Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710.

Bild:
<< vorherige Seite

der Astronomie.
bald gar zurücke zugehen scheinen/ das ist/
ihre Schrauben-Gänge umb die Erde bald
in gleicher Zeit mit den Fixsternen/ bald ge-
schwinder absolviren; so weiß man auch hier
nicht die geringste Ursache zu geben. Am al-
lerwenigsten kan man zu rechte kommen/
wenn man die besonderen Umbstände dieser
Erscheinungen/ die oben (§. 383. seqq.) an-
geführet worden/ erklähret wissen wil. Allso
sehet ihr/ daß durch den Tychonischen Welt-
Bau nichts begriffen werden kan/ was in
demselben vorgehet. Derowegen ist nicht
glaublich/ daß ihn Tycho recht beschrieben
(§. 391). W. Z. E.

Zusatz.

393. Weil mau aus dem Tychonischen
Welt-Baue keine Ursachen der Himmels-
Begebenheiten ersehen kan; so ist er auch in
der Astronomie zu gar nichts nutze. Denn
in dieser Wissenschaft suchen wir die Gesetze
der Bewegung der Planeten (§. 377)/ da-
mit wir die Himmels-Begebenheiten zuvor
berechnen können: aus den Tychonischen
Schrauben-Gängen aber wird sich niemand
in dieser Arbeit zu rechte finden/ weil man
keine Ursache von ihren Veränderungen ge-
ben kan.

Die 1. Anmerckung.

394. Dannenhero wenn diejenigen'/ welche der
Erde alle Bewegung benommen/ die Himmels-Be-
gebenheiten ausrechnen wollen; haben sie wieder ih-

ren

der Aſtronomie.
bald gar zuruͤcke zugehen ſcheinen/ das iſt/
ihre Schrauben-Gaͤnge umb die Erde bald
in gleicher Zeit mit den Fixſternen/ bald ge-
ſchwinder abſolviren; ſo weiß man auch hier
nicht die geringſte Urſache zu geben. Am al-
lerwenigſten kan man zu rechte kommen/
wenn man die beſonderen Umbſtaͤnde dieſer
Erſcheinungen/ die oben (§. 383. ſeqq.) an-
gefuͤhret worden/ erklaͤhret wiſſen wil. Allſo
ſehet ihr/ daß durch den Tychoniſchen Welt-
Bau nichts begriffen werden kan/ was in
demſelben vorgehet. Derowegen iſt nicht
glaublich/ daß ihn Tycho recht beſchrieben
(§. 391). W. Z. E.

Zuſatz.

393. Weil mau aus dem Tychoniſchen
Welt-Baue keine Urſachen der Himmels-
Begebenheiten erſehen kan; ſo iſt er auch in
der Aſtronomie zu gar nichts nutze. Denn
in dieſer Wiſſenſchaft ſuchen wir die Geſetze
der Bewegung der Planeten (§. 377)/ da-
mit wir die Himmels-Begebenheiten zuvor
berechnen koͤnnen: aus den Tychoniſchen
Schrauben-Gaͤngen aber wird ſich niemand
in dieſer Arbeit zu rechte finden/ weil man
keine Urſache von ihren Veraͤnderungen ge-
ben kan.

Die 1. Anmerckung.

394. Dannenhero wenn diejenigen’/ welche der
Erde alle Bewegung benommen/ die Himmels-Be-
gebenheiten ausrechnen wollen; haben ſie wieder ih-

