Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710.

Bild:
<< vorherige Seite

der Astronomie.
man es von der erweisen. Aus diesem se-
het ihr wie ohne Schwierigkeit die Ursache
von den Himmels-Begebenheiten aus ge-
genwärtigem Lehrsatze gegeben werden kan/
und ihr werdet aus dem folgenden ersehen/
daß auch die allergnauesten Umbstände dar-
aus sich determiniren lassen. Allso ist wol
nicht zu zweifelen/ daß das Welt-Gebäude
in gegenwärtigem Lehrsatze richtig beschrie-
ben sey (§. 391).

Der 1. Zusatz.

400. Weil die Pol-Höhe sich auf der Er-
de nicht verändert/ so muß die Axe der Erde/
in dem sie umb die Sonne herumb gehet/
mit der Welt-Axe beständig parallel blei-
ben. Und daher ist eine besondere Bewe-
gung vonnöthen/ dadurch dieses erhalten
wird.

Die 1. Anmerckung.

401. Copernicus nennet diese Bewegung motum
reflexionis.
Damit ihr euch dieselbe desto füglicher
einbilden könnet; so setzet es sey auf eine Flagge
eine Kugel dergestalt gemahlet/ daß ihre Axe mit der
Welt-Axe parallel ist. Fahret mit dem Schiffe
umb eine Jnsul. Wenn der Süd-Wind bläset; so
wird die Flagge beständig gegen Norden stehen und
allso die Axe der daran gemahleten Kugel unverän-
dert mit der Welt-Axe parallel erhalten werden.

Der 2. Zusatz.

402. Wiederumb in dem die Erde sich
umb ihre Axe beweget/ suchet alle Materie
die zu ihr gehöret/ sich von dem Mittelpuncte

des
Z 5

der Aſtronomie.
man es von der ♀ erweiſen. Aus dieſem ſe-
het ihr wie ohne Schwierigkeit die Urſache
von den Himmels-Begebenheiten aus ge-
genwaͤrtigem Lehrſatze gegeben werden kan/
und ihr werdet aus dem folgenden erſehen/
daß auch die allergnaueſten Umbſtaͤnde dar-
aus ſich determiniren laſſen. Allſo iſt wol
nicht zu zweifelen/ daß das Welt-Gebaͤude
in gegenwaͤrtigem Lehrſatze richtig beſchrie-
ben ſey (§. 391).

Der 1. Zuſatz.

400. Weil die Pol-Hoͤhe ſich auf der Er-
de nicht veraͤndert/ ſo muß die Axe der Erde/
in dem ſie umb die Sonne herumb gehet/
mit der Welt-Axe beſtaͤndig parallel blei-
ben. Und daher iſt eine beſondere Bewe-
gung vonnoͤthen/ dadurch dieſes erhalten
wird.

Die 1. Anmerckung.

401. Copernicus nennet dieſe Bewegung motum
reflexionis.
Damit ihr euch dieſelbe deſto fuͤglicher
einbilden koͤnnet; ſo ſetzet es ſey auf eine Flagge
eine Kugel dergeſtalt gemahlet/ daß ihre Axe mit der
Welt-Axe parallel iſt. Fahret mit dem Schiffe
umb eine Jnſul. Wenn der Suͤd-Wind blaͤſet; ſo
wird die Flagge beſtaͤndig gegen Norden ſtehen und
allſo die Axe der daran gemahleten Kugel unveraͤn-
dert mit der Welt-Axe parallel erhalten werden.

Der 2. Zuſatz.

402. Wiederumb in dem die Erde ſich
umb ihre Axe beweget/ ſuchet alle Materie
die zu ihr gehoͤret/ ſich von dem Mittelpuncte

