Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Zittauisches Theatrum. Zittau, 1683.

Bild:
<< vorherige Seite
MASANIELLO.
Fünffter Handlung
Vier und zwantzigster Aufftrit.
Matelone, Anaclerio.
Mat. So bin ich mit gutem Glück wieder in
die Stadt kommen.

Anacl. Es ist alle Furcht verschwunden. Der
Pöbel steht in Furcht und Zittern/ und bedencket
erst/ was ein jedweder wegen seiner Buben-
Stücke verdienet hat.

Mat. Unserer Palläste könten wir vergessen/ wer
mir nur meinen Herren Bruder wiederum könte
lebendig machen.

Anacl. Es haben gleichwohl etliche ehrliche von
Adel so viel gethan/ und haben das Eiserne Gegit-
ter mit seinen Haupte herunter gerissen: haben es
auch in dem nechsten Kloster so lange zur Verwah-
rung gegeben/ biß solches mit gewöhnlichen Cere-
mo
nien könte begraben werden.

Mat. Die ehrlichen Cavalliers sollen es künffti-
ger Zeit wohl zu geniessen haben. Doch wo befin-
det sich der verfluchte Cörper?

Anacl. Er wird von dem unnützen Gesindel in
der Stadt herum geschlept. Ich habe selbst etli-
che Duplonen darzu spendiret/ daß sie das Schind-
Aaß desto schändlicher zerlästern sollen: und nach-
dem die grösten Gliedmassen von ein ander gerissen
sind/ so werden sie also fort in kleinere Theile resol-
vi
ret werden/ biß das Unthier in nichts verwan-
delt ist.
Mat.
P p 3
MASANIELLO.
Fuͤnffter Handlung
Vier und zwantzigſter Aufftrit.
Matelone, Anaclerio.
Mat. So bin ich mit gutem Gluͤck wieder in
die Stadt kommen.

Anacl. Es iſt alle Furcht verſchwunden. Der
Poͤbel ſteht in Furcht und Zittern/ und bedencket
erſt/ was ein jedweder wegen ſeiner Buben-
Stuͤcke verdienet hat.

Mat. Unſerer Pallaͤſte koͤnten wir vergeſſen/ wer
mir nur meinen Herren Bruder wiederum koͤnte
lebendig machen.

Anacl. Es haben gleichwohl etliche ehrliche von
Adel ſo viel gethan/ und haben das Eiſerne Gegit-
ter mit ſeinen Haupte herunter geriſſen: haben es
auch in dem nechſten Kloſter ſo lange zur Verwah-
rung gegeben/ biß ſolches mit gewoͤhnlichen Cere-
mo
nien koͤnte begraben werden.

Mat. Die ehrlichen Cavalliers ſollen es kuͤnffti-
ger Zeit wohl zu genieſſen haben. Doch wo befin-
det ſich der verfluchte Coͤrper?