ren
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0367" n="343"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">der A&#x017F;tronomie.</hi></fw><lb/>
bald gar zuru&#x0364;cke zugehen &#x017F;cheinen/ das i&#x017F;t/<lb/>
ihre Schrauben-Ga&#x0364;nge umb die Erde bald<lb/>
in gleicher Zeit mit den Fix&#x017F;ternen/ bald ge-<lb/>
&#x017F;chwinder ab&#x017F;olviren; &#x017F;o weiß man auch hier<lb/>
nicht die gering&#x017F;te Ur&#x017F;ache zu geben. Am al-<lb/>
lerwenig&#x017F;ten kan man zu rechte kommen/<lb/>
wenn man die be&#x017F;onderen Umb&#x017F;ta&#x0364;nde die&#x017F;er<lb/>
Er&#x017F;cheinungen/ die oben (§. 383. <hi rendition="#aq">&#x017F;eqq.</hi>) an-<lb/>
gefu&#x0364;hret worden/ erkla&#x0364;hret wi&#x017F;&#x017F;en wil. All&#x017F;o<lb/>
&#x017F;ehet ihr/ daß durch den Tychoni&#x017F;chen Welt-<lb/>
Bau nichts begriffen werden kan/ was in<lb/>
dem&#x017F;elben vorgehet. Derowegen i&#x017F;t nicht<lb/>
glaublich/ daß ihn <hi rendition="#aq">Tycho</hi> recht be&#x017F;chrieben<lb/>
(§. 391). W. Z. E.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">Zu&#x017F;atz.</hi> </head><lb/>
              <p>393. Weil mau aus dem Tychoni&#x017F;chen<lb/>
Welt-Baue keine Ur&#x017F;achen der Himmels-<lb/>
Begebenheiten er&#x017F;ehen kan; &#x017F;o i&#x017F;t er auch in<lb/>
der A&#x017F;tronomie zu gar nichts nutze. Denn<lb/>
in die&#x017F;er Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft &#x017F;uchen wir die Ge&#x017F;etze<lb/>
der Bewegung der Planeten (§. 377)/ da-<lb/>
mit wir die Himmels-Begebenheiten zuvor<lb/>
berechnen ko&#x0364;nnen: aus den Tychoni&#x017F;chen<lb/>
Schrauben-Ga&#x0364;ngen aber wird &#x017F;ich niemand<lb/>
in die&#x017F;er Arbeit zu rechte finden/ weil man<lb/>
keine Ur&#x017F;ache von ihren Vera&#x0364;nderungen ge-<lb/>
ben kan.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">Die 1. Anmerckung.</hi> </head><lb/>
              <p>394. Dannenhero wenn diejenigen&#x2019;/ welche der<lb/>
Erde alle Bewegung benommen/ die Himmels-Be-<lb/>
gebenheiten ausrechnen wollen; haben &#x017F;ie wieder ih-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ren</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[343/0367] der Aſtronomie. bald gar zuruͤcke zugehen ſcheinen/ das iſt/ ihre Schrauben-Gaͤnge umb die Erde bald in gleicher Zeit mit den Fixſternen/ bald ge- ſchwinder abſolviren; ſo weiß man auch hier nicht die geringſte Urſache zu geben. Am al- lerwenigſten kan man zu rechte kommen/ wenn man die beſonderen Umbſtaͤnde dieſer Erſcheinungen/ die oben (§. 383. ſeqq.) an- gefuͤhret worden/ erklaͤhret wiſſen wil. Allſo ſehet ihr/ daß durch den Tychoniſchen Welt- Bau nichts begriffen werden kan/ was in demſelben vorgehet. Derowegen iſt nicht glaublich/ daß ihn Tycho recht beſchrieben (§. 391). W. Z. E. Zuſatz. 393. Weil mau aus dem Tychoniſchen Welt-Baue keine Urſachen der Himmels- Begebenheiten erſehen kan; ſo iſt er auch in der Aſtronomie zu gar nichts nutze. Denn in dieſer Wiſſenſchaft ſuchen wir die Geſetze der Bewegung der Planeten (§. 377)/ da- mit wir die Himmels-Begebenheiten zuvor berechnen koͤnnen: aus den Tychoniſchen Schrauben-Gaͤngen aber wird ſich niemand in dieſer Arbeit zu rechte finden/ weil man keine Urſache von ihren Veraͤnderungen ge- ben kan. Die 1. Anmerckung. 394. Dannenhero wenn diejenigen’/ welche der Erde alle Bewegung benommen/ die Himmels-Be- gebenheiten ausrechnen wollen; haben ſie wieder ih- ren

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710/367
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710. , S. 343. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710/367>, abgerufen am 17.01.2020.