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Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754.

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des Eigenthums.
§. 217.

Weil man eine Sache sich zugeignet hat,Von Zu-
eignung
der wil-
den Thie-
re.

so bald man sie in den Stand gebracht, daß
man sie ergreifen kann (§. 212.); so hat
man ein wildes Thier sich zugeeignet,
folgends ist es seine; wenn man Netze
ausgestellet an dem Orte, wo man das
Zueignungsrecht hat, und dasselbe
sich verstrickt, daß es nicht davon kom-
men kann; oder wenn es durch Werck-
zeuge, die beschaffen seyn mögen, wie
sie wollen, dergestalt fest gehalten wird,
daß es nicht entfliehen kann; oder
wenn man es durch einen Schuß ge-
fället, oder also verwundet, oder er-
müdet hat, daß es nicht entfliehen
kann.
Eben dieses gilt auch von dem Wil-
de, welches in einem umzäunten Walde ein-
geschlossen ist.

§. 218.

Weil das Eigenthum bloß durch seinenVon sich
selbst be-
wegen-
den Sa-
chen,
wenn sie
aus der
Verwah-
rung ge-
laufen.

Willen behalten wird, wenn man gleich den
Besitz verlohren (§. 205.); so verbleibet
eine sich bewegende Sache unser, wenn
sie gleich aus unser Verwahrung
kommt, oder ein Thier, oder Vieh
wegläuft;
folglich bleibt auch in diesem
Falle ein wildes Thier unser, so lan-
ge als man dasselbe unterscheiden kann.
Wenn man es
aber, nachdem es weg-
gelaufen, auf keine Weise mehr un-
terscheiden kann,
und also nicht gewiß er-

weisen
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des Eigenthums.
§. 217.

Weil man eine Sache ſich zugeignet hat,Von Zu-
eignung
der wil-
den Thie-
re.

ſo bald man ſie in den Stand gebracht, daß
man ſie ergreifen kann (§. 212.); ſo hat
man ein wildes Thier ſich zugeeignet,
folgends iſt es ſeine; wenn man Netze
ausgeſtellet an dem Orte, wo man das
Zueignungsrecht hat, und daſſelbe
ſich verſtrickt, daß es nicht davon kom-
men kann; oder wenn es durch Werck-
zeuge, die beſchaffen ſeyn moͤgen, wie
ſie wollen, dergeſtalt feſt gehalten wird,
daß es nicht entfliehen kann; oder
wenn man es durch einen Schuß ge-
faͤllet, oder alſo verwundet, oder er-
muͤdet hat, daß es nicht entfliehen
kann.
Eben dieſes gilt auch von dem Wil-
de, welches in einem umzaͤunten Walde ein-
geſchloſſen iſt.

§. 218.

Weil das Eigenthum bloß durch ſeinenVon ſich
ſelbſt be-
wegen-
den Sa-
chen,
wenn ſie
aus der
Veꝛwah-
rung ge-
laufen.

Willen behalten wird, wenn man gleich den
Beſitz verlohren (§. 205.); ſo verbleibet
eine ſich bewegende Sache unſer, wenn
ſie gleich aus unſer Verwahrung
kommt, oder ein Thier, oder Vieh
weglaͤuft;
folglich bleibt auch in dieſem
Falle ein wildes Thier unſer, ſo lan-
ge als man daſſelbe unterſcheiden kann.
Wenn man es
aber, nachdem es weg-
gelaufen, auf keine Weiſe mehr un-
terſcheiden kann,
und alſo nicht gewiß er-

weiſen
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[137/0173] des Eigenthums. §. 217. Weil man eine Sache ſich zugeignet hat, ſo bald man ſie in den Stand gebracht, daß man ſie ergreifen kann (§. 212.); ſo hat man ein wildes Thier ſich zugeeignet, folgends iſt es ſeine; wenn man Netze ausgeſtellet an dem Orte, wo man das Zueignungsrecht hat, und daſſelbe ſich verſtrickt, daß es nicht davon kom- men kann; oder wenn es durch Werck- zeuge, die beſchaffen ſeyn moͤgen, wie ſie wollen, dergeſtalt feſt gehalten wird, daß es nicht entfliehen kann; oder wenn man es durch einen Schuß ge- faͤllet, oder alſo verwundet, oder er- muͤdet hat, daß es nicht entfliehen kann. Eben dieſes gilt auch von dem Wil- de, welches in einem umzaͤunten Walde ein- geſchloſſen iſt. Von Zu- eignung der wil- den Thie- re. §. 218. Weil das Eigenthum bloß durch ſeinen Willen behalten wird, wenn man gleich den Beſitz verlohren (§. 205.); ſo verbleibet eine ſich bewegende Sache unſer, wenn ſie gleich aus unſer Verwahrung kommt, oder ein Thier, oder Vieh weglaͤuft; folglich bleibt auch in dieſem Falle ein wildes Thier unſer, ſo lan- ge als man daſſelbe unterſcheiden kann. Wenn man es aber, nachdem es weg- gelaufen, auf keine Weiſe mehr un- terſcheiden kann, und alſo nicht gewiß er- weiſen Von ſich ſelbſt be- wegen- den Sa- chen, wenn ſie aus der Veꝛwah- rung ge- laufen. J 5

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Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754, S. 137. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/173>, abgerufen am 25.08.2019.