Anacl. Er wird von dem unnuͤtzen Geſindel in
der Stadt herum geſchlept. Ich habe ſelbſt etli-
che Duplonen darzu ſpendiret/ daß ſie das Schind-
Aaß deſto ſchaͤndlicher zerlaͤſtern ſollen: und nach-
dem die groͤſten Gliedmaſſen von ein ander geriſſen
ſind/ ſo werden ſie alſo fort in kleinere Theile reſol-
vi
ret werden/ biß das Unthier in nichts verwan-
delt iſt.
Mat.
P p 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0570" n="229"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g">MASANIELLO.</hi> </hi> </hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Fu&#x0364;nffter Handlung</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Vier und zwantzig&#x017F;ter Aufftrit.</hi> </head><lb/>
            <stage> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#aq">Matelone, Anaclerio.</hi> </hi> </stage><lb/>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Mat.</hi> </speaker>
              <p>So bin ich mit gutem Glu&#x0364;ck wieder in<lb/>
die Stadt kommen.</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Anacl.</hi> </speaker>
              <p>Es i&#x017F;t alle Furcht ver&#x017F;chwunden. Der<lb/>
Po&#x0364;bel &#x017F;teht in Furcht und Zittern/ und bedencket<lb/>
er&#x017F;t/ was ein jedweder wegen &#x017F;einer Buben-<lb/>
Stu&#x0364;cke verdienet hat.</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Mat.</hi> </speaker>
              <p>Un&#x017F;erer Palla&#x0364;&#x017F;te ko&#x0364;nten wir verge&#x017F;&#x017F;en/ wer<lb/>
mir nur meinen Herren Bruder wiederum ko&#x0364;nte<lb/>
lebendig machen.</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Anacl.</hi> </speaker>
              <p>Es haben gleichwohl etliche ehrliche von<lb/>
Adel &#x017F;o viel gethan/ und haben das Ei&#x017F;erne Gegit-<lb/>
ter mit &#x017F;einen Haupte herunter geri&#x017F;&#x017F;en: haben es<lb/>
auch in dem nech&#x017F;ten Klo&#x017F;ter &#x017F;o lange zur Verwah-<lb/>
rung gegeben/ biß &#x017F;olches mit gewo&#x0364;hnlichen <hi rendition="#aq">Cere-<lb/>
mo</hi>nien ko&#x0364;nte begraben werden.</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Mat.</hi> </speaker>
              <p>Die ehrlichen Cavalliers &#x017F;ollen es ku&#x0364;nffti-<lb/>
ger Zeit wohl zu genie&#x017F;&#x017F;en haben. Doch wo befin-<lb/>
det &#x017F;ich der verfluchte Co&#x0364;rper?</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Anacl.</hi> </speaker>
              <p>Er wird von dem unnu&#x0364;tzen Ge&#x017F;indel in<lb/>
der Stadt herum ge&#x017F;chlept. Ich habe &#x017F;elb&#x017F;t etli-<lb/>
che Duplonen darzu &#x017F;pendiret/ daß &#x017F;ie das Schind-<lb/>
Aaß de&#x017F;to &#x017F;cha&#x0364;ndlicher zerla&#x0364;&#x017F;tern &#x017F;ollen: und nach-<lb/>
dem die gro&#x0364;&#x017F;ten Gliedma&#x017F;&#x017F;en von ein ander geri&#x017F;&#x017F;en<lb/>
&#x017F;ind/ &#x017F;o werden &#x017F;ie al&#x017F;o fort in kleinere Theile <hi rendition="#aq">re&#x017F;ol-<lb/>
vi</hi>ret werden/ biß das Unthier in nichts verwan-<lb/>
delt i&#x017F;t.</p>
            </sp><lb/>
            <fw place="bottom" type="sig">P p 3</fw>
            <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#aq">Mat.</hi> </fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[229/0570] MASANIELLO. Fuͤnffter Handlung Vier und zwantzigſter Aufftrit. Matelone, Anaclerio. Mat. So bin ich mit gutem Gluͤck wieder in die Stadt kommen. Anacl. Es iſt alle Furcht verſchwunden. Der Poͤbel ſteht in Furcht und Zittern/ und bedencket erſt/ was ein jedweder wegen ſeiner Buben- Stuͤcke verdienet hat. Mat. Unſerer Pallaͤſte koͤnten wir vergeſſen/ wer mir nur meinen Herren Bruder wiederum koͤnte lebendig machen. Anacl. Es haben gleichwohl etliche ehrliche von Adel ſo viel gethan/ und haben das Eiſerne Gegit- ter mit ſeinen Haupte herunter geriſſen: haben es auch in dem nechſten Kloſter ſo lange zur Verwah- rung gegeben/ biß ſolches mit gewoͤhnlichen Cere- monien koͤnte begraben werden. Mat. Die ehrlichen Cavalliers ſollen es kuͤnffti- ger Zeit wohl zu genieſſen haben. Doch wo befin- det ſich der verfluchte Coͤrper? Anacl. Er wird von dem unnuͤtzen Geſindel in der Stadt herum geſchlept. Ich habe ſelbſt etli- che Duplonen darzu ſpendiret/ daß ſie das Schind- Aaß deſto ſchaͤndlicher zerlaͤſtern ſollen: und nach- dem die groͤſten Gliedmaſſen von ein ander geriſſen ſind/ ſo werden ſie alſo fort in kleinere Theile reſol- viret werden/ biß das Unthier in nichts verwan- delt iſt. Mat. P p 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_theatrum_1683
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_theatrum_1683/570
Zitationshilfe: Weise, Christian: Zittauisches Theatrum. Zittau, 1683, S. 229. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_theatrum_1683/570>, abgerufen am 22.10.2019.