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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Die Andere lautete also:
P. P.

Kläger erscheinet/ und giebt mit wehmü-
thigen Klagen zu verstehen/ daß Beklagter N.
sein Nachbar einen Birnbaum habe/ der
mit etlichen Zweigen in seinen Klägers Hoff
hinnüber reiche. Ob nun wohl Veklagter
gewust/ daß hierdurch alle Birnen/ so auf den
hinüber hangenden Zweigen wachsen/ ihm als
Nachbarn verfallen wären: Auch keine Mit-
tel gesehen/ wie er sich solcher Birnen theil-
hafftig machen könte: hat er doch auß unchrist-
lichem boßhafftigen Gemüthe bey dunck-
ler Nacht-Zeit offt erwehnte Birnen/ mit
Gunst und reverenz zu melden/ mit Men-
schen-Koth beschmieret/ und hierdurch Anlaß
gegeben/ daß/ als er folgendes Tages eine
abgeschlagen und essen wollen/ ihm ein hefftiger
Eckel zugestanden/ der wohl gar in ein hitzig
Fieber hätte degeneriren können/ wenn ihm
nicht durch kräfftige medicamenta wäre be-
gegnet worden. Weil denn solch frevent-
liches Beginnen andern zu mercklichem Ab-
scheu muß gestraffet werden; Als bittet
Kläger im Rechten außzusprechen/ daß
er schuldig sey/ eben eine solche beschmierte
Birne mit Haut und Haar auffzufressen.

Und
Die Andere lautete alſo:
P. P.

Klaͤger erſcheinet/ und giebt mit wehmuͤ-
thigen Klagen zu verſtehen/ daß Beklagter N.
ſein Nachbar einen Birnbaum habe/ der
mit etlichen Zweigen in ſeinen Klaͤgers Hoff
hinnuͤber reiche. Ob nun wohl Veklagter
gewuſt/ daß hierdurch alle Birnen/ ſo auf den
hinuͤber hangenden Zweigen wachſen/ ihm als
Nachbarn verfallen waͤren: Auch keine Mit-
tel geſehen/ wie er ſich ſolcher Birnen theil-
hafftig machen koͤnte: hat er doch auß unchriſt-
lichem boßhafftigen Gemuͤthe bey dunck-
ler Nacht-Zeit offt erwehnte Birnen/ mit
Gunſt und reverenz zu melden/ mit Men-
ſchen-Koth beſchmieret/ und hierdurch Anlaß
gegeben/ daß/ als er folgendes Tages eine
abgeſchlagen und eſſen wollẽ/ ihm ein hefftiger
Eckel zugeſtanden/ der wohl gar in ein hitzig
Fieber haͤtte degeneriren koͤnnen/ wenn ihm
nicht durch kraͤfftige medicamenta waͤre be-
gegnet worden. Weil denn ſolch frevent-
liches Beginnen andern zu mercklichem Ab-
ſcheu muß geſtraffet werden; Als bittet
Klaͤger im Rechten außzuſprechen/ daß
er ſchuldig ſey/ eben eine ſolche beſchmierte
Birne mit Haut und Haar auffzufreſſen.

Und
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[357/0363] Die Andere lautete alſo: P. P. Klaͤger erſcheinet/ und giebt mit wehmuͤ- thigen Klagen zu verſtehen/ daß Beklagter N. ſein Nachbar einen Birnbaum habe/ der mit etlichen Zweigen in ſeinen Klaͤgers Hoff hinnuͤber reiche. Ob nun wohl Veklagter gewuſt/ daß hierdurch alle Birnen/ ſo auf den hinuͤber hangenden Zweigen wachſen/ ihm als Nachbarn verfallen waͤren: Auch keine Mit- tel geſehen/ wie er ſich ſolcher Birnen theil- hafftig machen koͤnte: hat er doch auß unchriſt- lichem boßhafftigen Gemuͤthe bey dunck- ler Nacht-Zeit offt erwehnte Birnen/ mit Gunſt und reverenz zu melden/ mit Men- ſchen-Koth beſchmieret/ und hierdurch Anlaß gegeben/ daß/ als er folgendes Tages eine abgeſchlagen und eſſen wollẽ/ ihm ein hefftiger Eckel zugeſtanden/ der wohl gar in ein hitzig Fieber haͤtte degeneriren koͤnnen/ wenn ihm nicht durch kraͤfftige medicamenta waͤre be- gegnet worden. Weil denn ſolch frevent- liches Beginnen andern zu mercklichem Ab- ſcheu muß geſtraffet werden; Als bittet Klaͤger im Rechten außzuſprechen/ daß er ſchuldig ſey/ eben eine ſolche beſchmierte Birne mit Haut und Haar auffzufreſſen. Und

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/363>, S. 357, abgerufen am 20.11.2017.