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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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war keiner/ der ihn in seinen Gedancken besser
entschuldigte/ als Gelanor: denn er hatte rai-
son
liederlich zu thun. Ein ander/ der sich et-
liche Jahr in fremden Ländern versucht hat/
kan durch seine Actiones leicht darthun/ daß
er kein Haus-Veix sey: Aber so ein Mensch/
mit dem es etwas geschwinde zugegangen/
möchte sich leicht unter den Aepffelbratern
verliehren/ wenn er nicht alle Leute mit gantzer
Gewalt bereden solte/ wo er gewesen wäre.
Nach der Mahlzeit gerieth Gelanor, mit dem
Alten in Discurs, und befand/ daß es kein une-
bener Mann war; dieser beklagte sich nun über
diesen jungen Frantzosen/ man könne ihn zu
nichts bringen/ daß er mit Lust thäte/ und dar-
bey er beständig bliebe: alle Tage wolle er et-
was anders werden/ bald ein Gelehrter/ bald
ein Kauffmann/ bald ein Soldat/ bald ein
Hoffman; und solche Abwechselung hab er nun
biß in daß fünff und zwantzigste Jahr getrie-
ben. Neulich sey er gleichsam verschwunden/
daß kein Mensch gewust/ wo er blieben. End-
lich in acht Wochen hab er sich wieder prae-
sentirt,
in dieser Frantzösischen Gestalt/ als
wie mann ihn noch sehen könte. Nun wolle
er an einem vornehmen Orte Hoffmeister
werden/ aber die Lust würde auch nicht lang

wäh-


war keiner/ der ihn in ſeinen Gedancken beſſer
entſchuldigte/ als Gelanor: denn er hatte rai-
ſon
liederlich zu thun. Ein ander/ der ſich et-
liche Jahr in fremden Laͤndern verſucht hat/
kan durch ſeine Actiones leicht darthun/ daß
er kein Haus-Veix ſey: Aber ſo ein Menſch/
mit dem es etwas geſchwinde zugegangen/
moͤchte ſich leicht unter den Aepffelbratern
verliehren/ wenn er nicht alle Leute mit gantzer
Gewalt bereden ſolte/ wo er geweſen waͤre.
Nach der Mahlzeit gerieth Gelanor, mit dem
Alten in Diſcurs, und befand/ daß es kein une-
bener Mann war; dieſer beklagte ſich nun uͤber
dieſen jungen Frantzoſen/ man koͤnne ihn zu
nichts bringen/ daß er mit Luſt thaͤte/ und dar-
bey er beſtaͤndig bliebe: alle Tage wolle er et-
was anders werden/ bald ein Gelehrter/ bald
ein Kauffmann/ bald ein Soldat/ bald ein
Hoffman; und ſolche Abwechſelung hab er nun
biß in daß fuͤnff und zwantzigſte Jahr getrie-
ben. Neulich ſey er gleichſam verſchwunden/
daß kein Menſch gewuſt/ wo er blieben. End-
lich in acht Wochen hab er ſich wieder præ-
ſentirt,
in dieſer Frantzoͤſiſchen Geſtalt/ als
wie mann ihn noch ſehen koͤnte. Nun wolle
er an einem vornehmen Orte Hoffmeiſter
werden/ aber die Luſt wuͤrde auch nicht lang

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[184/0190] war keiner/ der ihn in ſeinen Gedancken beſſer entſchuldigte/ als Gelanor: denn er hatte rai- ſon liederlich zu thun. Ein ander/ der ſich et- liche Jahr in fremden Laͤndern verſucht hat/ kan durch ſeine Actiones leicht darthun/ daß er kein Haus-Veix ſey: Aber ſo ein Menſch/ mit dem es etwas geſchwinde zugegangen/ moͤchte ſich leicht unter den Aepffelbratern verliehren/ wenn er nicht alle Leute mit gantzer Gewalt bereden ſolte/ wo er geweſen waͤre. Nach der Mahlzeit gerieth Gelanor, mit dem Alten in Diſcurs, und befand/ daß es kein une- bener Mann war; dieſer beklagte ſich nun uͤber dieſen jungen Frantzoſen/ man koͤnne ihn zu nichts bringen/ daß er mit Luſt thaͤte/ und dar- bey er beſtaͤndig bliebe: alle Tage wolle er et- was anders werden/ bald ein Gelehrter/ bald ein Kauffmann/ bald ein Soldat/ bald ein Hoffman; und ſolche Abwechſelung hab er nun biß in daß fuͤnff und zwantzigſte Jahr getrie- ben. Neulich ſey er gleichſam verſchwunden/ daß kein Menſch gewuſt/ wo er blieben. End- lich in acht Wochen hab er ſich wieder præ- ſentirt, in dieſer Frantzoͤſiſchen Geſtalt/ als wie mann ihn noch ſehen koͤnte. Nun wolle er an einem vornehmen Orte Hoffmeiſter werden/ aber die Luſt wuͤrde auch nicht lang waͤh-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 184. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/190>, abgerufen am 22.04.2019.