vater. Chr. Jungf. Lißgen/ das iſt zu viel/ vor dem Vater muß man ſich fuͤrchten/ das darff man bey mir nicht thun. L. Aber ich fuͤrchte mich vor ihm Herr Doctor. Chr. Darzu hat ſie keine Urſach. L. Jch werde mich ja vor einem vornehmen Manne fuͤrchten. Chr. Ein vornehmer Mann thut ſo einem ſchoͤnen Maͤdgen nichts. L. Das weiß ich wohl. Chr. So muß ſie ohne Furcht ſeyn. L. Ach F ij

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/129>, abgerufen am 27.02.2020.