des
Z 5
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0377" n="353"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">der A&#x017F;tronomie.</hi></fw><lb/>
man es von der &#x2640; erwei&#x017F;en. Aus die&#x017F;em &#x017F;e-<lb/>
het ihr wie ohne Schwierigkeit die Ur&#x017F;ache<lb/>
von den Himmels-Begebenheiten aus ge-<lb/>
genwa&#x0364;rtigem Lehr&#x017F;atze gegeben werden kan/<lb/>
und ihr werdet aus dem folgenden er&#x017F;ehen/<lb/>
daß auch die allergnaue&#x017F;ten Umb&#x017F;ta&#x0364;nde dar-<lb/>
aus &#x017F;ich <hi rendition="#aq">determini</hi>ren la&#x017F;&#x017F;en. All&#x017F;o i&#x017F;t wol<lb/>
nicht zu zweifelen/ daß das Welt-Geba&#x0364;ude<lb/>
in gegenwa&#x0364;rtigem Lehr&#x017F;atze richtig be&#x017F;chrie-<lb/>
ben &#x017F;ey (§. 391).</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">Der 1. Zu&#x017F;atz.</hi> </head><lb/>
              <p>400. Weil die Pol-Ho&#x0364;he &#x017F;ich auf der Er-<lb/>
de nicht vera&#x0364;ndert/ &#x017F;o muß die Axe der Erde/<lb/>
in dem &#x017F;ie umb die Sonne herumb gehet/<lb/>
mit der Welt-Axe be&#x017F;ta&#x0364;ndig parallel blei-<lb/>
ben. Und daher i&#x017F;t eine be&#x017F;ondere Bewe-<lb/>
gung vonno&#x0364;then/ dadurch die&#x017F;es erhalten<lb/>
wird.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">Die 1. Anmerckung.</hi> </head><lb/>
              <p>401. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Copernicus</hi></hi> nennet die&#x017F;e Bewegung <hi rendition="#aq">motum<lb/>
reflexionis.</hi> Damit ihr euch die&#x017F;elbe de&#x017F;to fu&#x0364;glicher<lb/>
einbilden ko&#x0364;nnet; &#x017F;o &#x017F;etzet es &#x017F;ey auf eine Flagge<lb/>
eine Kugel derge&#x017F;talt gemahlet/ daß ihre Axe mit der<lb/>
Welt-Axe parallel i&#x017F;t. Fahret mit dem Schiffe<lb/>
umb eine Jn&#x017F;ul. Wenn der Su&#x0364;d-Wind bla&#x0364;&#x017F;et; &#x017F;o<lb/>
wird die Flagge be&#x017F;ta&#x0364;ndig gegen Norden &#x017F;tehen und<lb/>
all&#x017F;o die Axe der daran gemahleten Kugel unvera&#x0364;n-<lb/>
dert mit der Welt-Axe parallel erhalten werden.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">Der 2. Zu&#x017F;atz.</hi> </head><lb/>
              <p>402. Wiederumb in dem die Erde &#x017F;ich<lb/>
umb ihre Axe beweget/ &#x017F;uchet alle Materie<lb/>
die zu ihr geho&#x0364;ret/ &#x017F;ich von dem Mittelpuncte<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">Z 5</fw><fw place="bottom" type="catch">des</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[353/0377] der Aſtronomie. man es von der ♀ erweiſen. Aus dieſem ſe- het ihr wie ohne Schwierigkeit die Urſache von den Himmels-Begebenheiten aus ge- genwaͤrtigem Lehrſatze gegeben werden kan/ und ihr werdet aus dem folgenden erſehen/ daß auch die allergnaueſten Umbſtaͤnde dar- aus ſich determiniren laſſen. Allſo iſt wol nicht zu zweifelen/ daß das Welt-Gebaͤude in gegenwaͤrtigem Lehrſatze richtig beſchrie- ben ſey (§. 391). Der 1. Zuſatz. 400. Weil die Pol-Hoͤhe ſich auf der Er- de nicht veraͤndert/ ſo muß die Axe der Erde/ in dem ſie umb die Sonne herumb gehet/ mit der Welt-Axe beſtaͤndig parallel blei- ben. Und daher iſt eine beſondere Bewe- gung vonnoͤthen/ dadurch dieſes erhalten wird. Die 1. Anmerckung. 401. Copernicus nennet dieſe Bewegung motum reflexionis. Damit ihr euch dieſelbe deſto fuͤglicher einbilden koͤnnet; ſo ſetzet es ſey auf eine Flagge eine Kugel dergeſtalt gemahlet/ daß ihre Axe mit der Welt-Axe parallel iſt. Fahret mit dem Schiffe umb eine Jnſul. Wenn der Suͤd-Wind blaͤſet; ſo wird die Flagge beſtaͤndig gegen Norden ſtehen und allſo die Axe der daran gemahleten Kugel unveraͤn- dert mit der Welt-Axe parallel erhalten werden. Der 2. Zuſatz. 402. Wiederumb in dem die Erde ſich umb ihre Axe beweget/ ſuchet alle Materie die zu ihr gehoͤret/ ſich von dem Mittelpuncte des Z 5

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710/377
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710. , S. 353. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710/377>, abgerufen am 17.10.2019.