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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Hoc scio pro certo, quoties cum sterco-
re certo;
Vinco seu vincor, semper ego ma-
culor.

Ließ also den Wirh kommen/ hielt ihm die
Klage für/ und bat er möchte den Stadtrich-
ter dahin disponiren/ daß sie als fremde nicht
ohn Ursach discommodirt würden/ und an
höhern Orten Hülffe suchen müsten. Doch
war dieser kaum auß dem Haus/ so kam der
Stadtrichter selbst/ der mit dem Gelanor auf
Universitäten wohl bekand gewesen/ und auf
solche Masse mit ihm suchte wieder in Freund-
schafft zu treten. Da lieff die gantze action
auf eine sonderliche Lustigkeit hinauß/ daher
Florindo leicht abnehnen kunte/ daß er bey sei-
ner ruhigen posseß wol würde geschitzet wer-
den. Absonderlich delectirten sich alle an der
schönen Klage/ die so artig war auffgesetzt wor-
den; Doch hatte d' Richter nach etliche Inven-
tiones
bey sich/ welche noch besser kamen/ und
daran sich Florindo am besten besänfftigen ließ.

Die Erste verhielt sich also:
P. P.

Vor N. erscheinet N. mit Vorbehalt aller
rechtlichen Wolthaten: Jnsonderheit sich
zu keinem überflüssigen Beweiß/ denn so viel

ihm

Hoc ſcio pro certo, quoties cum ſterco-
re certo;
Vinco ſeu vincor, ſemper ego ma-
culor.

Ließ alſo den Wirh kommen/ hielt ihm die
Klage fuͤr/ und bat er moͤchte den Stadtrich-
ter dahin diſponiren/ daß ſie als fremde nicht
ohn Urſach diſcommodirt wuͤrden/ und an
hoͤhern Orten Huͤlffe ſuchen muͤſten. Doch
war dieſer kaum auß dem Haus/ ſo kam der
Stadtrichter ſelbſt/ der mit dem Gelanor auf
Univerſitaͤten wohl bekand geweſen/ und auf
ſolche Maſſe mit ihm ſuchte wieder in Freund-
ſchafft zu treten. Da lieff die gantze action
auf eine ſonderliche Luſtigkeit hinauß/ daher
Florindo leicht abnehnen kunte/ daß er bey ſei-
ner ruhigen poſſeß wol wuͤrde geſchitzet wer-
den. Abſonderlich delectirten ſich alle an der
ſchoͤnen Klage/ die ſo artig war auffgeſetzt wor-
den; Doch hatte d’ Richter nach etliche Inven-
tiones
bey ſich/ welche noch beſſer kamen/ und
daran ſich Florindo am beſten beſaͤnfftigẽ ließ.

Die Erſte verhielt ſich alſo:
P. P.

Vor N. erſcheinet N. mit Vorbehalt aller
rechtlichen Wolthaten: Jnſonderheit ſich
zu keinem uͤberfluͤſſigen Beweiß/ denn ſo viel

ihm
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[355/0361] Hoc ſcio pro certo, quoties cum ſterco- re certo; Vinco ſeu vincor, ſemper ego ma- culor. Ließ alſo den Wirh kommen/ hielt ihm die Klage fuͤr/ und bat er moͤchte den Stadtrich- ter dahin diſponiren/ daß ſie als fremde nicht ohn Urſach diſcommodirt wuͤrden/ und an hoͤhern Orten Huͤlffe ſuchen muͤſten. Doch war dieſer kaum auß dem Haus/ ſo kam der Stadtrichter ſelbſt/ der mit dem Gelanor auf Univerſitaͤten wohl bekand geweſen/ und auf ſolche Maſſe mit ihm ſuchte wieder in Freund- ſchafft zu treten. Da lieff die gantze action auf eine ſonderliche Luſtigkeit hinauß/ daher Florindo leicht abnehnen kunte/ daß er bey ſei- ner ruhigen poſſeß wol wuͤrde geſchitzet wer- den. Abſonderlich delectirten ſich alle an der ſchoͤnen Klage/ die ſo artig war auffgeſetzt wor- den; Doch hatte d’ Richter nach etliche Inven- tiones bey ſich/ welche noch beſſer kamen/ und daran ſich Florindo am beſten beſaͤnfftigẽ ließ. Die Erſte verhielt ſich alſo: P. P. Vor N. erſcheinet N. mit Vorbehalt aller rechtlichen Wolthaten: Jnſonderheit ſich zu keinem uͤberfluͤſſigen Beweiß/ denn ſo viel ihm

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/361>, S. 355, abgerufen am 21.11.2017.